Liebevolle Aufmerksamkeit

Auszug aus Re-Source – Metaphern für Lebendigkeit von Dittmar Kruse

Buchcover Re-Source – Dittmar Kruse

Der Inbegriff liebevoller Aufmerksamkeit ist die neugie­rige, staunende Aufmerksamkeit eines Babys, für das alles ein Wunder ist. Es liebt dieses Wunder, diese staunende Art, die Welt kennenzulernen. Diese unfassbare Lebendig­keit des Moments ist sein Himmel auf Erden.

Wir lieben das – noch immer. Wir erleben es meist nicht so intensiv wie als kleine Kinder, und vielleicht auch seltener (wir haben ja auch keine Zeit für so was). Aber wir erleben das Wunder in anderen Formen. Wenn wir Spaß haben, fühlen wir das Sprudeln der Quelle. Wir fühlen es, wenn wir ›ergriffen‹ oder gerührt sind, wenn wir genießen, wenn wir glücklich sind … In unserem Experiment Die Essenz von Ressourcen haben wir uns an solche Formen erinnert.

Es gibt Musik, die ich hundertmal gehört habe, und die für mich immer wieder der Himmel auf Erden ist – (fast) jedes Mal ein neuer Himmel. Und wir erleben das Wunder, wenn wir uns verlieben. Wir lieben es, uns näher und tiefer kennenzulernen. Das heißt nicht, dass wir uns ›bekannt machen‹, bis wir denken: »Kenn ich schon, interessiert mich nicht.« – auch wenn das in Beziehungen so kommen kann.

Sich verlieben heißt: Ich liebe es, dir Aufmerksam­keit zu schenken, mich anzuvertrauen und mich vertraut zu machen, deine Lebendigkeit zu fühlen, deine Schönheit zu entdecken. Lieben heißt, nicht damit aufzuhören.“

Quelle: Re-Source – Metaphern für Lebendigkeit.

 

Urlaub vom Soll

Leseprobe aus Anker im Jetzt – von Dittmar Kruse

Wahrscheinlich gibt es Situationen in deinem Leben, in denen es darum geht, Vorgaben zu erfüllen, zum Beispiel in der Arbeit. Und wahrscheinlich hast du auch Ziele: Erfolg, Gesundheit, Wohlstand, eine schöne Beziehung …

Egal was die Vorgaben, Ziele oder Bedingungen sind: Du kannst ihnen immer wieder auch eine Pause gönnen. Du kannst Urlaub von ihnen machen und frei von ihnen sein. Für viele Menschen scheint es gefährlich, ihre Wünsche loszulassen, als würden sie auf ihre Erfüllung verzichten, wenn sie nicht permanent darauf bestehen. Aber jede Nacht im Tiefschlaf sind wir ganz bedingungslos, wir streben nichts an, kontrollieren nichts – und am nächsten Tag können wir die Wünsche, Ziele und Projekte frisch und ausgeruht wieder aufnehmen und weiter verfolgen. Also gönn dir diese Auszeit von Zielen, von jedem Herbeiführen oder Loswerden, auch wenn du wach bist … nur für eine Weile, nur für jetzt.

Wenn es um Bedingungslosigkeit, Offenheit und Vertrauen geht, dann sucht das Denken gerne nach Situationen, in denen das riskant oder dumm wäre. Lass ihm das ruhig; du musst nicht diskutieren. Stattdessen kannst du nur für jetzt schauen: Ist dies ein Moment, in dem du dir frei nehmen kannst von Vergangenheit und Zukunft – vielleicht für eine Minute, vielleicht für eine Stunde?

Kannst du Pause machen vom Versuch, dich oder jemanden oder das Leben zu etwas zu bringen oder vor etwas zu schützen? Das Denken mit all seinen Vorgaben kann wie ein Werkzeug sein, das du weglegen kannst – und wenn du es brauchst, auch wieder aufnehmen kannst.

Wünschst du dir Freiheit? Wie soll Freiheit möglich sein ohne Freiheit fürs Erleben? Wünschst du dir Liebe? Was wäre Liebe ohne Willkommen?

Wenn du willst, dass es dir gut geht, dann ist es sinnvoll, die Vorstellungen, wer oder was du bist und was du brauchst, für den Moment beiseite zu lassen und Pause zu machen von allem, von jedem Thema. Dann kannst du ganz neu und ergebnisoffen fühlen: Was ist jetzt lebendig? Was ist Jetzt?

⚓ Erkunden ohne Vorgaben

Um das Jetzt zu erleben, hilft es, alle Vorgaben, wie es sein sollte oder nicht sein sollte, beiseite zu lassen.

Stell dir vor, du könntest dich ins Erleben eines ganz anderen Tiers hineinversetzen; du könntest dich in eine Wespe einfühlen oder in einen Tintenfisch. Dann würden alle menschlichen Vorstellungen, die wir über dieses direkte Tintenfisch-Erleben legen, die Forschungsergebnisse verfälschen und verzerren. Wenn wir sagen würden: „Das ist viel zu wabbelig und zu weich, und erst mal müssen wir diese vielen Arme symmetrisch anordnen, und wie unterscheidet man eigentlich Arme und Beine?“ – dann würde das Tintenfisch-Erleben seine Frische und Einzigartigkeit und Stimmigkeit verlieren.

Und wenn wir uns in eine Wespe hineinversetzen könnten, dann würden wir entweder anhand unserer menschlichen Vorgaben korrigieren wollen: „Das sind zu viele Beine, und was soll ich mit Flügeln? Außerdem fühlt sich das alles viel zu unbeweglich an!“ … – oder wir würden unvoreingenommen und ergebnisoffen erleben, wie es ist, eine Wespe zu sein; wir würden einfach staunen über diese Art der Lebendigkeit. Je weniger Vorgaben wir haben, desto interessanter wird das Erleben, und desto reicher sind unsere „Daten“, unsere Sinneseindrücke.

Jetzt stell dir das umgekehrt vor: Gerade warst du noch ein Tintenfisch, und jetzt hast du die Chance zu erkunden, wie es sich anfühlt, ein Mensch zu sein. Und zack! bist du da, als dieser Mensch. Du hast keine Vorstellung, wie die Atmung sein sollte, keine Vorgabe, dass irgendetwas symmetrisch oder entspannt oder gerade sein müsste, keine Kriterien zu erfüllen. Es ist einfach nur Staunen und Interesse: So ist es, ein Mensch zu sein.

Woran merkst du zum Beispiel, dass dieser Mensch lebt? Wie merkst du Lebendigkeit?

Da gibt es etwas zu fühlen, das ist ein sehr klarer Hinweis auf Lebendigkeit. Wohin auch immer die Aufmerksamkeit sich wendet, fühlst du Energie, und da sind Bewegungen spürbar. Und das wird nicht von außen bewegt, sondern es bewegt sich von innen, von selbst.

Ohne Vorgaben: Fühlt sich der Organismus an wie eine Menge Einzelteile, wie aus Lego zusammengesetzt, oder wie ein Zusammenwirken von vielen Lebewesen oder „Lebendigkeiten“, wie ein Ameisenhaufen – oder fühlt er sich wie ein Ganzes an, eine einzige Lebendigkeit in all den Empfindungen?

Da ist der Organismus, und dann ist da noch alles, was er erlebt: die Farben, die Klänge, die Temperatur im Raum … An welchen Stellen berühren wir die Welt, nicht nur die Luft, sondern etwas Festes? Den Boden, den Stuhl? Da sind diese Grenzfälle: Unsere Kleidung, mit der wir auch die Welt berühren und die gleichzeitig schon die Welt ist, die wir berühren … Und da gibt es auch unbekleidete Stellen, nackte Haut. Wie fühlt sich der Unterschied an zwischen bekleidet und nackt?

Bei all diesen Erkundungen gibt es kein „Richtig oder Falsch“, kein „Besser oder Schlechter“. Es geht einfach nur darum, dem Erleben Aufmerksamkeit zu schenken, genau so wie es jetzt gerade ist. In zehn Sekunden kann es ganz anders sein.

Zu fühlen ohne von vornherein eingreifen zu wollen gibt dem Organismus klare Informationen und die Freiheit, das Erleben auf seine natürliche Art zu integrieren.


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    Panikattacken und andere Metaphern

    Leseprobe aus Re-Source: Metaphern für Lebendigkeit
    Mehr zum Buch auf der BuchseiteNLP-Buch Re-Source: Metaphern
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    Metaphern: befreiend oder einengend

    Es gibt keine ›falschen‹ Metaphern, sondern hilfreiche und nicht hilfreiche; welche, die uns Klarheit vermitteln und interessante Spielräume eröffnen – und welche, die uns verwirren und einengen. Ein Beispiel: Der Begriff ›Panikattacke‹ wird in der Psychologie oft verwendet, als wäre er keine Metapher, sondern eine genaue Beschreibung. Aber er übersetzt starke Angst-Gefühle, die plötzlich aufkommen (zum Beispiel Herzrasen, Schwitzen, Anspannung und schnelle, eingeengte Atmung), in eine ›Attacke‹: in einen Angriff. Damit sind auch Feindschaft und Bedrohung impliziert: Etwas ›attackiert‹ dich.

    Alternative Metaphern

    Eine alternative Metapher wäre zum Beispiel eine ›Welle von Gefühlen‹. Dann kommt es darauf an, ob diese große, plötzliche Welle über dich hereinbricht wie über ein Schiff, das ins Schlingern kommt – oder ob du dich als Surfer erlebst, der auf dieser Welle reiten kann und will. Vielleicht erlebst du dich auch als Meer, das von seinen Wellen nicht beschädigt wird: als Durchlässigkeit, die der Gefühlswelle nichts entgegenstellt, als Raum, in dem die Welle aufbrandet und wieder abebbt.

    Noch eine andere Metapher wäre ein ›Panikschauer‹ oder ›Gefühlsschauer‹ – wie ein plötzlicher Regenschauer. Wir werden nass und vielleicht wird uns kalt. Und nach ein paar Minuten ist es wieder vorbei. Vielleicht können wir uns auch unterstellen und abwarten, bis der Regen wieder aufhört (die Panik dauert meistens nur ein paar Minuten). Und vielleicht gibt es auch Vorzeichen, die wir bemerken können, wenn wir darauf achten: aufziehende Wolken.

    Den Fokus ändern

    In diesen Varianten kommt kein Opfer vor, das attackiert wird, und niemand, der sich dem Gefühl entgegenstellt oder dagegen wehrt und davon überwältigt wird. Was aber in keiner dieser Metaphern vorkommt, ist unser eigener Beitrag zur ›Attacke‹, zur ›Welle‹ oder zum ›Schauer‹. All diese Umschreibungen ignorieren den inneren Prozess, die Haltung und die Gedanken, die zur Panik führen: »Oh Gott, bloß nicht …«

    Eine Metapher dafür wäre zum Beispiel ein Regisseur, der eine Szene möglichst angsteinflößend darstellt. »Was willst du auf gar keinen Fall? Stell dir das vor und fokussier dich darauf! Mach diese Vorstellung groß und nah, um möglichst viel Dramatik zu erzeugen! Sag dir ›Ohgottogott!‹ oder ›Oh nein!‹ – das, was dich am meisten stresst! – nein, sag es nicht nur, SCHREI es innerlich! Wiederhol das immer wieder – und immer schneller!« (Im NLP heißen diese Unterscheidungen in der Darstellungsweise ›Submodalitäten‹.)

    Wenn wir uns die Darstellungsweise bewusst machen, die Angst erzeugt, dann finden wir Alternativen: Wir können als Regisseur den Fokus auf Gelassenheit legen statt auf Panik. Wenn du einen Werbefilm für Gelassenheit drehen würdest, für ›ruhig und präsent‹, welche Darstellungsweise würdest du wählen, welche Submodalitäten? Statt den Blick zu verengen und in eine Befürchtung hineinzuzoomen, wäre zum Beispiel ein Herauszoomen in eine ›Totale‹ sinnvoll: ein weiter Blick auf das, was jetzt wirklich sichtbar und hörbar da ist. Und eine ruhige innere Stimme, die gegenwartsbezogene Fragen stellt.

    »Wie fühlen sich die großen Zehen an, wenn sie gegen den Boden drücken, und wie die kleinen Zehen?« Solche Fragen erweitern die Aufmerksamkeit aus der Verengung und Erstarrung heraus; sie geben uns das Gefühl für den ganzen Körper und für einen festen Stand; sie bringen die ›Erdung‹ zurück.

    Interesse am Erleben

    Du bist Multimedia-Regisseur in allen Sinnen. Die Frage »Was rieche ich gerade?« kann die Aufmerksamkeit auf ein anderes ›Gleis‹ bringen und in ein neues, angstfreies Sinnessystem erweitern – und gleichzeitig wird die Atmung mühelos frei und weit. Außerdem atmest du durch die Nase ein statt wie viele Menschen in Panik durch den Mund. Und dann atmest du auch wieder aus! Zum Beispiel, indem du »Pfffffffff!« sagst; das ist dann durch den Mund – und es ist auch ein viel besserer Kommentar als »Ohgottogott!«

    Das Interesse daran, wie es zur Panik kommt, und was wir dabei wirklich erleben und tun, bringt Alternativen ins Spiel. Wo vorher ein Muster ablief, öffnet sich ein Spielraum. Statt uns gegen ein Gefühl zu wehren – und uns dann hilflos, überfordert und ausgeliefert zu fühlen – wenden wir uns dem Geschehen zu. Das ist eine fühlbare energetische Veränderung: Neugier kommt ins Spiel, Forschergeist.

    ›Panik‹ ist übrigens auch eine Metapher: Im alten Griechenland war das der Schrecken und die Verwirrung, die Menschen und Tiere überkommen konnte, wenn Pan sich zeigte, der Gott der Wildheit und Wildnis, der Natur, der Lust und der Musik.

    Mehr dazu im Buch »Re-Source: Metaphern für Lebendigkeit«

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      Du bist, was fühlt

      Auszug aus Re-Source – Metaphern für Lebendigkeit von Dittmar Kruse

      Buchcover Re-Source – Dittmar Kruse

      „Da ist etwas, das fühlt. Etwas, das den Moment fühlt, das Liebe und Schönheit in ihm fühlen kann. Es geht nicht nur um Überleben. Angenommen, du könntest hundert Jahre im Koma zubringen: Du bist in Sicherheit, du wirst versorgt, du hast keine Schmerzen und keine Angst – du überlebst, nur erlebst du nichts. Würdest du das wollen? Du wärst nicht da: Du bist, was fühlt. Selbst wenn du bei Bewusstsein wärst und alles auf der Welt hättest, Gesundheit, Reichtum, Erfolg, den perfekten Partner – ohne Gefühl wäre es wertlos.“

      Quelle: Re-Source – Metaphern für Lebendigkeit.

      Klarheit ohne Worte

      Auszug aus Re-Source – Metaphern für Lebendigkeit
      von Ditt⁠mar Kruse

      Buchcover Re-Source – Metaphern für Lebendigkeit von Dittmar Kruse

      Klarheit braucht keine Worte – wir können nicht einmal den unterschiedlichen Geschmack von Äpfeln und Birnen in Worte fassen.

      Klarheit muss auch nicht blitzartig kommen und nicht wie ein Donnerschlag. Sie kann sich ganz subtil zeigen, wie eine leise Stimme oder wie Kerzenlicht oder eine zarte Berührung.

      Sie muss dich nicht packen und nicht überwältigen. Du bist nicht darauf angewiesen, dass sie dich mitreißt, wenn du Füße hast, die zu ihr wollen. Wenn du aus Liebe zu ihr gehst, reicht es, wahrzunehmen, woher Klarheit kommt, um dich an ihr zu orientieren.

      Quelle: Re-Source – Metaphern für Lebendigkeit.


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        Metaphern für den Körper

        Auszug aus Re-Source – Metaphern für Lebendigkeit
        von Ditt⁠mar Kruse

        Buchcover Re-Source – Metaphern für Lebendigkeit von Dittmar Kruse

        Es gibt viele Metaphern für den Körper: Wir sprechen vom ›Brustkorb‹, als würden die Rippen einen Korb bilden. Ein Korb ist ein fester, statischer Behälter – hier besteht er statt aus Weidengeflecht aus Rippen. (Das englische Wort ›ribcage‹ – Rippenkäfig – ist noch fester und weckt Vorstel­lun­gen von Eingesperrt-Sein.) Wie würde sich das Erleben mit einem Begriff wie ›Rippenfächer‹ ändern? Die Rippen wären jetzt beweglich; sie könnten sich auffächern und wieder zusammenschieben. Noch dynamischer und flexibler wäre eine ›Rippenhand‹: Jetzt sind die Rippen wie Finger, die sich einzeln voneinander weg und zueinander hin bewegen können.

        Quelle: Re-Source – Metaphern für Lebendigkeit.


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          NLP: Verständnis vor Technik

          Auszug aus Re-Source – Metaphern für Lebendigkeit
          von Ditt⁠mar Kruse

          Buchcover Re-Source – Metaphern für Lebendigkeit von Dittmar Kruse

          Im Wesenskern ist NLP viel mehr als nur eine Sammlung von Techniken und eine ›Wenn-dann‹-Orientierung: »Wenn der Patient eine Phobie hat, dann nimmst du die Phobie-Technik«. Seine Essenz liegt nicht im ›Beherrschen‹ von zehn oder hundert Techniken, ebenso wenig wie die Essenz von Musik im ›Beherrschen‹ von Tonleitern liegt oder im Auswendig-Können eines Repertoires.

          Das wesentliche Element ist Verständnis. Wenn wir verstehen, wie und warum die Techniken wirken, erkennen wir sie als Beispiele, die wir flexibel an die konkrete Situation anpassen können. Das bedeutet, zu verstehen, wofür sie stehen. Was ist der Grundgedanke, das Prinzip, die Metapher, aus der sich die Technik ergibt?

          Quelle: Re-Source – Metaphern für Lebendigkeit.


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            Ausrichtung aufs Bewusstseinsfeld

            Auszug aus Re-Source – Metaphern für Lebendigkeit
            von Ditt⁠mar Kruse

            Buchcover Re-Source – Metaphern für Lebendigkeit von Dittmar Kruse

            Der Unterschied zwischen der Ausrichtung auf ein äußeres Ziel und der Ausrichtung auf das Bewusstseinsfeld ist, dass es nicht darum geht, irgendwo hinzukommen, sondern in diesem Feld bewusst zu sein und in diesem Bewusstseinsfeld zu bleiben. ›Willenskraft‹ wird einfach, wenn dir klar ist, welchen Fokus du liebst: welche Erlebensweise du liebst, weil du in ihr Liebe, sinnliche Klarheit und Ganzheit fühlst.

            Quelle: Re-Source – Metaphern für Lebendigkeit.


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              Klarheit statt Altgier

              Auszug aus Re-Source – Metaphern für Lebendigkeit
              von Ditt⁠mar Kruse

              Buchcover Re-Source – Metaphern für Lebendigkeit von Dittmar Kruse

              Wie können wir erkennen und verwirklichen, was sinnvoll und schön ist? … Dafür brauchen wir möglichst klare, unverzerrte Wahrnehmung. Sie entfaltet sich in unserer natürlichen Neugier, die uns den Moment frisch erleben lässt – nicht in der ›Altgier‹ der Gewohnheiten, die alles als schon bekannt abstempelt und alte Erklärungen statt Klarheit sucht. Neugier auf die Möglichkeiten, die dieser Moment bereithält. Lust darauf, diesen Spielraum zu erkunden und diese Möglichkeiten zu verwirklichen. Freude daran, in diesem Spielraum präsent zu sein, mit unserer ganzen Aufmerksamkeit. Nicht mit voller Aufmerksamkeit, sondern mit leerer Aufmerksamkeit – empfänglich und durchlässig wie leerer Raum.

              Quelle: Re-Source – Metaphern für Lebendigkeit.



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                NLP-Technik: Zwangsgedanken / Swish in mehreren Sinnessystemen

                Fragen und Antworten zur NLP-Technik „Swish“, zur Anwendung bei Zwangsgedanken und zum Swish in verschiedenen Sinnessystemen. Zum besseren Verständnis empfehle ich, vorher das Swish-Video anzuschauen und/oder diesen Text über die Swish-Technik zu lesen.
                Link zum Swish-Video
                NLP-Swish: Variationen


                Hallo Herr Kruse,

                herzlichen Dank dafür, dass Sie Ihr Wissen mit allen teilen!
                Ihr Swish-Video hat mir sehr gut gefallen.

                Ich bin selber Heilpraktikerin für Psychotherapie und NLP Master. Derzeit sammle ich Ideen, wie ich eine Patientin unterstützen kann, die stark unter verstörenden Zwangsgedanken leidet, die auch zum Suizid auffordern. Sie hat ihre Psychopharmaka nach 7 Jahren Dauermedikation vor einem halben Jahr schleichend abgesetzt. 

                Ich kenne die Swish-Technik bisher nur mit Bildern, auch Richard Bandler hat immer so lange bei seinen Probanden gesucht, bis er das auslösende Bild fand.
                Meine Patientin hat aber kein Bild dazu, sondern diese Stimme im Kopf. Wie genau würden Sie hier den Swish anwenden? Die Stimme leiser werden lassen, die Zielstimme laut? Da jeder Mensch ein anderes Leitsystem hat, kann ich nicht mit jedem mit Bildern arbeiten.

                Hallo …,

                danke für Ihre Anfrage! Ich freue mich, dass Ihnen das Video gefällt.

                Zuerst mal: Ich gehe davon aus, dass Sie die Rechtslage beim Thema „Suizidgedanken“ kennen und berücksichtigen.

                Zum Thema „Leitsystem“: Inzwischen sagen sowohl Richard Bandler als auch John Grinder unabhängig voneinander, dass sie das Konzept von Leitsystemen und visuellen oder auditiven oder kinästhetischen „Typen“ als einen der größten Fehler der NLP-Frühgeschichte ansehen … oder empfinden … 🙂

                Ich würde es so beschreiben: Manche Menschen vertrauen mehr auf bestimmte Sinne oder schenken ihnen mehr Aufmerksamkeit. Die weniger beachteten Sinne sind aber aktiv und einsatzbereit (und oft sogar ein schnellerer Weg raus aus den gewohnten Wahrnehmungsmustern, raus aus der gewohnten Landkarte, rein ins „Unbewusste“).

                Ich habe auch noch keinen Patienten getroffen, der nicht visualisieren konnte. „Wie würde Friedrich Merz in einem Brautkleid aussehen?“ – zack, da ist ein Bild. „Ein Pferd, das auf Wolken läuft?“ … Mir scheint, dass das Hindernis beim Visualisieren eher Erwartungen und Vorstellungen sind, dass die Bilder detailliert bis fotorealistisch sein müssten statt skizzenhaft oder Picasso-artig oder so wie sie eben sind, wenn wir sie anschauen.

                Wenn Sie mit Bildern arbeiten möchten, könnten Sie also zum Beispiel fantasieren lassen, wie der/die/das aussieht, was da spricht und zum Suizid auffordert („Lass es Gestalt annehmen, lass im Unbewussten ein Bild klar werden …“).

                Damit wären wir dann nahe an der Teile-Arbeit. Das könnte ein Zugang zur Guten Absicht sein, die ich auf alle Fälle erfragen würde, ob mit oder ohne Bild und mit oder ohne „Teil“: Wenn sich die Patientin umbringen würde, welcher Wunsch oder welches Bedürfnis würde dadurch erfüllt? Wovon wäre sie dann erlöst? (Z. B. „Keine Sorgen mehr, keine Schmerzen, kein Stress …“) Welcher Zustand würde dadurch möglich? (Z. B. „Ruhe in Frieden“).

                Dadurch könnte klar werden, dass es der Stimme ursprünglich darum geht, etwas Positives zu erreichen, nämlich z. B. Ruhe und Frieden. Und – jetzt sind wir beim auditiven Swish – dann könnten Sie der Stimme helfen zu sagen, was sie eigentlich will, statt sich auf eine Vorgehensweise festzulegen, die so drastisch einschränkend wirkt wie Suizid. Aus „Mach endlich Schluss!“ könnte z. B. werden: „Mach endlich Schluss mit dem Stress!“; aus „Ich will nicht mehr!“ könnte „Ich will in Frieden leben!“ werden. Wie immer beim Swish würden Sie das in den gegebenen Submodalitäten einüben (z. B. an derselben Stelle im mentalen Raum) und bei jeder Wiederholung schneller vom alten zum neuen Inhalt übergehen.

                Jetzt haben wir einen visuellen und einen auditiven Ansatz besprochen, lassen Sie uns noch das Fühlen mit hinzu nehmen: Meiner Erfahrung nach sind Zwangsgedanken nicht die ganze Zeit über da, sondern melden sich in angespannten Stimmungen, also wenn der Organismus gestresst ist. Zwangsgedanken sind an Stress geankert. Wie kommt es zu diesem Stress? Welche Situationen (bzw. welche Gedanken in diesen Situationen) stressen? Die Zwangsgedanken können also als Signal dafür genommen werden: Da ist gerade unnötig viel Stress und Anspannung im Organismus. Und auch mit dieser Anspannung könnte ein Swish gemacht werden: Gibt es ein Zentrum der Anspannung? Vielleicht dort noch ein bisschen mehr anspannen, um das klar zu fühlen, und dann loslassen. Auch da ist natürlich Übung und Wiederholung hilfreich. (Und natürlich könnten Sie auch mit den Gedanken arbeiten, die den Stress auslösen …)

                Die zwanghafte Stimme könnte also als Hinweis genommen werden: Höchste Zeit, sich zu entspannen, durchzuatmen, Spannung loszulassen und abzuschütteln … Und idealerweise könnte das Gefühl oder die Stimmung, in der die Stimme kommt, erkannt und gelöst werden, bevor die Stimme überhaupt einsetzt, so wie wir das Handy aufladen können, bevor der „Akku leer“-Hinweis aufleuchtet.

                Noch etwas zum Fühlen: Zwangsgedanken halten sich ja oft gerade weil sie einen so schockierenden Inhalt haben, z. B. Gewaltfantasien. Das heißt: Sie lösen einen Schrecken oder Verstörung oder Befremden aus, jedenfalls starke negative Gefühle, die an sie geankert sind. Wir haben also: Anspannung – daran geankert: Zwangsgedanken (als Versuch der Spannungsabfuhr) – daran geankert: noch mehr Stress. Dieser „Teufelskreis“ oder diese Dynamik ändert sich, wenn die Zwangsgedanken mit Verständnis wahrgenommen werden: Nicht als innerer Dämon oder als Feind, sondern als Versuch, Spannung abzubauen, als Vorschlag, wie man sich aus der Situation befreien könnte, als Wunsch nach Freiheit, Ruhe, Entspannung … als Wohlwollen, gefiltert durch eine eingeschränkte Landkarte.

                Jetzt gießen wir bei Zwangsgedanken kein Öl ins Feuer (mehr Gedanken, mehr Stress), sondern sie werden zum Anlass und Einlass für Verständnis und Selbst-Zuwendung.


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                  Stress und Tunnelblick: Stressbewältigung mit NLP (Präsenz-Anker)

                  Ein Kapitel aus dem Buch Der Teen-Coach – NLP für Jugendliche über Stressbewältigung mit NLP. Die Beispiele lassen sich sehr leicht auf Erwachsene übertragen. Hier wird auch erklärt, was im NLP „Ankern“ heißt, und eine Methode zum Selbst-Ankern von entspannter Aufmerksamkeit und wacher Präsenz gezeigt.

                  Schon wieder viel zu spät aufge­standen? Die Haus­auf­gaben ver­gessen? Nörgelnde Eltern, ner­vige Geschwis­ter? Wenn du gestresst bist, dann schüttet der Körper Adre­nalin aus. Damit macht er sich bereit zum Kampf oder zur Flucht. Das ist ein Über­bleib­sel aus unserer bio­lo­gi­schen Geschichte; heut­zu­tage ist es zum Glück kaum noch nötig oder sinn­voll, körper­liche Gewalt einzu­setzen.
                  Aber für einen Stein­zeit­men­schen war es über­le­bens­wichtig, mit­tels dieses Adre­na­lin­stoßes blitz­schnell im Kampf­modus zu sein. Dadurch ver­engt sich auch sein Blick­feld: Er sieht nur noch mit Tunnel­blick und fixiert sich auf seinen Geg­ner oder seine Beute; alles andere ver­schwimmt im Hinter­grund. Stell dir vor, wie unser Stein­zeit-Ahne plötz­lich einem Löwen gegen­über­steht. Das wäre kein guter Zeit­punkt, sich durch die Umge­bung ablen­ken zu lassen: „Waah, ein Löwe! … aber hüb­sche Blumen wachsen hier …“
                  In Gefahren­situa­tionen ist dieser Tunnel­blick also sehr zweck­mäßig; dann kann es nötig sein, sich auf eine ein­zige Sache zu kon­zen­trieren. In unserem moder­nen All­tag begeg­nen wir aber kaum noch Löwen, und der Tunnel­blick macht es uns unnö­tig schwer, den Über­blick über die Situa­tion zu behalten.

                  Die meisten Menschen in unserer Zivi­li­sation bringen trotz­dem einen Groß­teil ihres Lebens im Stress-Modus zu! Wenn ihr Ver­hal­ten oder ihre Gedan­ken kriti­siert werden, dann fühlen sie sich per­sön­lich „ange­griffen“. Und anschließend kreisen die Gedanken um diesen Angriff: „Das hätte ich sagen sollen!“ – „So eine Frech­heit, was bildet der sich ein!“ – „Aber wenn der mir morgen wieder so blöd kommt, dann …!“ usw.

                  Der Körper bleibt im Stress-Modus, und dadurch kommt es ihm so vor, als wäre er ständig in Gefahr. Deshalb erscheint es so wichtig, weiter über die Situ­a­tion nach­zu­denken. Und so geht’s dann im Kreis: Gedan­ken erzeugen Stress, Stress erzeugt Gedan­ken. Dazu muss noch nicht einmal wirklich etwas passiert sein – es reicht schon die Vor­stel­lung, was passieren könnte!
                  Wahrscheinlich kennst du das auch. Vielleicht hattest du mal Angst vor einer Schul­arbeit oder einem Refe­rat, vielleicht hattest du Streit mit einer Freun­din oder du hattest Sor­gen, wie ein Freund sich verhalten wird …

                  Interessanterweise fällt es uns kaum auf, wenn wir mit diesem Tunnel­blick sehen! Wir haben uns so daran gewöhnt, dass wir ihn für nor­mal halten. Schon in der Grund­schule haben wir gelernt, uns zu „konzen­trieren“ – was bedeu­tete, ange­strengt auf ein Wort oder eine Zahl zu starren und alles andere in den Hinter­grund zu drängen.
                  Und weil alles andere im Hinter­grund bleibt, merken wir oft nicht einmal, dass wir über­haupt ange­strengt denken. Daher erinnern wir uns auch nicht, dass es eine Alter­na­tive gibt! Denn Konzen­tra­tion muss nicht mit  Stress und auch nicht mit Anstren­gung verbunden sein.

                  Wenn wir „in Gedanken sind“, dann richtet sich der Tunnel­blick auf einen Gedanken, dann auf seinen Nach­folger, dann auf den nächsten … Wir bleiben auf den Gedanken-Kanal fixiert, und der Rest der Welt bleibt im Hinter­grund. Dadurch erschei­nen die Gedanken-Inhalte so real. Das kann Spaß machen, wenn es sich um ange­nehme Tag­träume handelt, und es kann nützlich sein, wenn es etwas zu Planen gibt. Meistens aber erzeugt dieser Gedanken-Tunnel ein eher dumpfes, enges, unbe­frie­di­gen­des Gefühl, so als wäre man nicht ganz da.

                  Wenn „du“ in so einem Gedanken-Tunnel bist (eigentlich ist ja nur die Auf­merk­sam­keit im Tunnel, nicht du), dann ist es oft schwie­rig, die Gedanken abzu­stellen. Denn der Gedanke „Ich will nicht mehr daran denken“ ist ja auch nur ein Gedanke mehr!
                  Viel leichter ist es, einfach auf den Raum zu achten, in dem du bist, deinen Körper zu spüren, die Geräu­sche um dich herum zu bemer­ken, die Gegen­stände oder Menschen um dich herum anzu­sehen … kurz gesagt: dein Bewuss­tsein zu erwei­tern, indem du deine fünf Sinne wieder in den Vorder­grund kommen lässt. Das belebt und erfrischt, und in dieser wieder­ge­fun­de­nen geis­tigen und körper­lichen Weite haben auch die Gedanken locker Platz. Sie erschei­nen jetzt nur nicht mehr so ernst und wichtig, nicht mehr als „Wirklich­keit“, sondern werden als „nur so Gedanken“ erkannt.

                  Blackout

                  Dieser Trick, wieder mehr Raum ins Erleben ein­zu­lassen, wird dir auch helfen, wenn du mal einen Blac­kout hast, zum Bei­spiel in einer Schul­auf­gabe oder wenn du abge­fragt wirst. „Black­out“ heißt ja nichts ande­res, als dass du „den Faden ver­lo­ren“ hast: Die Gedanken­kette reißt plötz­lich ab, und es kommt nur noch der Gedanke: „Oh Gott! Oh Gott! Ich weiß nicht mehr weiter! Oh Gott!“ … in einer Endlos­schleife.
                  Wenn du in diesem Moment wieder zum Weite-Modus übergehst, dann löst sich diese Fixie­rung sofort, du hast wieder Über­blick über die Situa­tion und das Denken kann sich neu sor­tieren. Das klingt sehr einfach, und das ist es auch.

                  Dieser Weite-Modus bedeutet für den Körper: „Entwarnung! Keine Gefahr!“ – also kann er locker lassen. Und wenn du ent­spannt bist, hast du einfach mehr Über­blick, mehr Gelassen­heit, mehr Humor, mehr Flexi­bi­lität, mehr Spaß!

                  Per Schieberegler in die Gegenwart

                  Hier eine Methode, die du üben kannst (aber übe sie nicht in der Schul­auf­gabe!), um die Auf­merk­sam­keit wieder in die fünf Sinne zu lenken, so dass sie aus dem Tunnel­blick in die Weite des Erlebens zurück­kehrt (auch „Achtsamkeit“ genannt):

                  • SEHEN:

                  Lege den kleinen Finger der linken Hand auf den Finger­nagel deines rechten Zeige­fingers. Stell dir den Zeige­finger als Schiebe­regler vor, der die Inten­sität des visuellen Erle­bens anzeigt (und später steuern wird): Je mehr das Sehen bewusst wird, desto mehr fährst du den Finger entlang in Rich­tung Handgelenk.

                  Stressebewältigung mit NLP:Anker

                  Jetzt achte auf alles, was du momen­tan sehen kannst. Wieviele Farben siehst du? Wieviele Schattie­rungen? Welche runden Formen und welche eckigen? Wie sind die Abstände zwi­schen den Gegen­ständen? Welche Bewegungen siehst du? Wie weit ist dein Blick­feld? Lass es noch weiter werden!

                  Während deine Aufmerksamkeit sich immer mehr aufs Sehen richtet, fahre mit dem linken kleinen Finger lang­sam den rechten Zeige­finger herab über den Hand­rücken bis zum Hand­gelenk. Das sollte etwa zwei Minuten dauern.

                  • HÖREN:

                  Jetzt lass den kleinen Finger weg und lege statt­dessen den linken Ring­finger auf den Finger­nagel des rechten Mittel­fingers, der zum Schiebe­regler fürs Hören wird.
                  Achte auf alles, was du jetzt hören kannst: die Geräu­sche im Raum und draußen, deinen Atem, viel­leicht ein Rauschen in deinen Ohren …
                  Nimm auch hier die Abstände zwischen ver­schie­de­nen Geräuschen wahr. Achte auch auf die Stille, aus der die Klänge her­vor­tre­ten, und die beson­ders „hörbar“ wird, wenn ein Geräusch endet.

                  Während deine Aufmerksamkeit sich immer mehr aufs Hören rich­tet, fahre mit dem lin­ken Ring­finger lang­sam den rechten Mittel­finger herab über den Hand­rücken bis zum Hand­gelenk. Das sollte auch wieder etwa zwei Minuten dauern.

                  • FÜHLEN:

                  Hebe den linken Ring­finger wieder auf und lege statt­dessen den linken Mittel­finger auf den Nagel des rechten Ring­fingers – unseren Start­punkt fürs Fühlen.
                  Achte jetzt auf alles, was du fühlen kannst: den Boden unter deinen Füßen (wenn du die Füße auf dem Boden hast); deine Strümpfe (wenn du welche trägst); das Gefühl, wenn du mit den Zehen wackelst; deine Fuß­sohlen; den Raum, den deine Füße und deine Hände ein­nehmen; deinen ganzen Körper und die Stellen, wo er die Umge­bung berührt (Boden, Sitz oder Bett); die Klei­dung an deinem Körper und die Luft, die deinen Körper umgibt; die Tem­pe­rat­ur; viel­leicht ein Luft­zug; das Heben und Senken der Brust beim Atmen; die Luft, die du in der Nase spürst – kühler beim Ein­atmen und wär­mer beim Ausatmen …

                  Während deine Aufmerksamkeit sich immer mehr aufs Fühlen richtet, fahre mit dem lin­ken Mittel­finger langsam den rech­ten Ring­finger herab über den Hand­rücken bis zum Hand­gelenk. (Wie üblich: ungefähr zwei Minuten.)

                  • RIECHEN / SCHMECKEN:

                  Statt dem Mittelfinger lege als letztes den Zeige­finger der lin­ken Hand auf den Nagel des rech­ten klei­nen Fingers. Dies wird der Schiebe­regler für Riechen und Schmecken.
                  Welchen Geschmack hast du gerade im Mund? Welche Gerüche nimmst du momen­tan wahr? Wenn du willst, kannst du an ver­schie­denen Gegen­ständen riechen (Blumen, Socken …).

                  Während deine Aufmerksam­keit sich immer mehr aufs Riechen und Schmecken richtet, fahre mit dem linken Zeige­finger lang­sam den rech­ten klei­nen Finger herab bis zum Handgelenk.

                  • ALLE SINNE GEMEINSAM:

                  Bisher haben wir die ganze Aufmerksamkeit auf jeweils einen Sinneskanal gerichtet (außer beim Riechen und Schmecken, die wir zu einem „Schieberegler“ zusammengefasst haben, weil sie so eng miteinander verwandt sind). Jetzt wollen wir alle Sinne gemeinsam erleben und intensivieren.

                  Lege dazu die vier Fingerspitzen der linken Hand auf die Fingernägel der rechten Hand (so wie vorher, aber diesmal gleichzeitig). Fahre nun mit den Fingern der linken Hand die Finger der rechten Hand entlang bis zum Handgelenk. Achte dabei darauf, wie die Sinne gleichzeitig erlebt werden und wie sie „raumfüllend“, klarer, weiter und lebendiger werden.Stressbewältigung mit NLP: Anker (Uptime)

                  Ergebnisse:

                  Nach dieser Übung berichten viele Leute, wie stark sich ihr Erleben ver­än­dert hat. Hier einige Beispiele:

                  • Farben werden intensiver, satter und leuch­ten­der wahr­ge­nommen (zum Bei­spiel „knallen“ Rot-Töne viel mehr); das Sehen wird schärfer und plastischer.

                  • Viel mehr Geräusche werden gleich­zeitig gehört und können klarer loka­li­siert werden; das Gehör ver­bes­sert sich und Klänge werden lauter.

                  • Die Gedanken haben auf­ge­hört oder sind in den Hinter­grund getre­ten, und die Ner­vo­sität, die mit vielen Gedanken ver­bunden ist, hat sich gelegt.

                  • Der Körper wird als Ganzes erlebt, statt dass nur ein­zelne Körper­teile bewusst sind; ein Gefühl wacher Ruhe breitet sich aus; es ist ein Genuss, ein­fach nur da zu sein und Sinnes­eindrücke zu erleben.

                  Du kannst natürlich ganz andere Erfah­rungen machen, das ist indi­vi­duell ver­schieden. Aber wenn die Übung funktioniert hat, dann besitzt du jetzt einen Schiebe­regler, der deine Auf­merk­sam­keit sanft und schnell in die sinn­liche Gegen­wart zurück­kehren lässt, in einen Zustand von Acht­sam­keit und Präsenz.

                  Stressbewältigung NLP-Anker

                  ANKER

                  Beim ersten Durchgang war das Entlang­fahren an den Fingern nur ein Anzeiger: Je inten­siver die Wahr­neh­mung eines Sinnes­ka­nals, desto mehr fährt der Finger in Ric­htung Hand­ge­lenk. Wenn dieser Zusammen­hang aber erst mal her­ge­stellt ist, dann funk­tio­niert er auch umge­kehrt: Wenn du die Finger ent­lang fährst, dann weiß der Orga­nis­mus (oder das Unbewusste): Aha, das bedeutet, die Auf­merk­samkeit auf die Sinne zu lenken. Je öfter du die Übung mit den ein­zel­nen Fingern wieder­holst, desto stärker wird dieser Zusammen­hang und desto leich­ter und schnel­ler kannst du in diesen ent­spann­ten, wachen Zustand kommen.

                  Die Verknüpfung eines Zustands mit einem Aus­löser (in unserem Fall dem Schiebe­regler) heißt im NLP „Ankern“. Jeder Bestand­teil einer Erfah­rung (also jeder Sinnes­ein­druck, der zu dieser Erfah­rung gehört) kann die ganze Erfah­rung wieder hervor­rufen: Die Erin­ne­rung ist an ihn „geankert“. Wenn du zum Bei­spiel ein Lied hörst, das in deinem letz­ten Urlaub immer in der Strand­bar lief, dann wird dieses Lied wieder Erinne­run­gen an den Urlaub wecken: Bilder vom Strand und von Leuten, die du getrof­fen hast, viel­leicht den Klang der Wellen, das Gefühl von Wärme und Sand und Salz auf der Haut … Das Lied ver­setzt dich wieder in Urlaubs­stim­mung; es ist ein Anker für Urlaubsstimmung.

                  Auch die Werbung arbeitet mit solchen Ankern: Du siehst im Fern­se­hen sexy Models, die auf einer tollen Party viel Spaß haben – und wünschst dir, auch zu diesen glück­lichen Party­gän­gern zu gehö­ren und viel Spaß mit Models zu haben. Im Werbe­clip läuft ein bestimm­ter Song und ein Pro­dukt wird dazu gezeigt. Egal ob Bier oder Kaugummi oder Handy oder Schuhe oder Shampoo – jeden­falls werden die schönen Bilder an die Party und den Wunsch, dabei zu sein, gean­kert. Im Unbewuss­ten entsteht eine Ver­bin­dung, als ob du auf die Party kämst, wenn du dieses Handy kaufst, oder als ob du zum Model würdest oder mit einem flirten würdest, nur weil du dieses Bier trinkst. Und jedes Mal, wenn du den Werbe­song hörst, werden diese Bilder in deinem Unbe­wussten wieder aktiviert.

                  Die Welt ist voller Anker

                  Die Welt ist voller solcher Anker, und das lässt uns viel­leicht Dinge kaufen, die wir nicht brauchen („Aber du hast doch schon einen mp3-Player!?“ – „Ja, aber keinen von Apple, mit dem ich mich filmen kann, wie ich gerade 3D-Fotos mache, und das live auf YouTube über­tragen kann!“). Wir können uns Anker aber auch zunutze machen, so wie wir das in der vorigen Übung getan haben.

                  Ein Anker ist wie ein Akku. Lade ihn immer wieder mal auf, indem du bewusst darauf achtest, was du gerade siehst, hörst, fühlst, riechst und schmeckst, und dabei langsam die ein­zel­nen Finger ent­lang fährst. Dann kannst du ihn umso effek­tiver ein­set­zen, wenn du mit deiner Auf­merk­sam­keit „voll da sein“ willst. Um den Anker abzu­rufen, brauchst du nur den Teil, wo du alle vier Finger gleich­zei­tig entlang fährst. Probier das mal aus, wenn du dich besser kon­zen­trie­ren willst und wenn du Gedan­ken­schleifen unter­bre­chen möchtest. Aber auch einfach so, um die sinn­liche Gegenwart (das Eis, das Bad, das Bett …) mehr zu genie­ßen. Dieser Anker kann dich auch sehr viel wacher, auf­merk­samer und spon­taner im Zusammen­sein mit jemand anderem machen!

                  Prinzipiell kann jeder Zustand geankert werden. Ob er in einer bestimm­ten Situ­a­tion wieder abge­rufen werden kann, hängt davon ab, wie gut er zu ihr passt, wie stark der Anker und wie inten­siv der momen­tane Zustand ist.
                  An Depressionen wird ein Fröhlich­keits­anker nicht viel ändern. Ein Anker ist kein Knopf, den man auf einer Fern­be­die­nung drückt und der das Pro­gramm auf jeden Fall wechselt – sondern eher eine Erinne­rungs­hilfe fürs Unbewusste, ein Ange­bot, den momentanen Zustand zu ändern.

                  Manche NLP-Bücher vermitteln den Eindruck, als sollte man ständig an seinem Zustand rum­schrauben. Das nährt den Glauben, dass du oder dieser Moment oder das Leben ständiges Nach­hel­fen und Ver­bes­sern brauchen. Meistens weiß der Orga­nis­mus aber von selbst sehr genau, welcher Zustand gerade passt, und du kannst ihm darin ein­fach ver­trauen. Du willst dich ja auch nicht um die richtige Menge Sauer­stoff im Blut kümmern müssen oder beim Gehen jedem Fuß bei jedem Schritt sagen müssen, was er tun soll. Ohne diese Ein­mi­schung läuft „es“ einfach – von selbst.

                  Wenn das Denken sich aber mal wieder in End­los­schleifen ver­hed­dert oder sich eine Gewohn­heit hart­näckig hält, dann kann ein Anker dem Orga­nis­mus helfen, die Spur zu wech­seln, sich an ande­ren Erle­bens­weisen zu orien­tieren und sich auf einen pas­sen­den Zustand zu besinnen.

                  Dittmar Kruse

                  Auf meiner anderen Website „OpenSense“ gibt es ein Video, das das Thema noch aus anderen Blickwinkeln betrachtet: Stress und Tunnelblick
                  … und hier eine andere Methode (auch als Video), um präsent und entspannt im Hier und Jetzt zu sein: Erlebensfeld der Sinne

                  Und hier gibt es Leseproben aus meinen anderen Büchern: „Re-Source“ und „Anker im Jetzt“ 


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                      Weitere Texte, Videos und mp3-Aufnahmen zu NLP-verwandten Themen und speziell zum Thema Achtsamkeit finden Sie auf meiner anderen Webseite
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                        Timelines, Zeitmanagement und die Gegenwart

                        Um Timelines zu verstehen, beginnen wir mit einem kurzen Experiment:

                        Denken Sie an ein Erlebnis in Ihrer Vergangen­heit (nehmen Sie eine schöne Erin­nerung, damit das Expe­ri­ment auch Spaß macht!) und ver­glei­chen Sie es dann mit einem ähn­li­chen Erleb­nis, das Sie für die Zukunft erwar­ten. Sie werden bemer­ken, dass diese beiden Bilder (das erin­nerte und das erwar­tete) aus vers­chie­denen Rich­tun­gen kommen. Die Zukunft liegt gedank­lich in einer anderen Rich­tung als die Ver­gan­gen­heit. Wenn Sie jetzt an meh­rere ange­nehme Erin­ne­rungen zurück­denken, dann werden Sie merken, dass auch die Chro­no­lo­gie der Ereig­nisse räum­lich darge­stellt wird, zum Beispiel: Je weiter ein Erinne­rungs­bild ent­fernt ist, desto länger ist das Ereignis her.

                        Wir denken an zeit­liche Abläufe in räum­lichen Begrif­fen. Denn interes­santer­weise sind wir selbst ja immer in der Gegen­wart; Erleben findet immer genau jetzt statt. Vergan­gen­heit und Zukunft erleben wir nur als Gedan­ken, die in der Gegen­wart auf­tauchen. Diese metapho­rische Gleich­setzung von Zeit und Raum finden wir auch in unserer Sprache: „Das liegt schon so weit zurück, bis dahin ist es noch weit, das dauert lang, das habe ich hinter mir /vor mir …“

                        Wenn Sie all Ihre Erinne­rungen und Zukunfts­erwar­tungen mit einer imagi­nären Linie verbinden, dann haben Sie Ihre Time­line entdeckt: das Ordnungs­system, das diese Bilder chrono­logisch sortiert.

                        Hier die zwei häufigsten Typen von Timelines: Bei der einen (genannt „In Time“) liegt die Vergangen­heit hinter uns und die Zukunft vor uns, so dass die Zeit­linie durch den Körper hindurch verläuft.

                        NLP Timelines: "In-Time"
                        „In-Time“

                        (Meines Wissens gibt es welt­weit nur ein einzi­ges Volk, bei dem die Vergan­gen­heit vor einem liegt und man die Zukunft hinter sich hat: die Aymara in Bolivien. Die Voraus­schau­en­den sind dort die Nostal­giker, und dauernd holt einen die Zukunft ein.)

                        Bei der zweiten Vari­ante (“Through Time“) läuft die Zeit­linie vor unseren Augen vorbei (in unserer Kultur meistens von links nach rechts).

                        NLP Timelines: "Through Time"
                        „Through Time“

                        Die Auswirkungen verschiedener Time­lines sind zu umfang­reich, um sie in diesem Text zu beschreiben. Statt­dessen gehen wir gleich zu prakti­schen Anwendungen über.

                        Timelines nützen

                        Es gibt viele Möglichkeiten, die Ordnungs­struktur von Time­lines zu nützen: Viele Menschen hatten trauma­tische Erfah­rungen (Tren­nung, Verlust, Verlet­zungen, pein­liche Situ­ationen …), an die sie immer wieder zurück­denken. Diese Erleb­nisse stehen immer wieder so nah und groß und plas­tisch vor ihrem geisti­gen Auge, als wür­den sie gerade im Moment geschehen – und entspre­chend durch­leiden sie auch wieder ähn­liche Gefühle wie damals. Es fällt ihnen schwer, diese Erin­ne­rungen hinter sich zu lassen. Der klini­sche Aus­druck dafür ist „Post­trau­ma­tische Belas­tungs­reaktion“.

                        Es scheint, als ob an der vergan­ge­nen Erfah­rung noch etwas aufzu­arbeiten sei, etwas zu klä­ren oder zu lernen. (Auch dafür bietet NLP Werk­zeuge, das führt jetzt aber zu weit). Viel­leicht fällt es dem Gehirn aber auch nur schwer, das Erlebte zeit­lich einzu­ordnen als „vergan­gen, vorbei, über­stan­den“, weil es so außer­or­dent­lich intensiv war.

                        Ein NLP-Therapeut kann seinen Patien­ten dabei unter­stüt­zen, die trau­ma­ti­sche Erfah­rung los­zu­lassen, indem er ihm den Platz auf der Time­line zeigt, wo die Erin­ne­rung hingehört. An diesem Platz kann er sie ein­ordnen, in einer Größe, die zu den „umlie­ge­nden“ Erin­ne­run­gen passt; er kann sie auch ver­blassen lassen … was auch immer sie zu einer von vielen Erin­ne­run­gen macht, die jetzt nicht mehr wichtig sind.

                        Lassen Sie uns nun zwei praktische Anwendungen durchspielen:

                        1. Technik: Gedanken aufräumen

                        Viele Leute klagen darunter, dass sie „den Kopf voller Gedanken“ haben. Diese Gedan­ken bezie­hen sich in den aller­meisten Fällen auf Vergan­gen­heit („Das hätte ich sagen sollen!“ oder „Wie konnte sie nur?“) und Zukunft („Das werde ich sagen!“ oder „Über­mor­gen muss ich sie anru­fen!“). Natür­lich kann es sinn­voll sein, Kon­se­quen­zen aus vergan­ge­nen Erfah­run­gen zu ziehen und für die Zukunft zu planen – aber wenn nur immer wieder die­sel­ben Gedan­ken kreisen, dann wird dieses Grübeln unpro­duk­tiv und quä­lend. Dann „wissen“ die Gedanken viel­leicht einfach nicht, wo sie hin­ge­hö­ren, und schwe­ben frei im Raum herum, ohne Sinn, und war­ten darauf, ein­sortiert zu werden.

                        Es ist es ein bisschen wie in einer Gespenster-Geschichte: Die Gedan­ken irren umher, weil sie keine Ruhe­stätte fin­den. Diese Ruhe­stätte ist der Ort auf der Time­line, wo sie hin­ge­hören. Wir könnten es auch als „menta­les Feng Shui“ beschrei­ben: Wir räu­men die Gedanken auf und sortie­ren sie an der rich­ti­gen Stelle ein.

                        Wenn Sie also „den Kopf voller Gedan­ken“ haben, wenn Sie grübeln und damit auf­hö­ren möchten, dann pro­bie­ren Sie fol­gen­des aus: Über­prü­fen Sie, ob es momen­tan etwas aus den Gedan­ken zu lernen gibt. Ent­hal­ten die Gedan­ken wich­tige neue Infor­ma­tionen?
                        Wenn ja, dann machen Sie sich erst klar, was Sie lernen möchten, bevor Sie die nächs­ten Schritte durchgehen.

                        Wenn nein, dann stellen Sie sich Ihre Zeit­linie vor: In welcher Rich­tung liegt „vorige Woche“, „voriges Jahr“, „meine Kind­heit“? Und wohin führt die Zukunft? Wo ist „nächste Woche“, „nächstes Jahr“, „das Jahr 2030“?

                        Nehmen Sie nun einen Gedanken, der immer wieder auf­taucht, und sor­tie­ren ihn an den Platz ein, an den er gehört. (Zum Bei­spiel gehört der Gedanke „Über­morgen rufe ich sie an!“ an die Stelle auf Ihrer Time­line, die „über­morgen“ anzeigt.)

                        NLP Zeitmanagement

                        Hier eine Zusammenfassung der Technik:

                        1. Entscheiden Sie, ob Sie sich jetzt gerade um einen krei­sen­den Gedanken kümmern möchten. Wenn ja: Gibt es etwas, das Sie tun oder lernen möchten, etwas, das Sie vor­be­rei­ten möchten? Dann tun Sie das, bevor Sie mit Schritt 2 weitermachen.

                        2. Überlegen Sie, zu welchem Zeit­punkt der Gedanke gehört.

                        3. Verschieben Sie das Gedanken­bild an die passende Stelle auf der Time­line. Lassen Sie es dabei nicht nur seine Posi­tion, sondern z.B. auch seine Größe ändern, so dass es sich in die Time­line einfügt. (Meistens muss es dazu kleiner werden.)

                        Wenn Sie wollen, können Sie jetzt zur nächs­ten Technik übergehen (die beiden Techniken funktio­nieren aber auch unab­hän­gig voneinander).

                        2. Technik: Die Aufmerksamkeit auf die Gegenwart lenken

                        Um die Aufmerksamkeit auf die Gegen­wart zu lenken, stellen Sie sich zuerst Ihre Time­line vor: in einer Rich­tung liegt die Vergan­gen­heit und in der anderen die Zukunft. Lassen Sie nun die Vor­stel­lungen und Erinne­rungen auf der Time­line ver­blassen und ver­schwim­men (sodass die Erinne­rungen ver­blassen und Sie sich nur noch ver­schwom­men erinnern). Lassen Sie die Farben aus Ver­gan­gen­heit und Zukunft in die Gegen­wart fließen, die dadurch viel­leicht in umso leuch­ten­de­ren, inten­si­veren Farben erstrahlt. Und je ver­schwom­me­ner die Bilder auf der Zeit­linie werden, desto klarer nehmen Sie die Gegenwart wahr.

                        NLP Gegenwart: Präsenz

                        Das war’s schon. Jetzt kennen Sie Ihre Time­line und einige Mög­lich­kei­ten, sie zu nützen. Außer­dem beherr­schen Sie eine Technik, um die Auf­merk­sam­keit von Gedanken abzu­ziehen und aufs „Hier und Jetzt“ zu richten.

                        Dittmar Kruse


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                          Süchte und Gewohnheiten auflösen mit dem “Swish”

                          Der „Swish“ ist eine NLP-Technik, die eine Vor­stellung durch eine andere ersetzt. Dadurch können uner­wünschte, lästige Gewohn­heiten abgelegt werden – ohne Kampf, ohne Willens­stärke: einfach, indem eine Gewohn­heit durch eine sinn­vollere ersetzt wird.

                          Am leichtesten ist es, das Prinzip hinter dem Swish am Bei­spiel einer kon­kre­ten Sucht oder Ange­wohn­heit zu zeigen; unser Bei­spiel ist „Rauchen“: Wie erin­nern wir uns, dass wir jetzt Lust auf eine Ziga­rette haben, dass es jetzt Zeit für eine Ziga­rette ist? Eine Vor­stel­lung taucht auf, ein inne­res Bild von einer Ziga­rette (oder einer Schach­tel Ziga­ret­ten). Diese Vor­stel­lung kann durch äußere Umstände geweckt werden (zum Bei­spiel eine Tasse Kaf­fee oder ein Bier, eine bestimmte Uhr­zeit, eine Umge­bung usw.). Viel­leicht ist der Aus­löser aber auch nur ein bestimm­tes Gefühl wie etwa Nervo­si­tät oder ein Unbe­hagen. Jeden­falls wird die Vor­stel­lung von Ziga­retten akti­viert und bringt ein Gefühl von Ver­lan­gen mit sich. Das Vor­stel­lungs­bild selbst ist meist so auto­ma­ti­siert, dass es unbe­wusst bleibt – das Ver­lan­gen nach Ziga­retten wird dafür um so deut­licher spür­bar! Der Swish ersetzt dieses Bild von Ziga­ret­ten durch ein sinnv­ol­le­res, so dass der Inhalt der Sucht weg­fällt und das Ver­lan­gen sich auf ein neues Ziel rich­tet. Die­ser Aus­tausch der Bil­dinhalte wird dann auto­ma­ti­siert: Der neue Bild­inhalt taucht ebenso schnell und zuver­läs­sig auf wie bisher die Vor­stellung von Zigaretten.

                          Was wäre nun ein gutes „Ziel-Bild“, das die alte Vor­stel­lung ersetzt? Wovon möch­ten Sie ebenso „unwider­steh­lich“ ange­zo­gen wer­den wie bis­her von Ziga­ret­ten? Meis­tens ist es sinn­voll, kein kon­kre­tes Ver­hal­ten zu wäh­len – das viel­leicht nicht in allen Situa­tionen pas­send wäre, in denen Sie geraucht haben. Statt­dessen den­ken Sie daran, wie Sie aus­se­hen wer­den, wenn Sie diese Gewohn­heit end­gül­tig abge­legt haben. Den­ken Sie daran, wie Sie all das in sich finden – ganz von selbst haben, was Ihnen die Ziga­ret­ten ver­spro­chen haben. Wenn also Ziga­re­tten für Sie der Inbe­griff von Ent­span­nung waren, dann machen Sie sich ein Bild von sich selbst, wenn Sie wirk­lich ent­spannt sind. Wenn Sie Ziga­re­tten als Genuss­mit­tel gese­hen haben, dann stel­len Sie sich vor, wie Sie aus­se­hen, wenn Sie ein­fach den Moment genie­ßen – das genießen, was gerade um Sie herum ist, ohne künst­liche Hilfs­mittel. Machen Sie sich ein wirk­lich klares Bild von Ihrem zukünf­tigen Ich, das keinen Ersatz mehr braucht und sich darüber freut, dass es diese Sucht end­gül­tig abge­legt hat. Ein gutes Kri­te­rium, ob Sie ein pas­sendes Ziel-Bild haben, ist, ob Sie sich freuen, wenn Sie es sich vorstellen.

                          nlp-techniken swish
                          Zielbild (neues Selbstbild)

                          Lassen wir nun dieses NEUE SELBST­BILD für einen Moment beiseite, um das ALTE AUSLÖSER­BILD zu iden­ti­fi­zieren. Wenn es also wie in unserem Bei­spiel ums Rau­chen geht, dann schauen Sie, welches Bild vor Ihrem „inne­ren Auge“ auf­tauc­hte, direkt bevor Sie Lust auf eine Ziga­rette bekamen. Mit ande­ren Wor­ten: Welche Vor­stel­lung hat Sie daran erinnert, dass es Zeit für eine Zigarette war?

                          nlp-techniken swish-ausloeserbild
                          Auslöserbild (Zigarette)

                          Achten Sie nicht nur auf den Inhalt, son­dern auch auf die Dar­stel­lungs­weise des Bil­des: Wie groß ist das Bild, wie nah oder weit von Ihnen ent­fernt (in Ihrem sub­jek­ti­ven Raum)? Welche Far­ben hat es? (Der Fach­be­griff für diese Unter­schei­dung­en heißt übri­gens „Sub­mo­da­li­tä­ten“.)

                          Blei­ben Sie für einen Moment bei diesem AUSLÖSE­RBILD – nur setzen Sie eine ganz kleine Ver­sion des „NEUEN SELBST­BILDS“, das Sie eben erschaf­fen haben, ins Zen­trum des AUS­LÖSER­BILDS. So ent­steht eine erste Ver­knüp­fung zwischen den Bild­inhalten.

                          nlp-techniken swish
                          Verbindung von Auslöser­bild (Ziga­rette) und Ziel­bild (neuem Selbstbild)

                          Nun lassen Sie das AUSLÖSER­BILD (von der Ziga­rette) all­mäh­lich klei­ner wer­den und in den Hinter­grund tre­ten, während das NEUE SELBST­BILD gleich­zei­tig grö­ßer und kräf­ti­ger wird. Am Ende ist das NEUE SELBST­BILD raum­füllend – und das ALTE AUSLÖSE­RBILD verschwunden.

                          nlp-techniken Swish-Sequenz
                          Swish-Sequenz

                          Diesen Vorgang brau­chen wir jetzt nur noch auto­ma­ti­sie­ren, so dass das AUSLÖSER­BILD letzt­lich inner­halb einer hal­ben Sekunde durch das NEUE SELBST­BILD ersetzt wird. Dazu wieder­ho­len wir den Pro­zess, dies­mal etwas schnel­ler: Sobald Sie sich das AUS­LÖSER­BILD (mit dem klei­nen SELBST­BILD in der Mitte) vor­stel­len, las­sen Sie es zusam­mens­chrump­fen und das SELBST­BILD groß, hell, plast­isch, raum­füllend werden.

                          Blinzeln Sie nach jedem Durc­hgang, um den „Swish“ abzus­chließen: Wir wollen den „Swish“ ja nur in eine Rich­tung erzeugen – von „ALT“ zu „NEU“, nicht im Kreis! Machen Sie den nächs­ten Durch­gang dop­pelt so schnell wie den vori­gen. Nach etwa 50 Durch­gän­gen soll­ten Sie nur noch eine hal­be Sekunde brauchen.

                          Anschließend testen Sie die Wir­kung: Ver­su­chen Sie, an Ziga­ret­ten zu den­ken. Was geschieht jetzt?

                          Hier finden Sie das Swish-Video mit verschiedenen Beispielen und in verschiedenen Sinnen: Sehen, Hören und Fühlen.

                          Wenn Sie Fragen zum Swish oder zu anderen NLP-Techniken haben, antworte ich Ihnen gerne.

                          Viel Spaß und Erfolg wünscht Ihnen

                          Dittmar Kruse


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                            NLP und die Schlechtfühlphobie

                            (… aus dem Newsletter …)

                            Liebe Leute,

                            auch in NLP-Kreisen gibt es oft die Einstellung, dass „negative“ Gefühle wie z.B. Traurigkeit oder Melancholie lieber nicht erlebt werden sollten. Wenn solche Gefühle auftauchen, dann wird schnell „dissoziiert“, oder das Gefühl wird „weggeswisht“, oder man sucht nach Gründen, die man beheben könnte.

                            Ist das wirklich nötig?

                            Wir haben ja auch grundlos gute Laune und brauchen keine Begründung dafür – wieso sollten wir dann nicht auch mal grund­los schlechte Laune haben?

                            Durch die Untertei­lung in „gute“ (erwünschte, ange­nehme) Gefühle und „schlechte“ (uner­wünschte, unan­ge­nehme) Gefühle entsteht eine künst­liche Spal­tung des Erlebens. Das „Schlechte“ wollen wir nur noch los­werden, und wenn das nicht gelingt, stehen wir ihm ohn­mäch­tig, hilflos „gegen­über“, und dann kommen Sorgen oder Wut dazu …

                            „Unangenehm“ ist ein Gefühl dann, wenn wir es nicht annehmen wollen (obwohl es ja schon da ist). Der Wider­stand, den wir ihm entgegen­bringen, und die Gedanken-Ketten, die dieser Wider­stand mit sich bringt, machen es erst zu einem Pro­blem und lassen es schlim­mer erscheinen, als es ist.

                            Der (verständ­liche und vergeb­liche) Wunsch, nur „angenehme“ Gefühle anneh­men zu wollen, wertet einen großen Teil des Erlebens ab.

                            Das wäre, als würden wir aus der Musik alle Moll-Tonarten verban­nen wollen oder alle dunk­len Farben aus der Male­rei. Wie flach wären dann alle Künste, wie lang­weilig die Filme, die ohne Span­nung, ohne Drama nur aus einem laaaangen Happy-End bestehen würden!

                            Dittmar Kruse


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                              NLP-Geist: Anfänger-Geist

                              (… aus dem Newsletter …)

                              Liebe Leute,

                              den Spruch ”NLP-Geist: Anfänger-Geist“ habe ich von Shunryu Suzuki geliehen (der witziger­weise trotz­dem als Zen-”Meister“ gilt); er sagt:

                              ”Im Geist des Anfän­gers gibt es viele Mög­lich­kei­ten, im Geist des Exper­ten gibt es nur noch wenige Mög­lich­kei­ten. Des­halb ist der Anfänger-Geist der wahre Zen-Geist.“

                              Manche Leute meinen, dass ein guter NLP’ler ein ”Experte“ ist, der die ”rich­tige“ Tech­nik parat hat, sobald der Klient ein Pro­blem beschrie­ben hat.

                              ”Aha, Sie haben Angst? Na, dann machen wir doch gleich mal die Phobie-Technik!“ (– was hieße, einfach das pas­sende Werk­zeug aus dem Werk­zeug­kasten zu neh­men, also aus den 30 oder 80 vor­ge­stanz­ten Tech­ni­ken die­je­nige zu wäh­len, die am bes­ten passt.)

                              Wenn das funk­tio­niert, hat der NLP’ler zwar eine Bestä­tig­ung sei­ner Vor­ge­hens­weise, aber nichts gelernt.

                              Dabei ist doch das ganze Gebiet ”NLP“ nicht durch Exper­ten ent­stan­den (nicht durch Psy­cho­logen), sondern durch ”Imper­ten“, die den alten Ansatz (mit einer gewis­sen Imper­ti­nenz) hinter­fragt und einen neuen Ansatz in die Psy­cho­lo­gie ”im­portiert“ haben.

                              Insofern ist Nicht-Wissen der wahre Forscher­geist. Der NLP-Geist ist nicht, Lösun­gen von der Stange abzu­rufen, son­dern jede Situ­a­tion ganz neu und unvor­ein­ge­nom­men zu betrach­ten, statt sie in eine alt-bekannte Schablone zu zwän­gen. ”Wusst‘ ich’s doch“ ist längst kein so pro­duk­ti­ver Gedanke wie ”Hä?“

                              Neues entsteht durch Nicht-Wissen. Ungewiss­heit ist ein Zustand der Offen­heit, des Stau­nens, der Neu­gier – kein pani­sches ”Oh Gott, ich weiß es nicht!“, son­dern ein schöner, gelas­sener Schwebe-Zustand!

                              Dass aber Ungewiss­heit oft mit nega­tiven Gefüh­len ver­bun­den ist und Gewiss­heit so über­schätzt wird, liegt viel­leicht auch an unseren Schul-Erfahrungen (und am Jauch-Gucken), wo es haupt­säch­lich darum ging, DIE eine rich­tige Ant­wort aus­wen­dig zu wis­sen. Gewiss­heit fühlt sich viel siche­rer und beque­mer an; des­halb gibt es so viele Fun­da­men­ta­lis­ten, Dog­ma­ti­ker und sons­tige Exper­ten, die ”wis­sen“, dass sie Recht haben und nie daran zwei­feln. (Siehe die letzte Presse­kon­ferenz von … na egal.)

                              Diese Art von Gewissheit entsteht durch Igno­ri­eren von anderen Mög­lich­kei­ten und ande­ren Sicht­wei­sen, durch ver­engte Wahr­ne­mung. Sie ist das Gegen­teil von NLP: ”Diese Land­karte ist die Wahrheit.“

                              Natürlich geht es primär darum, dem Klien­ten oder Patien­ten zu hel­fen, und natür­lich ist das „NLP-Raster“ dabei als Orien­tie­rung sehr hilf­reich (Was will der Klient? Welche Res­sour­cen könnte er ein­set­zen, um dieses Ziel zu errei­chen? Welche Vor­an­nah­men haben ihn bis­her davon abgehalten?).

                              Aber das ist etwas anderes, als durch ein ”Techniken-Raster“ zu schauen.

                              Am hilf­reichs­ten ist es, mit jedem Klien­ten etwas Neues zu ent­wickeln und die bis­he­ri­gen NLP-Techniken nur als Anwen­dungs­bei­spiele zu sehen.

                              Das heißt: Fragen, wirk­lich zuhören, hin­schauen, testen, warten bis sich ”das Wesent­li­che“ zeigt. (Wir reden hier natürl­ich nicht von Stun­den, sondern z.B. von den ers­ten 20 Minuten – mit der Bereit­schaft, die eige­nen Theo­rien auch weiter­hin zu tes­ten und gege­be­nen­falls an die neuen Infor­ma­tionen anzupassen.)

                              Dadurch kommt die Eleganz, mit der die wirk­li­chen Ver­än­de­run­gen oft inner­halb von weni­gen Minu­ten (oder weni­gen Wor­ten) gesche­hen, und eben nicht infolge eines Riesen-Prozesses von drei­ßig Schrit­ten (quer durch die Kind­heit in die Zukunft, mit ganz vielen Ressourcen-Ankern, acht Wahr­neh­mungs­positionen und einer ganzen Schar von Mentoren).

                              Dittmar Kruse


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                                NLP ist viel einfacher!

                                (Dieser Text aus dem Newsletter verwendet ein paar NLP-Begriffe.
                                Im NLP-Glossar werden diese Begriffe erklärt.)

                                Liebe Leute,

                                ich bekomme immer wieder Anfragen von Euch: „Wie würdest du bei … vorgehen? Was macht man, wenn …?“ – Das freut mich, NLP ist ja da, um es anzuwenden.

                                Was mir immer wieder auffällt: Manche von Euch orien­tie­ren sich manch­mal zu stark an fer­ti­gen Tech­ni­ken, das lässt es kom­pli­ziert erschei­nen. Ich denke da viel ein­fa­cher: In der Pra­xis ver­wende ich eigent­lich nie kom­pli­zierte Techniken!

                                Hier ein Beispiel (nach dem ich letzte Woche gleich zwei­mal gefragt wurde – und das in den Schul­ferien!):

                                Oft kommen Kinder mit „Konzentra­tions­stö­rungen“ zu mir. „Eigent­lich kann er’s, aber in der Schule hat er ein Brett vorm Kopf, und zuhause kann er’s wieder.“

                                Wie gehen wir um mit solchen Nominali­sie­rungen wie „Stö­rung“ oder Meta­phern wie „Brett vorm Kopf“? Am ein­fach­sten könnten wir sie über­set­zen in: Das Kind macht in dem Moment nichts, was seine Res­sour­cen ins Spiel bringen würde.

                                Zugang zu den Ressourcen finden

                                Was ist also anders in den Situa­tio­nen, wo es (rech­nen, recht­schrei­ben …) kann? Also z.B. zuhause, oder wenn’s mal gut läuft in der Schule? Vor allem: Wohin schaut das Kind, wenn es Durch­blick hat???? +? Das ist sein Zugang zu Kon­zen­tra­tion und Wis­sen, zur Res­source! Wich­tig ist also, dass es auch in der Schule dahin schaut!

                                Ich höre das oft von Eltern: „Das Kind hat AD(H)S, oder eben ‘nur’ Kon­zen­tra­tions­stö­rungen, und das zeigt sich darin, dass es wild in der Gegend herum schaut“ – ich lasse die Eltern dann auch mal eine Minute lang wild herum schauen, maxi­mal eine Sekunde pro Fokus, und lasse sie wäh­rend­des­sen rech­nen oder reden oder mir zuhö­ren: Das ist auch für sie sehr schwie­rig (was die Kin­der immer echt wit­zig finden!). Dann lasse ich die Kinder in ihre Res­source-Richtung fokus­sie­ren (mit meiner Hand oder meinem Zei­ge­fin­ger als visu­el­lem Anker: Schau dahin!) und dabei Auf­ga­ben lösen. Das Kind ist kein Pro­blem­trä­ger, son­dern hatte bis­her ein­fach nicht gelernt, wie es zuver­läs­sig an seine Res­sourcen kommt.

                                Etwas, das ihm den Zugang erschwert, ist das Alles-oder-Nichts-Denken: „Oh, jetzt ist es wieder so weit, und ich weiß gar nichts mehr!“ – das oft mit Panik-Gefüh­len und einer Art Läh­mung ver­bun­den ist. Black­out, das Brett vorm Kopf, der Faden ist geris­sen … Ach­tet auf diese Meta­phern, sie beschrei­ben das Pro­blem, also wer­den sie unser Anknüp­fungs­punkt, an den wir die Res­source anknüpfen!!! +!

                                „Blackout“: Alles wird schwarz – alles, bis auf einen blin­ken­den Punkt: den Res­source-Punkt (wo eben der Zugang zum Wis­sen und Kön­nen ist), und wenn du da hin­schaust, dann öffnet sich ein Fens­ter, und wenn du ins Fens­ter schaust, dann ist wieder alles klar.
                                Oder: Ein Black­out ist ja nur ein Moment, wie eine Ab­blende im Film, und du weißt, wohin du für die Auf­blende schauen kannst: von da kommt die neue Szene angeflogen.

                                „Das Brett vorm Kopf“: Wie groß ist es? Eher ein Brett­chen? Das Brett vorm Kopf ist eigent­lich ein Weg­wei­ser, mit einem Pfeil, der in die Res­source-Richtung zeigt.

                                „Der Faden ist gerissen“: Macht nichts, du musst dich ja auch nicht um das küm­mern, was abge­ris­sen ist (das war ja schon), son­dern darum, wo der Faden her­kommt: Er spult sich von der Wis­sens-Position her ab. Und du weißt, wo die ist: Schau, da ist der Faden!

                                Um nochmal aufs Alles-oder-Nichts-Denken zurück­zu­kommen: Unsere Kon­zen­tra­tion wan­dert immer mal weg, das ist so ihre Art, zum Bei­spiel, wenn man so eine lange E-Mail liest (oder schreibt) und dann irgend­ein Geräusch hört … So ist das halt, es geht nur darum: Das ist kein Grund zur Panik, sondern ganz natür­lich, bei jedem Men­schen, den ich kenne. Und das Pro­blem war nie, dass es mal eine Ablen­kung gab – ein Pro­blem wäre nur, wenn man den Rück­weg in die Kon­zen­tration nicht findet!

                                Die Metapher, die ich bei Kindern gerne ver­wende: Stell dir vor, dein Wis­sen, dein Können, deine Klar­heit, das ist ein Pool, so wie ein Swim­ming­pool, der jetzt um dich herum ist. Und die­sen Pool kannst du genauso auch im Klas­sen­zim­mer haben: Stell dir mal dein Klas­sen­zim­mer vor: Wer sitzt neben dir, wo ist die Tafel, wie riecht es / klingt es da, wie fühlt sich die Bank an … Und jetzt sieh all das in deinem Wis­sens­pool, das passt da locker rein, oder? Manch­mal geht man kurz raus aus dem Pool, das ist völ­lig in Ord­nung. Aber da wo du frü­her gesagt hät­test: „Oh nein, jetzt ist mein Pool weg!“ – da weißt du jetzt immer, wo du wieder in ihn rein­sprin­gen kannst. Du weißt, wo er ist (visu­eller Anker); du weißt, in welche Rich­tung du springst.

                                Ist das DIE rich­tige Tech­nik bei Kon­zen­tra­tions­stö­run­gen? Nein, nur ein Bei­spiel, eine mög­liche Vor­ge­hens­weise, die sich bei mir öfters mal aus der Situ­a­tion ergeben hat. Was ich mit diesem Bei­spiel sagen will:

                                Denkt nicht in Schritten, sondern: „Wie kann die Res­source akti­viert werden, wenn’s drauf ankommt?“ Oder anders gesagt: „Welchen Res­source-Anker brau­che ich in der Ziel-Situation?“

                                Oder, wenn Ihr es doch in Schritten haben wollt:

                                1. Finde die gewünschte Res­source (z.B. Mathe-Kompe­tenz: „Rechne das jetzt mal aus!“) und achte auf Anker (z.B. Augen­be­we­gun­gen, Haltung usw.)

                                2. Stabilisiere den Anker (z.B. auf die Res­source-Richtung zeigen als visu­eller Anker) und ändere die (Hin­ter­grund-)Sze­ne­rie z.B. in die Vor­stel­lung des Klas­sen­zimmers.

                                3. Test.

                                Ganz einfach.

                                Welches Produkt hatte den Slo­gan „Reduce to the max“? Smart!

                                (Gespräch mit der Mutter eines jungen „Patien­ten“, mit dem ich am Anfang des Schul­jahrs gear­bei­tet habe: „Und muss Ihr Sohn denn jetzt auf die För­der­schule, wie es die Rek­to­rin emp­foh­len hatte?“ – „Nein, der hat jetzt den Über­tritt aufs Gym­nasium geschafft!“)

                                Dittmar Kruse


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                                  Die neue Referenz: NLP-Ressourcen

                                  (… aus dem Newsletter … NLP: „Ressourcen“ sind nützliche Erfahrungen und Fähigkeiten, die helfen, ein Ziel zu erreichen.)NLP-Ressouren: Schatztruhe

                                  Liebe Leute,

                                  in meinem unermüd­li­chen Bestre­ben, euch das Leben leich­ter zu machen, hier wie­der eine Ver­einfachung!

                                  In Therapie und Coaching geht es darum, für einen unbe­frie­di­gen­den Lebens­be­reich eine bes­sere Orien­tie­rung zu finden.

                                  Wenn der Patient „immer so schüch­tern“ ist, heißt das, diese Ver­all­ge­mei­ne­rung auf­zu­lösen, indem er Aus­nah­men fin­det: Bei­spiele, wo er nicht schüch­tern, son­dern kon­takt­freu­dig war. Die Aus­nahme einer hin­der­li­chen Ver­all­ge­mei­ne­rung ist auto­ma­tisch eine Res­source.  Dann kann er heraus­fin­den, was in die­sen Res­source-Situa­tio­nen anders war. Wenn diese Res­source-Situatio­nen inner­lich durch­ge­spielt wer­den, dann wird auch die beson­dere Hal­tung / Ein­stel­lung / Sicht­weise wie­der erlebt, und die dazu­ge­hö­ri­gen Gefühle kön­nen an die bis­he­rige Pro­blem-Situa­tion geankert werden.

                                  Das war’s schon.

                                  Die bis­he­rige Orien­tie­rung hat nicht gut funk­tio­niert, also orien­tie­ren wir uns an einer bes­se­ren (res­source­vol­leren) Referenz.

                                  Gegenbeispiele zu Problemen sind im NLP Ressourcen

                                  * Wenn jemand Flug­angst hat: Was ist an sei­nem Den­ken / Füh­len / Erle­ben anders, wenn er Bahn fährt?
                                  * Wenn jeman­dem Moti­va­tion fehlt: Wozu ist er (viel­leicht sogar über-)moti­viert (gewe­sen)? Wie klingt da die innere Stimme, wie sieht das für ihn aus, welche Vor­stel­lun­gen tau­chen auf?
                                  * Wenn ein Paar unglück­lich mit­einan­der ist: Was waren die schöns­ten Zei­ten oder Momente in ihrer Bezie­hung? Was war da anders?

                                  Diese „Aus­nah­men“ werden von Klien­ten / Patien­ten oft abge­wertet: Das zählt nicht, im Urlaub ist man natür­lich ent­spann­ter. Was bleibt, ist aber: „Entspannt­heit ist also wich­tig dafür, dass Sie glück­lich mit­einan­der sind.“

                                  Um die Besonder­heit zu eli­mi­nie­ren, könnt ihr auch um eine Liste der bes­ten Aus­nah­men bzw. Referenz-Erfahrun­gen bit­ten (z.B. Top 5 der glück­lichs­ten Zei­ten) und dann schauen (las­sen), was all diese posi­ti­ven Erleb­nisse gemein­sam haben. Das ist in vie­ler Hin­sicht hilfreich:

                                  * Es wird deutlich, dass es viele Bei­spiele für das gewünschte Erle­ben / Ver­hal­ten gibt (ab wie vie­len Erfah­run­gen wird eine Aus­nahme zur Regel?)
                                  * Die Orien­tie­rung geht vom Problem-Bewusst­sein zum Erle­ben von Stärken
                                  * In der Paar-Thera­pie (oder auch bei sons­tigen Teams), wo die Leute sich meis­tens gegen­sei­tig Vor­würfe machen, wech­selt das Gesprächs­thema zu „Was ich an dir mag“ (was manch­mal sogar in Kom­pli­mente und Aner­ken­nung aus­ar­ten kann und der Feind­selig­keit den Wind aus den Segeln nimmt). Es wird mehr in „Wir“ gespro­chen. Viel­leicht ist es auch über­ra­schend, woran der Part­ner sich erin­nert, was ihm wich­tig war, was ihn glück­lich gemacht hat (was der andere viel­leicht schon ver­ges­sen hatte) …

                                  Ressourcen in die Zukunft übertragen

                                  Damit die neue Referenz im bis­he­ri­gen Pro­blem-Kontext zum Tra­gen kommt, ist es wich­tig, dass sie deut­lich erin­nert wird. Das könnt ihr mit Fra­gen unterstützen („Wie klang ihre Stimme dabei?“). Die Refe­renz hat kog­ni­tive und emo­tio­nale Aspekte; sie besteht aus einer Hal­tung, aus Gedan­ken, Gefüh­len und Bewer­tun­gen. (Zum Beispiel wurde dem Part­ner in der Pro­blem-Orien­tie­rung eine schle­chte Absicht unter­stellt. In der Refe­renz-Orien­tie­rung wird statt­des­sen von einer guten Absicht aus­ge­gan­gen, oder es ist Neu­gier da, wie er das wohl meint.)
                                  Dann kann das Refe­renz-Erleben gean­kert und auf die zu ver­än­dernde Situa­tion über­tra­gen wer­den, an den alten Aus­lö­ser ver­an­kert werden.
                                  Ihr spielt das mit dem Klien­ten / Patien­ten durch: Wie wäre es, in der bis­her unbe­frie­di­gen­den Situ­a­tion mit „die­sen Augen“ zu sehen, mit „die­sen Ohren“ zu hören, auf „diese Dinge“ zu achten?

                                  Alle NLP-Techni­ken sind (in meiner Auf­fas­sung, bin halt ein schlich­tes Gemüt) Vari­an­ten die­ses ganz simp­len Prin­zips einer sinn­vol­le­ren Orientierung.

                                  Hier meine Einladung für die NLP-(Semi-)Profis unter euch: Findet ihr Tech­ni­ken oder auch Pro­bleme, wo dieses Prin­zip der NLP-Ressourcen nicht wirk­sam ist? Da wäre ich gespannt. Lasst es mich wissen!

                                  Dittmar Kruse


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                                    NLP-Tipps für Diskussionen

                                    (… aus dem Newsletter …)                                  Konflikte schlichten

                                    Liebe Leute,

                                    für manche von euch ist das Thema neu, manche kennen es aus dem Kommunikations­training – aber auch wenn man es „eigent­lich“ weiß, ver­gisst man es leicht mal, wenn’s drauf ankommt.
                                    Daher hier ein paar Tipps für Dis­kus­sio­nen, Streit­ge­sprä­che, Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten, Aus­ein­an­der­set­zun­gen, Klä­rungs­ver­su­che … egal ob mit Schatzi oder Kol­le­gen oder Geschäfts­part­nern oder Verwandten:

                                    Kennt ihr das frustrie­rende Gefühl, dass der Gesprächs­part­ner (sagen wir zum Bei­spiel mal „Schatzi“) ein­fach nicht ver­steht, was ihr sagen wollt oder worum es euch geht? Na gut, dann erklä­ren wir das­selbe eben noch­mal (dies­mal etwas lau­ter, damit Schatzi bes­ser zuhö­ren kann).
                                    Was Schatzi meint, haben wir längst ver­stan­den, warum wie­der­holt er / sie sich dauernd? „Ja, schon klar, Schatzi, aber du musst doch ver­ste­hen, dass …!“

                                    Wenn ihr euch unver­stan­den fühlt, dann geht es Eurem Gesprächs­part­ner meis­tens genauso. Daher mein Tipp: Sagt nicht nur: „Ja, ich hab’s ja ver­sta­nden ( – aber …)“, son­dern fasst das zusam­men, was Schatzi gesagt hat, und fragt, ob ihr ihn / sie rich­tig ver­stan­den habt, oder ob er (uff!, ab jetzt denkt Euch das „/ sie“ dazu, ok?) etwas kor­ri­gie­ren oder ergän­zen möchte. Damit zeigt ihr, dass ihr Schatzi gehört und vers­tan­den habt, statt es nur zu behaup­ten. Ihr werdet mer­ken, wie erleich­ternd das auf Schatzi wirkt!
                                    Außerdem werdet ihr, um den Stand­punkt von Schatzi wieder­ge­ben zu kön­nen, euch in seine Lage hinein­ver­set­zen und wahr­scheinl­ich wirk­lich mehr ver­ste­hen – auch die Gefühle und Bedürf­nisse, die mit sei­ner Sicht­weise ver­bun­den sind.

                                    Bedürfnisse und Interes­sen zu ver­ste­hen erleich­tert die Eini­gung. Ohne die­ses Ver­ständ­nis beharrt man oft auf For­mu­lie­run­gen oder sieht sei­nen eige­nen Plan als „die ein­zig rich­tige Vor­gehensweise“.

                                    Dann geht es nur darum, wer gewinnt / sich durch­setzt und wer ver­liert / nach­geben muss. Aber dieser schein­bare Sieg geht meis­tens auf Kos­ten der Bezie­hung: Der „Ver­lie­rer“ fühlt sich schlecht und ist nicht gut auf euch zu spre­chen, und wird sich viel­leicht rächen. (Hey, Poesie!) In den meis­ten Fäl­len ist das Thema der Dis­kus­sion diese Ver­schlech­te­rung im Bezie­hungs­klima gar nicht wert.

                                    Aber dadurch, dass ihr Ver­ständ­nis für ihn demons­triert, könnt ihr Schatzis Frus­tra­tion den Wind aus den Segeln neh­men, und eine fried­li­che gemein­same Lösung ohne Ver­lie­rer wird mög­lich. Wenn Schatzi dieses erste Ent­ge­gen­kom­men von euch merkt und sich ver­stan­den fühlt, dann ändert sich die Stim­mung im Gespräch (fast immer in der näch­sten Minute).
                                    Die unnötige Härte ver­wan­delt sich in mehr Offen­heit. Schatzi kann ent­spann­ter und fried­li­cher spre­chen – und wird ein viel bes­se­rer Zuhörer!

                                    Jetzt könnt ihr ihn bitten, euren Stand­punkt / eure Sicht­weise wie­der­zu­ge­ben (das ist ja nur fair). So wird er eure Sicht­weise und eure Bedürf­nisse for­mu­lie­ren, sich in eure Lage hinein­füh­len, was euch das erleich­ternde Gefühl gibt, ver­stan­den zu wer­den (oder die Mög­lich­keit, Miss­ver­ständ­nisse zu erken­nen und zu korri­gieren – da, wo ihr euch unklar aus­ged­rückt habt.) Und nun gibt es keine ent­ge­gen­ge­setz­ten Posi­tio­nen mehr, kein stu­res Gegen­über, das von seinem blö­den Stand­punkt abrü­cken muss, son­dern ein gemein­sa­mes Suchen nach der bes­ten Lösung.

                                    Soweit das Ideal. Ich weiß, es kann auch anders kom­men, aber die Chan­cen für ein fried­li­ches und konstruk­ti­ves Gespräch stei­gen ganz enorm, wenn ihr erst bereit seid, zuzu­hö­ren und Ver­ständ­nis zu zei­gen, und dann erst eure Sicht­weise dar­zus­tellen. Timing ist (fast) alles.

                                    Dittmar Kruse


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                                      Was hilft bei Schmerzen? NLP als Schmerztherapie

                                      (… aus dem Newsletter. Eine ausführlichere Version findet ihr in meinem neuesten Buch „Anker im Jetzt“.)NLP: Mentaltraining bei Schmerzen


                                      Liebe Leute, was hilft bei Schmerzen?

                                      Als erstes fallen uns Schmerzmittel ein. „Zu Risi­ken und Neben­wir­kun­gen fra­gen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.“

                                      Wahrscheinlich die zweit­häu­fig­ste Maß­nahme ist der Ver­such, sich abzu­len­ken. Auch das kann hilf­reich sein, funk­tio­niert aber nur bei leich­ten bis mäßi­gen Schmerzen. Und diese ersten beiden Metho­den gehen nicht auf die Ursache des Schmer­zes ein, son­dern nur auf das Symptom selbst.

                                      Es ist aber sinn­voll, die Funk­tion des Schmer­zes zu klären: ihn als Aus­druck und Erschei­nungs­form eines wich­ti­gen und legi­ti­men Bedürf­nis­ses zu würdigen.
                                      Der Schmerz kann ein Warn­sig­nal sein („Vor­sicht bei die­ser Bewe­gung!“; „Das ist zu viel Stress!“), ein Hin­weis auf eine Stö­rung inkl. Hand­lungs­auf­for­de­rung („Geh zum Zahn­arzt! Nein, nicht irgend­wann!“), ein Hilfe­ruf oder ein Ruf nach Auf­merksamkeit.

                                      Dieses Anerkennen der „guten Absicht“ und die Ent­war­nung, nach­dem sie erfüllt ist (oder eine sanf­tere Mög­lich­keit, sie zu erfül­len), kann z.B. durch direkte Kom­mu­ni­ka­tion mit dem Symp­tom (-Verur­sacher) geschehen.
                                      Dafür bietet NLP Techniken wie das 6-Stufen-Reframing, das ich hier auf zwei Schritte redu­zie­ren möchte:

                                      1. Finde das ursprüng­li­che Bedürf­nis hin­ter dem Schmerz.
                                      2. Finde bessere Möglich­kei­ten, dieses Bedürf­nis zu erfüllen.

                                      (Zum Beispiel: „Ok, ich werde mir öfters Ruhe gönnen, dazu brau­che ich keine Migräne mehr.”)

                                      Selbst wenn die Funktion des Schmer­zes erfüllt ist, d.h. der Schmerz „eigent­lich“ unnöt­ig gewor­den ist, besteht er lei­der oft noch wei­ter fort, weil es keine klare „Ent­war­nung“ gab (die Ent­war­nung, die eben durch „direkte Kom­mu­ni­kat­ion” kom­men kann).
                                      Außer­dem gibt es im Gehirn das so genannte „Schmerz-Gedächtnis”, d.h. die neuro­­nale Ver­knüp­fung (die Schmerz­­bahn) wird immer sta­biler.
                                      Dann braucht es nur noch wenig Reiz vom eigent­li­chen Ort des Schmer­zes, damit das Gehirn sagt: „Oh, das kenne ich!” und den Schmerz auto­ma­tisch ver­stärkt.
                                      Was hilft, um aus diesem Auto­ma­tis­mus heraus­zu­kommen, ist Aufmerksamkeit.

                                      Arten der Aufmerksamkeit

                                      Wir geben diese Aufmerksamkeit oft nur wider­willig, unfrei­willig. Klar, wir wol­len keine Schmerzen. Und wenn unsere Auf­merk­sam­keit vom Schmerz erzwun­gen wird, dann füh­len wir uns ohn­mäch­tig, aus­ge­liefert.

                                      Dieser Wider­stand gegen den Schmerz („Der soll ein­fach nur weg sein!“), diese erzwun­gene Auf­merk­sam­keit äußert sich oft als zusätz­liche Anspan­nung um den Schmerz herum, die ihn noch ver­schlim­mert und fest­hält.
                                      Dazu kommt noch die gedank­liche Aus­deh­nung des Schmer­zes in Ver­gan­gen­heit („Schon wie­der!“, „Immer noch!“) und Zukunft („Das wird immer schlim­mer, wie soll das nur wei­ter­ge­hen!“), was auch wie­der zu mehr Anspan­nung führt und den Schmerz end­los und uner­träg­lich erschei­nen lassen kann.

                                      Soweit die „problema­tische“, wider­wi­llige Auf­merk­samkeit.
                                      Ganz anders wirkt aber freundliche Aufmerksamkeit.

                                      Wir erleben das im Kon­takt mit ande­ren sehr deut­lich: Wenn wir uns mit einem Pro­blem an jeman­den wen­den, worauf­hin der uns genervt anschaut (oder genervt weg­schaut) und stöhnt: „Oh Mann, was ist denn jetzt schon wieder?! MUSS das sein?!“ … dann macht uns das wahr­schein­lich nicht gerade locker, ent­spannt und flexi­bel, sondern es lässt uns im momen­ta­nen Pro­blem-Zustand ein­frieren.
                                      Das könnt ihr gern mal mit einem Kind testen. (Gell, das wür­det ihr nie machen!! So was tun wir eher uns selbst an …)
                                      Wenn wir aber ein Kind mit (körper­li­chen oder emo­tio­na­len) Schmer­zen zu uns kom­men las­sen und ihm bereit­wil­lig zuhö­ren, dann hat allein schon diese lie­be­volle, offene Auf­merk­sam­keit eine ent­span­nende, lösende, hei­lende Wirkung.

                                      Diese Art von Auf­merk­sam­keit gibt es in vie­len Vari­an­ten: Neu­gier, For­scher­geist, Ent­decker­freude, Spie­len, Stau­nen, Ver­liebtheit, …
                                      All diesen Spiel­arten der Auf­merk­sam­keit ist die frei­wil­lige, inter­es­sierte Zuwen­dung gemeinsam.
                                      Dies ist unser natür­licher Lern-Modus: der Zustand, in dem der Orga­ni­smus ein­ge­fah­rene Bah­nen ver­lässt, um etwas Neues zu erfah­ren und aus­zu­probieren.
                                      (Deswegen funk­tio­niert Ler­nen mit Freude so viel bes­ser als Ler­nen unter Zwang.) 

                                      Wir können uns mit dieser freund­li­chen, acht­sa­men Auf­merk­sam­keit dem Schmerz zuwen­den und erkun­den, was es im Moment eigent­lich ist, das wir „Schmerz“ nennen.

                                      Ist es ein Ziehen oder eher ein Druck? Von innen nach außen oder umge­kehrt? Ist es ein Pul­sieren – in welchem Tempo / Rhyth­mus? Wie ist die Tem­pe­ra­tur: heiß / warm oder kalt / kühl?
                                      Wo genau ist es im Kör­per loka­li­siert? Wo ist das Zentrum? Wie ist der Rand: scharf abge­grenzt oder unscharf oder wie an einem Meeres­strand?

                                      Diese Art der Erfor­schung löst in ganz vielen Fäl­len schon viel vom Schmerz – vor allem, wenn wir sie nicht nur als Trick ein­set­zen, um den Schmerz los­zu­wer­den, son­dern uns ihm mit ehr­li­chem Interesse zuwen­den, als etwas, das ja unser eige­ner Kör­per in bes­ter Absicht „macht“.

                                      Es kann übrigens (in der Arbeit mit Patien­ten und auch in unse­rem inne­ren Selbst­ge­spräch) hilf­reich sein, vom Begriff „Schmerz“ abzu­lassen (der den Zustand fixiert) und statt­des­sen vom „Zie­hen“ oder von der „Empfin­dung“ zu sprec­hen, so dass die nega­tive Bewer­tung weg­ge­las­sen wird und Ände­run­gen in der Empfind­ung leich­ter mög­lich werden. Denn es liegt ja in der Natur von Empfin­dun­gen, dass sie sich stän­dig ändern.

                                      Wir haben jetzt also statt z.B. „Kopf­schmer­zen“ eine Beschrei­bung wie „ein pulsie­ren­der Druck in der Mitte der lin­ken Kopf­hälfte mit Zen­trum hin­ter dem lin­ken Auge; es pul­siert unge­fähr ein­mal pro Sekunde nach außen und strahlt bis zum Nacken­an­satz und zur Stirn­mitte aus und hat die Form eines Balls. Der Ball hat einen Durc­hmes­ser von viel­leicht 3 cm und dehnt sich im Pul­sie­ren aufs Dop­pelte aus.“

                                      Das klingt nach „Ja toll, na und?“ – ist aber wie gesagt meis­tens schon die halbe Miete (und manch­mal die ganze).
                                      Denn jetzt können wir anfan­gen, mit der Empfin­dung (in unserem Bei­spiel mit dem pul­sie­ren­den Ball) zu expe­rim­en­tie­ren und Vari­a­tio­nen ins Spiel zu bringen:
                                      „Was würde pas­sie­ren, wenn das Pul­sie­ren schneller würde? Oder lang­samer? Wie würde sich die Ober­flä­che des Balls anfüh­len? Stell dir vor, dass du Frische in den Ball hinein atmest, und dass du beim Au­sat­men Luft aus ihm ablässt.“ … usw.

                                      Außerdem wird es leicht, die Empfin­dung in einen ande­ren Sin­nes­ka­nal zu über­tra­gen: „Wel­che Farbe hat der Ball?“
                                      In der visuellen Vor­stel­lung sind Ver­än­de­run­gen für die meis­ten Leute leichter als im Füh­len. „Was pas­siert, wenn die Farbe heller wird? Stell dir die Farbe als Wasser­farbe vor, und lass jetzt viel kla­res, fri­sches Was­ser hinein­lau­fen, so dass die Farbe immer mehr verdünnt wird und sich über den gan­zen Kör­per ver­teilt.“

                                      Je mehr Aufmerksamkeit aufs Sehen / Vor­stel­len geht, desto weni­ger inten­siv wird das Gefühl erlebt (was wir uns ja auch schon bei der Phobie-Technik zunutze gemacht haben).

                                      Eine weitere Möglichkeit: dem Schmerz = der Empfindung Raum geben.
                                      Es hat eine sehr inte­grie­rende Wir­kung, zu spü­ren, wel­ches Volu­men die Empfin­dung im Gesamt­raum des Kör­pers ein­nimmt.

                                      „Wie weit ist es vom Zen­trum der Empfin­dung bis zu dei­ner Nasen­spitze? Wie viel Raum ist zwi­schen der Emp­fin­dung und dei­nem Bauch­na­bel? Wie viel Raum füllt die Emp­fin­dung im gan­zen Kör­per aus? Und im ganzen Zimmer?“
                                      Das löst die Fixie­rung auf den Schmerz und bet­tet ihn ins Gesamt-Erleben des Augen­blicks ein. Dadurch ver­teilt sich die Inten­si­tät gleich­mä­ßiger, und Ver­kramp­fun­gen kön­nen sich lösen.

                                      Außerdem können wir die Emp­fin­dung z. B. mit der glei­chen Stelle auf der ande­ren Kör­per­seite ver­glei­chen („Wie fühlt sich die rechte Kopf­hälfte an? Welche Farbe wäre das?“) und die „heile“ Stelle als Refe­renz neh­men („Stell dir vor, dass diese Farbe um den Ball dort links herum fließt, ihn erfüllt und schmel­zen lässt“ – oder ein­fach: „Stell dir vor, dass die linke Seite sich immer mehr der rech­ten angleicht, wie bei einer lang­samen Überblendung“).

                                      Ok, soweit ein paar Möglich­kei­ten, es gibt natür­lich noch viele mehr.
                                      Wenn ihr grad mal so bissl Schmer­zen habt, nutzt die Gele­gen­heit, diese Tech­ni­ken zu üben!
                                      Dann könnt ihr eure Vor­erfah­rung leich­ter nut­zen, wenn’s mal hef­ti­ger wird. Also nicht „igno­rie­ren, bis es nicht mehr geht“, denn dann könnte es schwie­rig werden, die nötige Auf­merk­sam­keit auf­zu­bringen.
                                      Dasselbe gilt natürlich auch für eure Patienten.

                                      Dittmar Kruse


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                                        NLP und Körpersprache

                                        Wenn Sie jemandem begegnen, der Ihnen pausen­los in die Augen schaut, der nie­mals die Arme ver­schränkt oder die Beine über­ein­ander schlägt – dann können Sie davon aus­gehen, dass er ein Körper­sprache-Seminar besucht hat oder ein Buch über Kör­per­sprache gelesen hat.

                                        Dort wurde ihm gesagt, dass ver­schränkte Arme oder Beine „Ver­schlossenheit“ sig­na­li­si­eren (und des­halb zu ver­mei­den sind) und dass Blick­kon­takt „Offen­heit“ zeigt.

                                        Aber mehr als dass dieser Jemand ein „Rezept für erfolg­reiche Körper­sprache“ anwen­den will (und dass er Ihnen wahr­schein­lich etwas ver­kau­fen will), soll­ten Sie aus seiner Hal­tung nicht lesen.

                                        Manchmal verschränken wir die Arme, weil wir es gemüt­lich fin­den, oder weil wir war­ten, und wir unter­bre­chen den Blick­kontakt, um uns ein Bild davon zu machen, was unser Gegen­über sagt.

                                        Gerunzelte Augen­brauen bedeu­ten nicht auto­ma­tisch Wut, son­dern sie kön­nen auch Kon­zen­tra­tion oder Kopf­schmer­zen oder Kurz­sich­tig­keit anzei­gen. „X bedeu­tet immer Y“ – so sim­pel sind wir nicht! Selbst bei einem Gemälde, einer Skulp­tur, einem Lied wäre es ver­mes­sen zu behaup­ten „der Künst­ler drückt Ver­zweif­lung aus, oder Freude“ – wie­viel mehr gilt das bei einem leben­digen Menschen!NLP Körpersprache, nonverbale Kommunikation

                                        Worum geht es dann bei Körpersprache?
                                        Nicht um Interpretation, sondern um Wahrnehmung.

                                        Körpersprache bedeutet: Unsere Körper spre­chen ganz direkt mit­ein­an­der, sie brau­chen nicht den Ver­stand als Über­set­zer. Der Ver­stand bleibt beim gedach­ten „Er/sie“ – und ver­hin­dert die Nähe, die durch ein erleb­tes „Wir“ ent­steht. Damit schafft er die Dis­tanz, die er eigent­lich über­w­inden will.

                                        (Vergleichen Sie mal die Situa­tio­nen, in denen Sie über Ihren Gesprächs­part­ner „er“ oder „sie“ den­ken, mit denen, wo Sie „wir“ den­ken! Wo füh­len Sie sich woh­ler, wo ist der Kon­takt „besser“?)

                                        Sich auf den Partner ein­stel­len – „Pacen“, wie es im NLP genannt wird – heißt nicht Nach­äffen („Was macht er? Das mach‘ ich nach“ … mit der ent­spre­chen­den Ver­zö­ge­rung und Dis­tanz). Son­dern sich syn­chro­ni­sie­ren, wie beim Tan­zen einen gemein­sa­men Rhyth­mus, ein gemein­sa­mes Tempo fin­den. Auf eine gemein­same Wel­len­länge kom­men, auf der sich beide wohlfühlen.

                                        Das ist ein ganz natür­li­cher Vor­gang, wie wir ihn jeden Tag erle­ben, am deut­lichsten viel­leicht, wenn wir mit Kin­dern zu tun haben: Unsere Stimm­lage, unsere Kör­per­hal­tung, unsere Spra­che pas­sen sich auto­ma­tisch an die Erleb­nis­welt des Kindes an.

                                        Dadurch wird es auch viel leich­ter, das Gegen­über in sei­ner momen­ta­nen Stim­mung zu verstehen.

                                        Wenn Sie sich mit Ihrem Gesprächs­partn­er syn­chro­ni­sie­ren, dann mer­ken Sie ganz unmit­tel­bar Ver­än­de­run­gen in sei­nem „men­ta­len Fluss“: Wenn er an einem bestimm­ten Punkt stockt, dann stockt auch sein Atem (und an dieser Stelle kön­nen wir inne­hal­ten und über­prü­fen, ob wir etwas gesagt haben, was „den Faden rei­ßen ließ“); wenn sein Erle­ben inten­si­ver wird, dann ver­tieft sich auch sein Atem. Seine innere Hal­tung ändert sich, und damit auch seine Kör­per­hal­tung. Und wenn Sie mit ihm syn­chron sind, dann erle­ben Sie diese Ver­än­de­run­gen am eige­nen Kör­per. Denn wir haben (unbe­wusst) die Ten­denz, syn­chron zu blei­ben, die Ver­bun­den­heit auf­recht zu erhalten.

                                        Diese Tendenz kann uns auch hel­fen, unse­rem Gesprächs­partner eine Idee näher zu brin­gen: Sie anzu­neh­men fällt ihm viel leich­ter, wenn die Idee in sei­nem Tempo, in seinem natür­li­chen Fluss, in seiner Welt prä­sen­tiert wird. Dadurch erscheint sie nicht von vorn­he­rein als Fremd­kör­per, son­dern eher als pas­send und natürlich.

                                        Um lebendigen Kontakt zu erle­ben und zu genie­ßen, brau­chen wir also nichts als Wach­heit und die Erlaub­nis, uns zu syn­chro­nisieren.

                                        Wo ist dann das Problem? Wozu ein Seminar über Körpersprache?

                                        Oft sind wir zu sehr in Gedanken, zu sehr damit beschäf­tigt, Ant­wor­ten zu pla­nen, statt wirk­lich zuzu­hö­ren. Dadurch ent­geht uns das Wesent­li­che: Wenn wir die Kör­per­spra­che unse­res Gegen­übers nicht wahr­neh­men, kön­nen wir auch nicht flexi­bel auf sie reagieren.

                                        Im Kommunikationstraining und der NLP-Aus­bil­dung üben Sie diese Wach­heit und Flexi­bi­li­tät, die den Kon­takt für alle Betei­lig­ten leben­di­ger, rei­cher und interes­san­ter macht. Diese Art der Kör­per­spra­che wird sehr schnell zu Ihrer zwei­ten Natur – weil sie eigent­lich Ihre erste Natur ist.­inden will.

                                        (Vergleichen Sie mal die Situa­tio­nen, in denen Sie über Ihren Gesprächs­part­ner „er“ oder „sie“ den­ken, mit denen, wo Sie „wir“ den­ken! Wo füh­len Sie sich woh­ler, wo ist der Kon­takt „besser“?)

                                        Sich auf den Partner ein­stel­len – „Pacen“, wie es im NLP genannt wird – heißt nicht Nach­äffen („Was macht er? Das mach‘ ich nach“ … mit der ent­spre­chen­den Ver­zö­ge­rung und Dis­tanz). Son­dern sich syn­chro­ni­sie­ren, wie beim Tan­zen einen gemein­sa­men Rhyth­mus, ein gemein­sa­mes Tempo fin­den. Auf eine gemein­same Wel­len­länge kom­men, auf der sich beide wohlfühlen.

                                        Das ist ein ganz natür­li­cher Vor­gang, wie wir ihn jeden Tag erle­ben, am deut­lichsten viel­leicht, wenn wir mit Kin­dern zu tun haben: Unsere Stimm­lage, unsere Kör­per­hal­tung, unsere Spra­che pas­sen sich auto­ma­tisch an die Erleb­nis­welt des Kindes an.

                                        Dadurch wird es auch viel leich­ter, das Gegen­über in sei­ner momen­ta­nen Stim­mung zu verstehen.

                                        Wenn Sie sich mit Ihrem Gesprächs­partn­er syn­chro­ni­sie­ren, dann mer­ken Sie ganz unmit­tel­bar Ver­än­de­run­gen in sei­nem „men­ta­len Fluss“: Wenn er an einem bestimm­ten Punkt stockt, dann stockt auch sein Atem (und an dieser Stelle kön­nen wir inne­hal­ten und über­prü­fen, ob wir etwas gesagt haben, was „den Faden rei­ßen ließ“); wenn sein Erle­ben inten­si­ver wird, dann ver­tieft sich auch sein Atem. Seine innere Hal­tung ändert sich, und damit auch seine Kör­per­hal­tung. Und wenn Sie mit ihm syn­chron sind, dann erle­ben Sie diese Ver­än­de­run­gen am eige­nen Kör­per. Denn wir haben (unbe­wusst) die Ten­denz, syn­chron zu blei­ben, die Ver­bun­den­heit auf­recht zu erhalten.

                                        Diese Tendenz kann uns auch hel­fen, unse­rem Gesprächs­partner eine Idee näher zu brin­gen: Sie anzu­neh­men fällt ihm viel leich­ter, wenn die Idee in sei­nem Tempo, in seinem natür­li­chen Fluss, in seiner Welt prä­sen­tiert wird. Dadurch erscheint sie nicht von vorn­he­rein als Fremd­kör­per, son­dern eher als pas­send und natürlich.

                                        Um lebendigen Kontakt zu erle­ben und zu genie­ßen, brau­chen wir also nichts als Wach­heit und die Erlaub­nis, uns zu syn­chro­nisieren.

                                        Wo ist dann das Problem? Wozu ein Seminar über Körpersprache?

                                        Oft sind wir zu sehr in Gedanken, zu sehr damit beschäf­tigt, Ant­wor­ten zu pla­nen, statt wirk­lich zuzu­hö­ren. Dadurch ent­geht uns das Wesent­li­che: Wenn wir die Kör­per­spra­che unse­res Gegen­übers nicht wahr­neh­men, kön­nen wir auch nicht flexi­bel auf sie reagieren.

                                        Im Kommunikationstraining und der NLP-Aus­bil­dung üben Sie diese Wach­heit und Flexi­bi­li­tät, die den Kon­takt für alle Betei­lig­ten leben­di­ger, rei­cher und interes­san­ter macht. Diese Art der Kör­per­spra­che wird sehr schnell zu Ihrer zwei­ten Natur – weil sie eigent­lich Ihre erste Natur ist.

                                        Dittmar Kruse


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                                          Sinneskanäle und lebendiges Lernen

                                          Wie kommt es, dass Schüler sich nur stockend in einer Fremd­spra­che aus­drü­cken kön­nen, die sie seit Jah­ren in der Schule ler­nen – obwohl sie per­fekt dekli­nie­ren kön­nen, das Plus­quam­per­fekt ken­nen und wis­sen, was „Ich würde gegan­gen sein; ich hätte gehen könn­en“ in dieser Spra­che heißt? Wie kommt es, dass es meis­tens schwie­rig ist, eine Spra­che aus Büchern zu lernen?

                                          Was fehlt, ist die eigene Sinneserfahrung!NLP Gehirngerechtes Lernen

                                          Je mehr Sinne am Lernen beteiligt sind,
                                          * desto reicher und lebendiger ist das Erleben
                                          * desto besser ist das Gelernte verankert
                                          * desto größer sind die Möglichkeiten, es abzurufen.

                                          Ein Beispiel:

                                          Als ich 1989 meine NLP-Trainer­ausbil­dung absol­vierte (auf Englisch), sag­ten die ame­ri­ka­ni­schen Aus­bil­der nach mei­ner ers­ten Prä­sen­ta­tion, mein Eng­lisch sei zu schlecht und zu lang­sam. Und da der Kurs unter dem Motto stand: „Wenn du NLP-Trainer sein willst, kannst du jedes Feed­back ver­ar­bei­ten und bis zur nächs­ten Prä­sen­ta­tion inte­gri­eren“. Das hieß in mei­nem Fall: „Ver­bes­sere dein Eng­lisch bis mor­gen“ – wo meine nächste Prä­sen­ta­tion angesetzt war!

                                          Ich setzte mich also mit einer ame­ri­ka­ni­schen Freun­din, die auch am Kurs teil­nahm, zusam­men, und sie führte mich durch eine Fan­ta­sie: „Stell dir vor, du bist in Ame­ri­ka gebo­ren und wächst dort auf. Dein ers­tes Wort ist Mama, und du lernst immer mehr Wör­ter … Du siehst zum Bei­spiel the chair und the table, und da ist your pillow, aber wenn du nach oben schaust, weißt du noch nicht, dass man das the ceiling nennt. Und das macht über­haupt nichts, denn du zeigst ein­fach darauf und sagst that oder there dazu. Du kannst dich aus­drü­cken, und du freust dich über jedes neue Wort, das du sagst. Alle Wör­ter lernst du ganz von selbst, und jeden Tag werden es mehr …“ (Natür­lich war die ganze Fan­ta­sie­reise auf Eng­lisch, nicht nur die ein­zel­nen Wörter).

                                          Und so wuchs ich in der Fanta­sie als Ame­ri­ka­ner auf und wurde erwach­sen, bis zu mei­nem aktu­el­len Alter. Ich lernte wie ein Klein­kind, das heißt: Ich über­trug die Leich­tig­keit, mit der ich als Kind Deutsch gelernt hatte, auf das Erler­nen der eng­lis­chen Sprache.

                                          In der nächsten Prä­sen­ta­tion sprach ich viel flüs­si­geres – und viel einfacheres – Englisch, weil ich nicht mehr erst auf deutsch dachte und dann ver­suchte, das ins Eng­li­sche zu über­set­zen (wodurch ich oft ins Sto­cken gekom­men war, weil mir das eng­li­sche Wort fehlte). Statt­des­sen dachte ich auf Eng­lisch (was viel schnel­ler ging, weil ich nicht noch auf die Über­set­zung war­ten musste). Also dachte ich nur in Wör­tern, die ich auf Eng­lisch kannte, und kam nicht mehr in die „Wie-heißt-das-doch-gleich“-Verlegen­heit. Mein Wort­schatz war etwa der eines 6-jähri­gen eng­li­schen Kindes (plus ein paar Fach­be­griffe), aber das reichte völlig aus!

                                          In der Fantasie hatte ich gefühlt, wie hard der table und wie soft das pillow war – ich hatte meine Kind­heits­er­fah­run­gen in allen Sin­nen noch ei­nmal auf Eng­lisch erlebt: Den Duft der flowers und den Geschmack von chocolate, die Wärme der sun und das Zwit­schern der birds, mein eige­nes Bild im mirror … All das war jetzt mein eige­nes Erle­ben, meine eigene Sin­nes­er­fah­rung ebenso auf Eng­lisch wie auf Deutsch. Wo vor­her der ein­zige Bezug gewe­sen war: „Dog“ in der lin­ken Spalte des Buches – „Hund“ in der rech­ten Spalte des Buches, bedeu­tete dog jetzt den Anblick eines Hun­des, sein Bel­len, das Gefühl und den Geruch sei­nes Fells: Das Wort wurde mit Erle­ben erfüllt und verbunden!

                                          Anker

                                          Wir erleben in unseren fünf Sinnen: Hören, Sehen, Fühlen, Riec­hen und Schme­cken. Auch unsere Erin­ne­run­gen sind in die­sen Sin­nes­ka­nä­len gespeichert.

                                          Angenommen, im Radio läuft ein Lied, das Sie im Urlaub gehört haben – dann kann dieses Lied Sie wie­der in Urlaubs­stim­mung ver­set­zen: Es lässt die Erin­ne­run­gen wie­der leben­dig wer­den. Vor Ihrem geis­ti­gen Auge erscheint zum Bei­spiel der Anblick des blauen Him­mels und des Mee­res, und Sie hören wie­der den Klang der Wel­len und fremde Sprach­fet­zen, Sie rie­chen den Geruch von Salz und Tang und Son­nen­öl, füh­len die Wärme des San­des und der Luft … All diese Sin­nes­ein­drücke, diese Kom­po­nen­ten, die mit der Erin­ne­rung ver­bunden – verankert – sind, wer­den durch das Lied im Radio wie­der leben­dig. „Anker“ bedeu­tet im NLP: Jedes Ele­ment einer Erfah­rung kann die Erfah­rung in ihrer Gesamt­heit wie­der hervorrufen.

                                          Wenn Sie jeman­dem begegn­en, der das­selbe Par­füm oder Rasier­was­ser benutzt wie Ihre ver­flos­sene Liebe, dann wer­den Sie unwill­kür­lich an die Zeit mit die­sem Men­schen zurück­den­ken; viel­leicht kommt ein Gefühl von Weh­mut (oder Erleich­te­rung) in Ihnen auf – und das, obwohl Ihnen der Aus­lö­ser (das Par­füm) gar nicht bewusst werden muss.

                                          Dieses Element – den Duft – nennen wir Anker, weil es einen gean­ker­ten Zustand her­vor­ruft. Ein Wort mit ähn­li­cher Bedeu­tung wäre „Konditionierung“.

                                          Wenn Sie jetzt an das Wort „Ler­nen“ den­ken: Welche Erin­ne­run­gen, wel­che Gefühle werden in Ihnen wach?

                                          Für die meisten Menschen ist „Ler­nen“ ein Anker für die Emp­fin­dung, über ein Buch gebeugt zu sit­zen (obwohl man lie­ber spie­len würde); ein Anker für Mühe, Druck, Über­win­dung, Müdig­keit, Kon­zen­tra­tions­stö­run­gen und Prü­fungs­angst. Kurz gesagt: Die meis­ten Men­schen den­ken beim Wort „Ler­nen“ an ihre Schulzeit.

                                          Konzentration und Motivation

                                          Ich arbeite manchmal mit Kindern, bei denen ADS (Auf­merk­sam­keits-Defizit-Syn­drom) dia­gnos­ti­ziert wurde: „Das Kind kann sich ein­fach nicht kon­zent­rie­ren“. Und doch erlebe ich immer wieder, dass das Kind sich stun­den­lang auf ein Video­spiel kon­zen­triert, stun­den­lang wie gebannt auf den Fern­se­her schaut und alle Werbe­texte mit­spre­chen, alle Titel­songs mit­sin­gen kann – das­selbe Kind, das sich angeb­lich nicht kon­zen­trie­ren und kein Gedicht aus­wen­dig lernen kann!

                                          Das Kind hat nur keine Lust auf Unter­richt, keine Moti­va­tion und kein Inte­resse am Pau­ken, kei­nen Spaß an der Schule. Es will Bil­der, Geschich­ten, Abwechs­lung, span­nende Unterhaltung.

                                          Wenn es nicht muss, dann kann es, darf es. Dann lernt es ganz von selbst.

                                          Positive Emotionen

                                          Lernen geschieht von selbst, wenn es mit Neu­gier, Inte­resse und Leich­tig­keit asso­zi­iert wird. Wenn es viele und schnelle Erfolgs­er­leb­nisse gibt, dann macht es Spaß.

                                          Als Vorschul­kinder haben wir erlebt: Lernen ist Spie­len, Spie­len ist Lernen!

                                          NLP

                                          NLP (Neuro-Linguis­ti­sches Pro­gram­mie­ren) bietet effi­zi­ente Mög­lich­kei­ten, nega­tive Asso­zi­a­tio­nen vom Ler­nen abzu­kop­peln und ein­schrän­kende Über­zeu­gun­gen zu ent­kräf­ten („ich bin ein­fach zu dumm“, „ich habe ADS“, „Mathe liegt mir nicht“).

                                          Solche inneren Kommen­tare und Vor­stel­lun­gen prä­gen unser Erle­ben: Sie steu­ern unsere Gefühle und damit unser Ver­halten. Wenn wir diese “Neuro-Linguis­ti­schen Pro­gramme” erken­nen und ver­än­dern, können wir uns an unse­ren Erfol­gen orien­tie­ren: Wir kön­nen posi­tive Lern­erfah­run­gen in allen Sinn­en wecken, ankern (z.B. mit einer Berüh­rung, einer Geste oder einer Kör­per­hal­tung) und auf das Lern­ge­biet übertragen.

                                          Zusammenfassung

                                          Je sinnlicher das Lernen ist – je mehr Sinne daran betei­ligt sind, desto mehr ist es ver­an­kert und desto leich­ter ist es abzu­ru­fen.
                                          Wenn Ler­nen mit einer Hal­tung von Neu­gier, Spaß, Span­nung und Ent­span­nung ver­bun­den wird, dann geschieht es ganz von selbst – so leicht wie ein Kind ein neues Spiel lernt.

                                          NLP bietet die Werk­zeuge, den ange­bo­re­nen Spaß am Ler­nen wie­der zu ent­decken, und den gedank­li­chen Müll, mit dem er über­la­gert wurde, zu ent­sor­gen. Außer­dem zeigt es Stra­te­gien, die Sinne effi­zient zum Ler­nen zu aktivieren.

                                          Dittmar Kruse


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