NLP-Geist: Anfänger-Geist

(… aus dem Newsletter …)

Liebe Leute,

den Spruch “NLP-Geist: Anfänger-Geist” habe ich von Shunryu Suzuki geliehen (der witziger­weise trotz­dem als Zen-“Meister” gilt); er sagt:

“Im Geist des Anfän­gers gibt es viele Mög­lich­kei­ten, im Geist des Exper­ten gibt es nur noch wenige Mög­lich­kei­ten. Des­halb ist der Anfänger-Geist der wahre Zen-Geist.”

Manche Leute meinen, dass ein guter NLP’ler ein “Experte” ist, der die “rich­tige” Tech­nik parat hat, sobald der Klient ein Pro­blem beschrie­ben hat.

“Aha, Sie haben Angst? Na, dann machen wir doch gleich mal die Phobie-Technik!” (– was hieße, einfach das pas­sende Werk­zeug aus dem Werk­zeug­kasten zu neh­men, also aus den 30 oder 80 vor­ge­stanz­ten Tech­ni­ken die­je­nige zu wäh­len, die am bes­ten passt.)

Wenn das funk­tio­niert, hat der NLP’ler zwar eine Bestä­tig­ung sei­ner Vor­ge­hens­weise, aber nichts gelernt.

Dabei ist doch das ganze Gebiet “NLP” nicht durch Exper­ten ent­stan­den (nicht durch Psy­cho­logen), sondern durch “Imper­ten”, die den alten Ansatz (mit einer gewis­sen Imper­ti­nenz) hinter­fragt und einen neuen Ansatz in die Psy­cho­lo­gie “im­portiert” haben.

Insofern ist Nicht-Wissen der wahre Forscher­geist. Der NLP-Geist ist nicht, Lösun­gen von der Stange abzu­rufen, son­dern jede Situ­a­tion ganz neu und unvor­ein­ge­nom­men zu betrach­ten, statt sie in eine alt-bekannte Schablone zu zwän­gen. “Wusst’ ich’s doch” ist längst kein so pro­duk­ti­ver Gedanke wie “Hä?”

Neues entsteht durch Nicht-Wissen. Ungewiss­heit ist ein Zustand der Offen­heit, des Stau­nens, der Neu­gier – kein pani­sches “Oh Gott, ich weiß es nicht!”, son­dern ein schöner, gelas­sener Schwebe-Zustand!

Dass aber Ungewiss­heit oft mit nega­tiven Gefüh­len ver­bun­den ist und Gewiss­heit so über­schätzt wird, liegt viel­leicht auch an unseren Schul-Erfahrungen (und am Jauch-Gucken), wo es haupt­säch­lich darum ging, DIE eine rich­tige Ant­wort aus­wen­dig zu wis­sen. Gewiss­heit fühlt sich viel siche­rer und beque­mer an, des­halb gibt es so viele Fun­da­men­ta­lis­ten, Dog­ma­ti­ker und sons­tige Exper­ten, die “wis­sen”, dass sie Recht haben und nie daran zwei­feln. (Siehe die letzte Presse­kon­ferenz von … na egal.)

Diese Art von Gewissheit entsteht durch Igno­ri­eren von anderen Mög­lich­kei­ten und ande­ren Sicht­wei­sen, durch ver­engte Wahr­ne­mung. Sie ist das Gegen­teil von NLP: “Diese Land­karte ist die Wahrheit.”

Natürlich geht es primär darum, dem Klien­ten oder Patien­ten zu hel­fen, und natür­lich ist das “NLP-Raster” dabei als Orien­tie­rung sehr hilf­reich (Was will der Klient? Welche Res­sour­cen könnte er ein­set­zen, um dieses Ziel zu errei­chen? Welche Vor­an­nah­men haben ihn bis­her davon abgehalten?).

Aber das ist etwas anderes, als durch ein “Techniken-Raster” zu schauen.

Am hilf­reichs­ten ist es, mit jedem Klien­ten etwas Neues zu ent­wickeln und die bis­he­ri­gen NLP-Techniken nur als Anwen­dungs­bei­spiele zu sehen.

Das heißt: Fragen, wirk­lich zuhören, hin­schauen, testen, warten bis sich “das Wesent­li­che” zeigt. (Wir reden hier natürl­ich nicht von Stun­den, sondern z.B. von den ers­ten 20 Minuten – mit der Bereit­schaft, die eige­nen Theo­rien auch weiter­hin zu tes­ten und gege­be­nen­falls zu modifizieren.)

Dadurch kommt die Eleganz, mit der die wirk­li­chen Ver­än­de­run­gen oft inner­halb von weni­gen Minu­ten (oder weni­gen Wor­ten) gesche­hen, und eben nicht infolge eines Riesen-Prozesses von drei­ßig Schrit­ten (quer durch die Kind­heit in die Zukunft, mit ganz vielen Ressourcen-Ankern, acht Wahr­neh­mungs­positionen und einer ganzen Schar von Mentoren).

Dittmar Kruse


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