NLP, Achtsamkeit & Reframing

Aus einem Online-Chat mit Dittmar Kruse:

  • Gewohnheiten überprüfen – hat sich das Ver­ha­lten bewährt?
  • Reframing: Was ist das Bedürf­nis (der Wunsch, das Ver­spre­chen) hinter dem unbe­frie­di­gen­den Verhalten?
  • Ablenkung verhin­dert Kon­flikt­lö­sung: das Lose-Lose-Prinzip
  • Achtsamkeit ist Lernen: Was ist “Jetzt”?
  • Freundliche Aufmerk­sam­keit für die eige­nen Bedürf­nisse und Gefühle statt Widerstand
  • Erlaubnis zu fühlen, was da ist
  • Erstes Date mit dem Erleben

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NLP ist viel einfacher!

(Dieser Text aus dem Newsletter verwendet ein paar NLP-Begriffe.
Im NLP-Glossar werden diese Begriffe erklärt.)

Liebe Leute,

ich bekomme immer wieder Anfragen von Euch: “Wie würdest du bei … vorgehen? Was macht man, wenn …?” – Das freut mich, NLP ist ja da, um es anzuwenden.

Was mir immer wieder auffällt: Manche von Euch orien­tie­ren sich manch­mal zu stark an fer­ti­gen Tech­ni­ken, das lässt es kom­pli­ziert erschei­nen. Ich denke da viel ein­fa­cher: In der Pra­xis ver­wende ich eigent­lich nie kom­pli­zierte Techniken!

Hier ein Beispiel (nach dem ich letzte Woche gleich zwei­mal gefragt wurde – und das in den Schul­ferien!):

Oft kommen Kinder mit “Konzentra­tions­stö­rungen” zu mir. “Eigent­lich kann er’s, aber in der Schule hat er ein Brett vorm Kopf, und zuhause kann er’s wieder.”

Wie gehen wir um mit solchen Nominali­sie­rungen wie “Stö­rung” oder Meta­phern wie “Brett vorm Kopf”? Am ein­fach­sten könnten wir sie über­set­zen in: Das Kind macht in dem Moment nichts, was seine Res­sour­cen ins Spiel bringen würde.

Zugang zu den Ressourcen finden

Was ist also anders in den Situa­tio­nen, wo es (rech­nen, recht­schrei­ben …) kann? Also z.B. zuhause, oder wenn’s mal gut läuft in der Schule? Vor allem: Wohin schaut das Kind, wenn es Durch­blick hat???? +? Das ist sein Zugang zu Kon­zen­tra­tion und Wis­sen, zur Res­source! Wich­tig ist also, dass es auch in der Schule dahin schaut!

Ich höre das oft von Eltern: “Das Kind hat AD(H)S, oder eben ‘nur’ Kon­zen­tra­tions­stö­rungen, und das zeigt sich darin, dass es wild in der Gegend herum schaut” – ich lasse die Eltern dann auch mal eine Minute lang wild herum schauen, maxi­mal eine Sekunde pro Fokus, und lasse sie wäh­rend­des­sen rech­nen oder reden oder mir zuhö­ren: Das ist auch für sie sehr schwie­rig (was die Kin­der immer echt wit­zig finden!). Dann lasse ich die Kinder in ihre Res­source-Richtung fokus­sie­ren (mit meiner Hand oder meinem Zei­ge­fin­ger als visu­el­lem Anker: Schau dahin!) und dabei Auf­ga­ben lösen. Das Kind ist kein Pro­blem­trä­ger, son­dern hatte bis­her ein­fach nicht gelernt, wie es zuver­läs­sig an seine Res­sourcen kommt.

Etwas, das ihm den Zugang erschwert, ist das Alles-oder-Nichts-Denken: “Oh, jetzt ist es wieder so weit, und ich weiß gar nichts mehr!” – das oft mit Panik-Gefüh­len und einer Art Läh­mung ver­bun­den ist. Black­out, das Brett vorm Kopf, der Faden ist geris­sen … Ach­tet auf diese Meta­phern, sie beschrei­ben das Pro­blem, also wer­den sie unser Anknüp­fungs­punkt, an den wir die Res­source anknüpfen!!! +!

“Blackout”: Alles wird schwarz – alles, bis auf einen blin­ken­den Punkt: den Res­source-Punkt (wo eben der Zugang zum Wis­sen und Kön­nen ist), und wenn du da hin­schaust, dann öffnet sich ein Fens­ter, und wenn du ins Fens­ter schaust, dann ist wieder alles klar.
Oder: Ein Black­out ist ja nur ein Moment, wie eine Ab­blende im Film, und du weißt, wohin du für die Auf­blende schauen kannst: von da kommt die neue Szene angeflogen.

“Das Brett vorm Kopf”: Wie groß ist es? Eher ein Brett­chen? Das Brett vorm Kopf ist eigent­lich ein Weg­wei­ser, mit einem Pfeil, der in die Res­source-Richtung zeigt.

“Der Faden ist gerissen”: Macht nichts, du musst dich ja auch nicht um das küm­mern, was abge­ris­sen ist (das war ja schon), son­dern darum, wo der Faden her­kommt: Er spult sich von der Wis­sens-Position her ab. Und du weißt, wo die ist: Schau, da ist der Faden!

Um nochmal aufs Alles-oder-Nichts-Denken zurück­zu­kommen: Unsere Kon­zen­tra­tion wan­dert immer mal weg, das ist so ihre Art, zum Bei­spiel, wenn man so eine lange E-Mail liest (oder schreibt) und dann irgend­ein Geräusch hört … So ist das halt, es geht nur darum: Das ist kein Grund zur Panik, sondern ganz natür­lich, bei jedem Men­schen den ich kenne. Und das Pro­blem war nie, dass es mal eine Ablen­kung gab – ein Pro­blem wäre nur, wenn man den Rück­weg in die Kon­zen­tration nicht findet!

Die Metapher, die ich bei Kindern gerne ver­wende: Stell dir vor, dein Wis­sen, dein Können, deine Klar­heit, das ist ein Pool, so wie ein Swim­ming­pool, der jetzt um dich herum ist. Und die­sen Pool kannst du genauso auch im Klas­sen­zim­mer haben: Stell dir mal dein Klas­sen­zim­mer vor: Wer sitzt neben dir, wo ist die Tafel, wie riecht es /klingt es da, wie fühlt sich die Bank an … Und jetzt sieh all das in deinem Wis­sens­pool, das passt da locker rein, oder? Manch­mal geht man kurz raus aus dem Pool, das ist völ­lig in Ord­nung. Aber da wo du frü­her gesagt hät­test: “Oh nein, jetzt ist mein Pool weg!” – da weißt du jetzt immer, wo du wieder in ihn rein­sprin­gen kannst. Du weißt, wo er ist (visu­eller Anker); du weißt, in welche Rich­tung du springst.

Ist das DIE rich­tige Tech­nik bei Kon­zen­tra­tions­stö­run­gen? Nein, nur ein Bei­spiel, eine mög­liche Vor­ge­hens­weise, die sich bei mir öfters mal aus der Situ­a­tion ergeben hat. Was ich mit diesem Bei­spiel sagen will:

Denkt nicht in Schritten, sondern: “Wie kann die Res­source akti­viert werden, wenn’s drauf ankommt?” Oder anders gesagt: “Welchen Res­source-Anker brau­che ich in der Ziel-Situation?”

Oder, wenn Ihr es doch in Schritten haben wollt:

1. Finde die gewünschte Res­source (z.B. Mathe-Kompe­tenz: “Rechne das jetzt mal aus!”) und achte auf Anker (z.B. Augen­be­we­gun­gen, Haltung usw.)

2. Stabilisiere den Anker (z.B. auf die Res­source-Richtung zeigen als visu­eller Anker) und ändere die (Hin­ter­grund-)Sze­ne­rie z.B. in die Vor­stel­lung des Klas­sen­zimmers.

3. Test.

Ganz einfach.

Welches Produkt hatte den Slo­gan “Reduce to the max”? Smart!

(Gespräch mit der Mutter eines jungen “Patien­ten”, mit dem ich am Anfang des Schul­jahrs gear­bei­tet habe: “Und muss Ihr Sohn denn jetzt auf die För­der­schule, wie es die Rek­to­rin emp­foh­len hatte?” – “Nein, der hat jetzt den Über­tritt aufs Gym­nasium geschafft!”)

Dittmar Kruse


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Die neue Referenz: NLP-Ressourcen

(… aus dem Newsletter … NLP: “Ressourcen” sind nützliche Erfahrungen und Fähigkeiten, die helfen, ein Ziel zu erreichen.)NLP-Ressouren: Schatztruhe

Liebe Leute,

in meinem unermüd­li­chen Bestre­ben, Euch das Leben leich­ter zu machen, hier wie­der eine Ver­einfachung!

In Therapie und Coaching geht es darum, für einen unbe­frie­di­gen­den Lebens­be­reich eine bes­sere Orien­tie­rung zu finden.

Wenn der Patient “immer so schüch­tern” ist, heißt das, diese Ver­all­ge­mei­ne­rung auf­zu­lösen, indem er Aus­nah­men fin­det: Bei­spiele, wo er nicht schüch­tern, son­dern kon­takt­freu­dig war. Die Aus­nahme einer hin­der­li­chen Ver­all­ge­mei­ne­rung ist auto­ma­tisch eine Res­source.  Dann kann er heraus­fin­den, was in die­sen Res­source-Situa­tio­nen anders war. Wenn diese Res­source-Situatio­nen inner­lich durch­ge­spielt wer­den, dann wird auch die beson­dere Hal­tung /Ein­stel­lung /Sicht­weise wie­der erlebt, und die dazu­ge­hö­ri­gen Gefühle kön­nen an die bis­he­rige Pro­blem-Situa­tion geankert werden.

Das war’s schon.

Die bis­he­rige Orien­tie­rung hat nicht gut funk­tio­niert, also orien­tie­ren wir uns an einer bes­se­ren (res­source­vol­leren) Referenz.

Gegenbeispiele zu Problemen sind im NLP Ressourcen

* Wenn jemand Flug­angst hat: Was ist an sei­nem Den­ken /Füh­len /Erle­ben anders, wenn er Bahn fährt?
* Wenn jeman­dem Moti­va­tion fehlt: Wozu ist er (viel­leicht sogar über-)moti­viert (gewe­sen)? Wie klingt da die innere Stimme, wie sieht das für ihn aus, welche Vor­stel­lun­gen tau­chen auf?
* Wenn ein Paar unglück­lich mit­einan­der ist: Was waren die schöns­ten Zei­ten oder Momente in ihrer Bezie­hung? Was war da anders?

Diese “Aus­nah­men” werden von Klien­ten /Patien­ten oft abge­wertet:
Das zählt nicht, im Urlaub ist man natür­lich ent­spann­ter. Was bleibt, ist aber: “Entspannt­heit ist also wich­tig dafür, dass Sie glück­lich mit­einan­der sind.”

Um die Besonder­heit zu eli­mi­nie­ren, könnt Ihr auch um eine Liste der bes­ten Aus­nah­men bzw. Referenz-Erfahrun­gen bit­ten (z.B. Top 5 der glück­lichs­ten Zei­ten) und dann schauen (las­sen), was all diese posi­ti­ven Erleb­nisse gemein­sam haben. Das ist in vie­ler Hin­sicht hilfreich:

* Es wird deutlich, dass es viele Bei­spiele für das gewünschte Erle­ben /Ver­hal­ten gibt (ab wie vie­len Erfah­run­gen wird eine Aus­nahme zur Regel?)
* Die Orien­tie­rung geht vom Problem-Bewusst­sein zum Erle­ben von Stärken
* In der Paar-Thera­pie (oder auch bei sons­tigen Teams), wo die Leute sich meis­tens gegen­sei­tig Vor­würfe machen, wech­selt das Gesprächs­thema zu “Was ich an dir mag” (was manch­mal sogar in Kom­pli­mente und Aner­ken­nung aus­ar­ten kann und der Feind­selig­keit den Wind aus den Segeln nimmt). Es wird mehr in “Wir” gespro­chen. Viel­leicht ist es auch über­ra­schend, woran der Part­ner sich erin­nert, was ihm wich­tig war, was ihn glück­lich gemacht hat (was der andere viel­leicht schon ver­ges­sen hatte) …

Damit die neue Referenz im bis­he­ri­gen Pro­blem-Kontext zum Tra­gen kommt, ist es wich­tig, dass sie deut­lich erin­nert wird, wozu Ihr durch Fra­gen bei­tra­gen könnt (“Wie klang ihre Stimme dabei?”). Die Refe­renz hat kog­ni­tive und emo­tio­nale Aspekte, sie besteht aus einer Hal­tung, aus Gedan­ken, Gefüh­len und Bewer­tun­gen (z.B. wurde dem Part­ner in der Pro­blem-Orien­tie­rung eine schle­chte Absicht unter­stellt, in der Refe­renz-Orien­tie­rung wird statt­des­sen von einer guten Absicht aus­ge­gan­gen, oder es ist Neu­gier da, wie er das wohl meint).
Dann kann das Refe­renz-Erleben gean­kert und auf die zu ver­än­dernde Situa­tion über­tra­gen wer­den, an den alten Aus­lö­ser ver­an­kert werden.
Ihr spielt das mit dem Klien­ten /Patien­ten durch: Wie wäre es, in der bis­her unbe­frie­di­gen­den Situ­a­tion mit “die­sen Augen” zu sehen, mit “die­sen Ohren” zu hören, auf “diese Dinge” zu achten?

Alle NLP-Techni­ken sind (in meiner Auf­fas­sung, bin halt ein schlich­tes Gemüt) Vari­an­ten die­ses ganz simp­len Prin­zips einer sinn­vol­le­ren Orientierung.

Hier meine Einladung für die NLP-(Semi-)Profis unter Euch: Findet Ihr Tech­ni­ken oder auch Pro­bleme, wo dieses Prin­zip der NLP-Ressourcen nicht wirk­sam ist? Da wäre ich echt gespannt. Lasst es mich wissen!

Dittmar Kruse


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