Da es kein “Ich” gibt, was kann ich tun?

Dittmar, kennst du Andreas Müller, thetimelesswonder.com? Ich war mehrmals bei ihm. Seitdem bin ich ziemlich desillusioniert. Da es kein “Ich” gibt, was kann ich da tun? Er sagt, dass alles scheinbar geschieht, Traurigkeit, Freude usw. Wir wollen wohl immer etwas tun, um das, was ist, nicht haben zu wollen? Bin sehr verunsichert und frustriert …

Liebe Grüße


Liebe …,

bei all diesen “Es gibt kein X, es gibt kein Y …”-Beschreibungen kann leicht übersehen werden, was es denn “stattdessen” gibt: Liebe. Frieden. Bewusstsein.
Die Hinwendung zur Wirklichkeit jenseits von Personen und Geschichten harmonisiert das Erleben und seine Inhalte.

Dadurch ändern sich die Erscheinungen nicht unbedingt nach Wunsch (ändern tun sie sich ja eh ständig), aber es wird erlebt, dass sie in Liebe und Frieden da sein dürfen, ob Traurigkeit oder Freude.

Niemand kann das machen, aber es geschieht, wenn den Vorstellungen, wie die Erscheinungen sein sollten, keine Autorität mehr zugeschrieben wird. Liebe und Frieden müssen nicht erzeugt werden, sie können einfach erkannt werden. Gerade schmerzhafte Situationen sind dafür sehr hilfreich, denn wenn alle Bedingungen, wie “es” sein sollte, erfüllt sind, dann ist es kein Wunder, dass sich das friedlich und schön anfühlt! Im Aufgeben von Vorschriften ans Leben, im Vertrauen ins Leben, wie auch immer es sich zeigen mag, wird das “zeitlose Wunder” sichtbar. (Um mal diesen Begriff zu zitieren, vielleicht meint A.M. ja etwas anderes als ich …)

Da sind Gedanken, die Bedingungen stellen. Und da ist Liebe, die keine Bedingungen stellt. Das Vertrauen kann sich von Gedanken zu Liebe verlagern. Nicht, weil das “jemand” macht, sondern weil das natürlich ist. Liebe ist natürlich.


Lieber Dittmar, danke für die Antwort. Es tut gut, so etwas zu lesen, danke!