Unbedacht

Nondualität | 1als2: Unbedacht

In Gedanken
Kann es scheinen
Als wärst du allein
Mit Gedanken
Und alles andere
Anders
Draußen und fremd
Nicht ein Raum
Sondern viele
Einzeller in Einzelzellen
Fremdkörper
Getrennt von Tisch und Bett
Und Hand und Fuß
Bestenfalls verbunden
Mit etwas anderem
Entfernt Verwandtem

Unbedacht
Ist alles offen
Eine Lebendigkeit
In jeder Form
Vollständig
Still

alle Gedichte

Veranstaltungen Nondualität

Gesprächsabend NONDUALITÄT mit Dittmar Kruse

Wir sprechen in diesen Treffen über die Erfahrung des Einsseins, der Nondualität, der Ichlosigkeit, der Liebe. Uns interessiert keine Geschichte,  keine Theorie und kein -ismus, sondern das direkte Erleben.

Nächster Termin: Freitag 15. November 2019,Veranstaltungen Nondualität
19:30 bis ca. 22 Uhr

Teilnahmegebühr: 15 €

Ort: Elisenstraße 5 (4. Stock)
80335 München (direkt am Hauptbahnhof)

Nondualität in der Elisenstraße

Anmeldung:  per Mail
oder Telefon: 089 55297295
oder Fax: 03221 1184334
oder unten im Anmeldeformular


Gesprächstage NONDUALITÄT mit Dittmar Kruse

Das Thema ist wie beim Gesprächsabend die Nicht-Dualität, nur haben wir mehr Zeit, z.B. für Wahrnehmungs-Experimente …

Nächste Termine: Samstag/Sonntag im Sommer 2020. Das genaue Datum findet ihr hier, sobald es feststeht.

Ort: Praxis für Holistic Pulsing, Konradgasse 3 in Bad Tölz.
Dort könnt ihr auch übernachten (im eigenen Schlafsack o.ä.), aber es ist nah genug an München, dass man nachts auch heimfahren kann. Meldet euch, wenn ihr eine Mitfahrgelegenheit von oder nach München sucht! Ihr könnt natürlich auch nur an einem der beiden Tage teilnehmen.

Teilnahmegebühr: 40 € pro Tag

Anmeldung:  per Mail
oder Telefon: 089 55297295
oder Fax: 03221 1184334
oder unten im Anmeldeformular


Live-Chat NONDUALITÄT mit Dittmar Kruse

Der Gesprächskreis Nondualität als Video-Chat.

Nächster Termin: Dienstag 19. November 2019,
19:30 bis ca. 21:30 Uhr (oder bis es nichts mehr zu sagen gibt).

Ort: Auf eurem Computer (über Skype).

Teilnahmegebühr: gratis

Details / Anmeldung:
Live-Chat


OpenSense: Das Achtsamkeitstraining

Das neue Programm. Details findet ihr hier.


Wenn ihr euch für den Newsletter eintragt, werdet ihr automatisch über neue Termine und Beiträge informiert. Das Feld findet ihr unten links in der Menü-Leiste.

Fragen? Kommentare? Anmeldung?

Vom Schicksal gezeichnet

Lieber Dittmar,

zuerst einmal vielen Dank für die Möglichkeit, auch als Abwesende (von Deinen Kursen oder Gesprächskreisen) Gast bei Dir sein zu dürfen – ich schaue und höre mir jedes Video an, lese die Beiträge …

Bei den Videos fällt mir auf, dass alle einer Meinung zu sein scheinen, jeder und jede ergänzt bzw. bestätigt den Anderen. Die Gespräche sind einstimmig …

Natürlich fällt mir auch anderes auf: Die Themen z.B. sind einfach spannend, bereichernd und anregend. Danke.

So gern ich Gespräche über Nondualität anhöre, so gern ich Bücher darüber lese, so ungern spreche ich mit anderen Menschen darüber. Manchmal gelingt es mir, in meinen Yogaunterricht etwas einzuflechten. Es gelingt mir dann, wenn ich spüre, dass ich was verinnerlicht habe, dass ein Samen aufgegangen ist, dass etwas abrufbar ist.

Neulich bin ich einer Bekannten begegnet. Sie erzählte mir folgendes: Sie kam vom Einkaufen nach Hause, da standen mehrere Polizeiautos im Hof. Ihr Ehemann wurde gerade abgeführt. Anklage wegen Pädophilie in xxx Fällen, Kinder­porno­graphie … Für die Frau brach die Welt zusammen.

Ich könnte dieser Frau niemals sagen: “Weißt du, du bist kein getrenntes Wesen und dein Mann auch nicht. Wir sind alle ein Baum und erscheinen als Ast. 1als 2 eben.”

Ich konnte das Entsetzen der Frau, die nicht die leiseste Ahnung vom Treiben ihres Mannes hatte, gut nachempfinden, auch die Wut, die Verzweiflung und die Trauer über die zerbrochene Liebe. Trösten konnte ich sie nicht. Ich hab ihr gesagt, dass man auch mit einem Total­schaden weiter leben kann. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.

Ich fände es grauenhaft zu sagen: Wer weiß, vielleicht findest du in ein paar Jahren, dass es gut war, dass alles so gekommen ist. Ebenso grauenhaft fände ich es zu sagen: Ach, das sind alles nur Gedanken, die kommen und gehen und diese Gedanken spielen sich manchmal auf als Richter, Moralist, usw.

Ich frage mich, wie ich manchmal in das scheinbar Unlösbare, das Schwere oder Unerträgliche ein wenig Leichtigkeit bringen könnte. Bei mir und bei anderen.

Natürlich ist es wunderbar, wenn man im Augenblick sein und ihn mit allen Sinnen wahrnehmen kann, aber die Aufmerksamkeit wird nun mal eingeschränkt, wenn man von Dämonen bedroht wird.

Ich habe nie das Gefühl, ich müsste der Außenwelt etwas abringen, um vollständiger zu werden. Aber ich hätte gern ein ruhigeres Leben, das mir weniger Schrecken einjagt.

Lieber Dittmar, das wollte ich los werden, denn mir scheint, die Methode “Nondualität” ist eben auch nur eine Methode – natürlich eine gute und sinnliche. Sie taugt für Menschen, die mal einen kleinen Dämpfer bekommen haben, oder für diejenigen, die ein leichtes, glückliches Leben führen dürfen, nicht aber für jene, die gezeichnet sind vom Schicksal.

Was meinst Du?

Ich grüße dich herzlich!


Liebe …,

danke für deine Mail und dein Feedback!
Hier ein paar Punkte dazu:

• “Dämonen”: Diese Dämonen, die da drohen, sind Gedanken, die immer wieder kreisen. Gedanken, die sich voller Reue und Trauer auf die Vergangenheit beziehen und voller Angst auf die Zukunft.
Die Ähnlichkeit zu Dämonen liegt in der gefühlten Besessen­heit von diesen Gedanken, die keine Ruhe geben.
Aufmerksamkeit für die Gegenwart kann diese Besessenheit heilen. Daher ist “Achtsamkeit” essentieller Bestandteil in der Arbeit mit traumatisierten Menschen.
Das Vertrauen in den gegenwärtigen Moment hilft, die Gedanken an die Vergangenheit loszu­lassen und stärkt das Vertrauen, dass die Zukunft ebenso “tragen” wird wie die Gegenwart.

• “Gezeichnet vom Schicksal”: Ich habe wirklich noch nichts besonders Schlimmes erlebt (halt die üblichen vorübergehenden Unfälle, Trennungen, Schmerzen, Krisen usw.). Ich kenne aber genug Menschen, die wirklich trauma­tische Erfah­rungen hatten, zum Beispiel den genannten Kindes­miss­brauch vom Klein­kind­alter an, Vergewal­tigung, Tod eines Kindes oder Quer­schnitt­lähmung … und die glücklich sind, frei von Dämonen. Die Liebe und Frieden und Freiheit in sich fühlen und ausstrahlen. Nicht weil sie das Erlebte verdrängt haben oder sich schön­reden oder “nicht so schlimm fanden”.
Da ist etwas, das ganz unabhängig von allen Umständen und Erschei­nungen ist, etwas, das heil bleibt. “Total­schaden” betrifft z.B. das Auto, das Haus, die Ehe … DU bist kein Total­schaden. Da ist etwas, das heil bleibt, offen und durchlässig.
Da ist immer noch Liebe.
Der Organismus kann sich mit all seinem Schmerz und seiner Trauer an diese unver­gäng­liche Liebe wenden (die er sich z.B. vom Partner erhofft hatte), und es kann diese liebevolle Zuwendung zu allem Schmerz und aller Trauer geben. Dazu kann thera­peutische Begleitung wichtig sein, die hilft, alle Gefühle, die da sind, zu erlauben. Und damit der Vergan­genheit erlaubt, vergangen zu sein.

• “Gut finden”: Die Situation deiner Bekannten “gut” zu nennen ist natürlich auch nur eine Bewertung, genau wie “schlecht”. Aber eines Tages ist sie vielleicht froh, dass das Doppel­leben aufgeflogen ist und sie nicht in der Lüge oder Illusion weitergelebt hat.
Das Zusammenbrechen einer Schein­welt kann sehr schmerzhaft und enttäu­schend sein und eine ungeahnte Freiheit von den bisherigen Umständen und Illusionen mit sich bringen.
Das Scheitern eines Lebensplans kann den Hochmut entthronen, das Leben sollte sich nach seinen Vor­stellungen richten und seine Bedin­gungen erfüllen. Dann ist da Demut, sich dem Moment zu öffnen, so wie er sich zeigt; Demut, die heilt und befreit.

• “Methode”: Einem Menschen in einer akuten Notlage belehren und eine Philo­sophie aufdrücken zu wollen fände ich auch respektlos und arrogant – oder “grauenhaft”, wie du es nennst.
Nondualität ist keine Methode, ist weder “Reframing” noch “Positives Denken” oder “Schönreden”. Sondern entweder eine Philosophie (dann ist es eine von vielen, so wie Stoizismus, Fatalismus …): eine gedankliche Ein­ord­nung, die ich nicht besonders interessant finde – oder ein Sehen (und Beschreiben) der Einheit hinter den Erschei­nungen, die ich liebe und als das einzig wirklich Interessante empfinde.

• “Meinung”: Meistens sind unsere Gespräche “einstimmig”, wie du es nennst. Das kommt aber nicht durch Bestärken derselben Meinung, sondern im Zusammensein kann das Eins­sein deutlich fühlbar und im eigenen momentanen Erleben erkannt werden.

zurück zu Fragen & Antworten

Erleuchtung: War’s das schon?

Lieber Dittmar,

vor ein paar Tagen hab ich auf der Seite von X so nen “Erleuch­tungs­kurs” mit­ge­macht. Kennst du die Seite? Jeden­falls wurde mir bestä­tigt, das “Tor­lose Tor” durch­schrit­ten zu haben. Warum schreib ich dir…? Hmm, ich glaub, dass u.a. ein Zwei­fel daran betei­ligt ist. Ist schon irgen­dwie komisch: Wenn es das jetzt wirk­lich war, wonach ich immer gesucht habe … Die letz­ten Tage nach der “Tor­durch­fahrt” waren jeden­falls von mehr Klar­heit und Leich­tig­keit gekenn­zeich­net. Viel­leicht hast du ja ein paar Worte für mich?!


Diese Frage: “War’s das jetzt wirk­lich schon?” haben mir schon einige “X-Absol­ven­ten” gestellt. Ob du etwas durch­schrit­ten hast und was das war hängt davon ab, wie das Tor defi­niert wird. Mir scheint es ein rie­si­ger Unter­schied zu sein, ob da jetzt zusätz­lich zum Erle­ben ein korri­gie­ren­der / erklä­ren­der Gedanke kommt (“… aber da ist ja niemand”) – was ein intel­lek­tu­elles Ver­steh­en ist und viel­leicht auch eine emot­io­nale Beru­hi­gung mit sich bringt. Und oft auch den Gedan­ken: “Ich bin jemand, der das Tor durch­schrit­ten hat.” (TOR 1)

Oder ob eine ener­ge­ti­sche Auf­lö­sung geschieht, ob das Gefühl der Getrennt­heit, der Unvoll­stän­dig­keit, der Eigen­mäch­tig­keit in der Offen­heit ausge­löscht ist. Ob eine Abso­lut­heit im Moment, in den Erschei­nun­gen erkannt wird. Ob die Erschei­nun­gen als Ausd­ruck der­sel­ben lie­be­vol­len Quelle erlebt wer­den. Als Erschei­nungs­for­men de­rsel­ben Leben­dig­keit. Als Innig­keit der Quelle mit sich selbst. Ob das Erle­ben von Liebe erfüllt ist. Ob das Erle­ben ein Tor­lo­ses Tor ist, ein stän­di­ges Erwachen in die­sen Moment. Ob die­ser Moment das Tor­lose Tor ist. Ob Du das Tor­lose Tor bist. Ein Zusam­me­nsein, ein Zusam­mens­piel von allem. Ein Wunder. (TOR 2)

So habe ich das Tor erlebt und so erlebe ich es. Das heißt nicht, dass ich immer won­nig­lich drauf bin und die Auf­merk­sam­keit immer weit und ent­spannt ist. Ich erlebe auch immer wieder mal Anspan­nung und Ärger oder Traur­ig­keit. Das ist die Folge einer Vor­stel­lung, wie “die Welt” sein sollte, nach der die Welt sich nicht rich­tet; die Folge eines Mus­ters, das wie eine Selbst­schuss­an­lage abläuft. Sol­che Vor­stel­lun­gen haben sich irgend­wann in einem arg­lo­sen, kind­li­chen Geist ein­ge­nis­tet als lieb­evol­ler Wunsch: “Das Leben wäre viel schö­ner, wenn nur …”

Wenn das Muster wehtut – vor allem, weil das Tor 2-Erle­ben dadurch in den Hin­ter­grund tritt –, dann geht die Auf­merk­sam­keit von der Dis­kre­panz zwi­schen Wunsch und Wirk­lich­keit auf den Wunsch selbst, auf das Mus­ter. Dann erlebe ich den Preis, den das Behar­ren auf Bedin­gun­gen kos­tet (die nicht mal “meine” Bedin­gun­gen sind, sondern von einer Vor­stel­lung / einem Mus­ter gestellt wer­den, das sich vor lang­er Zeit im Orga­nis­mus ein­ge­nis­tet hat). Und wenn das Mus­ter erkannt wird, dann endet die Fixie­rung darauf und das Erle­ben ent­spannt sich. (Manch­mal dau­ert es auch biss­chen mit dem Erken­nen …) Gleich­zei­tig ist klar, dass diese Mecha­nis­men nichts Per­sön­li­ches sind, sondern Erschei­nungs­for­men der Leben­dig­keit, nur ener­ge­ti­sche Ver­fes­ti­gun­gen, die sich im Licht der Gege­nwart ver­flüs­si­gen. Die Auf­merk­sam­keit ist ein Update in die Frei­heit. Jeden­falls, sol­che Bedin­gungs­mus­ter tau­chen bei mir immer noch auf. (Meine Freundin gibt dir da gerne eine Liste!) Und auch eine Beschrei­bung wie die von Tor 2 kann leicht zu einer Bedin­gung ans Erle­ben werden: “So sollte es sein – ver­dammt, so ist es aber noch nicht!” Das erschwert das unvor­ein­ge­nom­mene, bedin­gungs­lose Schauen, wie die Wirk­lich­keit ist, wenn sie keine Kri­te­rien erfül­len soll.

Ohne Kriterien und Bedin­gun­gen schaut die ein­zige wirk­li­che Auto­ri­tät für Wach­heit: die Wachheit.


Lieber Dittmar, deine gehalt­vol­len Zeil­en drin­gen wie immer tief in mich ein und brau­chen auch noch Zeit zu wir­ken. Auch dein authen­ti­sches Beschrei­ben deines Erle­bens ist mir ein gro­ßes Geschenk. Vielen Dank !

Eine kurze Bilanz: Nach dem “Tor­durch­lauf” war und ist mehr Klar­heit. Es schei­nen die alten bekann­ten Gedan­ken­nmus­ter – für län­gere Zeit – nicht mehr zu grei­fen, das fühlt sich nach mehr Frei­heit an. Es wird immer wie­der gese­hen, dass diese Filme sich nur noch um sich selbst dre­hen und keinem Ich-Kern mehr die­nen. Es sind Gedan­ken, Bilder, wie [Name] dies und das macht, und sie füh­len sich wie immer an, bis ein Sehen oder Erin­nern auf­taucht und die­ses wird oft von dem Gedan­ken beglei­tet “Es gibt kein Ich”. Also ein Wech­sel: Film-Iden­ti­fi­zie­rung und danach sehen, das ist nur ein Film – dies scheint das Erken­nen bewirkt zu haben.

Was jedoch nicht erlebt wird, ist ein Ein­heits­ge­fühl, eine Liebe, die alles umfasst, ein Innen und Außen als Illus­ion… im Ansatz viel­leicht schon, jedoch ist es kein Grund­ge­fühl. Auch dass im Gegen­über kein Ich ist, scheint sich nur lang­sam zu grün­den. Daher plä­diere ich eher dafür, dass hier wohl das Tor 1 durch­schri­tten wurde — immerhin.

zurück zu Fragen & Antworten

Was das Leben erlebt

Das ist keine Verkleidung:<br /> So sieht Gott aus.<br /> Er ist die Ecke, hinter der du ihn suchst<br /> Das Suchen, das Sehen<br /> Das Fantasieren und Sortieren<br /> Die feierliche Geste<br /> Und das Lachen darüber<br /> Der tiefe Blick, der flache Witz<br /> Die Enge und die Weite<br /> Das Atmen aller Dinge<br /> Wild und lasziv und laut und knallbunt<br /> Gleißend und beißend und schillernd und dunkel und<br/> still:<br /> Das Leben und alles, was das Leben erlebt.

Das ist keine Verkleidung:
So sieht Gott aus.
Er ist die Ecke, hinter der du ihn suchst
Das Suchen, das Sehen
Das Fantasieren und Sortieren
Die feierliche Geste
Und das Lachen darüber
Der tiefe Blick, der flache Witz
Die Enge und die Weite
Das Atmen aller Dinge
Wild und lasziv und laut und knallbunt
Gleißend und beißend und schillernd und dunkel und
still:
Das Leben und alles, was das Leben erlebt.

alle Gedichte

Wozu mein Ich verlieren?

Hallo Dittmar!

Ich habe mit Begeis­te­rung Dein Video mit Teresa geschaut und es sehr genos­sen, leicht, erfri­schend, tref­fend, ein­fach, prag­ma­tisch, nor­mal. So ein sym­pa­th­ischer Kerl dachte ich. Falls es je einen Guru gab, dann bist Du der erste, der nor­mal ist und end­lich mal die Dinge ehr­lich sagt wie sie sind, wie ICH sie sehe. Du wirkst für mich so strah­lend authen­tisch und so anders als alle bis­her pathe­ti­schen, medi­ta­tiv­en, erns­ten, nach innen gekehr­ten, psy­che­de­li­schen, hei­li­gen, bana­len, schlei­mi­gen, ver­wir­ren­den, kopf­las­ti­gen, theo­re­ti­schen, kon­zept­las­ti­gen, unau­then­ti­schen Spiri-Lehrer. Spaß bei­seite, ich über­treibe, aber so ein bis­serl den Anschein haben die manch­mal für mich. Aber das ist mir grund­sätz­lich total egal. Ich gehe zu Karl Renz auch nur des­halb, weil es spi­ri­tu­el­les Kaba­rett für mich bedeu­tet und ich mich tot­lache. Was sonst kein Kaba­ret­tist schafft. Er zer­trüm­mert ja jeden Gedan­ken, jedes Kon­zept und das befreit logi­scherweise.

Ich hatte mich nach dem Video gefragt: Wozu brau­che ich eigent­lich mein ICH verlieren?


Tja, der Punkt ist: Da ist nie­mand, der ein “Ich” besit­zen würde und der “sein Ich” ver­lie­ren könnte. Und da ist auch kein sol­ches “Ich”.
Sondern da ist unper­sön­li­ches Bewusst­sein, in dem Gedan­ken und Emo­tio­nen erschei­nen. Diese Gedan­ken und Emo­tio­nen bezie­hen sich auf einan­der und gehen davon aus, ein “Ich” als Zen­trum und Bezugs­punkt zu haben. Sie bezie­hen sich auf die Illu­sion, die sie erzeugen.

Und der Gedanke, “sein” “Ich” zu verlie­ren, geht von der­sel­ben Illu­sion aus. Daher kann die Arbeit daran, sein Ich abzu­le­gen, diese Illu­sion noch verstärken.

Was es aber gibt und was sich ändern kann, ist die Iden­ti­fi­kation mit Gedan­ken und Gefüh­len. Das Glau­ben der Gedan­ken (über “mich, den Besit­zer von Kör­per und Gedan­ken, das getrennte Ein­zel­we­sen”) und die mit die­sem Glau­ben ver­bun­de­nen Emot­io­nen, das kann auf­hö­ren.
Das ist wie das Erwa­chen aus einem Traum, aus einer Trance.


Dann habe ich auf deiner Verlagsseite die Fra­gen gele­sen, ab Frage 3 war mein Den­ken so ver­wirrt, dass nur mehr Chaos übrig­blieb. Ein sehr ange­neh­mes Gefühl: Keine Gedan­ken und Zufrie­den­heit und Vertrauen.

Jedenfalls habe ich immer dieses Den­ken und diese Gefühle und diesen Kör­per mit dem [Name] gleich­ge­setzt, also als ICH benannt. Offen­sicht­lich war das der Denk­feh­ler. Es gibt offen­sicht­lich etwas jen­seits von all dem, wonach es zu suchen gäbe, wahr­schein­lich meinst Du damit die ICH­losig­keit? Das kenne ich aller­dings, das ist ein schöner Zustand, da bin ich ein­fach nur. Aber das habe ich schon. Auch das bestä­tigst Du. Das habe ich immer, das ist immer da. Manch­mal rückt es im Wut­an­fall oder All­tags­stress in den Hin­ter­grund, aber es ist her­hol­bar, aber nicht zwin­gend. Manch­mal aber lei­der ist dies Andere aber nicht herholbar…

Wenn das eben das ist, was Du meinst, brauch ich nim­mer suchen? Dann sage ich ein­fach: Dieses Andere ist die ICH­losig­keit, die ich in Wor­ten nicht beschrei­ben kann und [Name] mit Gedan­ken mit Gefüh­len und Wor­ten ist das ICH. Erlaubst Du in Dei­ner Sicht­weise, dass es das gibt? Weil ich emp­finde es als sehr real, wenn ich mich so von der ICHl­osig­keit / eben von Die­sem ande­ren her betrachte. Ich habe näml­ich immer geglaubt, dass alles ver­schwin­den muss. Und das hat mich so gestresst. Die­ses alles Andere als die ICH­losig­keit ist doch was Schö­nes, oder? Und para­doxer­weise gefällt mir mein ICH auch:-))


Es ist so eine Sache mit Wor­ten: “Das ist ein schö­ner Zustand, … das habe ich schon” würde wie­der einen Besit­zer eines Zustands bedeu­ten. Die Wirk­lich­keit ist kein Zustand, sondern in allen Zustän­den, und sie hat kei­nen Eigen­tü­mer. (Wahr­schein­lich meinst du das auch nicht, bin nur fürs Pro­to­koll spitzfindig.)

Die Wirklichkeit ist auch nicht her­hol­bar, son­dern die Auf­merk­sam­keit kann sich ihr zuwen­den, wenn sie nicht von Gedan­ken “gefan­gen” ist. Auch dann ist das natür­lich Wirk­lich­keit: Die Auf­merk­sam­keit ist von Gedan­ken absor­biert und spielt im Land der Illu­sio­nen. Aber die Wirk­lich­keit, die IMMER da ist, tritt dann in den Hin­ter­grund: das Bewusst­sein, in dem sich die Erschei­nun­gen und Illu­sio­nen abspie­len. In dem sich Gedan­ken an “[Name] und seine Welt” und die ent­spre­chen­den Gefühle abspielen.


Bisher dachte ich ein­zig allein, meinen Kör­per zu verbes­sern, weil er ist das Haus von meinem ICH, dann fühlt er sich wohl und das ist ange­nehm. Das glei­che tat ich mit Gedan­ken und Gefühlen. Manch­mal tat ich auch gar nichts zu letz­te­ren bei­den und dann war ich nur prä­sent, dann hat sich Trauer von selbst gelöst und es ist wie­der so ok wie es ist. Manch­mal hat sich die nega­tive Emo­tion auch nicht gelöst. Auch das war ok. Inso­fern ist das also das von Dir genannte “zum Fri­seur gehen”. Und ich bin so froh, dass das ok ist. Offen­sicht­lich ist das ein­fach die irdi­sche Dimen­sion, und die Non­dua­li­tät eine Paral­lel­welt, die gleich­zei­tig exis­tiert. Ist das so? Kann man es so sehen? Das recht­fer­tigt dann näml­ich für das EGO das “zum Fri­seur gehen”. Viele Leh­rer ver­nei­nen das Therapieren.


Eine mögliche Beschrei­bung: Da ist das Bewusst­sein (was nur ein Wort ist und auch das “Unbe­wusste” bein­hal­tet; andere Worte wären “das Leben, die Leben­­­­­­­dig­­­­­­­­keit, Intel­­­­­li­­­­­­genz, das Sein, das Nichts …”) und die Erschei­­nun­gen: die Inhalte des Bewusst­seins; die For­men, die das Bewusst­sein annimmt; die Art, wie es sich jetzt gerade zeigt.

In der Welt der Erschei­nun­gen geschieht alles, Gedan­­ken kom­­men, Haare wach­­sen, Fri­­seure bie­ten sich an. Der Orga­­nis­­mus küm­­mert sich um sein Wohl­­er­ge­hen; er fühlt Hun­­ger, dann besorgt er sich etwas zu essen. Er fühlt Trauer, dann besorgt er sich einen The­ra­­peu­­ten oder ein Selbst­hil­­fe­buch oder einen Freund zum Reden, oder er joggt, bis er sich bes­­ser fühlt, oder er “geht der Trauer auf den Grund”, er workt oder weint …

In der Welt der Erschei­nun­gen (die du “die ird­sche Dimen­sion” nennst) gibt es jede Menge sol­cher selbst­or­ga­ni­sie­ren­der und selbst-heilender Pro­zesse. Da ist kein Ego, das zum Fri­seur geht, son­dern ein Orga­nis­mus, ein Aus­druck des Bewusst­seins, mani­fes­tierte Leben­dig­keit. Leben­dig­keit “an sich” und mani­fes­tierte Leben­dig­keit sind keine getrenn­ten Wel­ten und auch keine Paral­lel­wel­­ten (ich weiß, die Worte sind immer unzu­rei­chend), son­dern die Erschei­nungs­welt ist Aus­druck der Lebendigkeit, des Bewusstseins. (Das trifft es auch nicht ganz … Worte!)

Im Spiel der Erscheinun­gen ist “zum Fri­seur gehen” genauso eine Erschei­nung wie “die Haare wach­sen las­sen”. Beides sind Gescheh­nisse; Rum­sit­zen ist nicht bes­ser oder schlech­ter als Jog­gen, Passi­vi­tät nicht bes­ser oder schlech­ter als Akti­vi­tät. Die Illu­sion ist, dass da jemand “von außen” ein­greift oder eben ver­mei­det, ein­zu­grei­fen; die Wirk­lich­keit ist, dass das alles im Spiel der Erschei­nun­gen und Energien geschieht.


Und was wäre, wenn ich nun aufhöre die ICH­losig­keit zu suchen, weil sie schon da ist? Denn, wenn ich jetzt hier bin, ich sitze hier am Sofa. Da habe ich keine Gedan­ken, keine Emo­tion außer Zufrie­den­heit inklu­sive etwas Freude und grad auch keine kör­per­li­chen Beschwer­den. Aber das ist eh immer so, außer hier und da im Alltagsstress.

Mit Ausnahme der kör­per­li­chen Beschwer­den, die zei­gen sich per­ma­nent, wenn ich nichts dage­gen unter­nehme, aber dann mache ich halt etwas Feldenkrais und sie sind wieder weg. Und wenn ich es nicht mache, ist es auch ok. Dann habe ich halt etwas Rücken­schmer­zen, wen stört es? Wenn es das ICH stört, kann ich eh was dage­gen tun. Also alles irgend­wie absurd. (Weil irgend­wie geht sich kein Konzept aus, an dem ich fest­hal­ten soll / kann.)

Und wenn ich mich emotional schlecht fühle, dann trans­for­miere ich diese Gefühle. Und wenn nicht, es ist sowas von egal. Und nega­tive Gedan­ken oder zuviele Gedan­ken stö­ren mich über­haupt nicht. Soll­ten es je noch­mals zu viele Gedan­ken wer­den, dann gehe ich spa­zie­ren und in spätes­tens 20 Minu­ten bin ich auch gedan­ken­frei, als Kin­äs­thet sowieso sehr leicht. Höchs­tens gefühls­frei werden, das ist etwas schwie­ri­ger, weil eben soviel Gefühl da ist …


Mir haben einige Leute geschrie­ben, für die die Erkennt­nis, dass da “nie­mand” ist – die Erkennt­nis der Ich­losig­keit – ver­stö­rend und depri­mie­rend war. Die eine nihi­lis­ti­sche Erfah­rung von Leere, Sinn­losig­keit, Abwe­sen­heit gemacht haben. Die nur die Nega­tion erlebt haben, das Weg­fal­len, das dann wie ein Feh­len, eine Ödnis erschien. Für man­che ist es auch ein­fach nur ein intel­lek­tu­elles Ver­ste­hen ohne wei­tere Kon­se­quen­zen (außer dass sie an ihre Sätze den Zusatz “…. aber da ist ja nie­mand, der das macht” dran­hängen).

Der andere – viel größere – Aspekt ist zu erle­ben, was “statt­des­sen” da ist, was durch die Abwe­sen­heit des illu­si­onä­ren Ichs klar sicht­bar wird: die Abso­lut­heit des Erle­bens. Die Frei­heit von und in Erschei­nun­gen. Liebe, Freude, Frie­den, Erfül­lung. Die leben­dige Prä­­­­­­senz, die abso­lut nicht [Name] oder Dittmar ist. Lie­be­­­­­­vol­les Bewusst­­­­­­sein, das sich selbst erkennt und die Erschei­­­­­­nun­gen als Aspekt seiner selbst. Dass da kein “Ich” ist, das dem gegen­über­steht, ist darin selbst­ver­ständlich enthalten.


Dann bin ich grundsätzlich am Ende meiner Suche ange­kom­men,weil ich alles schon gefunden habe. Aller­dings hat mir das noch kein ein­zi­ger Guru, Leh­rer, Meis­ter, Trai­ner oder wer auch immer bestä­tigt. Die sagen alles was ande­res. Soll ich Dir glauben? :-)))))
Entweder bin ich ver­rückt oder ich habe die gan­zen Leh­rer nicht kapiert, weil sie für mich immer etwas ande­res aus­ge­sagt hat­ten als das was Du sagst!

Also ich glaube, ich bin am Ende der Suche ange­langt. Ja das tue ich, weil es ent­spricht doch mei­ner inne­ren Weis­heit, hätte ich das doch eher getan, aber ich dachte immer es fehlt mir was, wie eben alle behaup­ten. Und das ist nun der Punkt, alle Lehrer reden, dass mir was fehlt und sie was hät­ten wo ich nie bin!! Und ich glaube, ich bin da rein­ge­fal­len. Durch Dich habe ich offen­sicht­lich die Gewiss­heit erlangt, dass ich auch das, was Du meinst wie ICH­losig­keit nicht erlan­gen brauche. Also auch das sieht wie eine Vor­gaukelei aus.


Die Ichlosigkeit zu erlan­gen wäre wie die Schwer­kraft erlan­gen. Die Schwer­kraft kann ver­ges­sen wer­den, sie kann in den Hin­ter­grund der Wahr­neh­mung gera­ten, wenn die Auf­merk­sam­keit von etwas ande­rem fas­zi­niert ist. Beim Kon­zept “Ich­losig­keit” ist die Auf­merk­sam­keit zum Bei­spiel fas­zi­niert von Ver­spre­chen und von Bedin­gun­gen, wie die Ich­losig­keit aussehen sollte.


Die Gurus haben nämlich behaup­tet ich muss da etwas Kom­pli­zier­tes erken­nen und sehen … Ich finde alles absurd jetzt. Das ist ent­we­der meine Ver­wir­rung oder Klar­heit, dass alles eh so stimmt wie ich schreibe. Wenn ich es ver­glei­che mit Dir und vor allem den ande­ren Leh­rern, ent­steht die Verwirrung.

Außerdem meinen die Neuro­bio­logen ohne­hin, es gibt keinen freien Willen und so wei­ter, es pas­siert alles ohne­hin. Nur wegen all den Guru-Aussagen inklu­sive dem Osho und ande­ren ver­suchte ich immer das zum Zahn­arzt­gehen mit dem so Sein des “Es ist schon immer alles ok und ich bin in Ord­nung” zusam­men­zu­füh­ren. Nur hat kein ein­zi­ger sich getraut, das zu tun. Nur Du! Die haben immer alle gesagt, ich bin schon ok. Ich hatte solche Schmer­zen und auch nega­tive Gefühle und dann war für mich der Wider­spruch, von Du bist ok, [Name]. Nein, ich fand das nicht ok. Ich bin zum Thera­peu­ten gegan­gen, oder thera­piere mich jetzt ja selbst. Aber für mich schien das immer uner­laubt, dass ich quasi zum Zahn­arzt gehe.

Wie siehst Du eigent­lich das mit dem freien Wil­len, den es ja nicht gäbe, damit wäre auch das The­ra­pie­ren über­flüs­sig und würde eh sowieso von selbst passie­ren, ohne mein Dazutun?


Wenn du dich in die Hand schneidest (um es umgangs­sprach­lich zu sagen; kon­zep­tu­ell kor­rekt: “Wenn In­die­hand­schnei­den pas­siert”), dann rea­giert der Orga­nis­mus / das Leben mit Selbst­hei­lungs­kräf­ten: Neue Zel­len (Blut­plätt­chen) werden gebil­det, die die Ader ver­schlie­ßen usw. Außer­dem rea­giert der Orga­nis­mus mit Schmerz, also mit erhöh­ter Auf­merk­sam­keit für die Lern-Erfahrung. Diese erhöh­te (und unwill­kür­li­che) Auf­merk­sam­keit ist genauso Teil des Lebens wie die unwill­kür­liche Blut­ge­rin­nung. Beides ist Aus­druck und Mani­fes­ta­tion der Intelli­genz des Lebens.

Diese Intelligenz zeigt sich in der Welt der Erschei­nun­gen als >ler­nende< Intel­­­­­­li­­­­­­genz. (Was sollte “reines” Bewusst­sein ohne Erschei­nun­gen auch ler­nen?) Die­ses Ler­nen besteht zum Bei­spiel in einem geschick­te­ren Umgang mit dem Mes­ser, so dass der nächste Schnitt ver­mie­den wer­den kann. Ein gutes Bei­­­­­­spiel für ler­nende Intel­­­­­­li­­­­­­genz ist auch Feldenkrais. Da wird dem Orga­nis­mus nicht von “außen” ein Kon­zept auf­ge­zwun­gen, wie er ste­hen, sit­zen oder lie­gen sollte, son­dern er lernt ganz leicht durch direkte Erfah­rung, durch liebe­volle Auf­merk­sam­keit: “Ok, bei dieser Bewe­gung zieht es in der Schul­ter – aahh! Bei die­ser Bewe­gung fühlt sich das ja ganz leicht an!”

Diese liebe­volle Auf­merk­sam­keit ist ler­nende Intel­­­­­­li­­­­­­genz. Und sie hat einen thera­­­­­­peu­­­­­­ti­­­­­­schen Effekt. Den­sel­ben Effekt hat auch “The Work” (die du bestimmt auch kennst): “Wie fühlt es sich an, diesen Gedan­ken zu glau­ben? Und wie ist es ohne die­sen Gedan­ken?” Und den­sel­ben Lern-Effekt hat hat auch das ein­fa­che Erle­ben: “Wie ist es, Bedin­gun­gen an den Moment zu stel­len (bzw. den gedank­lichen Vor­ga­ben an den Moment zu glau­ben)? Wie fühlt sich das an, wenn die Auf­merk­sam­keit stän­dig in Gedan­ken ver­hed­dert ist, dass das Leben (Ich / Du / Er / Sie / Es) anders sein sollte?” … diese Enge und Anspan­nung wirk­lich zu erle­ben und nicht als Beweis dafür zu neh­men, dass nur die Bedin­gun­gen erfüllt wer­den müss­ten und DANN würde ich mich bes­ser füh­len. Und die­sen Wahr­neh­mungs­tun­nel, diese Enge-durch-Bedingungen, die­sen Trance­zu­stand zu ver­glei­chen mit der Selig­keit, dem Frie­den, der Freude des bedin­gungs­lo­sen Ein­fach­Seins, dem Jetzt-als-Geschenk …
Das ist ein Ler­nen durch Kon­trast, wie bei Feldenkrais, The Work und beim Topfschlagen.

Auch das Bedingungen­stellen und Vom-Leben-Fordern und Kämp­fen sind Mani­fes­ta­tio­nen des Bewusst­seins. Mir schei­nen sie nur viel schmerz­haf­ter als die Bewusst­seins­in­halte so sein zu las­sen, wie sie grad sind, inklu­sive der Lern­er­fah­run­gen. Die liebe­volle Zuwen­dung fühlt sich liebe­voll an, das Abwen­den von der Wirk­lich­keit fühlt sich dumpf und ver­wirrt an. Ver­wir­rung ist Teil des Lebens, ebenso das Ler­nen und das Able­gen von schmerz­haf­ten Mus­tern, das sich natür­lich aus den Lern-Erfahrun­gen ergibt, so wie beim Schnei­den mit dem Mes­ser (z.B. “Nicht auf die Hand zu schnei­den, son­dern von der Hand weg! Nicht auf die Schneide drücken! Hin­schauen!”). Ler­nen ist die Bewe­gung von Ver­wir­rung und Unklar­heit hin zu Klar­heit. Lernen geschieht aus Selbst­liebe und ist Selbst­liebe in Aktion.


Also die Leichtig­keit ist immer da, und selbst wenn Schwere da ist, gibt es gleich­zei­tig auch Leich­tig­keit. nur wenn ich die von Dir ange­spro­chene ICH­losig­keit errei­chen wollte, dann hätte ich ein Pro­blem und es wäre wie­der alles schwer und kom­pli­ziert. Denn ich muss ehr­lich sagen, diese Illu­sion von ICH, wie es alle Gurus benen­nen, dieser [Name], ich finde den ein­fach ok mit sei­nem Kör­per, sei­nen Gefüh­len und sei­nen Gedan­ken. Und Punkt. Es wäre schade wenn das weg wäre, weil ich so gerne lebe…….

Das ist wenn überhaupt der einzige Wider­spruch mit Dei­nen Wor­ten, die ich even­tu­ell fehl­in­ter­pre­tiere. Und dann muss ich noch sagen, dass das SO­SEIN für mich genau so super wie das ICH ist. Und Punkt. Warum tren­nen? Dann gibt es auch noch Leute die in ein Selbst auf­tren­nen, alles zu kom­pli­ziert finde ich.


Ja, solange das Ich (also der Glaube an ein getrenn­tes Ich, das Bedin­gun­gen stel­len und durch­set­zen kann) keine zu gro­ßen Schmer­zen verur­sacht, ist das Heim­weh nicht so im Vor­der­grund. Bei mir war die Umkehr, dass ich zu große Schmer­zen hatte, um noch Bedin­gun­gen zu stel­len, und mit meinem Latein am Ende war. Und dann habe ich bemerkt, dass das nicht meine Bedin­gun­gen waren und nicht mein Latein.

Und der Kör­per mit seinen Empfin­dun­gen hört ja nicht auf zu exis­tie­ren, nur weil die Iden­ti­fi­ka­tion mit ihm (oder mit den Gedan­ken) endet. Die Erschei­nun­gen erschei­nen wei­ter, aber sie sind mehr ein Liebes-Spiel als ein Schlachtfeld.

Soweit meine Beschrei­bung. Im End­effekt ist es eine Beschrei­bung mehr – “etwas, das jemand sagt”. Die Beschrei­bung zu glau­ben ist ein­fach nur ein Glau­ben mehr. Sie nicht zu glau­ben ebenso.

Die Frage ist: Deckt sich die Beschreib­ung mit dei­nem Erle­ben? Gibt es da eine Resonanz?


Allein wegen dem, dass es end­lich jemand gibt, der die Welt ähn­lich wie ich sieht, bin ich so dank­bar!!! Ich würde gerne mal nach München kom­men und bei Dir eine Coa­ching­stunde nehmen. Zum Spaß, zur Freude und ver­mut­lich weil ich viel von Dir lernen kann. Danke!


Danke ebenfalls, ich habe dir sehr gerne geantwortet! Und klar, wenn du mal nach München kommen willst, zum Coaching oder zum Gesprächskreis, bist du herzlich willkommen.


Ich würde mich noch mehr über eine Ant­wort freuen auf meine Gedan­ken. Sie kann auch ganz kurz sein:-)


“Die Antwort kann auch ganz kurz sein” – das habe ich leider zu spät gelesen. 🙂

Herzliche Grüße
Dittmar

zurück zu Fragen & Antworten

Wahrnehmungsfilter: Ersetzen oder erforschen?

Sehr einleuchtend und wohltuend, das Thema mal unter dem Aspekt der bedingungslosen Liebe zu betrachten und sich die sonderbare Brille, durch die wir gemeinhin schauen, wiederholt vor Augen und damit ad absurdum zu führen. Wenn Du, Dittmar, an anderer Stelle NLP oder Byron Katies Work empfiehlst, wird doch aber wiederum die besagte Brille nur durch eine andere Brille ersetzt, oder nicht? Wie passt das für Dich zusammen?


Viele Leute halten NLP und The Work für “Methoden, um uner­wünschte Gedanken loszu­werden und durch bes­sere zu ersetzen”. Ich verstehe sie (vor allem im Kontext dieses Gesprächs) anders, nämlich als Erforschung.

NLP und The Work können dabei helfen:

  • zu erforschen, welche Bedin­gungen gestellt werden (die Gedan­ken zu erken­nen, die Bedin­gungen stellen);
  • zu erforschen, welche verzer­rende Wirkung das Sehen durch die Bedin­gungs­brille hat: die daraus resul­tie­rende Veren­gung des Erle­bens, die Anspan­nung, Wut, Einsam­keit, Trauer, Verwir­rung und Angst, die damit einhergeht;
  • für diese Gefühle und Reak­tionen nicht mehr die Welt verant­wort­lich zu machen, die “mir vor­ent­hält, was ich brauche”, son­dern die Reak­tio­nen als Folge der gestell­ten Bedin­gun­gen zu erken­nen, als Folge des Wahns, Ankläger oder Opfer zu sein;
  • die Alternative zu erkunden: zu erleben, was ohne Ankla­gen und Bedin­gungen schon da ist – liebevolle Offen­heit für alles, was sich zeigt.

Es geht hier also nicht um eine neue Kondi­tio­nie­rung und auch nicht um “Posi­tives Denken”, sondern um Lernen durch Kontrast:
So ist es, wenn eine Bedin­gung wich­tiger erscheint als Liebe, und so ist es, wenn Liebe wich­tiger ist als Bedingungen.

zurück zu Fragen & Antworten

Greift das Bewusstsein ein?

Hallo Dittmar,

ich schaue mir gerade Deine neue Seite an. Ich freue mich immer noch sehr über die erlösende Idee, dass es nichts zu „erarbeiten“ gibt. Als esoterisch erfahrener Mensch ist das mal was ganz anderes. Ich erinnere mich noch an den erschrockenen Moment, als ich in „Glück ohne Schmied“ begriffen habe, dass es auf eine ernüchternde Tatsache hinausläuft, die ich jedoch nicht leugnen kann. Diese Tatsache hat sich aber schnell sehr gut angefühlt.

Ich habe mich gefragt, ob das reine Bewusstsein irgendwie ins Leben eingreifen kann. Ich meine damit die Momente, wo uns im Leben bewusst wird, dass wir was ändern müssen. Sei es, das Rauchen aufzuhören oder Gewicht zu verlieren oder sich zu trennen. Oft spürt man schon lange, dass es so nicht mehr passt. Aber man kann sich noch nicht durchringen, es endlich umzusetzen.
Ich habe an dieser Stelle manchmal das Gefühl, unser bewusstes Denken ist wie eine Murmelbahn. Die Kugel kann nur die eingestellten Bahnen entlang laufen. In einem dualen Weltbild kommt dann ja viel Ärger dadurch auf, dass man sich unfähig oder zu dumm fühlt, etwas zu ändern und dass es trotzdem so ja nicht weiter gehen kann. Irgendwann kommt dann eine Veränderung in die Lage einer Bahn der Kugellaufbahn und plötzlich klappt es. Im Zustand nondualer Wahrnehmung kann man das, wie ich finde schön beobachten, ohne den ganzen Ärger dabei.
Ich habe sehr wohl den Eindruck, dass mir in der nondualen Wahrnehmung viele Dinge leichter fallen. Zum Beispiel Entscheidungen oder Veränderungen. Einfach weil ich leichter loslassen kann. Aber kann das Bewusstsein selbst aktiv werden? Eine Entscheidung treffen oder eine Aktion initiieren? Oder ist das Leben mit all seinen Entscheidungen und Aktionen letztendlich doch eine ziemlich neurologische Kugelbahn? Ich glaube fast, das Bewusstsein kann selbst nicht aktiv werden und Entscheidungen oder Aktionen selbst auslösen. Der Zustand in der Wahrnehmung ohne „Ich“ allerdings hat eine katalytische Wirkung auf die positive Entwicklung. Es fallen ja so viele Widerstände weg, wie ich finde.
Ich finde es manchmal erschreckend und ernüchternd und dann wieder sehr erlösend und ekstatisch schön, wenn ich feststelle, das ich weder beim Zähneputzen noch beim e-Mail-Schreiben lenken und eingreifen, planen, regulieren und vorgeben muss. Das Leben geschieht und mein Leben geschieht und ich beobachte mich manchmal beim Leben. Und dennoch habe ich bei allem gute Ergebnisse, ob ich als „Ich“ empfinde oder entspannt beobachte, ohne „Ich“. Aber man kann es echt keinem einfach so erzählen, ich hab es versucht. Entweder schauen sie einen ziemlich vorsichtig an oder verstehen es einfach grundsätzlich nicht. Tipps, wie man immer entspannt und glücklich ist, obwohl man die Steuerklärung machen muss oder gerade von Chinesen gefoltert wird, kommen hingegen immer gut an.

Soweit meine Gedanken an diesem Abend. Hier im Allgäu hat es noch keinen Schnee. Bis bald und herzliche Grüße,
Stefan

PS: „Weißt du, was super schmeckt? Wenn du ein Fitzelchen Zitron von Schale in den Espresso tust!“ Bitte hilf mir! Woher ist dieser Spruch nochmal? Hab ich ne Zeit lang sogar immer zitiert und mir fällt es nicht mehr ein!


Lieber Stefan,

ich würde nicht sagen, dass das Bewusstsein ins Leben „eingreifen“ kann. Dazu müsste es außerhalb des Lebens sein, getrennt davon, statt das ganze Leben zu sein, mit all seinen Erscheinungen und Aktivitäten. Das Leben hat keinen Eingriff.
Wenn aber die Vorstellung, der Eingreifer zu sein, nicht mehr geglaubt wird, dann können Lebensbereiche (Themen) sich entspannen, die sich um diese Vorstellung herum gebildet hatten.
Ohne den Glauben, der Kugelbahnbauer oder –lenker zu sein, fällt ja auch seine Kehrseite weg: „Ich bin unfähig, zu dumm …“ – die Unzufriedenheit und der Ärger über die Inkompetenz dieses Eingreifers.
Gleichzeitig kann es ein immenses Vertrauen ins Leben spürbar werden, das immer schon funktioniert hat, ohne Eingriff, ohne Gegenüber, das gegensteuern muss. Und damit auch ein Vertrauen in die Veränderungen, die das Leben mit sich bringt.

Auf vielen Kugelbahnen, die aus Angst und dem Wunsch nach Kontrolle gebaut wurden, rollt dann einfach keine Kugel mehr – mangels Angst, mangels Kontrollwunsch. Mangels scheinbarer Notwendigkeit, diesen Denkbahnen weiter zu folgen.
Eine Sucht kann wegfallen, weil das, wovon sie ablenken sollte, keine Angst mehr macht, sondern willkommen ist.
Die Sucht fällt weg, weil sie nicht mehr gegensteuern soll; weil sie nichts mehr in den Griff kriegen soll; weil kein Gefühlsmanagement mehr nötig erscheint; weil es keinen Grund mehr gibt, zu versuchen, sich von der Gegenwart fernzuhalten.

Frei vom Eingreif-Wahn kann klar gesehen und gefühlt werden, was eine bestimmte Kugelbahn, ein Verhaltens-, Denk- und Aufmerksamkeits­muster, versprochen hat (Sicherheit, Liebe, Glück …) und was es stattdessen mit sich bringt (Angst, das Gefühl von Getrenntheit, Unglück …).

In dieser liebevollen, unvoreingenommenen Aufmerksamkeit dafür, was wirklich geschieht, verliert das Muster seine Anziehungskraft, seine Schwerkraft, seine scheinbare Notwendigkeit.
Ohne diese Schwerkraft rollt die Kugel vielleicht noch eine Weile weiter (setzt sich die Gewohnheit vielleicht noch eine Weile fort), aber dann schwebt sie frei und ungebahnt als spontane, kreative Lebendigkeit. Vielleicht schwebt die Kugel davon, oder vielleicht findet sie eine schönere Bahn: eine sinnvollere, gesündere Gewohnheit.

„Fitzelchen Zitron“ sagt übrigens Dimitri aus „Beverly Hills Cop“.
Er sagt auch: „Mühe? Aber nicht doch, Dummerchen!“

In diesem Sinne, viele Grüße ins Allgäu!
Dittmar

zurück zu Fragen & Antworten

Playlist aller Videos | Nondualität

Hier die Playlist der Einzel- und Gruppengespräche und der Video-Chats zum Thema Nondualität / Nicht-Dualität.
Du kannst auf die Balken links oben im Bild klicken, um einzelne Videos auszuwählen.

Überblick der Videos | Nondualität

zu den Veranstaltungen | Nondualität

Videos Nondualität im Überblick

Alle Nondualität-Videos im Überblick (chronologisch, das neueste ist oben).

Playlist aller Videos | Nondualität

zu den Veranstaltungen | Nondualität

Erwachen — ein Ereignis?

Lieber Dittmar,

ich hatte damals am Gesprächs­tag die Frage, ob “Erwa­chen” eine Erfah­rung ist. Würde diese Frage jetzt anders for­mu­lie­ren: Ist mit dem Durch­schauen von Gedan­ken (und damit auch des Ich-Gedan­ken) not­wen­di­ger­weise ein Ereig­nis (was Tony Parsons viel­leicht als “shift” meint) ver­bunden? Denn es “merkt” ja nie­mand, dass etwas geschieht, oder? Dahin­ter scheint zu ste­hen, dass wenn ich drüber nach­denke, auto­ma­tisch der Ver­such gemacht wird, das Nichts, was schein­bar alles wahr­nimmt oder alles ist, zu per­so­ni­fi­zie­ren, und so wie­der etwas zu haben, womit man sich iden­ti­fi­zie­ren könnte. Ich geh mir selbst auf den Geist mit die­sen sich im Kreis dre­hen­den Über­le­gun­gen, die zu nichts füh­ren, außer dass diese Gedan­ken wei­ter exis­tie­ren. Komischer­weise tau­chen dabei Erin­n­erun­gen daran auf, wie ich als Kind auf dem 3-Meter-Brett stehe und das halbe Schwimm­bad lahm­lege, mit den wider­strei­ten­den Wün­schen zu sprin­gen und nicht zu springen.


Lieber …

meine Antwort ist wie übl­ich para­dox. Das Para­dox hier schon mal vor­weg: Ja, Erwa­chen habe ich als Ereig­nis erlebt, als unmiss­ver­ständ­li­che Auf­lö­sung. Und nein, dadurch wird nichts anderes wahr­ge­nom­men (die Far­ben sind nicht bun­ter), aber die eine Prä­senz in allem (das Nichts) gefühlt / gese­hen … Und noch­mal nein: Die Prä­senz ist nicht auf dieses Erle­ben ange­wie­sen, um Prä­senz zu sein. Sie ist schon das Leben, alle Gedan­ken, Ver­wir­rung, Klar­heit, Weite, Enge …

Der Ausdruck “Erwa­chen” ist an sich schon para­dox: In mei­nem Sprach­ge­brauch heißt Erwachen Erkennen, was immer schon wach ist. Erleben, dass da nur Wach­heit ist.
Erwachen heißt nicht, eine Über­zeu­gung zum Thema “Ich­lo­sig­keit” zu haben. Es heißt auch nicht, sich immer an ein Erwa­chens­er­leb­nis zu erin­nern, an einem Moment der Klar­heit fest­zu­halten.
Intel­lek­tu­el­les Ver­ste­hen der Ich­losig­keit, Schauen-und-kein-Ich-finden und die damit ver­bun­dene Erleich­te­rung oder Klar­heit: Das ist nur eine Betrach­tungs­weise, die kommt und geht (wenn der Gedanke an sie oder die Auf­merk­sam­keit für sie nicht da ist). Eine Über­zeu­gung, eine Erin­ne­rung sind kein direk­tes Erleben.
Ist da ein Emp­fi­nden, dass Du dem Erle­ben gegen­über­stehst? Ist jemand auf der Kom­man­do­brücke? Wird der Bewer­tungs­me­cha­nis­mus (“Ist es das schon? Ist das rich­tig? …”) erkannt als Mecha­nis­mus, oder fühlt er sich wie “Du” an, bis die Auf­merk­sam­keit sich ihm zuwendet?

Diese Vorstellung eines getrenn­ten, iso­lier­ten Wesens hält einer genau­e­ren Betrach­tung nicht stand, und doch scheint sie ohne genaue Betrach­tung bei vielen immer wieder impli­zit im Erle­ben auf­zu­tau­chen, als Bezugs­punkt / Zen­trum des Erle­bens voraus­ge­setzt. Die­ses Schein-Zentrum und die gedank­li­che und gefühlte Kon­trak­tion um dieses ima­gi­näre Zen­trum herum kann sich aber auflösen.

“Es ‘merkt’ ja nie­mand, dass etwas geschieht” – diese Beschrei­bung fand ich schon immer selt­sam. Denn es ist ja genau­so bei allen Sin­nes­ein­drü­cken, dass sie bemerkt wer­den ohne einen Bemer­ker, kom­men­tiert wer­den ohne Kom­men­ta­tor (und die­ser Kom­men­tar auch wie­der bemerkt und kom­men­tiert wird usw.).

Den Moment, als die Illu­sion we­gfiel, habe ich als stärks­ten Ein­druck ‘mei­nes’ Lebens erlebt: als wäre die Blase geplatzt, in der ich mich bis dahin gewähnt hatte; als wäre eine Trenn­wand ver­schwun­den, die ich vor­her kaum wahr­ge­nom­men hatte (die erst durch ihr Ver­schwin­den voll ins Bewusst­sein gekom­men war); als wäre der Erle­bende explo­diert und in alles Erle­ben hinein geschleu­dert … Ein sehr deut­li­cher Vor­her / Nach­her-Kontrast. Wenn jemand anders sich aber nicht so getrennt gefühlt hat, ist die­ser Kon­trast viel­leicht weni­ger deut­lich, oder der Über­gang ist flie­ßen­der. Ob Du vom Brett ins Was­ser springst oder ob Du sanft vom Becken­rand ins Was­ser glei­test, ist egal. Auf jeden Fall ist klar, dass Du im Was­ser bist. (Hier hinkt der Ver­gleich: Du bist das Was­ser.) Das Weg­fallen der Ich-Illusion geschieht anschei­nend auf viele ver­schie­dene Arten. Es muss nicht so sein wie bei mir. Ich bin kein Experte fürs Erwa­chen, son­dern kann nur beschrei­ben, wie ich es erlebt habe.

Auf YouTube gibt es Videos von Gehör­lo­sen, die mit Cochlea-Implan­tat zum ers­ten Mal hören (und davon über­wäl­tigt sind). Da ist keine Frage “Ist das jetzt schon Hören?”, das ist ganz unzwei­fel­haft. Oder bei den “Magic Eye” 3D-Bildern: Plötz­lich wird eine Gestalt gese­hen, die vor­her nicht erkannt wurde. Die­ses Sehen ist auf ein­mal da. So habe ich Erwa­chen erlebt: als ein Weg­fal­len, Frei­wer­den, Ent­kleis­tern und gleich­zei­tig als die Prä­senz des Zeit­lo­sen, Abso­lu­ten … das vor­her nicht weg gewe­sen war, son­dern igno­riert wurde. Und das ist das Para­doxe dabei: Diese Prä­senz ist schon immer alles Erle­ben (oder “das, was erlebt”). Sie ist nicht davon abhän­gig, dass sie erkannt wird.

Die Frage “Ist es das schon?” hat sich erle­digt. Es ist schon das Leben in vol­ler Blüte, mit al­len Gewohn­hei­ten. Immer wieder mal tau­chen alte Gewohn­heits­mus­ter auf, und wenn sie genug stres­sen, dann wer­den sie genauer betrach­tet. Im Licht dieser Betrach­tung ver­änd­ern sie sich (wie ein Update) oder sie laufen noch eine Weile so weiter.
Alles ist Wasser, auch die Vor­stel­lung vom Land und vom Becken­rand, das Kind und die wider­strei­ten­den Wün­sche. Das Sprung­brett ist Was­ser, und alles darauf auch.

Ich hoffe, Du kannst nichts damit anfangen. 🙂


Lieber Dittmar,

dank dir sehr für deine ein­leuch­ten­den Worte! Sie sind ange­kommen.

Du schreibst: “…als wäre eine Trenn­wand ver­schwun­den, die ich vor­her kaum wahr­ge­nom­men hatte – die erst durch ihr Ver­schwin­den ins Bewusst­sein gekom­men war…”
Bei diesen Wor­ten merke ich, wie wenig ich über­haupt davon mit­be­komme, ob oder dass da ein Emp­fin­den ist, dass ICH dem Erle­ben gegen­über­stehe, oder dass jemand auf der Kom­man­do­brücke steht.

Ähnlich dem wie du es beschreibst, ist im direk­ten Hin­sehen und Nach­spü­ren keine Wesen­heit hin­ter dem Wort “Ich” zu erfas­sen. Doch scheint die Vor­an­nahme “immer wied­er impli­zit im Erle­ben auf­zu­tau­chen, als Bezugs­punkt / Zen­trum des Erleb­ens voraus­ge­setzt”. Logisch, dass das ver­wirrend ist.

Und damit komme ich zu deiner Frage: “Wird der Bewer­tungs­me­cha­nis­mus (“Ist es das schon? Ist das rich­tig? …”) erkannt als Mecha­ni­smus, oder fühlt er sich wie “Du” an, bis die Auf­merk­sam­keit sich ihm zuwendet?”

Es scheint gewohn­heits­mä­ßig voraus­ge­setzt zu sein, dass es in mir ein Etwas gibt, das Bewer­tun­gen wie ein Schieds­rich­ter abgibt, näm­lich am Spiel nicht betei­ligt und es wird selt­sa­mer­weise ein­fach so (ohne Begrün­dung) voraus­ge­setzt, dass diese Kom­men­tare voll­kom­men unab­hän­gig, neu­tral, über den Din­gen ste­hend, wie getrennt von ihnen, die Rea­li­tät so beschrei­ben wie sie ist, so als wären diese Beur­tei­lun­gen sel­ber nicht Teil der Realität.
Zu erle­ben, dass sie doch nur ein Teil unter vie­len ande­ren des Daseins sind, fühlt sich an wie ein irri­tie­ren­des Flackern, wie ein Wackel­kontakt.
Und wie du schreibst, wenn sich dem die Auf­merk­sam­keit zuwen­det, dann ist nichts von einer Ich-Substanz zu erken­nen und doch scheint dieser blinde Fleck ein­fach “über­spielt” zu wer­den mit einem “Ersatz”, viel­leicht weil die Leere Angst macht(?).

Also ist es ein­leuch­tend, dass da nichts ist aber, wie du sagst, nur dann wenn die Auf­merk­sam­keit darauf ruht.

Ich glaube, dass ich mich immer wie­der mit diesen Them­en beschäf­tigt habe, weil unter­schwel­lig die Hoff­nung bestand, dass die Gedanken “etwas brin­gen”, mich zu einem Zustand füh­ren wür­den, der irgend­wie Sor­gen­frei­heit ver­spricht.

Aber “in Gedan­ken ist es nicht zu finden”.

Und das, was jen­seits von Gedan­ken lie­gen mag, kann ich mir nicht vor­stel­len und ‘inter­es­siert mich’ des­halb auch nicht, im Gegen­teil: Wenn ich drüber nach­sinne, bleibt nur Angst, weil es Kon­troll­ver­lust impli­ziert und irgend­wie besteht die Über­zeu­gung, dass ich bis­her, mehr oder weniger, Kon­trolle hatte.

Da ist eine immer stär­ker wer­dende Müdig­keit, mich über­haupt gedank­lich mit diesen The­men zu beschäf­tigen, eben weil die Gedan­ken ‘nichts brin­gen’. Sie dre­hen sich immer nur im Kreis, wäh­rend im All­tag meis­tens alles beim Alten bleibt.

Ich stehe vor dei­nen wun­der­ba­ren Beschrei­bun­gen von Erken­nen / Erwa­chen wie der Ochs vorm Berg. Die Gedan­ken ver­su­chen sich eine Vor­stel­lung zu machen, aber es geht nicht oder bes­ser gesagt, diese Vor­stel­lun­gen haben die glei­che Wirk­ung, wie als würde mir die Spei­se­karte (oder eins die­ser Speise-Imitate aus Kunst­stoff) anstelle der ech­ten Spei­sen ser­viert: Ich kann tat­säch­lich nichts damit anfangen.


Lieber …, ich schreib Dir immer wie­der gerne und freue mich auch über Deine scharf­sin­ni­gen und ehr­li­chen Antworten.

1. Ich kann die Angst vor dem Kon­troll­ver­lust ver­ste­hen. Auch wenn “eigentl­ich” klar ist, dass da kei­ner die Kon­trolle hat. Ich hatte auch ganz große Angst, wollte mich lie­ber bes­sern als mich verlieren.

Einfach gesagt ist die Angst unbe­grün­det. Der “Kom­men­ta­tor” wird als Mecha­nis­mus erkannt, der Dir nie ent­spro­chen hat, aber immer für Dich gespro­chen hat; der Dich nie ver­stan­den hat, aber immer so klang als wäre er Du.
Er ver­liert seinen Macht­an­spruch (ein Schieds­richter kann das Spiel wenigs­tens unter­bre­chen!) und ist nur noch ein Text, der abläuft, keine Autorität.

Das ist kein Verlust. Aber ein Los­las­sen, Auf­ge­ben, Ein­las­sen, Auf­hören … für etwas Unbekanntes.

2. Ich finde es sehr natür­lich, dass dieses Thema viel Auf­merk­sam­keit auf sich zieht! Und ich kenne auch die Ermü­dung und das Gelang­weilt­sein durch die vie­len Gedanken.

Vielleicht gibt es bei Dir jetzt einfach grö­ßere Bewusst­heit über die ver­schlei­ernde / ver­zer­rende Wirk­ung von Gedan­ken, das hat viel­leicht gar nicht so viel mit dem Thema zu tun …?

zurück zu Fragen & Antworten

Nondualität | Nichtdualität 1als2

Nondualität | Nicht-Dualität | 1als2Nicht-Dualität: Videos und Texte über Leben­dig­keit und die Formen, die sie annimmt.

Diese Erschei­nungs­formen sind leben­dige Energie in Bewe­gung, in stän­diger Verän­de­rung. Das Ein­zige, das kons­tant bleibt, ist die Leben­dig­keit vor, hin­ter und in den Erschei­nungs­for­men. Das Bewusst­sein (die Offen­heit, der Raum, die Stille …), in dem die Erschei­nungen auf­tau­chen; die Präsenz, die Intel­li­genz, die sich in ihnen mani­festiert. Das Eine, das sich als Zwei­heit, als Viel­falt zeigt.

Wenn sich die Auf­merk­sam­keit ihrem eige­nen Ursprung zuwen­det, dem Bewusst­sein selbst, dann wird diese Quelle der Erschei­nun­gen als Freude, Liebe, Erfül­lung erlebt; als all­ge­gen­wär­tige, ein­zige Präsenz, frei und un­getrübt von allem, was in ihr auf­taucht; vol­ler Liebe für sich selbst in all ihren Erschei­nungs­for­men.

Die Vor­stellungen von Getrennt­heit werden als Illu­sion durch­schaut: als Traum, ein getrenn­tes Wesen zu sein, das der “Außen­welt” das abrin­gen muss, was es braucht, um voll­stän­dig zu werden.

Nur in der Iden­tifi­kat­ion mit einem Bewusst­seins­in­halt erscheint die Hin­wen­dung zur Quelle nicht als das Natür­lich­ste, Selbst­ver­ständ­lich­ste über­haupt, son­dern als ein lan­ger, schwie­ri­ger Weg mit vie­len Stu­fen und Hin­der­nis­sen. Die Erkennt­nis des einen Bewusst­seins ist aber in jedem Moment mög­lich – nur nicht für ein getrenn­tes Einzel­wesen, denn die Illu­sion der Getrennt­heit kann sich im Erle­ben der einen Leben­dig­keit nicht halten.

Hier fin­det ihr Tex­te, Gedichte, Videos, Veranstaltungen und Expe­ri­mente, die auf dieses Erle­ben der Nicht-Dualität hin­wei­sen.

Fragen und Feed­back dazu sind will­kom­men – jetzt auch im Live-Chat!

Fragen? Kommentare? Anmeldung?