Da es kein “Ich” gibt, was kann ich tun?

Dittmar, kennst du Andreas Müller, thetimelesswonder.com? Ich war mehrmals bei ihm. Seitdem bin ich ziemlich desillusioniert. Da es kein “Ich” gibt, was kann ich da tun? Er sagt, dass alles scheinbar geschieht, Traurigkeit, Freude usw. Wir wollen wohl immer etwas tun, um das, was ist, nicht haben zu wollen? Bin sehr verunsichert und frustriert …

Liebe Grüße


Liebe …,

bei all diesen “Es gibt kein X, es gibt kein Y …”-Beschreibungen kann leicht übersehen werden, was es denn “stattdessen” gibt: Liebe. Frieden. Bewusstsein.
Die Hinwendung zur Wirklichkeit jenseits von Personen und Geschichten harmonisiert das Erleben und seine Inhalte.

Dadurch ändern sich die Erscheinungen nicht unbedingt nach Wunsch (ändern tun sie sich ja eh ständig), aber es wird erlebt, dass sie in Liebe und Frieden da sein dürfen, ob Traurigkeit oder Freude.

Niemand kann das machen, aber es geschieht, wenn den Vorstellungen, wie die Erscheinungen sein sollten, keine Autorität mehr zugeschrieben wird. Liebe und Frieden müssen nicht erzeugt werden, sie können einfach erkannt werden. Gerade schmerzhafte Situationen sind dafür sehr hilfreich, denn wenn alle Bedingungen, wie “es” sein sollte, erfüllt sind, dann ist es kein Wunder, dass sich das friedlich und schön anfühlt! Im Aufgeben von Vorschriften ans Leben, im Vertrauen ins Leben, wie auch immer es sich zeigen mag, wird das “zeitlose Wunder” sichtbar. (Um mal diesen Begriff zu zitieren, vielleicht meint A.M. ja etwas anderes als ich …)

Da sind Gedanken, die Bedingungen stellen. Und da ist Liebe, die keine Bedingungen stellt. Das Vertrauen kann sich von Gedanken zu Liebe verlagern. Nicht, weil das “jemand” macht, sondern weil das natürlich ist. Liebe ist natürlich.


Lieber Dittmar, danke für die Antwort. Es tut gut, so etwas zu lesen, danke!

Die “Ich”-Vorstellung

Was in diesem Buch das “Ich” genannt wird, ist die Vor­stel­lung, vom Rest der Welt getrennt zu sein: ein eigen­stän­diges Wesen, das Ent­schei­dun­gen trifft und sie in die Tat um­setzt. Doch der Den­ker, Ent­scheider, Macher, für den wir uns hal­ten, exist­iert nur in Ge­dan­ken. Das “Ich” ist kein Wesen, sondern eine Akti­v­ität: eine Inter­pr­eta­tion, die alles Er­leben auf ein imagi­nä­res Zent­rum be­zieht. Dieses Zen­t­rum scheint allem “ande­ren” ge­gen­überzustehen.

Vom “Gegen­über”-Stand­punkt aus betrach­tet erscheint die Welt als Pro­blem. Wir sehen uns mit der Schwie­rig­keit kon­fron­tiert, dem Leben die Erfül­lung unse­rer Wün­sche ab­zur­in­gen: fest­zu­hal­ten, was das “Ich” stärkt, und fern­zu­hal­ten, was ihm nicht ins Kon­zept passt. Das “Ich” ver­spricht die Macht, das Leben wunsch­ge­mäß zu steu­ern. Aber der Preis für diese Vor­stel­lung ist, dass immer etwas zu feh­len scheint. Denn das “Ich” ist nur eine Fik­tion, und wenn wir uns auf eine Fikt­ion redu­zie­ren, dann füh­len wir uns unvoll­stän­dig und irgend­wie irreal.
Weil das “Ich” auf so wack­li­gen Bei­nen steht, ver­langt es viel Bestä­ti­gung und Liebe und ent­puppt sich über­haupt als sehr war­tungs­in­ten­siv. Es ist sein eige­nes Sor­gen­kind, stän­dig auf der Suche nach etwas “ande­rem”, das ihm Kraft und Sicher­heit ver­lei­hen könnte. Von der Erfül­lung seiner Bedin­gun­gen erhofft es sich das Ende sei­nes Lei­dens. Aber eigent­lich lei­det es unter der schein­ba­ren Tren­nung von allem “ande­ren”, die es nie über­win­den kann, weil es nur in der Illus­ion von Getrennt­heit und Eigens­tän­digk­eit besteht.

In der “Ich”-Vorstel­lung endet die Suche, wenn alle Wün­sche er­füllt sind. Aber hat das schon jemals funk­tio­niert? Wie lange dau­ert es, bis die Unzu­frie­den­heit wieder auf­flammt, die das “Ich” und damit die Suche in Gang hält? Es ist, wie wenn man einen Luft­bal­lon zusam­men­drückt: Die Luft darin ver­schiebt sich nur an eine andere Stelle. Wenn dieser Mecha­nis­mus durch­schaut wird, dann rich­tet sich die Ver­än­de­rungs­lust schnell auf das “Ich” selbst. Jetzt ver­sucht es, “bes­ser” zu wer­den (beson­ders spi­ri­tu­ell, beson­ders lie­bev­oll …) oder sich im Stre­ben nach Erleuch­tung sogar ganz auf­zu­lösen.
Aber wenn die Suche auch nur für einen Moment auf­hört, dann zeigt sich etwas Über­ra­schen­des: Was gesucht wurde, ist schon hier – die Prä­senz, in der alles er­lebt wird. Alle Bedin­gun­gen und Vor­be­halte, die ans Er­leben gekop­pelt waren, ver­lie­ren ihre Bedeu­tung, und die Gegen­wart, so wie sie gerade erscheint, wird als Erfül­lung erkannt. Die Liebe, die immer gesucht und meis­tens über­se­hen wurde, ist das Er­le­ben selbst! Nichts Be­son­de­res, sondern alles.

(aus “Problemzone Universum – Vorhang auf für die Ich-Vorstellung”)Nondualität, Nicht-Dualität: Problemzone Universum (Cover)

Die Antwort auf alle Fragen

Lieber Herr Kruse,

heute Vormittag habe ich Ihr Buch „Glück ohne Schmied“ gelesen. Obwohl “ich” (ich verzichte künftig auf die Anführungs­zeichen, Sie kennen ja das Dilemma der Spra­che) mit dessen Grund­aus­sagen bereits lange vertraut bin, hat mich die Lektüre doch wieder daran erin­nert, den Fokus genauer auf die Wahr­neh­mung, auf das direkte Erle­ben, zu rich­ten und dadurch das perma­nente Wunder des Seins zu erkennen. Dafür danke ich Ihnen herz­lich! Sie laden den Leser am Ende Ihres Buches dazu ein, Ihnen zu schreiben und auf­tau­chende Fragen zu stellen. Diese Gele­gen­heit möchte ich gerne wahrnehmen.

Seit einem „Einheitserlebnis“ vor vier Jahren habe ich das „Sein“ für ca. eine Stunde direkt erlebt, ohne ein­engende, da nicht „ernst genom­mene“ Gedan­ken (resp. Geschich­ten, Konzepte etc.). Seit­dem ist mir bewusst, dass es nur den jetzigen Moment gibt, dass Ver­gan­gen­heit und Zukunft nur Geschich­ten sind, genauso wie das Kon­zept des „Ich“. Besonders ent­schei­dend war für mich die Ein­sicht, dass auf­tau­chende Gedanken über­haupt kein „Problem“ sind. Pro­ble­ma­tisch kann’s erst dann werden, wenn man diese Gedan­ken (etwa den „Ich-Gedanken“) für mehr nimmt als eben – einen Gedanken.

So weit, so gut. Woran ich dann aber doch immer wieder hängen­bleibe, sind Fragen, die sich auf die „Wirk­lich­keit“ der Welt bezie­hen. Gibt es die Welt über­haupt? Gibt es den eigenen Kör­per? Oder sind auch dies nur Gedan­ken­ge­bilde, Kon­zepte? Für mich spitzte sich diese Frage vor allem zu einer Frage zu: Sind meine Gedan­ken die Pro­dukte meines Gehirns oder ist mein Gehirn das Pro­dukt meiner Gedan­ken? Aus kon­se­quen­ter (meinet­wegen: phä­no­me­no­lo­gi­scher) Per­spek­tive müsste m.E. die zweite Ant­wort die richt­ige sein. Alles ist letzt­lich ein Gedanken­kon­zept, das eben im Jetzt, im direk­ten Erle­ben, auf­taucht, aber gewis­ser­ma­ßen keinen „onto­lo­gi­schen Sta­tus“ besitzt. Und dies gilt denn auch für Kon­zepte wie Kausa­li­tät und Zeit. Würden Sie dieser Eins­chät­zung zustimmen oder nicht so weit gehen?

Besonders intensiv taucht „hier“ immer wieder die Frage nach der „Wirk­lich­keit“ des „ander­en Men­schen“ auf. Ich bin mir mitt­ler­weile bewusst (diese para­doxe For­mu­lie­rung ist freil­ich nur der Spra­che geschul­det), dass es das „Ich“ als Ins­tanz nicht gibt, dass das „Ich“ ledig­lich ein Kon­zept ist wie „Du“ und „Menschen“ all­ge­mein. Das Ein­zige, was ich nicht nur als Kon­zept erlebe /begreife, ist das „direkte Erle­ben“, die Wahr­neh­mung mit all ihren Aspek­ten (formu­liere ich es so, ist es natür­lich nicht mehr die direkte Wahr­nehmung – das ewige Dilemma der Mys­tik …). Aber: Die „direkte Wahr­nehmung“ ist „hier“, das ist mir ein­deu­tig evi­dent, gerade weil sie kein Nach-Denken benö­tigt. Inwie­fern kann ich aber wissen, ob es die „direkte Wahr­neh­mung“ „dort“ (beispiels­weise „bei Ihnen in München“) auch gibt?

Ist das nicht einfach wieder nur ein Gedanke, der eben „bei mir hier“ auf­taucht, aber eben nur ein Kon­zept ist? Oder aus Ihrer Per­spek­tive for­mu­liert: Können Sie wissen, ob „dort“ (bei­spiels­weise „bei mir in Berlin“, eben nicht bei Ihnen) eben­falls direk­tes Erleb­en statt­findet? Und wenn dies nicht mög­lich ist, liefe das nicht auf ein solip­sis­ti­sches Welt­bild heraus – freilich auf einen Solip­sismus ohne Ich?

Lieber Herr Kruse, ich weiß weder, ob ich Ihnen das Pro­blem, das hier immer wieder auf­taucht, einige­rmaßen ver­ständ­lich machen konnte. Noch weiß ich, warum ich Ihnen dieses Pro­blem über­haupt mit­teile. Viel­leicht ist hier die Hoff­nung auf eine Ant­wort, die das ewige Fragen end­lich zur Ruhe brin­gen könnte. Jeden­falls tauchte der Impuls auf, Ihnen diese Mail zu schrei­ben. Viel­leicht haben Sie ja den Impuls, darauf zu rea­gieren? Ich würde mich sehr darüber freuen!


Danke für Ihre Fragen!

Wie Sie schreiben: “Problema­tisch kann’s erst dann werden, wenn man diese Gedan­ken (etwa den ‚Ich-Gedanken’) für mehr nimmt als eben – einen Gedanken.”
Das gilt ebenso für Fragen wie: “Gibt es … oder nicht?” Auch das sind ja Gedanken.

Ihr Einheits­erlebnis hatte ja wahr­schein­lich nichts damit zu tun, dass Sie auf jede mög­liche Frage eine Ant­wort wussten. Das ist die gedank­liche Vor­stel­lung von Klar­heit: auf jede Frage eine ein­deu­tige Antwort zu haben.

“Wenn Antwort A richtig ist, dann muss Antwort B falsch sein” – so die Sicht­weise und Logik von Gedan­ken. “Ent­we­der A exis­tiert oder A exis­tiert nicht.” “Ist das Illu­sion oder Realität?”

“Das permanente Wunder des Seins”, wie Sie es nennen, besteht ja nicht darin, eine Erklä­rung für alles zu haben. Sondern im Staunen über die schil­lernde Unbe­greif­lich­keit und Unbeg­riff­lich­keit des Seins, mani­fes­tiert in der zeit­losen Gegenwart.

Im Wunder des Einen als Viel­heit (1als2 heißt meine Webseite), in all diesen Para­do­xien. Nicht im “Entweder-Oder”, sondern im “Sowohl-Als auch” und im “Weder-Noch”.

“Sind meine Gedan­ken die Pro­dukte meines Gehirns oder ist mein Gehirn das Pro­dukt meiner Gedanken?”

Ja, beides. Und weder noch. Je nachdem. Ein Gehirn scheint sehr wich­tig, um Gedanken pro­du­zie­ren zu können. Das zeigt sich deut­lich, wenn das Gehirn in seiner Leis­tungs­fä­hig­keit beein­träch­tigt wird, z.B. durch Alko­hol, orga­ni­sche Schä­di­gun­gen wie Schlag­an­fall oder ein­fach nur durch Müdig­keit. Wenn das Gehirn nicht gut funk­tio­niert, wirkt sich das dras­tisch auf die Gedanken aus. Und gleich­zei­tig tauchen all diese Gedan­ken an und über das Gehirn ja eben gerade als Gedan­ken auf: “Mein Gehirn” ist ein Gedanke.

Dass etwas direkt erlebt wird, heißt nicht, dass es wahr ist (siehe Hallu­zi­na­tio­nen); dass etwas nicht direkt erlebt wird, heißt nicht, dass es nicht exis­tiert. “Wenn ein LKW auf Sie zu rast, schlie­ßen Sie ein­fach die Augen und hal­ten sich die Ohren zu, dann ist er ver­schwun­den!” – ich würde mich nicht darauf verlassen.

Die einzige verläss­li­che “Tat­sache” scheint mir: Da ist Erleben. Ob das ein Traum ist, ein Gedanke oder Buch­sta­ben auf einem Moni­tor: Da ist wirk­lich Erle­ben; Leben­dig­keit, die jetzt gerade erlebt und erlebt wird.

Und was erlebt wird, ist ein Zusammen­spiel von allen Sinnes­ein­drücken, die gerade da sind. Diese Eindrücke sind das Zusammen­spiel vom Organis­mus und seiner Umwelt. Das kann von Gedan­ken unter­teilt werden: Hier Orga­nis­mus, dort Umwelt. Im direk­ten Erle­ben ist immer bei­des gleich­zei­tig da und spielt zusammen. Bei­des taucht im Bewusst­sein /als Bewusst­sein auf. Die­ses Bewusst­sein mani­fes­tiert sich als Erschei­nun­gen, die durch einen bestimm­ten Orga­nis­mus wahr­genom­men werden; die Erschei­nungen sind nicht unab­hängig vom Orga­nis­mus und vom Bewusst­sein. Und der Orga­ni­smus ist selbst eine Viel­zahl von Erscheinungen.

Was Sie über “mich hier in München” denken, ist natür­lich ein Gedan­ken­kon­strukt, ebenso wie meine Gedan­ken an “Sie dort in Berlin” (und “meine” Gedan­ken an “München” und “mich” und “sons­tige Gedanken”).
Ich verwechsle Sie nicht mit den Gedanken an Sie, gehe aber (sagen wir mal “intui­tiv”) davon aus, dass bei Ihnen eben­falls direk­tes Erle­ben ist. Bewei­sen könnte ich es nicht, for­dert ja auch keiner.

Mein Bild zu unseren bei­den Orga­nis­men ist wie zwei Äste an einem Baum. Die erle­ben unter­schied­li­che Dinge: Auf einem landet gerade ein Vogel, der andere ver­liert ein paar Blätter im Wind … Und doch sind beide Mani­fes­ta­tio­nen des­sel­ben Baums und SIND derselbe Baum. 1als2.

Um meine Antwort in einem Satz zusam­men­zu­fassen: Die Wirk­lich­keit liegt jen­seits von Gedan­ken und kann von ihnen nie erfasst wer­den. Daher sind Gedan­ken hilf­reich zum Pla­nen, aber laden sonst oft nur zur Ver­wir­rung ein. Ok, ich dachte, es würde nur ein Satz.


Lieber Herr Kruse,

ganz herzlichen Dank für Ihre schnelle und aus­führ­liche Antwort! Ich finde es wirk­lich klasse, dass Sie so detail­liert auf meine Fragen ein­ge­gan­gen sind, und das auch noch an einem Feiertag.

Ihre Nach­richt hat eine para­doxe Wir­kung auf mich: Einer­seits löst vor allem Ihre Erin­ne­rung, dass natür­lich auch Fragen wie “Gibt es /Gibt es nicht?” ledig­lich Gedan­ken, also dua­lis­ti­sche For­men, sind, große Erleich­te­rung in mir aus – so, als ob ich mir durch diese Erkennt­nis nun nicht mehr die Mühe machen muss, mir diese Fragen stän­dig zu stellen. Anderer­seits verur­sacht gerade diese Erkennt­nis aber auch, dass Unruhe und Ent­täu­schung in mir auf­stei­gen, verb­un­den mit dem Gedan­ken, dass ich dann ja “nie etwas sicher wis­sen” kann. Und die wei­tere Erkennt­nis, dass frei­lich auch dies nur ein Gedanke ist, kann mich (im Moment zumin­dest) lei­der auch nicht beruhigen.

Und trot­zdem ist da eine Ahnung in mir, dass genau diese Ein­sicht, dass letzt­gül­tige Ant­wor­ten nie­mals gefun­den wer­den kön­nen, zur Ruhe führt oder, um es schön para­dox zu for­mu­lie­ren: dass die Lösung aller Fragen ist, dass es keine Lösung gibt.

Dies nur als kurzes Feed­back. Ich werde mir Ihre Sätze noch häu­fig “durch den Kopf gehen lassen”. Nochmals ganz herz­lichen Dank für Ihre Ant­wort und auch für den Hin­weis auf Ihre Webseite, auf die ich schon sehr gespannt bin.


Ich antworte Ihnen gerne, gerade am “Tag der (dt.) Einheit”!

“Die Lösung aller Fragen ist, dass es keine Lösung gibt.” … Ich würde sagen: Die Lösung solcher Wirk­lich­keits­fragen ist zu erken­nen, dass Gedan­ken eine abstra­hierte, ver­zerrte Schein­welt erzeu­gen, die der Wirk­lich­keit ähnelt, aber sie nicht erfas­sen kann.
Und dass gedank­liche Ant­wor­ten auf gedank­li­che Fra­gen der Wirk­lich­keit bes­ten­falls eini­ger­ma­ßen ähneln, aber nie, nie, nie, nie, nie die Wirk­lich­keit erfas­sen, die jen­seits der Gedanken liegt.

Sich an Gedanken zu halten, die Sicher­heit ver­spr­echen (“DIE Antwort”), führt zu Dogmen und zu Dogmatik.
Und fürs Denken ist das viel­leicht erst mal frus­trie­rend zu erken­nen: Es gibt Berei­che, in denen das Werk­zeug “Denken” nicht greift.
Dann kann es aber auch sehr erleich­ternd sein. Denn das Den­ken braucht sich nur noch um die Berei­che küm­mern, für die es zustän­dig ist: Planung usw., und muss nicht mehr für ALLES zustän­dig sein.

Das Denken hat Fragen, die im Denk-Modus fas­zi­nie­rend und vor allem wich­tig erschei­nen und oft über­haupt nur im Den­ken exis­tieren: “Der Dorf­bar­bier rasiert die Män­ner, die sich nicht selbst rasie­ren. Rasiert er sich selbst?”
Und das Denken kann mit sol­chen Fragen spie­len, wenn es Spaß daran hat, aber dabei wird es keine Sicher­heit oder die Antw­ort auf alles finden (die bekannt­lich “42” ist).

Die faszinierendste aller Fragen finde ich: Was ist “JETZT”?, eben weil alle gedank­li­chen Ant­wor­ten darauf völlig unzu­reichend sind und die einzig interes­sante Ant­wort nur in der gegen­wär­ti­gen Offen­heit besteht.
Die Antwort ist Stille. Stille für das, was sich jetzt zeigt.

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Dies

Dies ist die Oberfläche von Nichts
Ein hauchdünner Film
Über Stille
Nichts dahinter und alles darin.

Dies ist die Form
Die Dein Blick annimmt.

Diese Worte fallen in Dich
Schweben
Und verwandeln sich
Und Nichts bleibt.

Dies ist Erleben
Das ist alles.

alle Gedichte

Dittmar Kruse

NLP-Trainer  (Lehr­trainer DVNLP und NLP Inter­na­t­ional), Lehr­coach,
Heil­prak­ti­ker für Psy­cho­the­rapie in München. (Details unter KruseKurse.de).

Autor von Hör­bü­chern, CDs und bis­her drei Büchern:
Glück ohne Schmied
Problemzone Universum
Der Teen-Coach
(Mehr dazu unter KruseVerlag.de)

Fragen? Kommentare? Anmeldung?

Das Unterbewusstsein

Lieber Dittmar,

danke für die auf­schluss­rei­chen Ein­blicke. Ich schätze dich sehr als jeman­den, der Non­dua­li­tät ver­kör­pert, ohne sich auf einen Guru-Sockel zu stel­len. Momen­tan scheint es für mich aber trotz­dem nicht anzu­st­ehen, an dein­em öffent­lichen Chat teil­zu­neh­men.

Zwei Fra­gen habe ich trotz­dem:
Obwohl die ge­trenn­te Ich-Ins­tanz eine Illu­sion ist, wird gemein­hin von einem ener­ge­ti­schen Tod ge­spro­chen, der not­wen­dig ist, be­vor jemand das All-Eins-Sein komp­lett ver­kör­pern kann. Wie siehst Du das? Und was ist mit dem Unter­be­wusst­sein? Gren­zen­los­es Bewusst­sein schließt doch das Unter­be­wusst­sein mit ein – ist es inso­fern nicht wich­tig, das per­sön­li­che und das kol­lek­tive Un­be­wusste zu inte­grieren, damit Ganz­heit rea­li­siert wird?

Danke und herzliche Grüße


Danke für deine Mail!

Wie immer halte ich es für sinn­voll, mög­lichst wenige Kon­zepte zu ver­wen­den und statt­des­sen zu schauen, was wirk­lich er­lebt wird. Und wenn ein Be­griff wie “Unter­bewusst­sein” ver­wen­det wird, ihn zu de­fi­nie­ren, um zu schauen, ob wir das­selbe meinen.

Die ein­fachste De­fi­ni­tion fin­de ich “Das, was gerade nicht bewusst ist” und würde  das syno­nym ver­wen­den mit “Das, wo die Auf­merk­sam­keit gerade nicht ist”.
Der Begriff “Unter­be­wussts­ein” klingt so, als wäre das ein Wesen statt ein­fach nur “Das, was (jetzt gerade) nicht bewusst ist”.
Mit ande­ren Wor­ten finde ich den Begriff “Unter­be­wusst­sein” unnötig, und “Das Un­bew­usste” auch, so wie es kei­nen Be­griff braucht für “Das, was gerade nicht wahr­ge­no­mmen wird”.

Viel­leicht ist deine De­fi­ni­tion von “Un(ter)­be­wusst­sein” auch ganz anders, was ver­stehst du denn darunter?

Meine Beschrei­bung: Da sind Mus­ter, Gewohn­heiten, Auto­ma­tis­men der Auf­merk­sam­keit und der Reak­tio­nen auf das Wahr­ge­nom­mene. Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten, Über­ze­ugung­en, die voraus­ge­setzt und nicht hin­ter­fragt wer­den.
Man­che Mus­ter kön­nen bewusst wer­den (z.B. Atem-Muster, Denk- und Sprech­wei­sen), man­che nicht (z.B. Auf­schlüs­seln der Nah­rung nach Nähr­stof­fen und Abfall).

Zum “ener­ge­ti­schen Tod”: Er ist das Ende der Illu­sion, dass es “meine” Ener­gie inmit­ten von “ande­ren” Ener­gien gibt. Das Er­le­ben des einen Ener­gie­meers, von dem nichts aus­ge­nom­men ist, und der Stille darin, von der nichts aus­genom­men ist.

Die Ener­gie fließt auch in Mus­tern, die Wir­bel bil­den oder stag­nie­ren kön­nen (siehe oben). Die­se Mus­ter sind nicht ge­trennt vom Gesamt­gesche­hen, von der momen­ta­nen Energie-Konstel­la­tion, nur gehen dys­funk­tio­nale Mus­ter von anderen Gege­ben­hei­ten aus: von der Situ­a­tion zu der Zeit, als sie ent­stan­den sind; von der Not­wen­dig­keit, etwas zu ver­tei­di­gen oder zu be­kämp­fen oder zu igno­rie­ren und sonstigen Irrtümern.

Dafür kann es ein Up­date geben: In der Er­kennt­nis, dass die Mus­ter etwas ganz Un­per­sön­li­ches sind, im Er­ken­nen der einen Lee­re in al­len Er­schei­nun­gen, in allen Mus­tern, kann die Ener­gie spon­tan in neuen Bah­nen flie­ßen, die sich stimmig, friedl­ich und lie­bev­oll anfühlen.

Herzliche Grüße
Dittmar


Hallo Dittmar,

herz­­li­chen Dank für die auf­schluss­rei­chen Im­pul­se. Wenn Du für Deine in­ves­tier­te Zeit einen fi­nan­ziel­len Aus­gleich möch­test, lass mich bitte Dein­e Kon­to­nu­mmer wissen.

Zum Thema “ener­ge­ti­scher Tod und über­per­sön­liche Energie-Muster” kann ich gut nach­voll­zie­hen, was Du meinst.

Mit dem Unter­be­wusst­sein meine ich das, was Eckhart Tolle den Schmerz­kör­per nennt. Das, was mich ent­we­der zur Täterin oder zum Opfer macht, was sich manch­mal wie ein Dämon an­fühlt und manch­mal wie ein quen­ge­li­ges Klein­kind. Ent­spre­chende Pro­jek­ti­onen ge­hören für mich eben­falls zum Be­griff Unter­be­wusst­sein. Die Aus­ein­an­der­set­zung mit neu­eren Er­kennt­nis­sen aus der Trauma­for­schung hin­sicht­lich mei­ner eige­nen trau­ma­tis­chen Ener­gien ist mei­ne per­sön­li­che psy­cho­lo­gi­sche Ebene die­ses Phä­no­mens Schmerz­körper.

Konkreter aus­ge­drückt erlebe ich z.B. in Be­geg­nun­gen oft­mals eine feind­se­li­ge Hal­tung in mir, ob­wohl ich ei­gent­lich freund­lich sein möch­te, und habe dann kei­nen Ein­fluss auf mein Ver­hal­ten. Oder wenn ich Angst habe im Um­gang mit Men­­schen, be­kom­me ich ein ganz stren­ges Ge­sicht – ein Phä­no­men, wel­ches ich als sog. “Täter­intro­jekt” inzwi­schen durch­aus ein­zu­ordn­en weiß.

Wenn ich mir aller­dings das be­din­gungs­lo­se Eins­sein aller Men­schen mit dem ein­zig Einen be­wusst mache und mich in die­sem Be­wusst­sein mit­tels ent­spre­chen­der Affir­ma­tio­nen ver­an­ke­re, er­le­be ich durch­aus Lie­be im Sin­ne von Eins­sein, sowie Frie­den und Angst­frei­heit im Um­gang mit Menschen. Das ist aber noch nichts Selbst­ver­ständ­li­ches in mir, die al­ten sozial­pho­bi­schen Mus­ter über­la­gern oft­mals noch das, was ich als “meine” sog. wah­re Na­tur durch­aus be­reits er­fah­ren habe.

Verstehe ich Dich rich­tig, dass es für die voll­stän­di­ge Rea­li­sie­rung die­ses All-Eins-Seins nichts zu tun und nichts zu las­sen gibt? Momen­tan ten­diere ich aller­dings da­zu, mich mit den oben erwähn­ten Affir­ma­tio­nen wei­ter darin zu üben, DAS zu rea­li­sie­ren, was ich bereits BIN.

Danke für alles und herzliche Grüße


Ich danke dir eben­falls für die interessan­ten Fra­gen … und für das Aus­gleichs-Angebot! Ich freue mich, dir zu ant­wor­ten, es braucht kei­nen wei­te­ren Aus­gleich.

Danke auch für deine (und Eckhart Tolles) Defi­ni­tion von “Unter­be­wusst­sein” bzw. “Schmerz­kör­per”! Die Vor­stel­lung, die durch diese Be­grif­fe sug­ge­riert wird, ist: Da gibt es etwas Nega­ti­ves, das am bes­ten ge­löscht wer­den soll­te. Ohne Schmerz­kör­per, ohne Dä­mon, ohne quen­geliges Kind wären wir besser dran.

In solchen Kon­zep­ten (oder auch “Teil­per­sön­lich­kei­ten”, “Schat­ten” usw.) wird als Wesen be­schrie­ben, was nur ein Mecha­nis­mus ist. Eine ge­lern­te Rea­kt­ion, die in der Si­tu­a­tion, in der sie ge­lernt wur­de, als bes­te oder ein­zi­ge Mög­lich­keit er­schien, und im Licht aktu­el­ler Er­fah­run­gen nicht mehr passt, weil an­d­ere Mög­lic­hkei­ten er­kannt wur­den. Die­sel­ben ge­lern­ten Tanz­schritte, ob­wohl längst ganz andere Musik spielt.

So gesehen ist ein “Täter­intro­jekt” Modell-Lernen, das Ler­nen von Vor­bil­dern. Zum Bei­spiel: Be­stra­fung als Mit­tel, un­er­wünsch­tes Ver­hal­ten ab­zu­stel­len. Et­was, an das “eigent­lich” gar nicht ge­glaubt wird, das aber wei­ter läuft, so­lan­ge es nicht über­prüft und /oder aktu­alisiert wird.

Ich habe noch einen Begriff, den ich statt “Unbewuss­tes /Unter­be­wusst­sein” ver­wenden würde: Impli­zites Wis­sen. Das Wis­sen, das voraus­ge­setzt wird, ohne dass darü­ber re­flek­tiert wer­den muss. Zum Bei­spiel das Wis­sen, wo du ge­rade bist. Ein an­de­res Bei­spiel: Mir ist nicht be­wusst, wel­che Tas­ten auf der Tas­ta­tur links und rechts vom “P” lie­gen; trotz­dem gibt es das imp­li­zi­te Wis­sen darü­ber, so dass ich diese Tas­ten “blind” benut­zen kann, wenn ich sie brauche.
Und dieses “im­pli­z­ite Wis­sen” kann ve­ral­ten durch neue Ge­ge­ben­hei­ten, zum Bei­spiel wenn ich ei­ne eng­li­sche Tas­ta­tur be­nutze: Dann ist rechts ne­ben dem “P” ein an­de­res Zei­chen (das ich jetzt auch nicht weiß, aber bei Be­darf ver­wenden könnte).

Wenn das Ver­hal­tens- oder Auf­mer­ksam­keits­muster, das ab­ge­ru­fen wird, dys­funk­tio­nal ist (schmer­zhaft, gewalt­tä­tig o.ä.), dann ist ein Up­date sinn­voll, eine Inte­gra­tion des Auto­ma­tis­mus ins aktu­elle Erleben.

Das kann, wie du schreibst, durch eine Af­fir­ma­tion ge­sche­hen, eine Be­kräf­ti­gung des­sen, was du in­zwi­schen weißt /er­kannt hast. Diese Af­fir­ma­tion oder Er­in­ne­rung kann zu einer neuen Aus­rich­tung der Auf­merk­sam­keit füh­ren und da­mit zu einem ak­tua­li­sier­ten Den­ken, Er­le­ben, Füh­len, Ver­hal­ten. (Affir­ma­tio­nen kön­nen aller­dings auch ein Ver­such sein, das mome­ntane Er­leben zu leug­nen und sich davon abzuwenden.)

Die Aktua­li­sie­rung (das Up­date) kann da­rin be­ste­hen, zu über­prü­fen, was im al­ten Pro­gramm voraus­ge­setzt war, zum Bei­spiel: Bin ich in einer feind­li­chen Um­ge­bung? Gibt es et­was zu ver­tei­di­gen oder auf­recht zu er­hal­ten? Wel­che Be­din­gun­gen werden vom Mus­ter ge­stellt? Bei die­ser Über­prü­fung kann NLP helfen, oder auch “The Work” nach Byron Katie.

Das Update kann auch sein, mit neuen Au­gen zu schauen und sich dem ak­tu­el­len Er­le­ben mit For­scher­geist zu­zu­we­nden: Was er­leb­e ich jetzt? Wel­cher Ge­dan­ke ist ge­ra­de im Spiel? Ist er ein Bild, eine Stim­me, beides? Wie rea­giert der Kör­per darauf? Was ist da sonst noch? … Ohne Ver­bot, das zu er­leben, und ohne den Ver­such, die­je­ni­gen zu be­stra­fen, die die­se Ge­füh­le schein­bar aus­ge­löst ha­ben. Die­se offe­ne, freund­li­che Auf­merk­sam­keit für das ak­tu­elle Er­le­ben ist schon das Up­date, die Ak­tu­ali­sierung – und erfüllt den Wunsch nach lie­be­voller Zu­wendung.

“Ver­ste­he ich Dich rich­tig, dass es für die voll­stän­di­ge Rea­li­sie­rung die­ses All-Eins-Seins nichts zu tun und nichts zu lassen gibt?”

Das All-Eins-Sein umfasst al­les (wie der Be­griff schon sagt) und schließt nichts vom Er­le­ben aus. Auch z.B. das Ge­fühl, ge­trennt oder über­for­dert zu sein, darf im Er­le­ben auf­tau­chen. Ler­nen ge­schieht, wenn die­ses Ge­fühl nicht isol­iert er­lebt wird, son­dern im Zusammen­hang mit den Be­din­gun­gen, die ans Er­leben ge­stellt wer­den (wie es sich an­füh­len soll, wie an­de­re mir be­gegn­en sol­len …), als wä­ren die Be­din­gun­gen wich­ti­ger und das Eins­sein gerade nicht “Thema”.

Der Organis­mus ist an­ge­zogen vom Er­le­ben des Eins­seins, von Liebe. Er kann sich daran orien­ti­eren; Auf­merk­sam­keit und Ver­hal­ten kön­nen sich auf die Ge­gen­wart der Lie­be aus­rich­ten, statt nur mecha­nisch und re­fle­xhaft zu re­agie­ren. Er erlebt die Wei­te, die darin liegt, und lernt. Oder er lernt: “So fühlt es sich an, die­sen Ge­dan­ken und Be­din­gun­gen zu glau­ben” – und lernt aus dem Kon­trast zwi­schen Enge und Weite.

Das ist übri­gens ein Punkt, mit dem viele nicht ein­ver­stan­den sind: In Advaita-Kreisen hat “Ler­nen” einen schlech­ten Ruf; das Wort klingt nach Ar­beit und kann die Vor­stel­lung mit sich brin­gen, noch nicht “am Ziel” zu sein, noch etwas er­rei­chen zu müs­sen. Und es er­weckt viel­leicht die Vor­stel­lung einer Zu­kunft, für die ge­lernt wird.

Ich spreche aber vom Ler­nen für “Jetzt”. Das Leben ist ler­nen­de Intel­li­genz, ganz ohne Zu­tun. Er­leben ist Ler­nen, so wie ein Musi­ker lernt, wenn er ein­fach nur spielt … und dabei zuhört.

Dieses Ler­nen ge­schieht von selbst: ein Ler­nen aus Liebe zur Musik, zum momen­tanen Er­le­ben. Lernen aus Liebe.


Hallo Dittmar,

vielen, vielen Dank für die er­hel­len­den Er­läu­te­run­gen. Die Gros­chen fallen – manchmal nur cent­weise, manch­mal auch schlag­ar­tig.
 
Was das von Dir be­schrie­be­ne Up­date an­geht, fühle ich mich weni­ger zu Byron Katie und all­ge­mei­nem NLP hin­ge­z­ogen als zu Dei­nen Alter­na­tiv­vor­schlä­gen und zu der sog. Core-Transfor­ma­tion, die ich vor eini­ger Zeit schon mal an­ge­spro­chen hatte.
 
Ich wer­de dei­ne Mail wie­der­holt im Hin­ter­kopf be­we­gen und dran­blei­ben an der Er­for­schung der Ich-Illusion …
 
Herzliche Grüße

Frei

Last von den Schultern
Und die Welt wird Schwingen
Stein vom Herzen
Und das Herz springt auf und die Welt ist darin
Boden unter den Füßen
Trägt und lebt und die Füße
Entpuppen sich trägerlos
Als pures Leben
Inmitten der Lebendigkeit

alle Gedichte

Gedankenfallen glauben

Lieber Dittmar,

erschreckend, in welchen Gedan­ken­fallen man sich immer wie­der ver­fängt! Hört diese Geis­ter­bahn jemals auf? Und ist dann da endlich “die uner­träg­li­che Leich­tig­keit des Seins”? Es wäre ja schon schön, das Leben nur zu erfah­ren und nicht daran zu leiden.


Liebe …,

“Hört diese Geisterbahn jemals auf?” – Ja, immer wieder.
Die Falle bei Gedan­ken besteht mei­ner Erfah­rung nach darin, ihnen zu glau­ben. Sie ver­spre­chen Glück durch Pla­nung und Refle­xion (Zukunft, Ver­gan­gen­heit) – oder wenigs­tens, Unglück fern zu halten.
Das funktioniert bei mir über­haupt nicht; Glück ist nur in der Gegen­wart erfahr­bar, in der Ent­thro­nung von Gedan­ken.

Das ist uner­träg­lich leicht, nicht durchs Weg­schie­ben von Gedanken, son­dern durch Inte­resse an der Gegen­wart. Und auch durch das Anschauen von Gedan­ken, die gerade auf­tau­chen: Was behaup­ten sie? Was ist in ihnen voraus­gesetzt?

Zum Beispiel kann ich nur alt, häss­lich, arm, krank usw. sein, wenn ich ein Kör­per bin. Die Frage dabei ist: Bin ich ein Körper?
Wenn die Ant­wort darauf nicht nur aus Gedan­ken-Reflexen kommt (“Nein, natür­lich nicht! Aber …”), dann ver­liert der Gedanke viel­leicht seine Glaub­haf­tig­keit und damit seine Wir­kung auf die Emotionen.

So gesehen bein­haltet ein quäl­en­der Gedanke immer eine inte­res­sante Frage: eine Gele­gen­heit, die quä­lende Über­zeu­gung in klarem Licht zu sehen. In diesem Licht kann sie sich nicht halten.

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Topfschlagen und der Kuss

Hi Dittmar, ich hab ein Inter­view mit dir gese­hen, das hat mich berührt.
Kann ich dich was fragen? Wenn es kein Ich gibt, wer ist es dann, der ent­schei­det, ob ich den Apfel esse oder den Burger?


Zum Thema “Apfel oder Burger”: Im Ent­schei­dungs­pro­zess spie­len Vor­lie­ben des Orga­ni­smus eine Rolle, Erin­ne­run­gen daran, wie gut der letzte Bur­ger oder Apfel geschmeckt hat, Gedan­ken über Geld, Ver­füg­bar­keit (“wo ist der näch­ste …”), Öko­lo­gie und Moral (Vega­ner), viel­leicht der Wunsch abzu­neh­men oder sich gesün­der zu ernäh­ren … und so wei­ter. Also ein Gedanke taucht auf an einen Apfel oder einen Bur­ger und bringt ent­spre­chende Gefühle mit sich. Das “über­zeu­gend­ste” = inten­siv­ste Gefühl setzt sich wahr­schein­lich durch. Die­ser Ent­schei­dungs­pro­zess ent­schei­det, egal ob er bewusst oder unbe­wusst abläuft.

Soweit meine Beschre­ibung, in der kein Ent­schei­der vor­kommt. Erlebst du es anders oder wür­dest du es anders beschreiben?


Ich erlebe es schon stark so, dass es einen Ent­scheider in allen Situ­a­tio­nen gibt. Ich habe schon das Gefühl, das ich z.B. aus­ge­sucht habe, was ich stu­diere und nicht, dass es ein­fach von selbst pas­siert ist. Aber das scheint ja der Trug­schluss zu sein. Ich muss auch etwas auf­passen, dass ich nicht ein­fach glaube, dass es so ist und es über mein Erle­ben drüber lege. Das mit dem Fokus fand ich auch inte­res­sant, was du erwähn­test, z.B. wenn ich bewusst in den gan­zen Kör­per fühle, so wie Eckhart Tolle das emp­fiehlt … Wer ent­schei­det sich dann, den Kör­per jetzt wahr­zu­neh­men? Auch Erin­n­erun­gen? Der Wunsch, eine Übung zu machen? Wann rutscht der Fokus ins Unend­liche und wann aufs Spezielle?

Ich hatte nach dei­nem Video neu­lich echt erst­mals das Gefühl, dass es in mir ruhig gewor­den ist. Erst­ma­lig. Ever. Aber das setzt dann wie­der ganz neue Neu­r­osen in Gang. Teils große Ängste, teils kämpft dann meine Gedan­ken­welt mit dem Jetzt, im Sinne von: Bin ich noch im Jetzt, wenn ich denke? Zer­stört der Gedanke gerade das Jetzt? … so feine Nuan­cen, die mich ganz kirre machen können.


Wie erlebst du denn diesen Ent­schei­der? Woran merkst du, dass er da ist? Du schreibst: “Ich habe schon das Gefühl, dass ich z.B. aus­ge­sucht habe …” – Wie fühlt sich das an? Und du schreibst: “Ich hatte nach dei­nem Video neu­lich echt erst­mals das Gefühl, dass es in mir ruhig gewor­den ist.” Die Ruhe, die du da gefühlt hast ist das die Abwe­sen­heit vom Entscheider-Ich, ist also das Entscheider-Ich nur eine Unruhe, die sich aufs Leben und auf die Ent­schei­dungs­prozesse drauflegt?

Für mich war das Wegfallen der Ich-Illusion, als wären die Sinnes­ein­drücke, Gedan­ken usw. von einem Kleis­ter zusam­men­ge­hal­ten, der sich plötz­lich als nicht exis­tent erwies­en hat, und die Sin­nes­ein­drücke, Gedanken usw. wurden dann als frei schwebend erlebt. Es gibt keine Instanz, die sie zusa­mmen­ge­hal­ten hat, und das war auch nie nötig. Das nur als Bei­spiel. Denn wie du schreibst, geht es nicht darum, ein­fach zu glauben, dass es so ist, und das übers Erle­ben drüber zu legen – weder das Ich noch den Glau­ben an die Ich­losig­keit. Son­dern zu erle­ben, was du wirk­lich jetzt gerade erlebst. Also: Wie und wo fühlst du das, was du “Ich” nennst, und wie unter­schei­det sich die­ses Gefühl von ande­ren Gefüh­len wie z.B. Anspan­nung oder Angst oder Auf­re­gung? Oder ist das “Ich” etwas , das in den Gedan­ken vor­kommt, und der Kör­per rea­giert darauf mit Anspan­nung, einer bestimm­ten Hal­tung, einer Ein­stel­lung dem Leben “gegenüber”?

Zum Thema “Zer­stört der Gedanke gerade das Jetzt?”: Wann immer du schaust, ist Jetzt da, oder? Ob mit Gedan­ken oder ohne. Nur die Auf­merk­sam­keit kann durch Fan­ta­sien und Erin­ne­run­gen von die­ser Tat­sache abge­lenkt wer­den. Aber diese Fan­ta­sien und Erin­ne­run­gen sind etwas, das im Jetzt auf­taucht, ein Aspekt des Jetzt zusam­men mit allen momen­ta­nen Sin­nes­ein­drücken. Hier eine Emp­feh­lung: Stell die Frage: “Was ist Jetzt?” und schau. Alles, was da ist, ist Jetzt. Jetzt tau­chen Gedan­ken auf, Gefühle, Geräu­sche, Far­ben … und ist da ein Ich oder “nur” eine Offen­heit, in der sich alles zeigt?


Hi Dittmar, danke für deine Worte! Na ja, es fühlt sich für mich ganz kon­kret so an, als wäre ich es, der z.B. die Luft anhält. Oder wenn ich mei­nen Kör­per als Gan­zes spüre, gebe ich den Impuls dazu. Wer macht das? Die Ruhe, die ich fühlte, war wie eine Art Ur­grund. Von da aus stie­gen die Gedan­ken auf. Es war nicht mehr so, dass ich ver­suchte, die Gedan­ken zu beob­ach­ten, sondern da war die Stille und dann waren da Gedan­ken, aber das war egal. Leider kann ich das nicht bewusst erzeu­gen und es lässt wie­der nach. Ein Ich, das kon­kret meine Gedan­ken und Gefühle ver­netzt, finde ich auch nicht. Den­noch spüre ich das noch nicht bis ins Mark. Es ist viel­leicht auch eine Art Glaube.


“Luft anhalten” ist ein gutes Thema. Wer ist es, der dann ent­schei­det, doch wie­der zu atmen? Ja, die Ruhe /Stille ist der Urgrund, aus dem Gedan­ken und alles “andere” auf­steigt. Sie ist nichts, das her­bei­ge­führt werden kann /muss, sondern ist schon da. Immer jetzt.
Techniken wie Chakren-Arbeit oder Micro­cos­mic Orbit haben mit Her­bei­füh­ren zu tun, die Ener­gie len­ken usw. Das ist etwas ande­res als Schauen, was Jetzt ist. Her­bei­füh­ren /Anschie­ben /Methode usw. kann den Glau­ben ver­stär­ken, dass jemand da ist, der etwas her­bei­füh­ren kann (z.B. Luft­an­hal­te­re­kord), und der dann ver­sagt oder über­for­dert ist und vom Leben über­wäl­tigt wird (z.B. wenn der Atem sich durchsetzt).


Lieber Dittmar, war das bei dir denn eine län­gere Phase oder war das plötz­lich klar mit der Ich­losig­keit? Also die tiefe Über­zeu­gung der Ic­h­losigkeit?
Ich nehme mitt­ler­weile sehr gut wahr, dass da kein Kle­ber ist … nur Gedan­ken, Gefühle und hin und wie­der Stille. Wenn ich frage: “Was ist jetzt?”, dann ist da für eine Weile Stille und dann Atmen. Aber dass ich 100% über­zeugt bin und es bis in die Tiefe fühle oder da pures Glück ist oder so … das ist da nicht.

Ist diese Ich­losig­keit eigent­lich das, was Buddha Befrei­ung nannte, oder geht’s “danach” noch wei­ter? Ich erin­nere mich daran, dass die Tao­isten sagen, dass mit der Gedan­ken­stille das Myste­rium gerade mal anfängt. 


Wg. Entscheiden, Luftanhalten usw.: Das lässt sich immer beschrei­ben als Impuls, der umge­setzt wird. Als Idee /Infor­ma­tion, die ver­wirk­licht wird. Wenn du meinst, dass du da als Ent­schei­der dazwi­schen­ge­schal­tet bist, dann ist das doch prima! Dann geht es doch “nur” noch darum, gute Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. (Aller­dings könnte als Neben­wir­kung das – latente oder deutliche – Gefühl von Über­for­de­rung auf­kom­men.) Dann kannst du ent­schei­den, die Auf­merk­sam­keit auf die gegen­wär­ti­gen Kör­per­emp­fin­dun­gen zu len­ken. (Ent­schei­dest du dann auch, dich wie­der davon abzu­lenken?)
Solltest du nicht der Entschei­der sein, dann ist das ein Lern­pro­zess, wo die Auf­merk­sam­keit sich immer wieder den Kör­per­emp­fin­dun­gen zuwen­det (aus­ge­löst z.B. durch eine Erin­ne­rung) und der Orga­nis­mus sich dabei ent­spannt, was den Pro­zess bekräf­tigt und “posi­tiv verstärkt”.

Zu “Wie war’s bei dir?”: Ich bin ja kein Vor­bild, son­dern das ist jetzt nur eine von vie­len mög­li­chen Beschrei­bun­gen; also so war’s bei mir: Ich habe sehr inten­sive, unglaub­lich beglü­ckende Erleb­nisse gehabt, die sich wie Auf­wachen anf­ühl­ten und es auch waren. Wenn die Ekstase abklang, schien mir, als hätte ich etwas falsch gemacht und wäre des­halb wieder aus dem Para­dies gefal­len. Ich kannte keine Beschrei­bung von Ich­losig­keit und habe das Auf­wa­chen mit einem Zustand gleich­gesetzt.
Das Verstehen von Ich­losig­keit als Wirk­lich­keit, in der Zustände kom­men und gehen, kam erst spä­ter. Auch mit gro­ßer Freude, aber irgend­wie unauf­ge­regter, dafür als dauer­hafte Klarheit.
Wenn ich das verall­ge­meinern soll, dann sage ich: Ohne pures Glück würde ich mich nicht zufrie­den geben. Gleich­zei­tig ist das Anne­hmen der Gegen­wart pures Glück.

Das Mysterium endet nicht, so wie eine Liebes­bezie­hung erst anfängt, wenn du die Liebste ken­nen lernst. Aber wenn du sie “fin­dest”, dann ist das ein­deu­tig und abso­lut klar und zweifellos.


Ich habe jahre­lang meine Auf­merk­sam­keit auf bestimmte Kör­per­teile gelenkt, im Qigong oder als Erdungs­übun­gen, ins Hara oder ins dritte Auge, oder Body­scan … Außer einem guten Kör­per­ge­fühl hat das nicht viel bewirkt. Letzt­lich scheint sich aber eine Art stil­ler Raum in mir geöff­net zu haben seit deinem Video und einem Buch, was ich gerade lese. Wür­dest du empfeh­len, bewusst immer wie­der in diesen stil­len Raum ein­zu­tau­chen und die Gedan­ken, die noch kom­men, zie­hen zu lassen? 


Ja, das Eintauchen in die Stille würde ich sehr emp­fehlen. Ich glaube, dass Andacht heil­sam ist.


Wenn ich den Advaita-Gedan­ken betrachte, werde ich immer etwas abso­lu­tis­tisch … Also im Prin­zip ist ja die Idee, sich so anzu­neh­men wie man ist. Wenn ich jetzt meine Schmer­zen nicht so akzep­tiere wie sie sind und sie weg mas­siere oder Übun­gen dage­gen mache, nehme ich sie nicht mehr wirk­lich an, oder?

Zu diesem “in Stille eintauchen” … Sind in deiner Stille auch Gedan­ken und was machst du dann, wenn die auf­tau­chen? Ich habe sehr oft auch fast schon zwang­haf­tes Den­ken, wo ich nicht ein­fach so raus­komme. Und seit ich jetzt immer mal so Stille habe, weiß ich nicht so recht, wie ich da eigent­lich hin­komme. Sie ist manch­mal ein­fach da, aber in der Regel eher nicht. Und wenn Gedan­ken wirk­lich keine Ich-Grund­lage haben und von selbst kommen, kann man ja bewusst auch nicht wirk­lich aus­steigen, weil man ja auch nicht bewusst selber denkt …


“Sich annehmen wie man ist”: Wenn du Hun­ger hast, lässt du den Hun­ger, wie er ist, oder tust du etwas für ihn, d.h. erlaubst du dem dahin­ter lie­gen­den Bedürf­nis, sich zu erfül­len, und isst etwas?
Wenn du mit einem wei­nen­den Kind zu tun hast, dann nimmst du es (im Ideal­fall) an, wie es gerade ist, d.h. du ver­suchst nicht, das Wei­nen “abzu­stellen”. Aber du ve­rsuchst, sein Bedürf­nis zu erken­nen und zu erfül­len, weil du willst, dass es dem Kind gut geht. Wenn du das tust, meinst du dann, dass du das Kind nicht akzeptierst?
Klar, die Akzep­tanz ist wich­tig, statt “Solange du so bist, akzep­tiere ich dich nicht.” Aber zur Akzep­tanz gehört auch die Akzep­tanz des Bedürf­nis­ses, des Hil­fe­rufs. Du tust etwas “für”, nicht “gegen”. Akti­v­ität ist Teil des Lebens und nicht schlech­ter oder unna­tür­li­cher als Passivität.

Wg. Stille: Ja, bei mir tau­chen auch immer wie­der Gedan­ken auf. Der Treib­stoff für Gedan­ken ist Inte­resse. Inte­resse ent­schei­det, ob sie sich mal kurz vo­rstel­len /anbie­ten oder ob sie wei­ter­lau­fen, ver­folgt wer­den. Meis­tens erschei­nen mir die Gedan­ken­in­halte nicht so inte­res­sant wie die Gegen­wart, des­halb zie­hen sie recht zügig vorüber.
Das Interesse an Gedan­ken­in­hal­ten besteht darin, was die Gedan­ken ver­spre­chen: dass sie hilf­reich und wich­tig sind. Bei genau­e­rer Betrach­tung sind sie das oft nicht, so jeden­falls meine Erfah­rung. ???? Dahinter ist immer die Stille, die sie wahr­nimmt. Nur die Auf­merk­sam­keit wen­det sich manch­mal so sehr den Gedan­ken­in­hal­ten zu, dass die Stille über­hört wird.


Das mit den Gedanken und der Stille hilft “mir”. Danke! Das ist ein guter Umgang, den ich mal beob­ach­ten muss. Ich fühle diese Stille im Hin­ter­grund auch, nur wird sie extrem durch Gedan­ken­lärm über­schat­tet und es macht mich pha­sen­weise fast ver­rückt, weil ich da wie­der hin will – aber das so nicht funktioniert.
Ich muss mich teil­wei­se förm­lich zwin­gen auf­zu­hö­ren zu den­ken, weil es echt schwer ist, da raus zu kom­men, und ich finde den Inhalt nicht wirk­lich span­nend. Auch beob­achte ich oft, dass meine Atmung zwang­haft wird, weil im Atem­an­ha­lten mehr Stille ist als beim regel­mä­ßi­gen Atmen. Also der Tun-Aspekt scheint da noch groß mit rein­zu­spielen.

Glaubst du eigent­lich, dass man durch diese Advaita-Art zu leben nicht auch sehr lethar­gisch werden kann? Ich habe das frü­her, als ich mich erst­mals damit befasst habe, an mir gemerkt, dass mir alles egal gewor­den ist, weil man ja “eh nix tun kann”…


Ob Advaita lethargisch macht? “Ich würde das gerne beant­wor­ten, aber da ist niemand, der ant­wor­ten könnte.” ????

Oft wird in der (Neo-)Advaita-Theorie die Illu­sion, dass da jemand ist, der etwas tun kann, ersetzt durch die Illu­sion, dass da jemand ist, der nichts tun kann. Die Erkennt­nis ist aber, dass dieser Jemand schon immer nur in Gedan­ken exis­tiert hat und die Gedan­ken ihm die Ent­schei­der- und Macher-Rolle zuge­schrie­ben haben.
In Wirklichkeit ist es der Gesamt­pro­zess des Lebens, in dem Ent­schei­dun­gen fallen und Dinge getan werden; das war schon immer so.


Diese letztliche Erkenntnis, dass das Ich echt nicht exis­tiert, kommt die durch wiede­rholte Erfah­rung, dass da nur Gedan­ken und Wahr­neh­mun­gen sind, oder wodurch hat die sich so gefes­tigt bei “dir”?


Die Erkenntnis hat zu tun mit Sehn­sucht, Heim­weh, Liebe, mit Ver­trauen und mit Los­la­ssen von allem: allen Plä­nen, Kon­zep­ten, Bedin­gu­ngen, Erwar­tun­gen … Wie das geht oder wie das kommt, weiß ich auch nicht. Sehen, dass alles Bis­he­rige nicht funk­tio­niert hat, hilft, glaube ich. Aber ich habe kein Rezept dafür.

Da ist etwas, das ruft und gehört wird, wenn die “eige­nen” Vor­stel­lun­gen nicht höher geach­tet werden als der Ruf. Wenn das Ver­trauen nicht mehr dem Den­ken, son­dern dem Moment gilt.

Ich würde es auch nicht “gefes­tigte” Erkennt­nis nen­nen, son­dern das Lösen von allen fes­ten Vor­stel­lun­gen. Es klingt nur dann wie eine Phi­lo­so­phie, wenn es in Worte gefasst wird. Aber es kann nicht her­bei gedacht wer­den. Das Den­ken kann viel­leicht biss­chen vor­be­rei­ten, aber ab da ist es nur eine Ablenkung.


Und in deinen Gedan­ken, die auf­tau­chen, ist da noch das Wort „Ich“ dabei? Wenn da immer wie­der Gedan­ken auf­tau­chen mit dem “ich” drin und es jedes Mal kein Ich gibt, ist das ja eine Art Kon­flikt in Gedanken …


Nein, da ist kein Konflikt. Wenn ich schreibe “Ich schreibe dir” ist da auch kein Kon­flikt, sondern es ist nur wie alle Beschrei­bun­gen unzu­rei­chend. Genauso ist es auch bei Gedan­ken: Gemeint ist der Orga­nis­mus, durch den (oder als der) es geschieht, Schrei­ben und Den­ken und Lesen … “Ich” ist halt eine Redensart.


Also könnte man zusammen­fas­send sagen, dass du “nur” das Gewahr­sein hin­ter allem bist, und das ständig? …

Ich hatte neu­lich für Momente ein tie­fe­res Gefühl davon, was Ich­losig­keit bedeu­tet, und dass das Ich nir­gends hin kann, wo es nicht schon ist. Also dass in dem Moment, wo ich Stille will, eigent­lich nie­mand da ist, der Stille will, son­dern nur der Gedanke, mit dem man iden­ti­fi­ziert ist, als könnte man in die Stille gehen. Dann war ich irgend­wie vor den Gedanken.
Allerdings: Immer wenn jetzt das Wort „Ich“ in meinen Gedan­ken auf­taucht, bin ich schnell wie­der in der Identi­fi­kation drin …


Ja, das stille Gewahrsein hinter und in allem und als alles. Das Gewahr­sein, das du bist, kann sehen, wie Iden­ti­fi­kat­ion geschieht: Ein Gedanke, durch den die Welt gefärbt wird und das Wun­der der Gegen­wart verblasst.


Also für mein Ich fühlt sich der ganze Pro­zess pha­sen­weise sehr ver­stö­rend an, so ohne Beglei­tung … und ich frag mich manch­mal, was eigent­lich grad abgeht, ob da über­haupt etwas geschieht, ob das alles so rich­tig läuft oder ich mich in irgend­was verrenne.

Im Prinzip hab ich im Moment das Gefühl, vor mei­nen Gedan­ken zu sein. Jeder Gedanke wird erkannt und auch Ich-Gedan­ken wer­den als Gedan­ken erkannt. Pha­sen­weise habe ich aber auch Gedan­ken­rasen, was sich dann oft echt unan­ge­nehm anfühlt. Aber die Rea­li­tät erscheint durch den gan­zen Pro­zess kom­plett ver­än­dert, ein wenig wie auf Drogen; die Wahr­neh­mung von Din­gen ist so inten­siv! Die Bewusst­heit von bestimm­ten Din­gen wie Atmung bricht kaum noch ab.
Aber im Grunde feh­len ein wenig die Weg­wei­ser, was eigent­lich getan wer­den sollte und was nicht. Also z.B. sollte man im All­tag ver­su­chen, in der Gedan­ken­stille zu ver­wei­len? Oder ist Stille auch nicht bes­ser als Gedan­ken? Ist die Stille schon das Ziel? Oder ist die­ses “vor den Gedan­ken sein” oder diese Wahr­neh­mung von allem das Ziel? Oder ist der Beob­ach­ter auch nur eine Illusion?


Spricht etwas dagegen, dir Beglei­tung zu suchen?

Eine Schwierigkeit mit dem “Sollte man …?” und dem “Ist X bes­ser?” und dem “Was ist das Ziel?” ist: Du fragst jeman­den und bekommst eine Ant­wort. Dann fragst du jemand ande­ren und bekommst eine andere Ant­wort, und dann bist du so schlau wie vor­her, weil alle Ant­wor­ten für dich wieder nur Gedan­ken und Meinun­gen sind.
Deshalb empfehle ich dir, statt “Exper­ten” dein Erleben als Refe­renz zu benut­zen. Und zum Bei­spiel zu untersuchen:

* Ist Stille besser als Gedan­ken? Wenn ja, was ist bes­ser daran?

* Wenn die Aufmerksamkeit die Erlaub­nis hat, hin­zu­ge­hen wo immer sie hin­ge­hen mag, wo mag sie dann hin?

* Was ist, wenn es gar nichts gibt, was getan werden “sollte”, und alles, was getan werden sollte, sich nur in der Illu­sion abspielt?

* Was, wenn das Gefühl von “Es fehlt etwas” oder “Es ist etwas zu viel” nur die Folge von die­sem “Sollte”-Gedanken ist? Wie ist das Erle­ben, wenn es nicht durch ein “Sollte” beur­teilt wird?

* Was würdest du tun, wenn dein Ziel wäre, zu Gott zu kommen?


Naja, prinzipiell spricht nix gegen eine Beglei­tung, außer die Schwie­rig­keit, eine zu fin­den. Hier vor der Haus­tür gibt’s nie­man­den. Ansons­ten hab ich bis­her nur die übli­chen Neo Advaita Sat­sang Events aus­fin­dig machen kön­nen, die mich nicht beso­nders anzie­hen. Das ganze ist also nicht so ein­fach. Wie hast du das denn gemacht?

Das mit dem selber Unter­su­chen ist natür­lich der bes­sere Weg, jedoch nicht bei allen Fra­gen so ein­fach zielführend.

Um mal Punkt 1 anzu­spr­echen: * “Ist Stille bes­ser als Gedan­ken? Wenn ja, was ist bes­ser daran?” Ich habe jetzt mal eine Woche das Gewahr­sein unter­sucht und prak­tisch den gan­zen Tag Gewahr­sein geübt. Hier­bei wird prak­tisch jeder Gedanke als Gedanke erkannt und jede Empfin­dung oder Gefühl taucht halt auf und wird wahr­ge­nom­men, ohne dass ich mich oft iden­ti­fi­ziere und wie­der in Gedan­ken ver­liere. Trotz­dem sind viele Gedan­ken da.

Bei der Entscheidungs­frage, wel­cher der bei­den “Wege” eher ziel­füh­rend ist, ste­hen eben auf der einen Seite die­ses Gewahr­sein und auf der ande­ren Seite dieses “bewusste in die Stille gehen” zur Debatte. Wenn du also fragst: “Ist Stille bes­ser als Gedan­ken?” – nach meinem nun jahr­zehn­tel­ang plap­pern­den Mind ist die Ant­wort deutl­ich: Ja, Gedan­ken­stille gefällt mir bes­ser. Es ist mir ja in mei­ner Lern­phase neul­ich erst­mals klar gewor­den, dass da eben auch Stille ist, die die­sen gan­zen Pro­zess wie­der ent­facht hat. Es fühlt sich mitt­ler­weile so an, als könnte ich bewusst eine Sekun­den anhal­tende Stille erzeugen, die sich gut anfühlt, die meine Kopf­schme­rzen ver­bes­sert, von der ich aber eben nicht weiß, ob’s das schon ist. Im Prin­zip kul­mi­niert die Frage in diesem Text:

(Ramana Maharshi: ALLE GEDANKEN ZERSTÖREN, ein für alle Mal, aus „Sei, was du bist!“)
Wenn Vernich­tung von Gedan­ken Befrei­ung ist, kann man dann sagen, dass er Erlö­sung erreicht hat? In Manolaya gibt es eine vorüber­ge­hende Absen­kung der Gedan­ken-Wellen, und obwohl diese vorüber­ge­hende Peri­ode sogar für tau­send Jahre andau­ern kann, stei­gen Gedank­en, die dadurch vorüber­ge­hend beruhigt wer­den, auf, sobald die Manolaya auf­hört. Man darf sich nicht durch sol­che Zau­ber von Stille der Gedan­ken einho­len las­sen. In dem Moment, da man sie erfährt, muss man das Bewusst­sein wie­der­be­le­ben und sich fra­gen, wer ist es, der diese Stille erfährt. Wäh­rend man den Gedan­ken nicht gestat­tet zu stö­ren, darf man zur glei­chen Zeit nicht von die­sem tie­fen Schlaf [Yoga Nidra] oder einer Selbst-Hypnose ein­ge­holt wer­den. Obwohl dies ein Zei­chen des Fort­schritts in Rich­tung Ziel ist, ist es aber auch der Punkt, an dem die Abwei­chung zwischen dem Weg zur Befrei­ung und Yoga Nidra erfolgt.
Der ein­f­ache Weg, der direkte Weg, DIE ABKÜRZUNG zur Erlö­sung ist die Erkun­dungs-Methode. Durch eine solche Erkun­dung wirst du die Gedan­ke­nkraft tie­fer steu­ern, bis sie ihre Quelle erreicht hat und darin auf­geht. Dann wirst du die Ant­wort von Innen haben und fest­stel­len, dass du dort ruhst, ALLE GEDAN­KEN ZERS­TÖRST, ein für alle Mal. Man muss also den spi­ri­tu­el­len Fort­schritt genau beob­ach­ten. Sadha­kas [Suchende] ver­ste­hen sel­ten den Unter­schied zwi­schen die­ser vorüber­ge­hen­den Beru­hi­gung des Geis­tes [Manolaya] und dauer­haf­ter Zer­stö­rung von Gedan­ken [Manonasa].

Frage ich in dieser Art von Stille: Wer ist es, der diese Stille empfin­det? … erscheint das auch nur als Satz im Gewahr­sein, mehr pas­siert dann aber nicht. Übe ich die ganze Woche rei­nes Gewahr­sein, eröff­net sich da keine tie­fere Stille oder Frieden.

Im Prinzip frage ich mich halt: Was ist die echte und was ist die fal­sche Stille? Angeb­lich ist die Iden­ti­fi­ka­tion mit dem Gewahr­sein oder dem Beob­ach­ter ja der Urgrund und tiefe Stille. Ich ver­stehe nur nicht, wie sich diese Stille unter­schei­den soll von der Stille, die ich da erfahre. Schein­bar gibt es ja in mei­ner Stille noch eine Art Ich, wel­ches in die Stille geht.

Eine weitere Sache, die mir auf­fällt: Wenn ich in die Stille gehe und lächle, dann erscheint in meinem Feld so etwas wie Frieden (ich habe früher sehr lange diese Medi­ta­tion des inne­ren Lächelns geübt, sodass ich mich hier frage, ob ich dann nicht irgend­was gene­riere, statt das zu fin­den, was wirkl­ich da ist). Ist dies der Frie­den, um den es geht? Wodurch kommt deiner Mei­nung nach der Frieden?


Genau solche Empfeh­lun­gen ande­rer Leute meine ich. Jeder sagt dir etwas ande­res, das du tun oder las­sen sollst, Stille erzeu­gen oder Gedan­ken zer­stö­ren … Für mich jeden­falls wäre der Ramana-Text völ­lig irre­füh­rend gewe­sen. “Man muss, man darf nicht …” All dieses Machen baut auf die Illu­sion des Machers; alle Wege bauen auf die Illus­ion von “woan­ders, später”.

Ich kann nur für mich spre­chen. Aus­schlag­ge­bend für mich war das Auf­ge­ben des Machens, jedes Plans und des Beur­tei­lens von Fort­schrit­ten anhand eines Plans. “Ja, aber wie macht man das, das Machen auf­ge­ben?” Es ist wie ein Koan – außer, wenn man es als Koan “benutzt”. Da ist die Wirk­lich­keit, die dich nimmt, wenn du sie lässt. Sie ist mag­ne­tisch, und sie zieht dich in sich, wenn du nichts machen und nichts sein willst. Sage ich – einer dieser Leute, die so vieles sagen …


Dank dir. Die Fra­gen sind halt nur inso­fern rele­vant, dass dieses In die Stille Gehen zumin­dest erst­mals meine Kopf­schmer­zen echt ver­be­ssert, und das ist schon mal ziem­lich cool. Lei­der kann ich es durch Aus­tes­ten aber nicht so rich­tig ergrün­den oder raus­fin­den, was es genau ist, was ich da eigent­lich tue, wenn ich in die Stille gehe. Daher blei­ben die Fragen irgend­wie relevant.

Was denkst du zu der Thema­tik mit dem inne­ren Lächeln und der Auf­merk­sam­keit? Also gibt es in diesem “Ich bin” denn Kör­per­bewusstsein?
Ich habe früher so viele Körper­spür­übun­gen gemacht, dass mein Kör­per immer sehr präsent ist in meiner Wahr­neh­mung. Wenn ich also meine Auf­merk­sam­keit auf den Bauch lenke, oder in den Bauch, und meinen Atem wahr­nehme, ist das am Ende auch nur ein Gedanke, der fest­ge­hal­ten wird? Ein schein­ba­res, vor­ges­tell­tes Ich, wel­ches glaubt, seinen Fokus in den Bauch zu lenken?
Letztlich macht dieses im Bauch Zen­tri­eren es auch ein­fa­cher, in die Stille zu kom­men. Nur die Frage ist, inwie­fern das nicht wieder ein Konzept ist …


Lass uns mal von einer Prä­misse ausge­hen: Das getrennte “Ich” ist nur eine Abstrak­tion, ein sozi­ales Kon­strukt. Da ist nie­mand, der etwas tut. Egal ob an ein “Ich” geglaubt wird oder nicht, es ist nicht die Ich-Illusion, die etwas tut. Son­dern da ist ein Fluss von Ener­gien = Infor­ma­tio­nen. Zum Bei­spiel der Gedanke /Impuls: “Fokus in den Bauch!”, gefolgt von einem Gefühl von Zen­tri­erung im Dan­tien und dem Empfin­den von Ruhe und Stille. Wenn sich das gut und ent­span­nend anfühlt, warum sollte das nicht gesche­hen? Das­selbe gilt fürs Innere Lächeln.

Natürlich gibt es im “Ich bin” (oder “Es ist” oder in der Prä­senz oder im Erle­ben) Empfin­dun­gen = Körper­be­wusst­sein. Es gibt nichts, das da fehl am Platz wäre oder nicht rein­pas­sen würde. Und wenn selbst die Stille nicht “auf­recht erhal­ten”, sond­ern los­ge­las­sen wird und sich in ihr alles zei­gen darf, wenn Du nur Offen­heit bist, in der alles erscheint (was Du bist!), dann kommt dieser Mag­ne­tis­mus ins Spiel, von dem ich letz­tes Mal geschrie­ben habe. Es ist eher, dass Du gefun­den wirst, als dass Du findest. (Das trifft es aber auch nicht annä­hernd.) Es ist wie Ver­lieben: Du führst es nicht herbei, son­dern Es erwischt Dich. Und dann ist es ganz ein­deutig und zweifellos.

Die Frage, die du stellst (wenn ich sie rich­tig ver­stehe), lau­tet: Ist es sinn­voll, für gute Start­be­din­gun­gen zu sor­gen (Medi­tat­ion, Auf­merk­sam­keit len­ken …), oder stärkt das eher das Gefühl, der Macher zu sein, und ver­fälscht das “reine For­schen”? Das Experi­ment, das ich dir empfehle, um diese Frage zu beant­wor­ten, ist: Erfor­sche, wie das abläuft, den Fokus in den Bauch zu “len­ken” oder in die Stille zu “gehen”. Ist da wirk­lich ein “Ich” betei­ligt, das lenkt und wohin geht, oder ist es eher so wie ich es ein­gangs beschrie­ben habe: Im Fluss der Infor­ma­tio­nen kommt ein (z.B. gedank­licher) Impuls und auf wunder­same Weise ver­lagert sich die Auf­merk­sam­keit auf Bauch und /oder Stille oder ein Lächeln wird spürbar …


Lieber Dittmar, also gibt es nicht so einen Ort, wo die Auf­merk­sam­keit opti­maler­weise sein sollte? Wohin sie zurück­kehrt, wenn erkannt wird, dass man sich wieder mal in Gedan­ken ver­loren hat? Wenn sie z.B. wieder auf die Atem­be­weg­ung zurück­fällt, ist das ja eher eine Kon­zen­tra­tion und nicht reine Offenheit.

Du sagtest mal in einem Inter­view, dass es eine Weite ist, eine Art Raum. Ist das meta­pho­risch oder ist das ein ganz real exis­tie­ren­der wei­ter Raum? Oder ist der Raum auch schon wie­der ein Objekt?

Eine Sache, auf die ich durch das “in Stille gehen” immer wieder treffe und die mich etwas “belas­tet”, ist diese Qi-/ Kunda­lini-Geschichte. Vermut­lich war mein Ver­ständ­nis davon immer etwas “falsch”, sodass mir dieses Gedan­ken-Wahrnehmungs­ge­bäude mitt­ler­weile eher wie ein Fluch vor­kommt. Also so wie ich frü­her immer die­sen klei­nen Ener­giek­reis­lauf geübt und ver­stan­den hatte, sammelt man im Dant­ien Qi, bis es dann auf­steigt in der Wir­bel­säule oder bis man es von Punkt zu Punkt lei­tet. Am Ende sollte man es unbe­dingt wieder im Dan­tien sammeln, weil sonst die Gefahr bestehe, dass es sich im Kopf sam­melt und dort Scha­den anrich­tet. Das hat sich in mir fest­ge­setzt, ich bin beim nach innen Gehen an dem Punkt, wo mein Qi einfach immer die Wir­bel­säule von alleine in den Kopf fließt; ein per­ma­nen­tes autar­kes unkon­trol­lier­ba­res Strömen.
Da ich mich von diesen gan­zen Übungen verab­schie­det habe, sammle ich nix mehr im Dan­tien. Ich fühle mich aber fast immer nach Medi­tat­io­nen in einem ande­ren Bewusst­seins­zus­tand etwas dizzy oder als ob die Welt unecht wäre … und das führt immer wieder zum Hin­ter­fra­gen, ob mir diese Qi-Geschichte nicht gescha­det hat und ich da Kanäle akti­viert habe, die ich nun nicht mehr kon­trol­lie­ren kann usw.

Glaubst du, dass man sich mit der­ar­ti­gen Übun­gen scha­det, oder glaubst du, ich hab mich da eher in einem Gedan­ken­karus­sell ver­loren? Vielen Dank für deine klaren Antworten! Ich finde sie sehr hilfreich.


Der hilfreich­ste “Ort” für Auf­merk­sam­keit ist zu sehen, wohin sie geht und wie sie dabei ist: weit, kon­zen­triert, lie­be­voll, neu­gie­rig, besorgt, dösig …?

Ja, Offenheit ist wie ein Raum, in dem alles Platz hat und zuhause ist. Fürs Den­ken ist das eine Meta­pher, weil das Den­ken sich immer nur an Objekte hal­ten kann. Fürs Erle­ben ist es die eine Prä­senz in allem, als alles …
Also nicht nur Raum drum­he­rum, sondern auch darin und nichts sonst. Es gibt nichts ande­res = Non­dua­li­tät. Das “Pro­blem” ist nicht die Kanal-Akti­vie­rung /-Kontrolle, son­dern der Glaube, der Akti­vie­rer /Kon­trol­leur zu sein. Der Glaube, das Rich­tige tun zu müs­sen oder zu kön­nen. Das ist eine Bürde, die nicht dadurch abge­legt wird, dass du das Rich­tige tust oder weißt. Son­dern die von selbst abfällt, wenn du dich dem Nicht­wissen ergibst.


Eine Sache, die sich nicht so rich­tig erschließt (auch wenn diese ver­mut­lich auch wie­der damit beant­wor­tet wer­den wird, dass es eben ein­fach nie­man­den gibt) ist, ob dann jetzt beim still Sit­zen ein­fach die Atmung beob­ach­tet wer­den “sollte”, der Kör­per beim Sit­zen gespürt wird, die Hal­tung wahr­genomm­en wird.
Und die Atmung z.B. ist ja immer da, könnte also immer wahr­ge­nom­men wer­den, oder ist das dann schon Kon­zen­tra­tion? Letzt­lich also: “Sollte” im Moment, im Hier und Jetzt, gespürt wer­den, oder geht es mehr um die Frage, wer das ganze nun erfährt und wahrnimmt?

Mir ist nicht klar, wie das gehen soll, das Gewahr­sein zu sein, und auch der Hin­weis, dass ich es schon bin, hilft da nicht viel. Diese Spal­tung sorgt in meinem Dasit­zen oft für Uneinig­keit, was ich nun “tun” sollte.

Und zu dieser Weite und dem Raum: Kann man denn bewusst erspü­ren, wie man über die Gren­zen seines Körpers hinaus exis­tiert? Eine Art Erfüh­len der Aura … Oder ist das auch schon zu viel Visu­ali­sation und Tun?


Sei da, ohne zu wis­sen, was zu tun ist. Alles was du erspürst ist wieder nur etwas, das du erspürst. Sei da, ohne zu wissen, was zu tun ist. Alles darf so sein wie es jetzt gerade ist, alles darf sich zei­gen oder nicht zeigen.
Der “Sollte”-Mechanis­mus macht daraus ein “Aha, ich sollte erlau­ben!” – Auch das darf so sein und kann gese­hen wer­den. Da ist nichts, das du her­beifüh­ren oder los­wer­den müss­test. Keine Erscheinung ist wich­ti­ger als jede andere.
Du brauchst die Auf­merk­sam­keit auf nichts zu rich­ten, weder auf den Kör­per /die Atmung noch auf den Raum noch auf die Frage “Was tun?” noch auf den schein­ba­ren Wahrnehmer.

Du kannst ein­fach sehen, wohin die Auf­merk­sam­keit geht. Sei da ohne zu wis­sen, was zu tun ist. Es geschieht alles von selbst, und das wird klar, wenn du auf­hörst, etwas zu ver­su­chen. Wenn du kannst, lass das Ver­su­chen los. Wenn du das nicht kannst, sieh das Ver­su­chen, wie es von selbst geschieht: eine Erschei­nung, eine Ener­gie im Bewusst­sein. Sei da, ohne zu wissen, was zu tun ist.


Aber ohne die Auf­merk­sam­keit auf die Atmung zu len­ken fällt sie eigent­lich immer auf die Gedan­ken und ver­wickelt sich in Selbst­gespräche.
Übrigens, diese Prä­misse, dass es kein Ich gibt: Kann das nicht zu einem neuen Glau­bens­satz des Ver­stan­des mutie­ren? Oder ist das ein Glau­bens­satz, der ok ist, weil er wahr ist?


Der Nachteil beim Len­ken der Auf­merk­sam­keit scheint mir, dass sie fest­ge­hal­ten wer­den muss. Und die Illu­sion des Len­kers auf­recht erhal­ten wird. Glau­bens­sätze sind nur Gedan­ken, egal ob “Da ist kein Ich” oder “Ich bin der Len­ker”. Sie sind kein Ersatz für dire­ktes Erleben.


Ok, aber wenn man offen für alles ist und sich dann in Gedan­ken ver­liert, ist das “bes­ser”? Du hat­test ja gesagt, dass wir von der Prä­misse aus­ge­hen … Ich würde das dann eher als eine Art Erin­ne­rung anse­hen. Es gibt schon Momente, wo ich sehe: Da ist kein Ich; und dann gibt’s wie­der Momente, wo ich es nicht mehr sehe …


Ja, die Erinnerung, dass da noch nie ein Ich zu fin­den war, oder der Gedanke “Das Ich ist eine Abstrak­tion, kein Wesen”, das kann hilf­reich sein, um neu zu schauen: “Was ist JETZT?” – In den Momen­ten, wo du die “Ich­losig­keit” nicht siehst, was siehst du dann?


Gedan­ken und Selbst­ge­sprä­che. Meist erkenne ich, dass es Gedan­ken sind, und dann igno­riere ich sie. Aber oft merke ich auch, wie ich mich in Gedan­ken verliere.


Ja, Gedanken und Selbst­ge­sprä­che, die so vor sich hin lau­fen, kein Ich.


Aber in Selbstgesprä­chen ver­lo­ren zu sein bedeu­tet ja, dass man nicht mehr im Moment ist und dass man wieder von einem Ich-Gedan­ken ausgeht. Wer sollte sonst die Selbst­gesprä­che führen?


Und wenn das Selbstgespräch bewusst wird, dann wird auch klar, dass das Ich nur in Gedan­ken exis­tiert. Und wenn bewusst wird, dass die Auf­merk­sam­keit in Gedan­ken stag­niert, dann ist sie in der Gegenwart.


Wie ist es, wenn in dieser Offen­heit (wahr­schein­lich aus Gewohn­heit) die Auf­merk­sam­keit dann immer wieder zurück­fällt auf die Atem­be­ob­ach­tung? Ist das dann ein­fach voll­kom­men ok so?

Wenn ich die Atem­be­ob­ach­tung los­lasse, geschieht dann in etwa fol­gen­des, ununter­bro­chen: Atmung wird bewusst, dann fühle ich den Po auf dem Kis­sen, dann mal die Beine, dann den Qi-Fluss in der Wir­bel­säule, im Kopf, dann wied­er die Atmung, dann mal ein Gedanke mit dem Hin­ter­grund, dass da kein Ich ist, was das alles macht …

Geschieht das alles auto­ma­tisch, aus Erin­ne­run­gen: Die Auf­merk­sam­keit springt umher und das gilt es zu beob­ach­ten? Das ist dann “das Ziel”?? Es geht also letzt­lich ein­fach nur darum, im Hier und Jetzt zu erle­ben, was gerade statt­fin­det … die Fuß­sohle sinn­lich zu spü­ren, wenn man läuft, das Kauen beim Essen.

Die Frage “Wer bin ich?” zielt nur darauf ab, zu ent­de­cken: Da ist kein indi­v­idu­el­les Ich. Oder die Aus­sage “Sei was du bist!” deu­tet nicht darauf hin, etwas ande­res sein zu müs­sen als der reine Beob­ach­ter von allem was pas­siert, vom Sprin­gen der Auf­merk­sam­keit im Körper – ist das richtig?

Mich verwirrt dieser Wider­spruch zwi­schen einer­seits im Hier und Jetzt wahr­zu­neh­men, dass Kind­er vorm Fens­ter vor­bei­lauf­en und dem Hin­weis: “Sei was du bist”, da ja das Hören eben nicht das ist, was ich bin. Der Qi-Fluss im Kör­per oder das Füh­len der Sitz­beine ist ja eben nicht, was ich bin.

Manchmal beim so Sit­zen emp­finde ich schon eine Freude ohne Grund; oft ist es dann aber im Nach­hinein so, das dieses Dizzy­ness-Gefühl im All­tag auf­tritt, bis hin zu einer Art leich­tem Schwin­del­ge­fühl, aber das trifft es auch nicht richtig.

Also die Erkennt­nis „Ich kann nichts tun, weil es mich nicht gibt“, ist beim Dasit­zen sehr befrei­end, lässt aller­dings den Qi-Fluss los und erzeugt eben im All­tag trotz­dem dieses Dizzy­ness-Gefühl. Wie geht man dann damit um? Auch ein­fach zulas­sen und beobachten?
Vielen Dank für deine Hin­weise! Ich finde sie extrem hilf­reich in dem Dschun­gel an Infor­ma­tionen “da draußen”.


Wie ich schon erwähnt habe, bin ich kein Maß­stab und möchte nicht sagen “So wie ich es erlebe, ist das ein­zig Wahre.” Hier also ein­fach nur eine Beschrei­bung des Erle­bens, kein Soll.

Was ich (anders als früher) erlebe, ist: Da ist die­ses liebe­volle und geliebte Bewusst­sein(sfeld). Die intel­li­gente Offen­heit, in der sich alle Erschei­nun­gen zei­gen und die sich als alle Erschei­nun­gen zeigt: als Atmung, die in den Vor­der­grund kommt, dann als ein ande­res Gefühl, als die Geräu­sche und Stim­men vor dem Fens­ter und als Fens­ter, als Bewusst­heit darü­ber, wie die Auf­merk­sam­keit sich in die­sem Bewusst­seins­feld bewegt, als Glück, das Eins­sein in diesem Fluss der Erschei­nungen zu erle­ben und zu sein.

Dazu muss keine Erschei­nung aus dem Fluss ver­schwin­den (für “rei­nes Bewusst­sein” oder so). Die­ses Bewusst­sein ist Hier und Jetzt und ist nicht getrennt, son­dern eins mit allem, was gerade im Bewusst­sein auftaucht.

Jede Erscheinung ist beseelt vom sel­ben Einen. Diese Erkennt­nis lässt sich nicht her­bei­füh­ren (ich wüsste nicht, wie); sie kommt von selbst, es fühlt sich an wie ein Geschenk, das immer neu und immer da ist. Die Leben­dig­keit des Augenblicks.

Das Erleben, auch das momen­tane Hören, Füh­len usw. ist Aus­druck die­ser Leben­dig­keit, dieses leben­di­gen Ener­gieflusses.

Die Aufm­erk­sam­keit muss sich von kei­nem Aspekt weg­be­weg­en; das wäre wie die Auf­for­de­rung: “Achte nicht auf die Blätt­er, son­dern auf den Baum. Achte nicht auf die Äste, den Stamm, die Wu­rzeln … son­dern auf den Baum.”

All das IST der Baum. Die Erschei­nun­gen SIND das Erle­ben der Leben­dig­keit. Es ist nicht nur in bestimm­ten Erschei­nun­gen zu fin­den, und es ist nicht in einer fik­ti­ven Abwesen­heit von Erschei­nun­gen zu finden. Es versteckt sich nicht, son­dern zeigt sich ganz natür­lich im Dasein und Nicht­wis­sen. Du kannst nicht vor­her wis­sen, was sich zeigt. Du kannst nur da sein, offen für die Offenheit.
Und wenn es sich zeigt, ist es ganz ein­deu­tig und klar und unmissverständlich.


Danke, das hast du sehr schön beschrieben!

Woher weiß man, dass es die Auf­merk­sam­keit ist, die wand­ert, und nicht die Gedan­ken, die in eine bestimmte Stelle hinein­füh­len? Wenn ich bewusst in den Bauch fühle und er krib­belt, ist es ja nicht die Auf­merk­sam­keit, die im Bauch krib­belt und danach kommt erst der Gedanke und denkt: “Aahh, jetzt fühle ich mal in den Bauch!”
Insofern ist das ganze etwas schwer zu dif­f­eren­zie­ren, v.a. beim chro­ni­schen Kopf­schmerz. Wenn der rich­tig stark ist, wan­dert die Auf­merk­sam­keit dort hin. Hier finde ich auch schwer nach­zu­voll­zie­hen, wie man darun­ter nicht mehr lei­det. Wenn ich erkenne, es gibt kein Ich das selbst­stän­dig denkt, ist trotz­dem noch das Gefühl da, unter den Dauer­schme­rzen zu leiden.
Und auch die Aufmerksamkeit machen zu las­sen, was sie will, ist schwer, weil die dann dort hän­gen bleibt, wäh­rend z.B. das in den Bauch Atmen und die Atmung beob­ach­ten den Kopf­schmerz eher ve­rbes­sert.

Die reine Offenheit scheint zu bewir­ken, das das Sprin­gen der Auf­merk­sam­keit genauso stark ist wie meine Gedan­ken­ge­schwin­dig­keit und das Den­ken von einem Gedan­ken zum nächsten.
Hier sehe ich so einen Wider­spruch, wo du mal mein­test, es ist gut, was gegen die Schmer­zen zu tun, wenn man was hat, was hilft und dem “Erwa­chen” zu rei­ner Offen­heit und die Auf­merk­sam­keit machen las­sen, was sie will.


Ich würde nicht sagen, dass es gut ist, etwas “gegen” die Schmer­zen zu tun. Son­dern ich sage: Schmerz ist eine Bitte um lie­be­volle Auf­merk­samkeit.
Was immer du wahr­nimmst, ist Auf­merk­sam­keit als der bewegte Aspekt des Bewusst­seins. Ob Gedanken, Gefühle, Gerüche …
Es ist nicht nötig zu dif­fe­ren­zie­ren. Da ist ein­fach dieses Meer der Erschei­nun­gen, daran kann und muss niem­and etwas ändern. Das Bewusst­sein ruht im Meer der Erschei­nun­gen, die Auf­merk­sam­keit bewegt sich in ihm. Die Erschei­nun­gen spie­len ihr Spiel.

Wenn die Erscheinungen in Ruhe gelas­sen wer­den statt dass sie irgen­dwie zu “bes­se­ren” Erschei­nun­gen ver­än­dert wer­den sol­len, dann hört die Zer­split­te­rung /Tren­nung /Dif­fe­re­nzie­rung auf und das Bewusst­sein wird klar erkenn­bar als immer im Meer der Erschei­nun­gen ruhend, in der Ewig­keit der Gege­nwart.
Und auch der Impuls, die Gegen­wart zu len­ken und zu ver­bes­sern, kann als eine Erschei­nung in diesem Meer erlebt wer­den. Alle Erschei­nun­gen wer­den auf ein­mal als ein ein­zi­ges Gan­zes erkannt, als leben­dige Prä­senz, als Aus­druck des Absoluten.

Die schein­bare Zer­split­te­rung heilt durch die Leben­dig­keit des­sen, das immer heil und ganz war und ist und nicht getrennt ist – nicht vom Den­ken, nicht von der Auf­merk­sam­keit und ihren Bewe­gun­gen, nicht von der Gegen­wart, nicht von dir.

Du bist die unbe­fleckte Empfäng­nis (um mal biss­chen weih­nacht­lich zu wer­den). Keine Erschei­nung kann das Emp­fan­gen /die Offen­heit beflecken, keine muss anders wer­den oder ver­schwin­den. In den QiGong- u.ä. Beschrei­bun­gen klingt es oft nach Her­bei­füh­ren; mir scheint die christ­li­che Beschrei­bung der Gnade, des Unver­dien­ten, des Geschenks (Weih­nach­ten) eher passend. Advent = Es kommt von selbst.


Es klingt alles immer sehr schön, was du sagst, und ich habe auch manch­mal Momente, wo das tie­fer ein­sinkt. Vie­len Dank noch­mals dafür!

Mir ist in letz­ter Zeit oft auf­ge­fal­len, dass viele der Advaita-Leute an Krebs gestor­ben sind. Da wären zunächst Ramana und Nisargadatta, aber ich habe neu­lich auch ein Buch von Suzanne Segal gele­sen; auch sie ist mit 40 rum an einem Hirn­tu­mor gestor­ben. Auch Nathan Gill ist ja recht jung gestor­ben (weiß nicht ob auch an Krebs).

Interessant ist ja, dass Krebs als eine Art Zwei­heit auf­taucht. Was ist solch eine Erkran­kung denn im Bewusst­sein der Non­dua­li­tät? selbst erschaf­fen? ein Teil des eige­nen Geis­tes? ein selbst gewähl­ter To­des­vollstrecker?


Der Gedanke an Krebs ist eine Erschei­nung; das Gesche­hen, was damit gemeint ist, auch – so wie Kopfweh, Schluck­auf, Bäume … und ebenso das Spe­ku­li­eren übers Warum. Daran ist nichts falsch, nur kann man da halt nur spe­ku­lie­ren, ich auch. Da kannst du genauso gut jeden ande­ren fragen.


Aber sind Krank­hei­ten kom­plett unab­hän­gig von dem, der sie kriegt? Und wenn jemand bestän­dig in der Ein­heit lebt und in stän­di­ger Freude und Liebe, ist es ver­wun­der­lich, wenn solch eine töd­li­che Krank­heit ent­steht. Hast du dich schon mal mit Ken Wilber beschäftigt?

Ich hab mir jetzt übri­gens dein Buch bestellt und die zwei, die du über­setzt hast. Ich bin gespannt und freue mich drauf, sie zu lesen.

Stört es dich eigent­lich, dass ich dir so viele Fra­gen stelle? Ich möchte dir nicht auf die Ner­ven gehen, aber es berei­tet mir große Freude, mit dir zu schrei­ben. Ich glaube, so lang­sam sickert das, was du sagst, auch durch. Man soll ja immer nicht über spi­ri­tu­elle Erfah­run­gen reden, weil sie dann angeb­lich wieder ver­schwi­nden, und ich habe auch Angst, dass es wie­der ver­schwi­ndet, und mein Mind zwei­felt die ganze Geschichte so­wieso per­ma­nent an. Aber wenn ich mich zum “Medi­tie­ren” hin­setze, geschieht es immer öfter, dass aus meinem Bauch und Her­zen so ein Bliss auf­steigt. Ist es das, worum es bei der ganzen Sache geht?

Manchmal frage ich mich, ob es davon kommt, dass ich frü­her häu­fig Übun­gen gemacht hab und ich ziem­lich hyper­sen­si­bel bin auf jeden Fokus mei­ner Auf­merk­sam­keit. Das Komi­sche daran ist, dass die­ser Bliss da ist, obwohl meine Medi­ta­tion eigent­lich zu einem ein­zi­gen Nach­den­ken ver­kommen ist.
Es ist so ein Wechsel zwischen diesem Bliss und mei­nen Gedan­ken und dann frage ich mich immer, wer die­ses Ich ist, und dann wird mir schnell wie­der klar: Es ist nur ein Gedanke – aber obwohl da unent­wegt Den­ken statt­fin­det, ist der Bliss da. Das ist selt­sam, weil ich doch immer dachte, dass die Stille von Gedan­ken so wichtig ist.


Nein, die Fragen stören nicht und ner­ven nicht. Ich ant­worte eh immer das Glei­che, sind ja auch immer die­sel­ben Fragen. ????

Bliss ist eine Erschei­nung. Gedan­ken sind Erschei­nun­gen. Der Gedanke: “Was ist bes­ser?” ist eine Erschei­nung. “Was soll ich tun?”, “Woher kommt das?” – all das sind Gedan­ken, die erschei­nen und wied­er ver­gehen. “Ich möcht’s aber wissen!” – s. o.


Ich dachte, Bliss (Freude, Selig­keit) ist der Urzus­tand des Seins, der auf­tritt, wenn man ein­fach nur “ist”? Sag­test du nicht anfäng­lich mal, dass du auch in purer Freude ein­fach nur da warst? Wenn die grund­lose Freude und das Wahr­neh­men von Gedan­ken ohne Den­ker kein Indiz sind für “Das” – was dann?


“Erscheinung” nenne ich alles, was kommt und geht oder sich ändert, z.B. Zustände wie Freude oder Ver­wirrung.

Freude, die immer da ist, ist keine Erschei­nung. Das Erkennen = Bewusst Sein des Einen Seins zeigt sich in und als Freude. Sie ist das Sein und das Echo im Orga­nis­mus: die Reak­tion darauf, dass alles so sein darf, wie es ist.

Wenn Freude aufkommt, spricht nichts dage­gen, sie zu gen­ießen. Sie als beson­dere Erschei­nung zu suchen, ver­wickelt die Auf­merk­sam­keit in Erschei­nun­gen und in das “Bes­ser /Schlech­ter”-Spiel – statt ein­fa­chem Sein in und mit den Erschei­nun­gen, wie sie gerade sind.


Wo ist der Unterschied zwischen der Freude des Seins und Freude, die kommt und geht? Also hast du eine Freude, die immer da ist und dann kommt manchmal noch eine, die größer ist?
Die Freude bei mir tritt meist nur beim “Meditieren” auf. Kann das nicht ein Indiz sein, das ich manchmal verstehe zu sein und manchmal wieder in der Story verwickelt bin? Oder ist auch die Freude, die immer da ist … manchmal weg?

Wie ist es mit den Erscheinungen, die kommen und gehen eigentlich in Bezug auf so Sachen wie Kopfschmerz und Tinnitus, der eben nicht kommt und geht, sondern immer da ist?


Der Verstand ver­sucht, sich an “Indi­zien”, an Maß­stä­ben (“bes­ser /schlech­ter”, “näher /wei­ter”, “wär­mer /käl­ter”) zu orien­tieren. Er geht nach der Topf­schlage-Strategie vor, nur funk­tio­niert das nicht (wenn du mich fragst; andere Leute haben ja eine Menge Orien­tie­rungs­punkte und Rezepte im Angebot).

Dem Verstand scheint es ein Fort­schritt, wenn eine Frage beant­wor­tet wird, mit dem Ziel, dass irgend­wann alle Fragen beant­wor­tet sind. Das Den­ken kann es aber ein­fach nicht erfas­sen und ist letzt­lich nur eine Ablen­kung (wenn es für relev­ant gehal­ten wird).

Meine Empfeh­lung ist nach wie vor: Sei da ohne zu wis­sen, orien­tie­rungslos.
Hör, wie der Ver­stand sagt: “Na toll, aber … (woher weiß ich …)”. Lass ihn in Ruhe, dann lässt er dich in Ruhe.

Da ist die eine Prä­senz, in der alle Erschei­nun­gen auf­tau­chen. Sie ist keine Emotion und kein Tinni­tus, und wenn sie dich küsst, dann ist es klar und frag­los und ein­deu­tig und unzwei­fel­haft … wie ein Kuss eben.
Das heißt nicht, dass der Ver­stand plötz­lich alle Ant­wor­ten weiß oder sich keine Fra­gen mehr aus­den­ken könnte, son­dern es ist klar, dass er das Wesent­liche des Kus­ses, seine stille Leben­dig­keit, nicht erfas­sen kann und muss.

Du kannst nur kuss­be­reit sein, oder aber auf die Fra­gen hören zu Kuss­tech­nik, Bereit­schaft, Vor­be­rei­tung, Fort­schrit­ten, Indi­zien für Annä­he­rung, Iden­ti­fi­zieren des Küssenden usw.
Und der /die /das Geliebte sagt: “Sei still und küss mich!”
In diesem Kuss ist alles eins.


 Vielen Dank!  🙂

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Wozu noch Coaching?

Sehr geehrter Herr Kruse,

mit Begeiste­rung habe ich Ihr Buch “Glück ohne Schmied” geles­en. Ja, was da steht ist wahr, dies taucht auf. Dann gehe ich auf Ihre Web­sei­te, was erfahre ich? Da wer­den die Schmie­de wie­der ange­spro­chen, die etwas ver­än­dern kön­nen. Wie passt das für Sie zusammen?

Für eine Ant­wort bin ich dank­bar, weil ich mich in dieser Zwick­mühle befinde, da ich auch Kurse usw. anbiete mit der Aus­ric­htung “Dekon­di­tio­nie­rung von Glau­bens­sät­zen” – und gleich­zei­tig ist da nie­mand, der es tun soll.


Diese Frage bekomme ich in letz­ter Zeit natür­lich öfters mal gestellt: “Wie passt das zusam­men – einer­seits geschieht alles von selbst, ande­rer­seits geht es um Ver­än­de­rung durch Coaching?”

Veränderung geschieht, aber nicht durch einen Schmied. Ich sehe die Arbeit als Coach auch nicht anders als zum Bei­spiel die Arbeit eines Fri­seurs oder Zahn­arz­tes oder Golf­leh­rers. Wenn man eine andere Fri­sur möchte oder Zahn­schmer­zen hat oder sein Handic­ap ver­bes­sern möchte, dann geht man zu jeman­dem, der einem da helfen kann. Und wenn man unter bestimm­ten Gedan­ken lei­det oder irgend­et­was ler­nen möchte, dann geht man eben zum Coach oder The­ra­peuten.

Eine neue Fri­sur führt nicht zur “Erleuch­tung”, sieht aber viel­leicht bes­ser aus. Das spielt keine Rolle und wird meiner Ansicht nach nur dann ver­wir­rend, wenn man meint, man müsse an sich arbei­ten, um das “Ich” los­zu­wer­den oder so etwas. Meine Patien­ten kommen zum Bei­spiel mit Flug­angst, und dann kön­nen sie ent­spannt flie­gen (aber nur im Flug­zeug). Sonst nichts.

Ein ande­rer Aspekt sind die “spiri­tu­ell Suchen­den” oder Men­schen, die mit tie­fen­psy­cho­lo­gi­schen Theo­rien zu mir kom­men: “Meine Mut­ter hat mich nicht geliebt”, “Irgend­wie gönne ich mir den Erfolg nicht”, “Ich bin nicht in meiner Mitte”, “Ich will mehr ich selbst sein”, “Ich habe Min­der­wer­tig­keits­ge­fühle” und so wei­ter. Diese “tiefen” Themen lassen sich als “Mit mir stimmt etwas nicht” zusam­men­fas­sen, oder als “Ich kann mich nicht ver­wirk­li­chen”. Und diese Gedan­ken sind auch kein Wun­der: Die Pati­en­ten sind nicht das Kon­zept, für das sie sich hal­ten, daher kön­nen sie sich nicht “ver­wirklichen”.

Da scheint mir, dass eine andere Sicht oder Ein­stel­lung sehr erleich­ternd wirken kann: Es sind halt alles Gedan­ken, die auf­tau­chen und sich wie­der ver­zie­hen. Na und? Das kann auch ohne “per­sön­li­che” Ver­wick­lung gesche­hen, ohne Ernst und ohne Kon­se­quen­zen. Also kurz gesagt: Es kann enorm befrei­end wir­ken, Gedan­ken als “nur Gedan­ken” zu erken­nen, sie als Land­karte zu sehen, die nicht das Gebiet ist. Gerade dadurch scheint es oft nicht mehr nötig, dauernd am Rela­tiven herum­zu­doktern.

Die Frisur ver­liert an Bedeu­tung, aber es spricht auch nichts dage­gen, eine schöne Fri­sur zu haben (wenn man sich nicht gerade das See­len­heil von ihr erhofft). Und der Fri­seur (oder Coach) ist keine Per­son, son­dern eine Erschei­nung, eine Funk­tion oder eine Info­rma­tion, die auftaucht.

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Vom Schicksal gezeichnet

Lieber Dittmar,

zuerst einmal vielen Dank für die Möglichkeit, auch als Abwesende (von Deinen Kursen oder Gesprächskreisen) Gast bei Dir sein zu dürfen – ich schaue und höre mir jedes Video an, lese die Beiträge …

Bei den Videos fällt mir auf, dass alle einer Meinung zu sein scheinen, jeder und jede ergänzt bzw. bestätigt den Anderen. Die Gespräche sind einstimmig …

Natürlich fällt mir auch anderes auf: Die Themen z.B. sind einfach spannend, bereichernd und anregend. Danke.

So gern ich Gespräche über Nondualität anhöre, so gern ich Bücher darüber lese, so ungern spreche ich mit anderen Menschen darüber. Manchmal gelingt es mir, in meinen Yogaunterricht etwas einzuflechten. Es gelingt mir dann, wenn ich spüre, dass ich was verinnerlicht habe, dass ein Samen aufgegangen ist, dass etwas abrufbar ist.

Neulich bin ich einer Bekannten begegnet. Sie erzählte mir folgendes: Sie kam vom Einkaufen nach Hause, da standen mehrere Polizeiautos im Hof. Ihr Ehemann wurde gerade abgeführt. Anklage wegen Pädophilie in xxx Fällen, Kinderpornographie … Für die Frau brach die Welt zusammen.

Ich könnte dieser Frau niemals sagen: “Weißt du, du bist kein getrenntes Wesen und dein Mann auch nicht. Wir sind alle ein Baum und erscheinen als Ast. 1als 2 eben.”

Ich konnte das Entsetzen der Frau, die nicht die leiseste Ahnung vom Treiben ihres Mannes hatte, gut nachempfinden, auch die Wut, die Verzweiflung und die Trauer über die zerbrochene Liebe. Trösten konnte ich sie nicht. Ich hab ihr gesagt, dass man auch mit einem Totalschaden weiter leben kann. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.

Ich fände es grauenhaft zu sagen: Wer weiß, vielleicht findest du in ein paar Jahren, dass es gut war, dass alles so gekommen ist. Ebenso grauenhaft fände ich es zu sagen: Ach, das sind alles nur Gedanken, die kommen und gehen und diese Gedanken spielen sich manchmal auf als Richter, Moralist, usw.

Ich frage mich, wie ich manchmal in das scheinbar Unlösbare, das Schwere oder Unerträgliche ein wenig Leichtigkeit bringen könnte. Bei mir und bei anderen.

Natürlich ist es wunderbar, wenn man im Augenblick sein und ihn mit allen Sinnen wahrnehmen kann, aber die Aufmerksamkeit wird nun mal eingeschränkt, wenn man von Dämonen bedroht wird.

Ich habe nie das Gefühl, ich müsste der Außenwelt etwas abringen, um vollständiger zu werden. Aber ich hätte gern ein ruhigeres Leben, das mir weniger Schrecken einjagt.

Lieber Dittmar, das wollte ich los werden, denn mir scheint, die Methode “Nondualität” ist eben auch nur eine Methode – natürlich eine gute und sinnliche. Sie taugt für Menschen, die mal einen kleinen Dämpfer bekommen haben, oder für diejenigen, die ein leichtes, glückliches Leben führen dürfen, nicht aber für jene, die gezeichnet sind vom Schicksal.

Was meinst Du?

Ich grüße dich herzlich!


Liebe …,

danke für deine Mail und dein Feedback!
Hier ein paar Punkte dazu:

  • “Dämonen”: Diese Dämonen, die da drohen, sind Gedanken, die immer wieder kreisen. Gedanken, die sich voller Reue und Trauer auf die Vergangenheit beziehen und voller Angst auf die Zukunft.
    Die Ähnlichkeit zu Dämonen liegt in der gefühlten Besessen­heit von diesen Gedanken, die keine Ruhe geben.
    Aufmerksamkeit für die Gegenwart kann diese Besessenheit heilen. Daher ist “Achtsamkeit” essentieller Bestandteil in der Arbeit mit traumatisierten Menschen.
    Das Vertrauen in den gegenwärtigen Moment hilft, die Gedanken an die Vergangenheit loszu­lassen und stärkt das Vertrauen, dass die Zukunft ebenso “tragen” wird wie die Gegenwart.
  • “Gezeichnet vom Schicksal”: Ich habe wirklich noch nichts besonders Schlimmes erlebt (halt die üblichen vorübergehenden Unfälle, Trennungen, Schmerzen, Krisen usw.). Ich kenne aber genug Menschen, die wirklich trauma­tische Erfah­rungen hatten, zum Beispiel den genannten Kindes­miss­brauch vom Klein­kind­alter an, Vergewal­tigung, Tod eines Kindes oder Quer­schnitt­lähmung … und die glücklich sind, frei von Dämonen. Die Liebe und Frieden und Freiheit in sich fühlen und ausstrahlen. Nicht weil sie das Erlebte verdrängt haben oder sich schön­reden oder “nicht so schlimm fanden”.
    Da ist etwas, das ganz unabhängig von allen Umständen und Erschei­nungen ist, etwas, das heil bleibt. “Total­schaden” betrifft z.B. das Auto, das Haus, die Ehe … DU bist kein Total­schaden. Da ist etwas, das heil bleibt, offen und durchlässig.
    Da ist immer noch Liebe.
    Der Organismus kann sich mit all seinem Schmerz und seiner Trauer an diese unver­gäng­liche Liebe wenden (die er sich z.B. vom Partner erhofft hatte), und es kann diese liebevolle Zuwendung zu allem Schmerz und aller Trauer geben. Dazu kann thera­peutische Begleitung wichtig sein, die hilft, alle Gefühle, die da sind, zu erlauben. Und damit der Vergan­genheit erlaubt, vergangen zu sein.
  • “Gut finden”: Die Situation deiner Bekannten “gut” zu nennen ist natürlich auch nur eine Bewertung, genau wie “schlecht”. Aber eines Tages ist sie vielleicht froh, dass das Doppel­leben aufgeflogen ist und sie nicht in der Lüge oder Illusion weitergelebt hat.
    Das Zusammenbrechen einer Schein­welt kann sehr schmerzhaft und enttäu­schend sein und eine ungeahnte Freiheit von den bisherigen Umständen und Illusionen mit sich bringen.
    Das Scheitern eines Lebensplans kann den Hochmut entthronen, das Leben sollte sich nach seinen Vor­stellungen richten und seine Bedin­gungen erfüllen. Dann ist da Demut, sich dem Moment zu öffnen, so wie er sich zeigt; Demut, die heilt und befreit.
  • “Methode”: Einem Menschen in einer akuten Notlage belehren und eine Philo­sophie aufdrücken zu wollen fände ich auch respektlos und arrogant – oder “grauenhaft”, wie du es nennst.
    Nondualität ist keine Methode, ist weder “Reframing” noch “Positives Denken” oder “Schönreden”. Sondern entweder eine Philosophie (dann ist es eine von vielen, so wie Stoizismus, Fatalismus …): eine gedankliche Ein­ord­nung, die ich nicht besonders interessant finde – oder ein Sehen (und Beschreiben) der Einheit hinter den Erschei­nungen, die ich liebe und als das einzig wirklich Interessante empfinde.
  • “Meinung”: Meistens sind unsere Gespräche “einstimmig”, wie du es nennst. Das kommt aber nicht durch Bestärken derselben Meinung, sondern im Zusammensein kann das Eins­sein deutlich fühlbar und im eigenen momentanen Erleben erkannt werden.

War’s das schon?

Lieber Dittmar,

vor ein paar Tagen hab ich auf der Seite von X so nen “Erleuch­tungs­kurs” mit­ge­macht. Kennst du die Seite? Jeden­falls wurde mir bestä­tigt, das “Tor­lose Tor” durch­schrit­ten zu haben. Warum schreib ich dir…? Hmm, ich glaub, dass u.a. ein Zwei­fel daran betei­ligt ist. Ist schon irgen­dwie komisch: Wenn es das jetzt wirk­lich war, wonach ich immer gesucht habe … Die letz­ten Tage nach der “Tor­durch­fahrt” waren jeden­falls von mehr Klar­heit und Leich­tig­keit gekenn­zeich­net. Viel­leicht hast du ja ein paar Worte für mich?!


Diese Frage: “War’s das jetzt wirk­lich schon?” haben mir schon einige “X-Absol­ven­ten” gestellt. Ob du etwas durch­schrit­ten hast und was das war hängt davon ab, wie das Tor defi­niert wird. Mir scheint es ein rie­si­ger Unter­schied zu sein, ob da jetzt zusätz­lich zum Erle­ben ein korri­gie­ren­der /erklä­ren­der Gedanke kommt (“… aber da ist ja niemand”) – was ein intel­lek­tu­elles Ver­steh­en ist und viel­leicht auch eine emot­io­nale Beru­hi­gung mit sich bringt. Und oft auch den Gedan­ken: “Ich bin jemand, der das Tor durch­schrit­ten hat.” (TOR 1)

Oder ob eine ener­ge­ti­sche Auf­lö­sung geschieht, ob das Gefühl der Getrennt­heit, der Unvoll­stän­dig­keit, der Eigen­mäch­tig­keit in der Offen­heit ausge­löscht ist. Ob eine Abso­lut­heit im Moment, in den Erschei­nun­gen erkannt wird. Ob die Erschei­nun­gen als Ausd­ruck der­sel­ben lie­be­vol­len Quelle erlebt wer­den. Als Erschei­nungs­for­men de­rsel­ben Leben­dig­keit. Als Innig­keit der Quelle mit sich selbst. Ob das Erle­ben von Liebe erfüllt ist. Ob das Erle­ben ein Tor­lo­ses Tor ist, ein stän­di­ges Erwachen in die­sen Moment. Ob die­ser Moment das Tor­lose Tor ist. Ob Du das Tor­lose Tor bist. Ein Zusam­me­nsein, ein Zusam­mens­piel von allem. Ein Wunder. (TOR 2)

So habe ich das Tor erlebt und so erlebe ich es. Das heißt nicht, dass ich immer won­nig­lich drauf bin und die Auf­merk­sam­keit immer weit und ent­spannt ist. Ich erlebe auch immer wieder mal Anspan­nung und Ärger oder Traur­ig­keit. Das ist die Folge einer Vor­stel­lung, wie “die Welt” sein sollte, nach der die Welt sich nicht rich­tet; die Folge eines Mus­ters, das wie eine Selbst­schuss­an­lage abläuft. Sol­che Vor­stel­lun­gen haben sich irgend­wann in einem arg­lo­sen, kind­li­chen Geist ein­ge­nis­tet als lieb­evol­ler Wunsch: “Das Leben wäre viel schö­ner, wenn nur …”

Wenn das Muster wehtut – vor allem, weil das Tor 2-Erle­ben dadurch in den Hin­ter­grund tritt –, dann geht die Auf­merk­sam­keit von der Dis­kre­panz zwi­schen Wunsch und Wirk­lich­keit auf den Wunsch selbst, auf das Mus­ter. Dann erlebe ich den Preis, den das Behar­ren auf Bedin­gun­gen kos­tet (die nicht mal “meine” Bedin­gun­gen sind, sondern von einer Vor­stel­lung /einem Mus­ter gestellt wer­den, das sich vor lang­er Zeit im Orga­nis­mus ein­ge­nis­tet hat). Und wenn das Mus­ter erkannt wird, dann endet die Fixie­rung darauf und das Erle­ben ent­spannt sich. (Manch­mal dau­ert es auch biss­chen mit dem Erken­nen …) Gleich­zei­tig ist klar, dass diese Mecha­nis­men nichts Per­sön­li­ches sind, sondern Erschei­nungs­for­men der Leben­dig­keit, nur ener­ge­ti­sche Ver­fes­ti­gun­gen, die sich im Licht der Gege­nwart ver­flüs­si­gen. Die Auf­merk­sam­keit ist ein Update in die Frei­heit. Jeden­falls, sol­che Bedin­gungs­mus­ter tau­chen bei mir immer noch auf. Und auch eine Beschrei­bung wie die von Tor 2 kann leicht zu einer Bedin­gung ans Erle­ben werden: “So sollte es sein – ver­dammt, so ist es aber noch nicht!” Das erschwert das unvor­ein­ge­nom­mene, bedin­gungs­lose Schauen, wie die Wirk­lich­keit ist, wenn sie keine Kri­te­rien erfül­len soll.

Ohne Kriterien und Bedin­gun­gen schaut die ein­zige wirk­li­che Auto­ri­tät für Wach­heit: die Wachheit.


Lieber Dittmar, deine gehalt­vol­len Zeil­en drin­gen wie immer tief in mich ein und brau­chen auch noch Zeit zu wir­ken. Auch dein authen­ti­sches Beschrei­ben deines Erle­bens ist mir ein gro­ßes Geschenk. Vielen Dank !

Eine kurze Bilanz: Nach dem “Tor­durch­lauf” war und ist mehr Klar­heit. Es schei­nen die alten bekann­ten Gedan­ken­nmus­ter — für län­gere Zeit — nicht mehr zu grei­fen, das fühlt sich nach mehr Frei­heit an. Es wird immer wie­der gese­hen, dass diese Filme sich nur noch um sich selbst dre­hen und keinem Ich-Kern mehr die­nen. Es sind Gedan­ken, Bilder, wie [Name] dies und das macht, und sie füh­len sich wie immer an, bis ein Sehen oder Erin­nern auf­taucht und die­ses wird oft von nem Geda­nken beglei­tet “Es gibt kein Ich”. Also ein Wech­sel: Film-Iden­ti­fi­zie­rung und danach sehen, das ist nur ein Film — dies scheint das Erken­nen bewirkt zu haben.

Was jedoch nicht erlebt wird, ist ein Ein­heits­ge­fühl, eine Liebe, die alles umfasst, ein Innen und Außen als Illus­ion… im Ansatz viel­leicht schon, jedoch ist es kein Grund­ge­fühl. Auch dass im Gegen­über kein Ich ist, scheint sich nur lang­sam zu grün­den. Daher plä­diere ich eher dafür, dass hier wohl das Tor 1 durch­schri­tten wurde — immerhin.

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Was das Leben erlebt

Das ist keine Verkleidung:
So sieht Gott aus.
Er ist die Ecke, hinter der du ihn suchst
Das Suchen, das Sehen
Das Fantasieren und Sortieren
Die feierliche Geste
Und das Lachen darüber
Der tiefe Blick, der flache Witz
Die Enge und die Weite
Das Atmen aller Dinge
Wild und lasziv und laut und knallbunt
Gleißend und beißend und schillernd und dunkel und still:
Das Leben und alles, was das Leben erlebt.

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Wozu mein Ich verlieren?

Hallo Dittmar!

Ich habe mit Begeis­te­rung Dein Video mit Teresa geschaut und es sehr genos­sen, leicht, erfri­schend, tref­fend, ein­fach, prag­ma­tisch, nor­mal. So ein sym­pa­th­ischer Kerl dachte ich. Falls es je einen Guru gab, dann bist Du der erste, der nor­mal ist und end­lich mal die Dinge ehr­lich sagt wie sie sind, wie ICH sie sehe. Du wirkst für mich so strah­lend authen­tisch und so anders als alle bis­her pathe­ti­schen, medi­ta­tiv­en, erns­ten, nach innen gekehr­ten, psy­che­de­li­schen, hei­li­gen, bana­len, schlei­mi­gen, ver­wir­ren­den, kopf­las­ti­gen, theo­re­ti­schen, kon­zept­las­ti­gen, unau­then­ti­schen Spiri-Lehrer. Spaß bei­seite, ich über­treibe, aber so ein bis­serl den Anschein haben die manch­mal für mich. Aber das ist mir grund­sätz­lich total egal. Ich gehe zu Karl Renz auch nur des­halb, weil es spi­ri­tu­el­les Kaba­rett für mich bedeu­tet und ich mich tot­lache. Was sonst kein Kaba­ret­tist schafft. Er zer­trüm­mert ja jeden Gedan­ken, jedes Kon­zept und das befreit logi­scherweise.

Ich hatte mich nach dem Video gefragt: Wozu brau­che ich eigent­lich mein ICH verlieren?


Tja, der Punkt ist: Da ist nie­mand, der ein “Ich” besit­zen würde und der “sein Ich” ver­lie­ren könnte. Und da ist auch kein sol­ches “Ich”.
Sondern da ist unper­sön­li­ches Bewusst­sein, in dem Gedan­ken und Emo­tio­nen erschei­nen. Diese Gedan­ken und Emo­tio­nen bezie­hen sich auf einan­der und gehen davon aus, ein “Ich” als Zen­trum und Bezugs­punkt zu haben. Sie bezie­hen sich auf die Illu­sion, die sie erzeugen.

Und der Gedanke, “sein” “Ich” zu verlie­ren, geht von der­sel­ben Illu­sion aus. Daher kann die Arbeit daran, sein Ich abzu­le­gen, diese Illu­sion noch verstärken.

Was es aber gibt und was sich ändern kann, ist die Iden­ti­fi­kation mit Gedan­ken und Gefüh­len. Das Glau­ben der Gedan­ken (über “mich, den Besit­zer von Kör­per und Gedan­ken, das getrennte Ein­zel­we­sen”) und die mit die­sem Glau­ben ver­bun­de­nen Emot­io­nen, das kann auf­hö­ren.
Das ist wie das Erwa­chen aus einem Traum, aus einer Trance.


Dann habe ich auf deiner Verlagsseite die Fra­gen gele­sen, ab Frage 3 war mein Den­ken so ver­wirrt, dass nur mehr Chaos übrig­blieb. Ein sehr ange­neh­mes Gefühl: Keine Gedan­ken und Zufrie­den­heit und Vertrauen.

Jedenfalls habe ich immer dieses Den­ken und diese Gefühle und diesen Kör­per mit dem [Name] gleich­ge­setzt, also als ICH benannt. Offen­sicht­lich war das der Denk­feh­ler. Es gibt offen­sicht­lich etwas jen­seits von all dem, wonach es zu suchen gäbe, wahr­schein­lich meinst Du damit die ICH­losig­keit? Das kenne ich aller­dings, das ist ein schöner Zustand, da bin ich ein­fach nur. Aber das habe ich schon. Auch das bestä­tigst Du. Das habe ich immer, das ist immer da. Manch­mal rückt es im Wut­an­fall oder All­tags­stress in den Hin­ter­grund, aber es ist her­hol­bar, aber nicht zwin­gend. Manch­mal aber lei­der ist dies Andere aber nicht herholbar…

Wenn das eben das ist, was Du meinst, brauch ich nim­mer suchen? Dann sage ich ein­fach: Dieses Andere ist die ICH­losig­keit, die ich in Wor­ten nicht beschrei­ben kann und [Name] mit Gedan­ken mit Gefüh­len und Wor­ten ist das ICH. Erlaubst Du in Dei­ner Sicht­weise, dass es das gibt? Weil ich emp­finde es als sehr real, wenn ich mich so von der ICHl­osig­keit /eben von Die­sem ande­ren her betrachte. Ich habe näml­ich immer geglaubt, dass alles ver­schwin­den muss. Und das hat mich so gestresst. Die­ses alles Andere als die ICH­losig­keit ist doch was Schö­nes, oder? Und para­doxer­weise gefällt mir mein ICH auch:-))


Es ist so eine Sache mit Wor­ten: “Das ist ein schö­ner Zustand, … das habe ich schon” würde wie­der einen Besit­zer eines Zustands bedeu­ten. Die Wirk­lich­keit ist kein Zustand, sondern in allen Zustän­den, und sie hat kei­nen Eigen­tü­mer. (Wahr­schein­lich meinst du das auch nicht, bin nur fürs Pro­to­koll spitzfindig.)

Die Wirklichkeit ist auch nicht her­hol­bar, son­dern die Auf­merk­sam­keit kann sich ihr zuwen­den, wenn sie nicht von Gedan­ken “gefan­gen” ist. Auch dann ist das natür­lich Wirk­lich­keit: Die Auf­merk­sam­keit ist von Gedan­ken absor­biert und spielt im Land der Illu­sio­nen. Aber die Wirk­lich­keit, die IMMER da ist, tritt dann in den Hin­ter­grund: das Bewusst­sein, in dem sich die Erschei­nun­gen und Illu­sio­nen abspie­len. In dem sich Gedan­ken an “[Name] und seine Welt” und die ent­spre­chen­den Gefühle abspielen.


Bisher dachte ich ein­zig allein, meinen Kör­per zu verbes­sern, weil er ist das Haus von meinem ICH, dann fühlt er sich wohl und das ist ange­nehm. Das glei­che tat ich mit Gedan­ken und Gefühlen. Manch­mal tat ich auch gar nichts zu letz­te­ren bei­den und dann war ich nur prä­sent, dann hat sich Trauer von selbst gelöst und es ist wie­der so ok wie es ist. Manch­mal hat sich die nega­tive Emo­tion auch nicht gelöst. Auch das war ok. Inso­fern ist das also das von Dir genannte “zum Fri­seur gehen”. Und ich bin so froh, dass das ok ist. Offen­sicht­lich ist das ein­fach die irdi­sche Dimen­sion, und die Non­dua­li­tät eine Paral­lel­welt, die gleich­zei­tig exis­tiert. Ist das so? Kann man es so sehen? Das recht­fer­tigt dann näml­ich für das EGO das “zum Fri­seur gehen”. Viele Leh­rer ver­nei­nen das Therapieren.


Eine mögliche Beschrei­bung: Da ist das Bewusst­sein (was nur ein Wort ist und auch das “Unbe­wusste” bein­hal­tet; andere Worte wären “das Leben, die Leben­­­­­­­dig­­­­­­­­keit, Intel­­­­­li­­­­­­genz, das Sein, das Nichts …”) und die Erschei­­nun­gen: die Inhalte des Bewusst­seins; die For­men, die das Bewusst­sein annimmt; die Art, wie es sich jetzt gerade zeigt.

In der Welt der Erschei­nun­gen geschieht alles, Gedan­­ken kom­­men, Haare wach­­sen, Fri­­seure bie­ten sich an. Der Orga­­nis­­mus küm­­mert sich um sein Wohl­­er­ge­hen; er fühlt Hun­­ger, dann besorgt er sich etwas zu essen. Er fühlt Trauer, dann besorgt er sich einen The­ra­­peu­­ten oder ein Selbst­hil­­fe­buch oder einen Freund zum Reden, oder er joggt, bis er sich bes­­ser fühlt, oder er “geht der Trauer auf den Grund”, er workt oder weint …

In der Welt der Erschei­nun­gen (die du “die ird­sche Dimen­sion” nennst) gibt es jede Menge sol­cher selbst­or­ga­ni­sie­ren­der und selbst-heilender Pro­zesse. Da ist kein Ego, das zum Fri­seur geht, son­dern ein Orga­nis­mus, ein Aus­druck des Bewusst­seins, mani­fes­tierte Leben­dig­keit. Leben­dig­keit “an sich” und mani­fes­tierte Leben­dig­keit sind keine getrenn­ten Wel­ten und auch keine Paral­lel­wel­­ten (ich weiß, die Worte sind immer unzu­rei­chend), son­dern die Erschei­nungs­welt ist Aus­druck des aktu­ellen Bewusst­seins­zu­stands. (Das trifft es auch nicht ganz … Worte!)

Im Spiel der Erscheinun­gen ist “zum Fri­seur gehen” genauso eine Erschei­nung wie “die Haare wach­sen las­sen”. Beides sind Gescheh­nisse; Rum­sit­zen ist nicht bes­ser oder schlech­ter als Jog­gen, Passi­vi­tät nicht bes­ser oder schlech­ter als Akti­vi­tät. Die Illu­sion ist, dass da jemand “von außen” ein­greift oder eben ver­mei­det, ein­zu­grei­fen; die Wirk­lich­keit ist, dass das alles im Spiel der Erschei­nun­gen und Energien geschieht.


Und was wäre, wenn ich nun aufhöre die ICH­losig­keit zu suchen, weil sie schon da ist? Denn, wenn ich jetzt hier bin, ich sitze hier am Sofa. Da habe ich keine Gedan­ken, keine Emo­tion außer Zufrie­den­heit inklu­sive etwas Freude und grad auch keine kör­per­li­chen Beschwer­den. Aber das ist eh immer so, außer hier und da im Alltagsstress.

Mit Ausnahme der kör­per­li­chen Beschwer­den, die zei­gen sich per­ma­nent, wenn ich nichts dage­gen unter­nehme, aber dann mache ich halt etwas Feldenkrais und sie sind wieder weg. Und wenn ich es nicht mache, ist es auch ok. Dann habe ich halt etwas Rücken­schmer­zen, wen stört es? Wenn es das ICH stört, kann ich eh was dage­gen tun. Also alles irgend­wie absurd. (Weil irgend­wie geht sich kein Konzept aus, an dem ich fest­hal­ten soll /kann.)

Und wenn ich mich emotional schlecht fühle, dann trans­for­miere ich diese Gefühle. Und wenn nicht, es ist sowas von egal. Und nega­tive Gedan­ken oder zuviele Gedan­ken stö­ren mich über­haupt nicht. Soll­ten es je noch­mals zu viele Gedan­ken wer­den, dann gehe ich spa­zie­ren und in spätes­tens 20 Minu­ten bin ich auch gedan­ken­frei, als Kin­äs­thet sowieso sehr leicht. Höchs­tens gefühls­frei werden, das ist etwas schwie­ri­ger, weil eben soviel Gefühl da ist …


Mir haben einige Leute geschrie­ben, für die die Erkennt­nis, dass da “nie­mand” ist – die Erkennt­nis der Ich­losig­keit – ver­stö­rend und depri­mie­rend war. Die eine nihi­lis­ti­sche Erfah­rung von Leere, Sinn­losig­keit, Abwe­sen­heit gemacht haben. Die nur die Nega­tion erlebt haben, das Weg­fal­len, das dann wie ein Feh­len, eine Ödnis erschien. Für man­che ist es auch ein­fach nur ein intel­lek­tu­elles Ver­ste­hen ohne wei­tere Kon­se­quen­zen (außer dass sie an ihre Sätze den Zusatz “…. aber da ist ja nie­mand, der das macht” dran­hängen).

Der andere – viel größere – Aspekt ist zu erle­ben, was “statt­des­sen” da ist, was durch die Abwe­sen­heit des illu­si­onä­ren Ichs klar sicht­bar wird: die Abso­lut­heit des Erle­bens. Die Frei­heit von und in Erschei­nun­gen. Liebe, Freude, Frie­den, Erfül­lung. Die leben­dige Prä­­­­­­senz, die abso­lut nicht [Name] oder Dittmar ist. Lie­be­­­­­­vol­les Bewusst­­­­­­sein, das sich selbst erkennt und die Erschei­­­­­­nun­gen als Aspekt seiner selbst. Dass da kein “Ich” ist, das dem gegen­über­steht, ist darin selbst­ver­ständlich enthalten.


Dann bin ich grundsätzlich am Ende meiner Suche ange­kom­men,weil ich alles schon gefunden habe. Aller­dings hat mir das noch kein ein­zi­ger Guru, Leh­rer, Meis­ter, Trai­ner oder wer auch immer bestä­tigt. Die sagen alles was ande­res. Soll ich Dir glauben? :-)))))
Entweder bin ich ver­rückt oder ich habe die gan­zen Leh­rer nicht kapiert, weil sie für mich immer etwas ande­res aus­ge­sagt hat­ten als das was Du sagst!

Also ich glaube, ich bin am Ende der Suche ange­langt. Ja das tue ich, weil es ent­spricht doch mei­ner inne­ren Weis­heit, hätte ich das doch eher getan, aber ich dachte immer es fehlt mir was, wie eben alle behaup­ten. Und das ist nun der Punkt, alle Lehrer reden, dass mir was fehlt und sie was hät­ten wo ich nie bin!! Und ich glaube, ich bin da rein­ge­fal­len. Durch Dich habe ich offen­sicht­lich die Gewiss­heit erlangt, dass ich auch das, was Du meinst wie ICH­losig­keit nicht erlan­gen brauche. Also auch das sieht wie eine Vor­gaukelei aus.


Die Ichlosigkeit zu erlan­gen wäre wie die Schwer­kraft erlan­gen. Die Schwer­kraft kann ver­ges­sen wer­den, sie kann in den Hin­ter­grund der Wahr­neh­mung gera­ten, wenn die Auf­merk­sam­keit von etwas ande­rem fas­zi­niert ist. Beim Kon­zept “Ich­losig­keit” ist die Auf­merk­sam­keit zum Bei­spiel fas­zi­niert von Ver­spre­chen und von Bedin­gun­gen, wie die Ich­losig­keit aussehen sollte.


Die Gurus haben nämlich behaup­tet ich muss da etwas Kom­pli­zier­tes erken­nen und sehen … Ich finde alles absurd jetzt. Das ist ent­we­der meine Ver­wir­rung oder Klar­heit, dass alles eh so stimmt wie ich schreibe. Wenn ich es ver­glei­che mit Dir und vor allem den ande­ren Leh­rern, ent­steht die Verwirrung.

Außerdem meinen die Neuro­bio­logen ohne­hin, es gibt keinen freien Willen und so wei­ter, es pas­siert alles ohne­hin. Nur wegen all den Guru-Aussagen inklu­sive dem Osho und ande­ren ver­suchte ich immer das zum Zahn­arzt­gehen mit dem so Sein des “Es ist schon immer alles ok und ich bin in Ord­nung” zusam­men­zu­füh­ren. Nur hat kein ein­zi­ger sich getraut, das zu tun. Nur Du! Die haben immer alle gesagt, ich bin schon ok. Ich hatte solche Schmer­zen und auch nega­tive Gefühle und dann war für mich der Wider­spruch, von Du bist ok, [Name]. Nein, ich fand das nicht ok. Ich bin zum Thera­peu­ten gegan­gen, oder thera­piere mich jetzt ja selbst. Aber für mich schien das immer uner­laubt, dass ich quasi zum Zahn­arzt gehe.

Wie siehst Du eigent­lich das mit dem freien Wil­len, den es ja nicht gäbe, damit wäre auch das The­ra­pie­ren über­flüs­sig und würde eh sowieso von selbst passie­ren, ohne mein Dazutun?


Wenn du dich in die Hand schneidest (um es umgangs­sprach­lich zu sagen; kon­zep­tu­ell kor­rekt: “Wenn In­die­hand­schnei­den pas­siert”), dann rea­giert der Orga­nis­mus /das Leben mit Selbst­hei­lungs­kräf­ten: Neue Zel­len (Blut­plätt­chen) werden gebil­det, die die Ader ver­schlie­ßen usw. Außer­dem rea­giert der Orga­nis­mus mit Schmerz, also mit erhöh­ter Auf­merk­sam­keit für die Lern-Erfahrung. Diese erhöh­te (und unwill­kür­li­che) Auf­merk­sam­keit ist genauso Teil des Lebens wie die unwill­kür­liche Blut­ge­rin­nung. Beides ist Aus­druck und Mani­fes­ta­tion der Intelli­genz des Lebens.

Diese Intelligenz zeigt sich in der Welt der Erschei­nun­gen als >ler­nende< Intel­­­­­­li­­­­­­genz. (Was sollte “reines” Bewusst­sein ohne Erschei­nun­gen auch ler­nen?) Die­ses Ler­nen besteht zum Bei­spiel in einem geschick­te­ren Umgang mit dem Mes­ser, so dass der nächste Schnitt ver­mie­den wer­den kann. Ein gutes Bei­­­­­­spiel für ler­nende Intel­­­­­­li­­­­­­genz ist auch Feldenkrais. Da wird dem Orga­nis­mus nicht von “außen” ein Kon­zept auf­ge­zwun­gen, wie er ste­hen, sit­zen oder lie­gen sollte, son­dern er lernt ganz leicht durch direkte Erfah­rung, durch liebe­volle Auf­merk­sam­keit: “Ok, bei dieser Bewe­gung zieht es in der Schul­ter – aahh! Bei die­ser Bewe­gung fühlt sich das ja ganz leicht an!”

Diese liebe­volle Auf­merk­sam­keit ist ler­nende Intel­­­­­­li­­­­­­genz. Und sie hat einen thera­­­­­­peu­­­­­­ti­­­­­­schen Effekt. Den­sel­ben Effekt hat auch “The Work” (die du bestimmt auch kennst): “Wie fühlt es sich an, diesen Gedan­ken zu glau­ben? Und wie ist es ohne die­sen Gedan­ken?” Und den­sel­ben Lern-Effekt hat hat auch das ein­fa­che Erle­ben: “Wie ist es, Bedin­gun­gen an den Moment zu stel­len (bzw. den gedank­lichen Vor­ga­ben an den Moment zu glau­ben)? Wie fühlt sich das an, wenn die Auf­merk­sam­keit stän­dig in Gedan­ken ver­hed­dert ist, dass das Leben (Ich /Du /Er /Sie /Es) anders sein sollte?” … diese Enge und Anspan­nung wirk­lich zu erle­ben und nicht als Beweis dafür zu neh­men, dass nur die Bedin­gun­gen erfüllt wer­den müss­ten und DANN würde ich mich bes­ser füh­len. Und die­sen Wahr­neh­mungs­tun­nel, diese Enge-durch-Bedingungen, die­sen Trance­zu­stand zu ver­glei­chen mit der Selig­keit, dem Frie­den, der Freude des bedin­gungs­lo­sen Ein­fach­Seins, dem Jetzt-als-Geschenk …
Das ist ein Ler­nen durch Kon­trast, wie bei Feldenkrais, The Work und beim Topfschlagen.

Auch das Bedingungen­stellen und Vom-Leben-Fordern und Kämp­fen sind Mani­fes­ta­tio­nen des Bewusst­seins. Mir schei­nen sie nur viel schmerz­haf­ter als die Bewusst­seins­in­halte so sein zu las­sen, wie sie grad sind, inklu­sive der Lern­er­fah­run­gen. Die liebe­volle Zuwen­dung fühlt sich liebe­voll an, das Abwen­den von der Wirk­lich­keit fühlt sich dumpf und ver­wirrt an. Ver­wir­rung ist Teil des Lebens, ebenso das Ler­nen und das Able­gen von schmerz­haf­ten Mus­tern, das sich natür­lich aus den Lern-Erfahrun­gen ergibt, so wie beim Schnei­den mit dem Mes­ser (z.B. “Nicht auf die Hand zu schnei­den, son­dern von der Hand weg! Nicht auf die Schneide drücken! Hin­schauen!”). Ler­nen ist die Bewe­gung von Ver­wir­rung und Unklar­heit hin zu Klar­heit. Lernen geschieht aus Selbst­liebe und ist Selbst­liebe in Aktion.


Also die Leichtig­keit ist immer da, und selbst wenn Schwere da ist, gibt es gleich­zei­tig auch Leich­tig­keit. nur wenn ich die von Dir ange­spro­chene ICH­losig­keit errei­chen wollte, dann hätte ich ein Pro­blem und es wäre wie­der alles schwer und kom­pli­ziert. Denn ich muss ehr­lich sagen, diese Illu­sion von ICH, wie es alle Gurus benen­nen, dieser [Name], ich finde den ein­fach ok mit sei­nem Kör­per, sei­nen Gefüh­len und sei­nen Gedan­ken. Und Punkt. Es wäre schade wenn das weg wäre, weil ich so gerne lebe…….

Das ist wenn überhaupt der einzige Wider­spruch mit Dei­nen Wor­ten, die ich even­tu­ell fehl­in­ter­pre­tiere. Und dann muss ich noch sagen, dass das SO­SEIN für mich genau so super wie das ICH ist. Und Punkt. Warum tren­nen? Dann gibt es auch noch Leute die in ein Selbst auf­tren­nen, alles zu kom­pli­ziert finde ich.


Ja, solange das Ich (also der Glaube an ein getrenn­tes Ich, das Bedin­gun­gen stel­len und durch­set­zen kann) keine zu gro­ßen Schmer­zen verur­sacht, ist das Heim­weh nicht so im Vor­der­grund. Bei mir war die Umkehr, dass ich zu große Schmer­zen hatte, um noch Bedin­gun­gen zu stel­len, und mit meinem Latein am Ende war. Und dann habe ich bemerkt, dass das nicht meine Bedin­gun­gen waren und nicht mein Latein.

Und der Kör­per mit seinen Empfin­dun­gen hört ja nicht auf zu exis­tie­ren, nur weil die Iden­ti­fi­ka­tion mit ihm (oder mit den Gedan­ken) endet. Die Erschei­nun­gen erschei­nen wei­ter, aber sie sind mehr ein Liebes-Spiel als ein Schlachtfeld.

Soweit meine Beschrei­bung. Im End­effekt ist es eine Beschrei­bung mehr – “etwas, das jemand sagt”. Die Beschrei­bung zu glau­ben ist ein­fach nur ein Glau­ben mehr. Sie nicht zu glau­ben ebenso.

Die Frage ist: Deckt sich die Beschreib­ung mit dei­nem Erle­ben? Gibt es da eine Resonanz?


Allein wegen dem, dass es end­lich jemand gibt, der die Welt ähn­lich wie ich sieht, bin ich so dank­bar!!! Ich würde gerne mal nach München kom­men und bei Dir eine Coa­ching­stunde nehmen. Zum Spaß, zur Freude und ver­mut­lich weil ich viel von Dir lernen kann. Danke!


Danke ebenfalls, ich habe dir sehr gerne geantwortet! Und klar, wenn du mal nach München kommen willst, zum Coaching oder zum Gesprächskreis, bist du herzlich willkommen.


Ich würde mich noch mehr über eine Ant­wort freuen auf meine Gedan­ken. Sie kann auch ganz kurz sein:-)


“Die Antwort kann auch ganz kurz sein” – das habe ich leider zu spät gelesen. 🙂

Herzliche Grüße
Dittmar

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Wahrnehmungsfilter: Ersetzen oder erforschen?

Sehr einleuchtend und wohltuend, das Thema mal unter dem Aspekt der bedingungslosen Liebe zu betrachten und sich die sonderbare Brille, durch die wir gemeinhin schauen, wiederholt vor Augen und damit ad absurdum zu führen. Wenn Du, Dittmar, an anderer Stelle NLP oder Byron Katies Work empfiehlst, wird doch aber wiederum die besagte Brille nur durch eine andere Brille ersetzt, oder nicht? Wie passt das für Dich zusammen?


Viele Leute halten NLP und The Work für “Methoden, um uner­wünschte Gedanken loszu­werden und durch bes­sere zu ersetzen”. Ich verstehe sie (vor allem im Kontext dieses Gesprächs) anders, nämlich als Erforschung.

NLP und The Work können dabei helfen:

* zu erforschen, welche Bedin­gungen gestellt werden (die Gedan­ken zu erken­nen, die Bedin­gungen stellen);

* zu erforschen, welche verzer­rende Wirkung das Sehen durch die Bedin­gungs­brille hat: die daraus resul­tie­rende Veren­gung des Erle­bens, die Anspan­nung, Wut, Einsam­keit, Trauer, Verwir­rung und Angst, die damit einhergeht;

* für diese Gefühle und Reak­tionen nicht mehr die Welt verant­wort­lich zu machen, die “mir vor­ent­hält, was ich brauche”, son­dern die Reak­tio­nen als Folge der gestell­ten Bedin­gun­gen zu erken­nen, als Folge des Wahns, Ankläger oder Opfer zu sein;

* die Alternative zu erkunden: zu erleben, was ohne Ankla­gen und Bedin­gungen schon da ist – liebevolle Offen­heit für alles, was sich zeigt.

Es geht hier also nicht um eine neue Kondi­tio­nie­rung und auch nicht um “Posi­tives Denken”, sondern um Lernen durch Kontrast:
So ist es, wenn eine Bedin­gung wich­tiger erscheint als Liebe, und so ist es, wenn Liebe wich­tiger ist als Bedingungen.

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Greift das Bewusstsein ein?

Hallo Dittmar,

ich schaue mir gerade Deine neue Seite an. Ich freue mich immer noch sehr über die erlösende Idee, dass es nichts zu „erarbeiten“ gibt. Als esoterisch erfahrener Mensch ist das mal was ganz anderes. Ich erinnere mich noch an den erschrockenen Moment, als ich in „Glück ohne Schmied“ begriffen habe, dass es auf eine ernüchternde Tatsache hinausläuft, die ich jedoch nicht leugnen kann. Diese Tatsache hat sich aber schnell sehr gut angefühlt.

Ich habe mich gefragt, ob das reine Bewusstsein irgendwie ins Leben eingreifen kann. Ich meine damit die Momente, wo uns im Leben bewusst wird, dass wir was ändern müssen. Sei es, das Rauchen aufzuhören oder Gewicht zu verlieren oder sich zu trennen. Oft spürt man schon lange, dass es so nicht mehr passt. Aber man kann sich noch nicht durchringen, es endlich umzusetzen.
Ich habe an dieser Stelle manchmal das Gefühl, unser bewusstes Denken ist wie eine Murmelbahn. Die Kugel kann nur die eingestellten Bahnen entlang laufen. In einem dualen Weltbild kommt dann ja viel Ärger dadurch auf, dass man sich unfähig oder zu dumm fühlt, etwas zu ändern und dass es trotzdem so ja nicht weiter gehen kann. Irgendwann kommt dann eine Veränderung in die Lage einer Bahn der Kugellaufbahn und plötzlich klappt es. Im Zustand nondualer Wahrnehmung kann man das, wie ich finde schön beobachten, ohne den ganzen Ärger dabei.
Ich habe sehr wohl den Eindruck, dass mir in der nondualen Wahrnehmung viele Dinge leichter fallen. Zum Beispiel Entscheidungen oder Veränderungen. Einfach weil ich leichter loslassen kann. Aber kann das Bewusstsein selbst aktiv werden? Eine Entscheidung treffen oder eine Aktion initiieren? Oder ist das Leben mit all seinen Entscheidungen und Aktionen letztendlich doch eine ziemlich neurologische Kugelbahn? Ich glaube fast, das Bewusstsein kann selbst nicht aktiv werden und Entscheidungen oder Aktionen selbst auslösen. Der Zustand in der Wahrnehmung ohne „Ich“ allerdings hat eine katalytische Wirkung auf die positive Entwicklung. Es fallen ja so viele Widerstände weg, wie ich finde.
Ich finde es manchmal erschreckend und ernüchternd und dann wieder sehr erlösend und ekstatisch schön, wenn ich feststelle, das ich weder beim Zähneputzen noch beim e-Mail-Schreiben lenken und eingreifen, planen, regulieren und vorgeben muss. Das Leben geschieht und mein Leben geschieht und ich beobachte mich manchmal beim Leben. Und dennoch habe ich bei allem gute Ergebnisse, ob ich als „Ich“ empfinde oder entspannt beobachte, ohne „Ich“. Aber man kann es echt keinem einfach so erzählen, ich hab es versucht. Entweder schauen sie einen ziemlich vorsichtig an oder verstehen es einfach grundsätzlich nicht. Tipps, wie man immer entspannt und glücklich ist, obwohl man die Steuerklärung machen muss oder gerade von Chinesen gefoltert wird, kommen hingegen immer gut an.

Soweit meine Gedanken an diesem Abend. Hier im Allgäu hat es noch keinen Schnee. Bis bald und herzliche Grüße,
Stefan

PS: „Weißt du, was super schmeckt? Wenn du ein Fitzelchen Zitron von Schale in den Espresso tust!“ Bitte hilf mir! Woher ist dieser Spruch nochmal? Hab ich ne Zeit lang sogar immer zitiert und mir fällt es nicht mehr ein!


Lieber Stefan,

ich würde nicht sagen, dass das Bewusstsein ins Leben „eingreifen“ kann. Dazu müsste es außerhalb des Lebens sein, getrennt davon, statt das ganze Leben zu sein, mit all seinen Erscheinungen und Aktivitäten. Das Leben hat keinen Eingriff.
Wenn aber die Vorstellung, der Eingreifer zu sein, nicht mehr geglaubt wird, dann können Lebensbereiche (Themen) sich entspannen, die sich um diese Vorstellung herum gebildet hatten.
Ohne den Glauben, der Kugelbahnbauer oder –lenker zu sein, fällt ja auch seine Kehrseite weg: „Ich bin unfähig, zu dumm …“ – die Unzufriedenheit und der Ärger über die Inkompetenz dieses Eingreifers.
Gleichzeitig kann es ein immenses Vertrauen ins Leben spürbar werden, das immer schon funktioniert hat, ohne Eingriff, ohne Gegenüber, das gegensteuern muss. Und damit auch ein Vertrauen in die Veränderungen, die das Leben mit sich bringt.

Auf vielen Kugelbahnen, die aus Angst und dem Wunsch nach Kontrolle gebaut wurden, rollt dann einfach keine Kugel mehr – mangels Angst, mangels Kontrollwunsch. Mangels scheinbarer Notwendigkeit, diesen Denkbahnen weiter zu folgen.
Eine Sucht kann wegfallen, weil das, wovon sie ablenken sollte, keine Angst mehr macht, sondern willkommen ist.
Die Sucht fällt weg, weil sie nicht mehr gegensteuern soll; weil sie nichts mehr in den Griff kriegen soll; weil kein Gefühlsmanagement mehr nötig erscheint; weil es keinen Grund mehr gibt, zu versuchen, sich von der Gegenwart fernzuhalten.

Frei vom Eingreif-Wahn kann klar gesehen und gefühlt werden, was eine bestimmte Kugelbahn, ein Verhaltens-, Denk- und Aufmerksamkeitsmuster, versprochen hat (Sicherheit, Liebe, Glück …) und was es stattdessen mit sich bringt (Angst, das Gefühl von Getrenntheit, Unglück …).

In dieser liebevollen, unvoreingenommenen Aufmerksamkeit dafür, was wirklich geschieht, verliert das Muster seine Anziehungskraft, seine Schwerkraft, seine scheinbare Notwendigkeit.
Ohne diese Schwerkraft rollt die Kugel vielleicht noch eine Weile weiter (setzt sich die Gewohnheit vielleicht noch eine Weile fort), aber dann schwebt sie frei und ungebahnt als spontane, kreative Lebendigkeit. Vielleicht schwebt die Kugel davon, oder vielleicht findet sie eine schönere Bahn: eine sinnvollere, gesündere Gewohnheit.

„Fitzelchen Zitron“ sagt übrigens Dimitri aus „Beverly Hills Cop“.
Er sagt auch: „Mühe? Aber nicht doch, Dummerchen!“

In diesem Sinne, viele Grüße ins Allgäu!
Dittmar

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Playlist aller Videos | Nondualität

Hier die Playlist der Einzel- und Gruppengespräche und der Video-Chats zum Thema Nondualität / Nicht-Dualität.
Du kannst auf die Balken links oben im Bild klicken, um einzelne Videos auszuwählen.

Videos Nondualität im Überblick

Alle Nondualität-Videos im Überblick (chronologisch, das neueste ist oben).

Erwachen — ein Ereignis?

Lieber Dittmar,

ich hatte damals am Gesprächs­tag die Frage, ob “Erwa­chen” eine Erfah­rung ist. Würde diese Frage jetzt anders for­mu­lie­ren: Ist mit dem Durch­schauen von Gedan­ken (und damit auch des Ich-Gedan­ken) not­wen­di­ger­weise ein Ereig­nis (was Tony Parsons viel­leicht als “shift” meint) ver­bunden? Denn es “merkt” ja nie­mand, dass etwas geschieht, oder? Dahin­ter scheint zu ste­hen, dass wenn ich drüber nach­denke, auto­ma­tisch der Ver­such gemacht wird, das Nichts, was schein­bar alles wahr­nimmt oder alles ist, zu per­so­ni­fi­zie­ren, und so wie­der etwas zu haben, womit man sich iden­ti­fi­zie­ren könnte. Ich geh mir selbst auf den Geist mit die­sen sich im Kreis dre­hen­den Über­le­gun­gen, die zu nichts füh­ren, außer dass diese Gedan­ken wei­ter exis­tie­ren. Komischer­weise tau­chen dabei Erin­n­erun­gen daran auf, wie ich als Kind auf dem 3-Meter-Brett stehe und das halbe Schwimm­bad lahm­lege, mit den wider­strei­ten­den Wün­schen zu sprin­gen und nicht zu springen.


Lieber …

meine Antwort ist wie übl­ich para­dox. Das Para­dox hier schon mal vor­weg: Ja, Erwa­chen habe ich als Ereig­nis erlebt, als unmiss­ver­ständ­li­che Auf­lö­sung. Und nein, dadurch wird nichts anderes wahr­ge­nom­men (die Far­ben sind nicht bun­ter), aber die eine Prä­senz in allem (das Nichts) gefühlt/gese­hen … Und noch­mal nein: Die Prä­senz ist nicht auf dieses Erle­ben ange­wie­sen, um Prä­senz zu sein. Sie ist schon das Leben, alle Gedan­ken, Ver­wir­rung, Klar­heit, Weite, Enge …

Der Ausdruck “Erwa­chen” ist an sich schon para­dox: In mei­nem Sprach­ge­brauch heißt Erwachen Erkennen, was immer schon wach ist. Erleben, dass da nur Wach­heit ist.
Erwachen heißt nicht, eine Über­zeu­gung zum Thema “Ich­lo­sig­keit” zu haben. Es heißt auch nicht, sich immer an ein Erwa­chens­er­leb­nis zu erin­nern, an einem Moment der Klar­heit fest­zu­halten.
Intel­lek­tu­el­les Ver­ste­hen der Ich­losig­keit, Schauen-und-kein-Ich-finden und die damit ver­bun­dene Erleich­te­rung oder Klar­heit: Das ist nur eine Betrach­tungs­weise, die kommt und geht (wenn der Gedanke an sie oder die Auf­merk­sam­keit für sie nicht da ist). Eine Über­zeu­gung, eine Erin­ne­rung sind kein direk­tes Erleben.
Ist da ein Emp­fi­nden, dass Du dem Erle­ben gegen­über­stehst? Ist jemand auf der Kom­man­do­brücke? Wird der Bewer­tungs­me­cha­nis­mus (“Ist es das schon? Ist das rich­tig? …”) erkannt als Mecha­nis­mus, oder fühlt er sich wie “Du” an, bis die Auf­merk­sam­keit sich ihm zuwendet?

Diese Vorstellung eines getrenn­ten, iso­lier­ten Wesens hält einer genau­e­ren Betrach­tung nicht stand, und doch scheint sie ohne genaue Betrach­tung bei vielen immer wieder impli­zit im Erle­ben auf­zu­tau­chen, als Bezugs­punkt /Zen­trum des Erle­bens voraus­ge­setzt. Die­ses Schein-Zentrum und die gedank­li­che und gefühlte Kon­trak­tion um dieses ima­gi­näre Zen­trum herum kann sich aber auflösen.

“Es ‘merkt’ ja nie­mand, dass etwas geschieht” – diese Beschrei­bung fand ich schon immer selt­sam. Denn es ist ja genau­so bei allen Sin­nes­ein­drü­cken, dass sie bemerkt wer­den ohne einen Bemer­ker, kom­men­tiert wer­den ohne Kom­men­ta­tor (und die­ser Kom­men­tar auch wie­der bemerkt und kom­men­tiert wird usw.).

Den Moment, als die Illu­sion we­gfiel, habe ich als stärks­ten Ein­druck ‘mei­nes’ Lebens erlebt: als wäre die Blase geplatzt, in der ich mich bis dahin gewähnt hatte; als wäre eine Trenn­wand ver­schwun­den, die ich vor­her kaum wahr­ge­nom­men hatte (die erst durch ihr Ver­schwin­den voll ins Bewusst­sein gekom­men war); als wäre der Erle­bende explo­diert und in alles Erle­ben hinein geschleu­dert … Ein sehr deut­li­cher Vor­her /Nach­her-Kontrast. Wenn jemand anders sich aber nicht so getrennt gefühlt hat, ist die­ser Kon­trast viel­leicht weni­ger deut­lich, oder der Über­gang ist flie­ßen­der. Ob Du vom Brett ins Was­ser springst oder ob Du sanft vom Becken­rand ins Was­ser glei­test, ist egal. Auf jeden Fall ist klar, dass Du im Was­ser bist. (Hier hinkt der Ver­gleich: Du bist das Was­ser.) Das Weg­fallen der Ich-Illusion geschieht anschei­nend auf viele ver­schie­dene Arten. Es muss nicht so sein wie bei mir. Ich bin kein Experte fürs Erwa­chen, son­dern kann nur beschrei­ben, wie ich es erlebt habe.

Auf YouTube gibt es Videos von Gehör­lo­sen, die mit Cochlea-Implan­tat zum ers­ten Mal hören (und davon über­wäl­tigt sind). Da ist keine Frage “Ist das jetzt schon Hören?”, das ist ganz unzwei­fel­haft. Oder bei den “Magic Eye” 3D-Bildern: Plötz­lich wird eine Gestalt gese­hen, die vor­her nicht erkannt wurde. Die­ses Sehen ist auf ein­mal da. So habe ich Erwa­chen erlebt: als ein Weg­fal­len, Frei­wer­den, Ent­kleis­tern und gleich­zei­tig als die Prä­senz des Zeit­lo­sen, Abso­lu­ten … das vor­her nicht weg gewe­sen war, son­dern igno­riert wurde. Und das ist das Para­doxe dabei: Diese Prä­senz ist schon immer alles Erle­ben (oder “das, was erlebt”). Sie ist nicht davon abhän­gig, dass sie erkannt wird.

Die Frage “Ist es das schon?” hat sich erle­digt. Es ist schon das Leben in vol­ler Blüte, mit al­len Gewohn­hei­ten. Immer wieder mal tau­chen alte Gewohn­heits­mus­ter auf, und wenn sie genug stres­sen, dann wer­den sie genauer betrach­tet. Im Licht dieser Betrach­tung ver­änd­ern sie sich (wie ein Update) oder sie laufen noch eine Weile so weiter.
Alles ist Wasser, auch die Vor­stel­lung vom Land und vom Becken­rand, das Kind und die wider­strei­ten­den Wün­sche. Das Sprung­brett ist Was­ser, und alles darauf auch.

Ich hoffe, Du kannst nichts damit anfangen. 🙂


Lieber Dittmar,

dank dir sehr für deine ein­leuch­ten­den Worte! Sie sind ange­kommen.

Du schreibst: “…als wäre eine Trenn­wand ver­schwun­den, die ich vor­her kaum wahr­ge­nom­men hatte – die erst durch ihr Ver­schwin­den ins Bewusst­sein gekom­men war…”
Bei diesen Wor­ten merke ich, wie wenig ich über­haupt davon mit­be­komme, ob oder dass da ein Emp­fin­den ist, dass ICH dem Erle­ben gegen­über­stehe, oder dass jemand auf der Kom­man­do­brücke steht.

Ähnlich dem wie du es beschreibst, ist im direk­ten Hin­sehen und Nach­spü­ren keine Wesen­heit hin­ter dem Wort “Ich” zu erfas­sen. Doch scheint die Vor­an­nahme “immer wied­er impli­zit im Erle­ben auf­zu­tau­chen, als Bezugs­punkt/ Zen­trum des Erleb­ens voraus­ge­setzt”. Logisch, dass das ver­wirrend ist.

Und damit komme ich zu deiner Frage: “Wird der Bewer­tungs­me­cha­nis­mus (“Ist es das schon? Ist das rich­tig? …”) erkannt als Mecha­ni­smus, oder fühlt er sich wie “Du” an, bis die Auf­merk­sam­keit sich ihm zuwendet?”

Es scheint gewohn­heits­mä­ßig voraus­ge­setzt zu sein, dass es in mir ein Etwas gibt, das Bewer­tun­gen wie ein Schieds­rich­ter abgibt, näm­lich am Spiel nicht betei­ligt und es wird selt­sa­mer­weise ein­fach so (ohne Begrün­dung) voraus­ge­setzt, dass diese Kom­men­tare voll­kom­men unab­hän­gig, neu­tral, über den Din­gen ste­hend, wie getrennt von ihnen, die Rea­li­tät so beschrei­ben wie sie ist, so als wären diese Beur­tei­lun­gen sel­ber nicht Teil der Realität.
Zu erle­ben, dass sie doch nur ein Teil unter vie­len ande­ren des Daseins sind, fühlt sich an wie ein irri­tie­ren­des Flackern, wie ein Wackel­kontakt.
Und wie du schreibst, wenn sich dem die Auf­merk­sam­keit zuwen­det, dann ist nichts von einer Ich-Substanz zu erken­nen und doch scheint dieser blinde Fleck ein­fach “über­spielt” zu wer­den mit einem “Ersatz”, viel­leicht weil die Leere Angst macht(?).

Also ist es ein­leuch­tend, dass da nichts ist aber, wie du sagst, nur dann wenn die Auf­merk­sam­keit darauf ruht.

Ich glaube, dass ich mich immer wie­der mit diesen Them­en beschäf­tigt habe, weil unter­schwel­lig die Hoff­nung bestand, dass die Gedanken “etwas brin­gen”, mich zu einem Zustand füh­ren wür­den, der irgend­wie Sor­gen­frei­heit ver­spricht.

Aber “in Gedan­ken ist es nicht zu finden”.

Und das, was jen­seits von Gedan­ken lie­gen mag, kann ich mir nicht vor­stel­len und ‘inter­es­siert mich’ des­halb auch nicht, im Gegen­teil: Wenn ich drüber nach­sinne, bleibt nur Angst, weil es Kon­troll­ver­lust impli­ziert und irgend­wie besteht die Über­zeu­gung, dass ich bis­her, mehr oder weniger, Kon­trolle hatte.

Da ist eine immer stär­ker wer­dende Müdig­keit, mich über­haupt gedank­lich mit diesen The­men zu beschäf­tigen, eben weil die Gedan­ken ‘nichts brin­gen’. Sie dre­hen sich immer nur im Kreis, wäh­rend im All­tag meis­tens alles beim Alten bleibt.

Ich stehe vor dei­nen wun­der­ba­ren Beschrei­bun­gen von Erken­nen /Erwa­chen wie der Ochs vorm Berg. Die Gedan­ken ver­su­chen sich eine Vor­stel­lung zu machen, aber es geht nicht oder bes­ser gesagt, diese Vor­stel­lun­gen haben die glei­che Wirk­ung, wie als würde mir die Spei­se­karte (oder eins die­ser Speise-Imitate aus Kunst­stoff) anstelle der ech­ten Spei­sen ser­viert: Ich kann tat­säch­lich nichts damit anfangen.


Lieber …, ich schreib Dir immer wie­der gerne und freue mich auch über Deine scharf­sin­ni­gen und ehr­li­chen Antworten.

1. Ich kann die Angst vor dem Kon­troll­ver­lust ver­ste­hen. Auch wenn “eigentl­ich” klar ist, dass da kei­ner die Kon­trolle hat. Ich hatte auch ganz große Angst, wollte mich lie­ber bes­sern als mich verlieren.

Einfach gesagt ist die Angst unbe­grün­det. Der “Kom­men­ta­tor” wird als Mecha­nis­mus erkannt, der Dir nie ent­spro­chen hat, aber immer für Dich gespro­chen hat; der Dich nie ver­stan­den hat, aber immer so klang als wäre er Du.
Er ver­liert seinen Macht­an­spruch (ein Schieds­richter kann das Spiel wenigs­tens unter­bre­chen!) und ist nur noch ein Text, der abläuft, keine Autorität.

Das ist kein Verlust. Aber ein Los­las­sen, Auf­ge­ben, Ein­las­sen, Auf­hören … für etwas Unbekanntes.

2. Ich finde es sehr natür­lich, dass dieses Thema viel Auf­merk­sam­keit auf sich zieht! Und ich kenne auch die Ermü­dung und das Gelang­weilt­sein durch die vie­len Gedanken.

Vielleicht gibt es bei Dir jetzt einfach grö­ßere Bewusst­heit über die ver­schlei­ernde /ver­zer­rende Wirk­ung von Gedan­ken, das hat viel­leicht gar nicht so viel mit dem Thema zu tun …?

Nondualität | Nichtdualität 1als2

Nondualität | Nicht-Dualität | 1als2Nicht-Dualität: Videos und Texte über Leben­dig­keit und die Formen, die sie annimmt.

Diese Erschei­nungs­formen sind leben­dige Energie in Bewe­gung, in stän­diger Verän­de­rung. Das Ein­zige, das kons­tant bleibt, ist die Leben­dig­keit vor, hin­ter und in den Erschei­nungs­for­men. Das Bewusst­sein (die Offen­heit, der Raum, die Stille …), in dem die Erschei­nungen auf­tau­chen; die Präsenz, die Intel­li­genz, die sich in ihnen mani­festiert. Das Eine, das sich als Zwei­heit, als Viel­falt zeigt.

Wenn sich die Auf­merk­sam­keit ihrem eige­nen Ursprung zuwen­det, dem Bewusst­sein selbst, dann wird diese Quelle der Erschei­nun­gen als Freude, Liebe, Erfül­lung erlebt; als all­ge­gen­wär­tige, ein­zige Präsenz, frei und un­getrübt von allem, was in ihr auf­taucht; vol­ler Liebe für sich selbst in all ihren Erschei­nungs­for­men.

Die Vor­stellungen von Getrennt­heit werden als Illu­sion durch­schaut: als Traum, ein getrenn­tes Wesen zu sein, das der “Außen­welt” das abrin­gen muss, was es braucht, um voll­stän­dig zu werden.

Nur in der Iden­tifi­kat­ion mit einem Bewusst­seins­in­halt erscheint die Hin­wen­dung zur Quelle nicht als das Natür­lich­ste, Selbst­ver­ständ­lich­ste über­haupt, son­dern als ein lan­ger, schwie­ri­ger Weg mit vie­len Stu­fen und Hin­der­nis­sen. Die Erkennt­nis des einen Bewusst­seins ist aber in jedem Moment mög­lich – nur nicht für ein getrenn­tes Einzel­wesen, denn die Illu­sion der Getrennt­heit kann sich im Erle­ben der einen Leben­dig­keit nicht halten.

Hier fin­det ihr Tex­te, Gedichte, Videos, Veranstaltungen und Expe­ri­mente, die auf dieses Erle­ben der Nicht-Dualität hin­wei­sen.

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