Das Erleben des Jetzt … jetzt!

Hi Dittmar,

hier mein kleines nondualistisches Erlebnis! 😉

Mir war der Satz “Alles ist eins” suspekt, immer wenn ich den hörte oder las, suchte ich irgendwo dieses Einssein … und fand es natürlich nicht. Wenn ich z.B an der Ampel auf grün wartete, sah ich einen Begrenzungspfosten am Straßenrand. Ich stellte mir vor, wie der Teil von dem Pfosten, der im Boden war, eins mit mir wurde, wie die Erde den Pfosten umgab und alles drumherum eins mit mir wurde …
Hab dann den Gedanken dahinter sehr schnell erkannt und dieses Einssein
als Gedankengebilde und Wunschtraum ziehen lassen.

Vor ungefähr zwei Wochen war ich spazieren im Wald, versuchte alle Sinne zu benutzen, um wahrzunehmen, was es um mich herum gab.
Dann auf einmal … verstand ich, was mit “alles ist eins” gemeint ist.
Es ist das “Jetzt”. Jetzt ist alles. Jetzt passiert alles. Jetzt verbindet alles. Es gibt nichts außer dem Jetzt, somit ist alles Jetzt. Alles was passiert, passiert Jetzt. Das ist die Einheit mit Allem. Alles ist im Jetzt eins.

Das war kein logisches Erkennen, das war auch kein super Freudengefühl. Es war eine Wahrnehmung, die einfach da war – und wie die da war! Ich war in dem Moment nicht mehr da.
Erst als ich über das Geschehene nachdachte, war ICH wieder da und versuchte sogleich zu analysieren, was da grad geschehen war.

Ich hab dann einfach wieder an Jetzt gedacht und es kam mir vor, als wenn sich mein Kopf öffnet und ICH war nicht mehr da. Es war da, was meine Sinne wahrnahmen und ein “Gefühl”, als wenn wirklich alles zusammengehören würde. Ich sah das Dorf im Hintergrund, den Wald und die Wiesen vor mir … und die Vorstellung, wie jeder einzelne jetzt grad etwas macht, seien es Menschen, Tiere oder Pflanzen … alles irgendwie gleichzeitig, aber nicht hektisch oder so. Es war einfach da. Jetzt.

Danach kam das ICH und analysierte dieses vergangene “Jetzt” in der Art wie: “Was war das? War das die Einheit? Was habe ich gefühlt? …” Diese Gedanken konnte “ich” als nur Gedanken kommen und wieder gehen lassen….

Jetzt, glaube ich, verstehe ich das: “Es ist schon da …”, “Du brauchst nichts zu machen …” Das Jetzt ist immer da. Schön, dass jetzt Jetzt ist! 🙂

Ja, das war mein Erleben des Jetzt.

Wenn das konfuse Geschreibsel einer versteht, dann bist Du das. 🙂

Danke, dass Du es gelesen hast!


Freut mich! Und wie ist das Erleben des Jetzt jetzt?

Ja, mit “Gedankengebilden und Wunschträumen” hat das Einssein gar nichts zu tun (außer dass sie halt auch in ihm auftauchen).

Du setzt anscheinend “Ich” mit “Nachdenken” gleich: “ICH war nicht mehr da … Danach kam das ICH und analysierte …”
Was ist das, was zurück gekommen ist? … außer Gedanken? Das ist keine rhetorische Frage (leicht abzutun mit “Ja klar, nur Gedanken”). Sondern lohnend zu schauen: Wenn das, wofür du dich hältst (gehalten hast), nicht da ist, was ist “stattdessen” da?

Ich vermute, dass in deiner Erkenntnis klar war:
1. Das Zusammensein als Eins ist wesentlich “realer”, klarer und stimmiger als das übliche fragmentierte Erleben.
2. Das ist immer so, es ist nie Nicht-Jetzt.
Stimmt’s?

Deshalb nochmal die Frage: Wie ist das Erleben des Jetzt jetzt?
Und nochmal: Ich freue mich über dein Erlebnis und dass du es mit mir “teilst”!


Was ist das, was zurückgekommen ist ?  Gute Frage!

Das was “zurückkam” würde ich so beschreiben, wie wenn Du Vögel am Futterhaus beobachtest und die dann versuchst zu bestimmen. Der, der das macht, die Vogelbestimmung, der kam zurück und hat das Erlebte versucht so zu beschreiben, dass es in meine Landkarte passt.

Deine zwei Vermutungen stimmen. Ich erinnere mich, dass in diesem Ereignis eigentlich alles stimmig war. Da war kein Gedanke eines Zweifels. Und es war Jetzt. Dieses Präsente. Es gab keine Gedanken an Vergangenheit oder Zukunft.

Im Nachhinein hatte ich dieses starke Erleben seit diesem Spaziergang nicht mehr. Was ich spüre ist, dass ich im Alltag sehr oft vom “Autopilot” gesteuert werde und öfters in einen Tunnel fahre. Oft bemerke ich es zu spät.  Dann kommt ein Gedanke, der sagt: “Jetzt”.  Danach kommen Erinnerungen an das Ereignis. Manchmal, für ein paar Sekunden, meine ich, wieder mit Allem verbunden zu sein.

Das augenblickliche Jetzt ist nicht das Erleben vom Spaziergang. Es sind sehr viele Gedanken da, von der Vergangenheit, Zukunft und dem Taubengegurre vor dem Fenster.

Was auch immer öfters erscheint, ist der Wunsch nach diesem Zustand.

Ich freue mich und bin ein bisschen “stolz”, dass Du mit mir über meine Erlebnisse schreibst 🙂   Danke!


Was zurück kam oder wieder eingesetzt hat, ist also ein automatisches Kategorisieren. Eine mentale Aktivität, bist das “du”?

Und es sind wieder mehr Gedanken im Spiel, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Inklusive der Erinnerung an das “Ereignis” und dem Vergleichen des “Ereignisses” mit dem augenblicklichen Jetzt.
Mentale Aktivitäten, bist das “du”? Oder werden sie wahrgenommen wie das Taubengurren vor dem Fenster?


Du hast Recht, diese mentale Arbeit sind einfach nur Gedanken, die wahrgenommen werden wie das Taubengegurre!

Wer nimmt die wahr? Bin das ich?

Dass sofort nach der Wahrnehmung wieder Gedanken zum Wahrgenommenen Gedanken auftauchen … lustige Sache. Manchmal, wenn ich z.B. im Bett liege, versuche ich, die Gedanken, die da auftauchen, einfach zu beobachten. Jetzt merke ich, dass der Beobachter auch nur ein Gedanke ist. 🙂

Das oder der merkt, dass der Beobachter auch nur ein Gedanke ist, bin das ich? Oder ein weiterer Gedanke, ein Beobachter des Beobachters? Wie viele Beobachter gibt es ?

Muss da noch vieles auf mich wirken lassen und noch viele Gespräche mit Dir führen 🙂


“Wer nimmt die wahr? Bin das ich? … Das oder der merkt, dass der Beobachter auch nur ein Gedanke ist, bin das ich?”

MUSST du denn etwas sein? Da sind diese mentalen /energetischen Prozesse /Aktivitäten: Suchprozesse, Informationsbearbeitung, Einordnen usw. Und einer dieser Prozesse ist die Identifikation: das Einsortieren in die Kategorie “Ich” im Gegensatz zu “Nicht ich”.

Auch Beobachten ist ein Geschehen: Bemerken, Erkennen … alles energetische /mentale Prozesse.
Auch das Beobachten kann beobachtet werden, diese Aktivität fühlt sich vielleicht “spacig” an, ist aber auch ein energetisches Geschehen.
Da findest du den Organismus, z.B. die Augen, die sich bewegen und fokussieren, dann findest du Gedanken, die z.B. “Aha!” sagen (oder “Ui!”), und ein Gefühl des “Passens”, ein gefühltes “Aha!” (oder “Ui!”).

Also auch wieder mentale /energetische Prozesse. Findest du ein “Du”, das all das findet, einen Beobachter – oder nur Prozesse, Bewegungen im Energiefluss?

Und eine Stille, in der sich all diese Bewegungen abspielen; Stille, die in ihnen Gestalt annimmt?

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