Nondualität | Audio (Podcast): Live-Chat September 2018

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Nondualität: Gespräche mit Dittmar Kruse

Online-Chat September 2018, 1. Teil

Ich, der Organismus

Hallo lieber Dittmar,

es ist eine Freude, bei den Treffen dabei sein zu können, und ich freue mich immer wie Bolle auf diesen Termin. Die Fragen die erschei­nen und die Ant­worten die kommen, alles ist so echt, klar und ehrlich und erhellend.

Es fühlt sich alles intensiver an und trotz schein­barer Unru­hen von außen fühle ich mich inner­lich stabiler. Da ist auf jeden Fall momen­tan auch mehr Ener­gie da für alles. Irgend­was verän­dert sich. Die Gedan­ken, die auf­tau­chen, haben keine Schwere (zur­zeit), sondern sind mehr so klä­rend, und immer wieder taucht der Gedanke auf, dass das, was geschieht, genauso sein soll und richtig ist wie es ist. Auch dann, wenn ich es nicht verstehe. Mehr Ruhe, Gelassenheit …

Ich bin mir sicher, dass das mit deinen klaren Worten, dem Offen­sein für das, was durch dich gesagt wird, und die Fragen der anderen, die auch meine sein könnten, alles geschieht.

Gestern Abend habe ich auch noch eine Angst vor dem Nicht­sein deut­lich gespürt, die Angst vor dem Tod scheint also noch da zu sein.
Ist das bei dir auch noch so, oder ist da eine totale Annahme bzw. Gelassen­heit? Eigent­lich ist es dann doch wohl ein­fach nur ein Gedanke, der Angst macht, oder?


Liebe ..,

ich freue mich, dass du Ruhe und Gelassenheit erlebst!
Nein, Angst vor dem Tod habe ich gar nicht. Wobei ich mir gut vor­stel­len könnte, dass der Orga­nis­mus auf eine lebens­be­droh­liche Situa­tion mit viel Adre­nalin rea­gie­ren würde, z.B. wenn nachts im Wald ein geis­tes­kranker Axt­mörder auf mich zu kommt … 😶 Wer weiß …

Und genauso könnte es bei dir sein, wenn dann wirklich mal Gevatter Tod vor der Tür steht, dass du ihn dann will­kom­men heißt und ihn fried­lich und freund­lich herein lässt. Wer weiß …

Und klar: Das sind alles nur Gedanken. Im Moment ist da ja kein Tod, sondern nur Leben …


Hallo lieber Dittmar,

Ich wollte mich mal für deine Antwort auf die Frage nach der Angst vor dem Tod bedanken. Sie hat mich sogar zum Lachen gebracht, da es so klar war bzw. wurde, als ich deine Antwort las. Klar, es kann alles passieren, Angst oder ent­spanntes Annehmen …

Trotzdem habe ich heute mal ein paar “andere” Fragen, die mir gerade so durch den Kopf schwirren und die ich dir gerne stellen würde – bestimmt hast du sie schon alle tausend­mal beantwortet, aber das Verstehen und die Fragen tauchen halt gerade so auf. Ich habe Sorge, dass es sich bei mei­nem Ver­stehen “nur” um ein verstan­des­mä­ßiges Verstehen handelt, so dass noch irgend­was Wichtiges fehlen würde.

Habe einfach mal alles so runtergeschrieben:
Irgendetwas geschieht und man scheint darin unbewusst ver­wickelt, dann kommt ein Gedanke der sagt: “Hey, warum machst du das gerade so?” Und dann kommt der nächste: “Ha, da war ich wohl nicht auf­merk­sam genug” und der nächste: “Aber es gibt doch gar kein Ich, nur Gedan­ken”, und daraufhin ent­spannt sich etwas spürbar im Körper, aber nur solange wie dieser Gedanke anhält und abge­löst wird von einem ande­ren Gedanken, wie z.B.: “Mensch, ich muss ja noch ein­kaufen”, und schon ist es vor­bei mit der Entspannung … Usw. usw.

Ein scheinbarer Ablauf von Gedanken und Hand­lungen, von nie­man­dem, aus dem Nichts, bzw. sich von Moment zu Moment aus der jewei­ligen Situ­ation ergebend. Niemand da, der irgend­etwas denkt oder tut. Selbst das Erken­nen von dieser Tat­sache geschieht irgend­wie von alleine durch den auf­kom­men­den Gedan­ken und die anschlie­ßende Über­prü­fung, auch wenn es sich hart­näckig so anfühlt bzw. denkt, dass ich da etwas tue oder denke. Es denkt und tut sich ja auch durch diesen Körper, und irgend­wie hat dieses System ja gelernt, dass dieser Körper ich bin, und auch alles, was durch ihn geschieht, denkt und handelt, ich bin.

Ist alles also wirklich nur kondi­tio­niert und bedarf es somit nur einer Dekon­di­tio­nierung? Ist das Erwa­chen dann nichts weiter als ein kom­plet­tes Dekon­di­tio­nieren des Systems, so dass kein Ich mehr zurück­bleibt und nur das pure Geschehen übrig bleibt?

Geschieht bei dir dann nur noch ein Benut­zen des Wortes “ich” ohne einen fühl­baren Inhalt bzw. ohne den Glauben daran?

Dass alles, was geschieht, sich auf einem Hinter­grund abspielt und eigentlich dasselbe ist, also eins, kann man als Mensch doch gar nicht ver­ste­hen können, oder? Das Erleben ist doch offen­sicht­lich ein anderes. Als wäre es doch nur ein Glaube. Ein Glaube an einen unka­putt­baren Hinter­grund, Urgrund oder wie man es auch immer nennen will, oder? Es gibt doch dann gar nichts anderes, was “ich” wahr­neh­men oder sein kann, als das was, sich gerade so zeigt (für mich)? Es gibt nichts zu tun, nichts zu ändern und nichts zu ver­än­dern, da es mich nicht gibt, aber dennoch erlebe ich es (oder es sich) doch als schein­ba­res Ein­zel­wesen. Oder ist das bei Dir anders???

Mir scheint, da gibt es echt einen Unter­schied zwi­schen dem Ver­ste­hen und dem Sterben des schein­baren Ichs. Ist das so?

Ich würde mich sehr über eine Antwort von dir freuen.


Danke für deine Fragen! Ich antworte dir sehr gerne.

• Du schreibst: Dann kommt ein Gedanke, der sagt: …‘Ha, da war ich wohl nicht auf­mer­ksam genug’ und der nächste: … ‘Mensch, ich muss ja noch ein­kau­fen’, und schon ist es vor­bei mit der Entspannung.”

Ist es denn wirklich das Wort ich, das zu Anspan­nung führt, oder sind es Begriffe wie Nicht … genug und Ich muss noch …? Die Vor­stel­lun­gen, wie du sein oder erle­ben müsstest und was du machen müsstest?

Es denkt und tut sich ja auch durch diesen Kör­per, und irgend­wie hat dieses System ja gelernt, dass dieser Kör­per ich bin, und auch alles, was durch ihn geschieht, denkt und handelt, ich bin. … Geschieht bei Dir dann nur noch ein Benut­zen des Wortes ‘ich’ ohne einen fühl­ba­ren Inhalt bzw. ohne den Glauben daran?

Wenn ich das Wort ich benutze, dann meint der Orga­nis­mus sich selbst. Die Leben­dig­keit, die als dieser Orga­nis­mus lebt. Ganz einfach.

Zum Beispiel könnte ich, der Orga­nis­mus, einfach sagen: Meine Hände sind schmut­zig, ich gehe mich mal waschen. – statt: Diese Hände sind schmut­zig, Gehen und Waschen geschieht … schein­bar. Für niemanden. Wenn ich anfange so zu reden, erschieß mich bitte.

Das Wort ich ist ein prakti­sches Kürzel für den leben­den, den­ken­den, wahr­neh­menden, sich bewe­genden Organismus.

Und natürlich lässt sich dieser Organismus von seiner Umgebung unterscheiden, natürlich kann ich ihn von dem Stuhl unterscheiden, auf dem ich sitze, und von der Kleidung, die ich trage. Und in Gedanken kann ich ihn aus der Situation heraus lösen und damit aus dem Jetzt heraus lösen.

Diese Möglichkeit zu unter­schei­den oder ihn gedank­lich aus der Situ­a­tion heraus zu abstra­hie­ren behin­dert aber nicht das Erleben von Eins­sein und Ganz­heit: Unter­schei­dung ist nicht Trennung.

Wenn du deine (ich weiß: das böse Wort!) Hand anschaust, dann siehst du einzelne Finger, wenn du sie mit diesem Filter betrachtest, der sie von der Hand und den anderen Fingern unterscheidet. Daran ist nichts verkehrt. Jeder Finger ist eine eigene Erlebniswelt, auf seine eigene Art lebendig. Wenn sich ein Finger verletzt, tut nur er weh, die anderen Finger  enicht.

Und doch ist dieselbe Leben­dig­keit in jedem Finger. Und wenn du einen Finger verlie­ren würdest, wäre dieselbe Leben­dig­keit immer noch da, nur ohne Erle­ben und Bewe­gen dieses Fingers. Immer noch ganz und vollständig.
Dasselbe könntest du mit jedem ein­zel­nen Finger über­prü­fen: Seine Finger­kuppe ist nicht das Finger­ge­lenk oder der Finger­na­gel und doch können sie als ein einziger Finger erlebt werden, als eins ohne Tren­nung. Als Ein­heit in den Unterschieden.

Das Erleben des Jetzt ist als Ganzes da, das beinhal­tet auch den Erlebenden.
Der Organismus ist keine tote Mate­rie und nicht getrennt von mir, sondern pures Leben, dieses leben­dige Zusammen­spiel, dieses Gesamtgeschehen.

Dass alles, was geschieht, sich auf einem Hinter­grund abspielt und eigent­lich dasselbe ist, also eins, kann man als Mensch doch gar nicht verstehen können, oder? Das Erleben ist doch offen­sichtlich ein anderes.
Also wäre es doch nur ein Glaube. Ein Glaube an einen unkaputt­baren Hinter­grund, Urgrund oder wie man es auch immer nennen will, oder? Es gibt doch dann gar nichts anderes, was ‘ich’ wahrnehmen oder sein kann als das, was sich gerade so zeigt (für mich)? Es gibt nichts zu tun, nichts zu ändern und nichts zu verändern, da es mich nicht gibt, aber dennoch erlebe ich es (oder es sich) doch als schein­bares Einzel­wesen. Oder ist das bei dir anders???

Glauben hilft da nichts. Da ist kein Hinter­grund, keine Lein­wand, keine Träger­substanz … Aus all diesen Meta­phern und Begrif­fen macht sich das Denken eine Vor­stel­lung, die nur eine Vor­stel­lung bleibt. Ein Etwas, ein Objekt, an das geglaubt werden kann.
Da ist nur diese Lebendigkeit. Sie ist völlig offen, sie kann nicht wie ein Objekt wahr­ge­nom­men werden. Aber sie kann ganz direkt erlebt werden, ganz ohne Gedanken und ganz ein­deu­tig und klar. So erlebe ich sie.

Anders gesagt: Lebendigkeit erlebt sich, ohne Subjekt und ohne Objekt (oder, wenn diese Unterteilung stattfindet: als Subjekt und Objekt zugleich).

Und diese eine Lebendigkeit nimmt in allen Formen Gestalt an, bewegt sich als alles. Als Zusammen­spiel der Einzel­wesen, der Orga­nis­men. Frei von den Erschei­nun­gen, frei in den Erscheinungen.

Auch als das Verstehen, dass du gerade andere Sinnes­ein­drücke erfährst als ich, dass jeder Orga­nis­mus eine eigene Erfah­rungs­welt dar­stellt, und dass das zum Zusammen­spiel gehört wie verschie­dene Klänge und Instru­mente und Hörer zur Musik: Die Töne sind nicht getrennt in der Musik.

Da ist einfach nur das gegen­wär­tige Erleben, und die Gegen­wart wird in all ihrer bunten Vielfalt als eins erlebt und geliebt. Dieses ganze Erleben ist Pro­jek­tion des Bewusst­seins durch Organismen.

Die Illusion, die Stress bringt, ist nicht der Org­anis­mus, sondern der Besitzer und Lenker des Org­anis­mus, der irgend­wie vom Org­anis­mus getrennt dem (Er)leben gegen­über zu stehen scheint.

Das Denken nimmt solche Beschrei­bun­gen des Eins­seins schnell mal als Vorgabe und ver­sucht dann, diese anschei­nend noch aus­ste­hende Erfah­rung anhand einer Vor­lage zu kon­stru­ie­ren und herbei­zu­denken. Aber wenn das Erle­ben nicht dafür her­hal­ten soll, Vor­stel­lun­gen zu erfül­len, sondern sein darf, wie es ist, dann zeigt sich das Eins­sein von selbst. Denn wie du schreibst: Mit dem gedank­li­chen Ver­stehen hat es nichts zu tun. Aber Ster­ben des schein­ba­ren Ichs würde ich es auch nicht nennen, sondern eher Erwa­chen oder völliges Auf­gehen im Jetzt.


Ich danke dir für deine Antwort und bin froh, dass ich dich wahr­schein­lich niemals erschießen muss 😆, da du dich ein­fach klar und normal aus­drückst. Genau dafür “lieb ich dich” und deine Art zu reden, zu erklä­ren und ein­fach zu sein.

Ich bin mir nun siche­rer denn je, dass alles genau rich­tig ist so wie es ist.
Sicher auch, dass ich bei aufkom­men­der Ver­wir­rung lieber dich frage als sonst irgend­wen und du mir durch deine Worte wieder zur Klar­heit verhelfen kannst.

Gestern Abend habe ich mir mal wieder ein Video von dir und der Gruppe angeschaut / angehört, in dem es um Expe­ri­mente im Bewusst­sein ging – es war unglaub­lich. Ohne Kon­zepte war da wirk­lich fühl­bar alles im Bewusst­sein, so groß und weit und alles fand darin statt – Hören, Gedanken, Fühlen, Bilder usw. …

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Wird das Leben gesteuert?

Wird das Leben gesteuert?Lieber Dittmar!

Ich kann es nicht oft genug sagen, danke, danke, danke!!!!! Wie schön, dass du all dein Erleben und Lernen mit uns teilst und überhaupt unser Beisammensein möglich machst! 🙂

Ich liebe es auch, deine Antworten auf die Mails zu lesen! Gerade las ich “Abwesenheit spüren”. Es ist, als ob deine Antwort in mich hineinkriecht, mein Organismus kribbelt regelrecht von der Energie, die deine Worte auslösen! Ein schönes Gefühl!!!

Die Wahrheit ist wirklich so simpel, alles darf sein – warum? Weil es halt sich so zeigt! Und ja, diese Organismen sind auf Lernen “programmiert”!

Mein ganzes Leben habe ich nach Leichtigkeit gesucht! Alles Mögliche gemacht, gelesen, ausprobiert, was mehr Leichtigkeit und Freude versprach. Darin eingeschlossen finanzielle Leichtigkeit, gleichbedeutend hier mit der Sehnsucht nach Sorgenfreiheit. 
Ja, und ich muss diese Sehnsucht, die hier von Zeit zu Zeit auftaucht, nicht ablehnen! Das durfte ich von dir auch lernen! Auch dafür nochmals danke! 

Jetzt habe ich habe gerade deine Antwort auf die Mail: “Greift das Bewusstsein ein?” gelesen und dazu fällt mir etwas auf:
Es gab in meinem Leben einige Momente, wo ich im Nachhinein das Gefühl habe, dass irgendetwas die gerade aktive Kugelbahn gesteuert hat zum Besseren hin (allerdings fühlte es sich sich überhaupt erstmal nicht nach etwas Besserem an, sondern eher nach Angst und Sorge), und ohne irgendeinen für mich erkennbaren Lernprozess oder Lernen oder wie auch immer der Bruch eines Wider­standes geschieht.

Aus dem Nichts kamen irgendwelche Begebenheiten, die einen Richtungswechsel vollzogen haben, ohne einen für mich erkennbaren klaren Impuls. Ich “musste” sozusagen einen anderen Weg einschlagen! Erst nach und nach kam hier mehr Bewusstheit hinzu.

Ich stimme deiner Antwort zu und erlebe es jetzt auch so, dass der Eingreif-Wahn klarer erkannt wird.

Doch was geschah denn vorher, sozusagen “unbewusst”, wenn Verän­de­rungen sozu­sagen erzwungen wurden vom Leben selbst? Eigent­lich nichts anderes, oder? Es geschieht einfach, was geschieht, mit Bewusst­heit oder ohne? Wie siehst du das?


Vielen Dank für deine Mails! Ich freue mich sehr über deine Resonanz und über unser Zusammensein.

Zu deiner Frage:
Offensichtlich ändert das Leben immer wieder die Umstände, die es erlebt. Veränderung ist ein wesentlicher Aspekt im Energiefluss des Erlebens. So macht das Leben neue Erfahrungen und lernt neue Aspekte von sich kennen.

Viel mehr kann ich aus dem direkten Erleben schon nicht mehr sagen, ab jetzt kämen Theorien ins Spiel:

  • Das ist alles Zufall.
  • Das ist alles vorherbestimmt.
  • Das ist gelenkt von einer liebevollen Intelligenz.
  • Das ist alles ein mechanischer Ablauf.
  • Das ist alles Illusion.
  • Das geschieht alles spontan, ohne Plan.
  • Alles ist gut.
  • Alles steuert auf den Zerfall zu.
  • Karma, Dharma, Vorsehung, Lebensplan, Schicksal, Traum …

Wenn sich nichts im direkten Erleben zeigt, sondern nur Konzepte aufgegriffen oder erfunden werden könnten, dann gibt es so viele Erklä­rungen wie Denk­weisen (oder “Philosophien”).

Und ob ich dir eine Denk­weise vorschlage oder du eine auswählst, die dir gefällt, ist: Zufall, vorherbestimmt, gelenkt von …


So super, deine Antwort! Jaaaa, genauso empfinde ich es auch! Und eine Freude taucht hier auf und ein breites Grinsen!!! 😊😀😄
Danke und ich freue mich auf unseren nächsten Talk 🙂


🙂 Was ich noch aus “eigenem” Erleben sagen kann:

Mit Bewusstheit”, also ohne Identifikation, gibt es weniger Widerstand. Das automatische Bestehen auf Bedingungen, das automatische Wehren gegen Verän­de­rungen und Erzwingen-Wollen von Verän­derungen – das kann aufhören. Damit wird Veränderung sehr viel fließender.

Und es gibt ein Vertrauen in die Lebendigkeit, in den Moment. Nicht so sehr “Es wird schon gut gehen für diesen Organismus”, sondern Liebe zum Leben, so wie es sich zeigt, so wie es sich bewegt.

Da ist eine Intelligenz im Gesamtgeschehen. Das ist kein blindes Chaos, sondern ein lebendiges, waches Zusammenspiel, wie Musik, wie ein Tanz. Da ist ein Bewusstsein in allem, in diesem Zusammenspiel.

Wenn die Organismen einzeln “für sich” betrachtet werden (”Ich und der Rest der Welt”), dann kann das leicht übersehen bzw. “überfühlt” werden. Im direkten Erleben zeigt es sich klar und eindeutig.


Vielen LIEBEN Dank für deine Gänsehaut-Antwort!!!!!
Ja, du bestätigst meine Erfahrung, die sich hier langsam immer mehr als Erleben zeigt.

Besonders was du über das Fließen, diesen Tanz, dem Zusam­men­spiel dieser Intelligenz des Lebens … statt “Es wird schon gut gehen”! Ganz allmäh­lich spricht es sich hier rum und das direkte Erleben, wie du sagst, zeigt sich irgendwie unge­schminkter, purer. Die Unter­scheidung zwischen Vorstel­lung und direkter Leben­dig­keit wird öfter klarer gesehen. Ja, und allmäh­lich wächst auch darin mehr Vertrauen!

Wobei sich gerade erst Freitag diese Leben­dig­keit, als alten Schmerz zeigte, pur, viel Weinen und Ängste bezüglich der Zukunft zeigte – und es gab keinen Wider­stand damit, es durfte so sein, war halt so und floss durch mich durch. Am nächsten Tag war da wieder mehr Vertrauen. 😊

Ich bin soooo dankbar für deine liebe Zuwendung, es tut mir soooo gut, dank dir immer mehr Klarheit zu erleben. Danke, danke, danke!!!

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Vergänglichkeit und Flow

Nondualität: Flow

Hallo Dittmar, ich hab mir auf YouTube schon einige deiner Aufzeichnungen angeschaut; es ist echt super, dass du das machst und es sind schon interes­sante Fragen der Teilnehmer dabei. Danke schon mal dafür, und ich hoffe, ich hab bei einem der zukünftigen Termine auch mal Zeit, live teilzunehmen.

Ich hätte auch selbst mal eine Frage an dich, und zwar komme ich schon immer mehr für kurze Zeit in das Erleben des Moments und das ist schon wirklich ein tolles Gefühl. Mir fällt jedoch gerade im Urlaub die letzten Wochen etwas auf, vor allem fiel es mir noch nie so schwer wie heuer, wieder nach Hause zu fliegen. Jeden Tag habe ich voll genossen, doch trotzdem oder gerade deswegen erzeugt meinem Gefühl nach auch dieses volle Bewusstsein des Moments bei mir einen gewissen Flow, und ich versuche auch oft, damit den Moment noch länger festzuhalten,  doch umso schneller vergeht mir irgendwie die Zeit. Ich hoffe es ist einigermaßen nachvollziehbar weil es ist ja doch schwer zu beschreiben. Ist es der Verstand, der einem da dazwischen funkt?

Bin ich hier an Fragen angekommen, die dir schon auch mal untergekommen sind und die auch einfach dadurch schon immer schwieriger zu begreifen sind, weil es eben nicht begreifbar ist mit dem Verstand? Dazu kommt noch ein Punkt, und zwar: Dieses bewusste Wahrnehmen von Momenten und besonders der schönen macht sie trotz allem nicht verlängerbar, und das hat mich doch etwas in ein kleines Tief fallen lassen. Denn wenn es ja immer nur den gegenwärtigen Moment gibt, dann ist jeder schöne umso kostbarer, aber auch genauso vergänglich, und die weniger schönen kommen mit Sicherheit auch, vor allem, wenn die Zeit hier irgendwann mal zu Ende geht.

Ein interessanter Zeitpunkt, auch wenn gerade in dieser Zeit solche Fragen so stark ins Bewusstsein kommen. Ich würde mich freuen, wenn du vielleicht den einen oder anderen Rat für mich hättest.


Es ist sehr sinnvoll, Umgebungen und Situationen aufzusuchen, die dem Organismus gut tun: Frische Luft, Weite, Bewegung … Solange wir nicht das Erleben von Präsenz davon abhängig machen. Die Weite der Landschaft lädt die Weite des bewussten Erlebens ein, aber das Bewusstsein ist von Natur aus weit und nicht an Umstände gebunden.

Die Einzigartigkeit des Moments zeigt sich leichter unter außergewöhnlichen Umständen. Das liegt daran, dass gewohnte (gewöhnliche) Umstände für das Denken in die Kategorie “Nichts Besonderes, kenne ich schon, uninteressant” fallen. Unser Wohnzimmer ist zum Beispiel so gewohnt, dass uns nichts “Besonderes” auffällt, wenn wir hineingehen. Es ist halt “so wie immer”. Daher wendet sich die Aufmerksamkeit eher dem Denken zu. Und weil im Denken ja meistens auch nichts Neues oder Interessantes abläuft, breitet sich erst recht ein Gefühl von Langeweile aus, unbefriedigt und gespalten zwischen Erleben des Jetzt und Denken an etwas anderes.

Im Denkmodus scheint die schönste Situation, die schönste Landschaft fad, weil wir sie nur halbbewusst erleben. Und im direkten Erleben kann es sensationell sein, einfach nur im Wohnzimmer auf der Coach zu sitzen oder am Bahnsteig zu stehen, bis der Zug kommt. Eine ganz neue, einzigartige Erfahrung. Pure Lebendigkeit! Diese Lebendigkeit ist das Bewusstsein, das in allen Wahr­neh­mungen Gestalt annimmt, als Präsenz, als Gegenwärtigkeit, als Sinnen­fülle.
Der Moment verliert, wenn er mit anderen Momenten verglichen wird. Er verliert seine Einmaligkeit, und er erscheint weniger lebendig, weniger interessant, weniger “genießbar”.

Das Aufgehen im Moment, das Einssein mit der Gegenwart gerät in den Hintergrund, und es entsteht der Eindruck eines Ichs, das sich durch die Zeit bewegt, von einer (vielleicht schönen) Vergangenheit zu einer (vielleicht blöderen) Zukunft – durch eine fade Gegenwart, die nur ein Durchgangs­moment zu sein scheint, ein Wegwerf-Augenblick statt purer Lebendigkeit.

Das liegt also nicht an den Umständen, nicht am schönen Urlaubsort oder dem langweiligen Arbeitsplatz, sondern daran, ob dem Erleben Aufmerksamkeit geschenkt wird, und mit der Aufmerksamkeit Lebendigkeit geschenkt wird.
Umstände lassen sich nicht festhalten, das Leben ist ein Fließen, nichts bleibt. In der Vergänglichkeit, in der ständigen Veränderung lässt sich nichts festhalten. “Flow” beschreibt das Fließen der Energie, nichts Statisches, nichts zum Festhalten.
Das bewusste Erleben dieses Flusses ist dieser Flow, den wir lieben und der sich zeigt, wenn eben nicht versucht wird, etwas festzuhalten. Das völlige Aufgehen und Mitfließen im Jetzt.
Die Offenheit fürs Erleben, wie auch immer es sich jetzt gerade zeigt – das ist, was wir lieben und was wir sind.


Hallo Dittmar, vielen Dank für deine ausführliche Antwort! Ich verstehe, dass ja erst die Bewertung auf Basis unserer Glaubenssätze aus einem Moment mehr macht als aus einem anderen. Auch die Sichtweise, es könnten schwierigere Momente kommen und es wäre ja so wie jetzt genau richtig, wird aus dieser Bewertung heraus erzeugt. Es kann daher, genau wie du sagst, nur das allumfassende Ankommen im Moment die Freiheit von all diesen Beschränkungen ermöglichen.

Ich erkenne mittlerweile auch bei alltäglichen Tätigkeiten schon ein wenig die Erfülltheit im Moment. Auch schaffe ich es immer wieder zumindest zu versuchen ins Fühlen zu kommen. Der Verstand, das Ego ist halt auch sehr stark, sodass es immer so kurze Funken sind und dann sehr rasch wieder Gedanken kommen.

Aus deiner Erfahrung, ist dieser Prozess des Eins werden meist ein langsames immer wieder etwas länger anhaltendes Fühlen oder könnte es auch zu Sprüngen kommen und es dann auch mal wirklich spürbar möglich sein, in dieser Freiheit zu bleiben? Diese kurzen Funken finde ich schon immer äußerst friedvoll und kraftvoll.


Was du “Eins werden” nennst, würde ich “Erkennen des Einsseins” nennen, das Wegfallen der Illusion von Trennung. Das völlige Aufgehen im Jetzt nimmt dieses Getrennt­heits­emp­finden mit sich. Übrig bleibt nur Präsenz.

Das Erleben dieser Präsenz ist so schön und klar und wach, dass die Versprechungen des Denkens nicht mehr so ziehen. Wenn du weißt, was du wirklich liebst und wo das Glück ist, dann lässt die Verlockung von Ablenkungen nach.
Das heißt aber nicht, dass die gewohnten Gedanken gelöscht wären. Sie können weiterhin auftauchen, wie das halt so ist mit Gewohnheiten. Und dann können sie die Aufmerksamkeit in die Trance der Normalität ziehen: die gewohnte Beschreibung, wer du bist, was vor dir und was hinter dir liegt, wie die Welt ist …

Wenn die Gedanken aber zur Ruhe kommen und das Erleben nicht mehr fragmentiert ist – nicht mehr zersplittert zwischen dem Erleben und den Gedanken an wann anders und woanders –, dann ist das wie ein Sprung, ein Erwachen aus Träumen zur Wirklichkeit. Der Organismus erwacht zur Lebendigkeit, zur Freude und Freiheit des direkten Erlebens. Und dann erscheint es immer weniger sinnvoll, sich von diesem Glück abzuwenden und wieder in Träume abzutauchen.

Du kannst direkt erleben, wie das Einssein mit dem Moment eingetrübt wird, wenn Gedanken aufkommen, die sich mit etwas anderem als der Gegenwart beschäftigen. Das Unbehagen, das diese Gedanken mit sich bringen, führt meistens dazu, dass sich die Aufmerksamkeit noch mehr von der (jetzt nicht mehr so erfüllenden) Gegenwart abwendet und sich immer mehr im Denken verfängt. Ein latentes Gefühl von Anspannung und Besorgnis legt sich übers Erleben.

Wenn du aber auf genau diesen Übergang achtest, an dem Gedanken den Flow und das Gefühl von Gegenwärtigkeit unterbrechen, dann kannst du diese Eintrübung live erleben. Dann erkennst du, dass es Stress bedeutet, sich von der Erfülltheit abzuwenden. Und dass du diese “Funken” der puren Lebendigkeit mehr liebst als alles andere, dass sie deine Natur und dein Zuhause sind.

Wenn der Unterschied zwischen offener Wachheit (Flow) und Gedanken an etwas anderes (Fragmentierung und Anspannung) klar erlebt wird, dann zieht es die Aufmerksamkeit immer stärker in die Gegenwart statt ins Gedanken­karussell. Und wenn es wirklich mal etwas zu bedenken gibt, etwas zu planen oder zu reflektieren, dann kann das ohne Verwicklung geschehen.

Ohne die Identifikation mit einem Denker sind Gedanken einfach nur ein Werkzeug zur Planung, das beiseite gelegt wird, wenn die Planung beendet ist. Und wenn sie sich anbieten, obwohl gerade nichts zu planen ist, werden sie wahrgenommen, aber nicht aufgegriffen, nicht verfolgt. Dann kommen sie sehr schnell zur Ruhe, weil Erleben als so viel erfüllender erkannt wird als Bedenken.


Hallo Dittmar, vielen Dank für die Antwort!
Über den Bereich auf deiner Homepage bin ich noch gar nicht gestolpert. Ich habe dadurch gleich noch Antworten auf Fragen gefunden, die ich dir gerne noch gestellt hätte. Somit sind sie nun schon beantwortet. Finde diese Rubrik auch wirklich toll, weil sie eben zeigt, dass es ähnliche Herangehensweisen oder Sichtweisen am Weg zum Einswerden gibt. …

Ich finde deine Antworten zu den Themen wirklich äußerst faszinierend und ich glaube dir deine Beschreibungen sofort, dass es dann wirklich befreiend und weit ist, im reinen Erleben verweilen zu können. Ab und an glaube ich zumindest einen Sekundenbruchteil dorthin zu kommen und das lässt dies auch erahnen – aber dann ist auch schon wieder der Denker zur Stelle! 😉

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Körper, Traumwelt, Nondualität

Wenn wir alle nur ein Bewusstsein (nondual) sind, als was existieren wir dann in dieser Traumwelt? Und wenn ich kein Körper bin, warum bilde ich mir ein, gerade dies am deutlich­sten zu spüren? Kann ich lernen, Non­dua­lität wahrzunehmen?


Statt “Traumwelt” würde ich lieber “Erscheinungen im Bewusstsein” sagen: Alles, was du erlebst, erscheint im Bewusstsein.

Wir existieren hier als Bewusstsein, das erfüllt von Sinneseindrücken ist: Wir sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen. Auch Gedanken sind als “innere Bilder” oder “innere Stimmen” da, die wir sehen bzw. hören; auch Emotionen und Intui­tionen fühlen wir.

Für sinnliches Erleben brauchen wir Körper: Ohne Augen sehen wir nichts. Und wenn das Gehirn – ein körperliches Organ – betäubt oder berauscht oder beschä­digt ist, dann kann das unser Erleben, unser Denken und Fühlen sehr stark verändern.

Der Körper ist jetzt einfach da, ob als Traum oder als “Realität”, jedenfalls als Erleben. Es wäre nur verwirrend, das zu leugnen.

Weil der Körper da ist, ist Erleben da. Und gleichzeitig ist der Körper, was im Erleben erscheint.

Im Einssein, also dem nondualen Bewusstsein, läuft das Spiel der Vielfalt, das Spiel der Unterschiede, der Veränderung und Bewegung, der Sinne, der Farben, Klänge, Sensationen, das Spiel der Dualität.
Und in diesem Spiel des Bewusstseins haben Organismen eine wichtige Rolle: Sie sind das Spielfeld und die Spielfiguren.

Sie sind auch das Medium, durch das wir gelernt haben, uns getrennt voneinander zu fühlen. Denn offen­sicht­lich weißt du Dinge, die ich nicht weiß, zum Beispiel, was du heute gegessen hast und was du gerade denkst und so weiter. Ein Spiel im Bewusst­sein können wir also nennen: “Ich sehe was, das du nicht siehst, und das ist ‘mein’ Erleben.” So gesehen sind Körper also Symbole der Tren­nung und Begrenzt­heit – wenn wir den Gedanken glauben.

Körper sind aber auch das Medium, durch das wir uns kennen­lernen und Eins­sein erfahren können. Das kann deutlich werden beim Sex (kann, muss aber nicht), oder wenn wir gemein­sam singen oder musi­zieren oder tanzen oder uns anschauen oder berühren … oder einfach wenn wir zusammen sind. Da können wir fühlen, dass diese Orga­nis­men von derselben Leben­dig­keit gelebt und erlebt werden.
So ist das körper­liche, sinn­liche Erleben pure Leben­digkeit, eine Feier des Lebens, ein Zusammen­spiel von Energie, eine unvor­stellbar reiche Bewe­gung im Bewusst­sein, ein Fest der Viel­falt und des Zusammen­seins im Einssein. Liebe.

Wenn sich die Aufmerk­sam­keit dem zuwendet, was da erlebt, dann findet sie die­selbe Offenheit für all das unter­schied­liche Erleben.
Das gilt für den “einzelnen” Orga­nismus, der die unter­schied­lichsten Berüh­rungen erlebt und unzählige Farben und Klänge und Gerüche und so weiter … alles in dem­selben Bewusst­sein: Da ist diese eine, unteil­bare Offen­heit für all die verschie­denen Sinnes­ein­drücke. Trotzdem weiß die Hand nicht, was die Nase riecht.
Und ebenso gilt das auch für das ganze Spiel der Erschei­nungen: Da ist die eine Offen­heit für alles Erleben in allen Orga­nismen. Die Orga­nismen erleben ihre eigenen, speziellen Sinnes­ein­drücke (“Ich sehe was, das du nicht siehst”), und doch ist da diese eine unend­liche Offen­heit in ihnen allen.

Du findest dieses Prinzip in jeder Größen­ord­nung: Atome, die als Mole­küle zusam­men­spielen, die als Zellen zusam­men­spielen, die als Organe zusam­men­spielen, die als Organismen zusam­men­spielen, die als Familien oder Firmen zusam­men­spielen, eingebettet in der leben­digen Welt, die sie trägt und ernährt …

Eine Zelle in der Niere weiß nicht, was in der Lunge vor sich geht, aber sie ist dasselbe Leben, Ausdruck derselben Leben­dig­keit. Ganz und Aspekt des Ganzen. Wir sind unendlich vielfältig eins.

Wie kann diese Nondualität, diese eine offene Leben­dig­keit wahr­ge­nommen werden? Indem wir auf­hören, uns von Gedan­ken die Welt vor­schreiben zu lassen. Wenn wir auf­hören, die dualen Beschrei­bun­gen der Gedanken für “die Wahr­heit” und “die Auto­rität” zu halten. Wenn wir statt­dessen offen und unvor­ein­ge­nom­men schauen und fühlen, was wir sind, was Erle­ben ist, was Leben­dig­keit ist, dann zeigt sich das Eins­sein von selbst. Einfach weil die Aufmer­ksam­keit nicht mehr von Beschrei­bun­gen und Bedin­gun­gen, wie das Erleben sein sollte, abge­lenkt und ver­zerrt wird. Wenn das Erleben keine Bedin­gung erfüllen muss, wenn es nicht für etwas her­halten muss, dann zeigt es sich in seiner Absolut­heit: frei und unendlich reich.

Sobald die Auf­merk­samkeit nicht mehr durch Bedin­gungen gefil­tert wird, sobald nichts “anderes” wichtig scheint, ist Offenheit fühlbar und präsent.

In dieser bedingungs­losen Erlaub­nis zu erleben, was da ist, in dieser liebev­ollen Offen­heit erkennt das Bewusst­sein sich selbst als liebe­volle Offen­heit.

Der Traum der Bedin­gun­gen und damit der Unvoll­stän­dig­keit und Getrennt­heit kann auf­hören und das Spiel der Erschei­nun­gen geht weiter. Nur wird es nicht mehr als Hinder­nis erlebt, sondern als Wunder.

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Tod und Trauer

Lieber Dittmar,

vielen Dank für Deine Bücher und Deine Internet­beiträge sowie die kosten­lose Möglich­keit, sich an Dich zu wenden! Es ist gar nicht üblich in den Kreisen, solch einen Dienst anzubieten, aber stimmiger als alles andere fühlt es sich für mich an. Danke ❤

Schon lange bin ich auf dem Weg und dem Ausein­an­der­setzen, was Wahrheit ist. Irgendwie habe ich viele Worte, aber diese werden gleich wieder rela­ti­viert, so dass nicht viel übrig bleibt, was ich eigentlich hier sagen möchte. Daher eine kurze Bitte an Dich, würdest Du mir bitte was zum Tod erläu­tern? Mein Vater ist plötzlich verstorben. Ich weiß und fühle es oft, wie es ohne Grenzen ist, und diese Weite und Leich­tig­keit und dass alles gut ist, wie es ist. Und doch fühle ich große Trau­rig­keit und der Gedanke, ihm nicht mehr als Mensch zu begeg­nen, nie wieder, stimmt mich sehr traurig. Es ist für mich einfach unvorstellbar.

Das Ich will einfach nicht von mir weichen, fühle jeden Morgen, wie es sich wieder zusammen­zieht im Körper und wieder der Alltag beginnt, die Aufmerk­samkeit nach außen gezogen wird. Ich bin ratlos, ich weiß es doch und trotzdem gelingt es nicht, im Hinter­grund in der Stille und Weite zu bleiben, von dort aus zu schauen und zu agieren. Würdest Du mir bitte helfen, endlich dort zu bleiben wo Du bist ?
Danke, dass ich Dir schreiben darf, ich freue mich auf Deine Antwort!

Sei lieb gegrüßt


Liebe …,

es ist ein sehr passender Zeitpunkt, um mir zum Thema “Tod” zu schreiben; auch mein Vater ist vor ein paar Tagen verstorben.

Du schreibst von Grenzen­losigkeit, Weite und Leichtig­keit – “… und doch … Traurig­keit”. Das ist kein Gegen­satz: Die Traurigkeit kommt und geht in dieser Weite wie jede andere Energie auch.
Wenn sie kommt und da ist, braucht sich ihr nichts entge­gen zu stellen, als wäre sie fehl am Platz. Traurig­keit ist auch eine schöne Energie; das scheint nur anders, wenn ihr Wider­stand entgegen gebracht wird.

Denke an traurige Musik – wäre die Welt nicht ärmer, wenn es nur Happy-Songs in Dur geben würde? Auch Mozart hat in all seiner kosmi­schen Heiter­keit wunder­schöne tief­trau­rige Sätze und Stücke komponiert.
Und denke an Gefühle wie Rührung, auch das hat ja mit Trauer zu tun! Die Gefühls­palette ist unend­lich reich und nicht auf Dauer-Fröhlichkeit beschränkt.

Die weite, grenzen­lose Groß­zügig­keit, in der auch Trauer ihren Lebens­raum hat, ist keine Position, in der jemand Abstand zum Erleben hätte. Sie ist die Innig­keit, in der gefühlt wird. Sie ist in der Trauer und ist der Raum für sie. Ihr Auf­nehmen, ihr Will­kommen ist ganz bedingungs­los und von vorn­herein da, nicht erst nach Über­prü­fung und Aus­sor­tie­ren des Unerwünschten.

Ja, der Gedanke, jeman­dem nie wieder als Mensch zu begegnen, kann traurig stimmen, der endgültige Abschied von einer bestimm­ten Form. Aber da ist diese Form­losig­keit, das Absolute, das eine Leben, das all diese Gestalten annimmt und in jeder Form lebt.

Stell dir einen Baum vor: Er lebt in seinen Blättern, und im Herbst wirft er jedes Blatt ab, auch das schönste. Der Baum lebt weiter und erzeugt neue Blätter.

Wie du dir vielleicht schon gedacht hast, stehen die Blätter in dieser Metapher für Organis­men mit ihren Gedan­ken, Gefühlen, Erinne­rungen usw. Zum Beispiel für uns beide und unsere Väter. Die Blatt-zu-Blatt-Kommunikation funktioniert nicht mehr, wenn die Blätter abgeworfen werden. Das eine Leben, das in ihnen war, ist aber nicht verloren, sondern wechselt nur in neue Formen. Für das Blatt, das sich so gut mit dem Nachbar-Blatt verstan­den hat, mag das traurig sein.

Es ist aber auch eine Gelegenheit, deinen Vater neu zu fühlen. Statt dem Vater-Blatt als Tochter-Blatt zu begeg­nen, kannst du das, was durch ihn und als er gelebt hat, in allem finden: in diesen Zeilen, im Atem, in dieser unend­lichen Leben­dig­keit. Das Geschenk dabei ist, ihn von der Iden­ti­fika­tion mit einer bestimm­ten Form zu erlösen – und dich auch.
Statt einer Begeg­nung ist es dann ein liebe­volles, dank­bares Eins­sein mit dem, was jetzt und immer da ist: der Baum.

Als mein Vater im Sterben lag, habe ich viel Trauer und Mit­ge­fühl und Rührung empfun­den, weil er so große Schmerzen hatte und so ums Über­leben gekämpft hat.
Gleichzeitig wurde die Stille und Weite immer deut­licher spürbar, die als wir lebt. Eine unend­liche liebe­volle Klar­heit inmitten von all dem Schmerz und Kampf.
Und so erlebe ich ihn auch jetzt: nicht als Person, nicht als Einzel­wesen, nicht als Erschei­nung, sondern als liebe­volle, klare Lebendig­keit, frei von Erinnerungen, frei von Gedanken, frei.
Dafür bin ich sehr dankbar.

Liebe Grüße
Dittmar

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An das Leben: Alles Liebe!

Nondualität | An das Leben: Alles Liebe!

Wie lebendig du dich fühlst,
wie wach und präsent,
wenn du als Ganzes erlebst!

Du kannst alles in Liebe erleben.
Du bist frei,
ganz du zu sein, ganz da zu sein

als unbegrenztes Jetzt,
offenes liebendes Jetzt,
das alles ist.

Du kannst alles von der Last erlösen,
dir was bringen zu müssen
außer Lernen.

Du lernst, was da ist,
was du bist,
was du liebst.

Du musst nicht gegen den Strom schwimmen.
Du kannst flussaufwärts sehen
und die Quelle fühlen.

Liebe ist da.

alle Gedichte

Das Erleben des Jetzt … jetzt!

Hi Dittmar,

hier mein kleines nondualistisches Erlebnis!😉

Mir war der Satz “Alles ist eins” suspekt, immer wenn ich den hörte oder las, suchte ich irgendwo dieses Einssein … und fand es natürlich nicht. Wenn ich z.B an der Ampel auf grün wartete, sah ich einen Begrenzungspfosten am Straßenrand. Ich stellte mir vor, wie der Teil von dem Pfosten, der im Boden war, eins mit mir wurde, wie die Erde den Pfosten umgab und alles drumherum eins mit mir wurde …
Hab dann den Gedanken dahinter sehr schnell erkannt und dieses Einssein
als Gedankengebilde und Wunschtraum ziehen lassen.

Vor ungefähr zwei Wochen war ich spazieren im Wald, versuchte alle Sinne zu benutzen, um wahrzunehmen, was es um mich herum gab.
Dann auf einmal … verstand ich, was mit “alles ist eins” gemeint ist.
Es ist das “Jetzt”. Jetzt ist alles. Jetzt passiert alles. Jetzt verbindet alles. Es gibt nichts außer dem Jetzt, somit ist alles Jetzt. Alles was passiert, passiert Jetzt. Das ist die Einheit mit Allem. Alles ist im Jetzt eins.

Das war kein logisches Erkennen, das war auch kein super Freudengefühl. Es war eine Wahrnehmung, die einfach da war – und wie die da war! Ich war in dem Moment nicht mehr da.
Erst als ich über das Geschehene nachdachte, war ICH wieder da und versuchte sogleich zu analysieren, was da grad geschehen war.

Ich hab dann einfach wieder an Jetzt gedacht und es kam mir vor, als wenn sich mein Kopf öffnet und ICH war nicht mehr da. Es war da, was meine Sinne wahrnahmen und ein “Gefühl”, als wenn wirklich alles zusammengehören würde. Ich sah das Dorf im Hintergrund, den Wald und die Wiesen vor mir … und die Vorstellung, wie jeder einzelne jetzt grad etwas macht, seien es Menschen, Tiere oder Pflanzen … alles irgendwie gleichzeitig, aber nicht hektisch oder so. Es war einfach da. Jetzt.

Danach kam das ICH und analysierte dieses vergangene “Jetzt” in der Art wie: “Was war das? War das die Einheit? Was habe ich gefühlt? …” Diese Gedanken konnte “ich” als nur Gedanken kommen und wieder gehen lassen….

Jetzt, glaube ich, verstehe ich das: “Es ist schon da …”, “Du brauchst nichts zu machen …” Das Jetzt ist immer da. Schön, dass jetzt Jetzt ist! 🙂
Ja, das war mein Erleben des Jetzt. Wenn das konfuse Geschreibsel einer versteht, dann bist Du das. 😄 Danke, dass Du es gelesen hast!


Freut mich! Und wie ist das Erleben des Jetzt jetzt?

Ja, mit “Gedankengebilden und Wunschträumen” hat das Einssein gar nichts zu tun (außer dass sie halt auch in ihm auftauchen).

Du setzt anscheinend “Ich” mit “Nachdenken” gleich: “ICH war nicht mehr da … Danach kam das ICH und analysierte …”
Was ist das, was zurück gekommen ist? … außer Gedanken? Das ist keine rhetorische Frage (leicht abzutun mit “Ja klar, nur Gedanken”). Sondern lohnend zu schauen: Wenn das, wofür du dich hältst (gehalten hast), nicht da ist, was ist “stattdessen” da?

Ich vermute, dass in deiner Erkenntnis klar war:
1. Das Zusammensein als Eins ist wesentlich “realer”, klarer und stimmiger als das übliche fragmentierte Erleben.
2. Das ist immer so, es ist nie Nicht-Jetzt.
Stimmt’s?

Deshalb nochmal die Frage: Wie ist das Erleben des Jetzt jetzt?
Und nochmal: Ich freue mich über dein Erlebnis und dass du es mit mir “teilst”!


Was ist das, was zurückgekommen ist?  Gute Frage!

Das was “zurückkam” würde ich so beschreiben, wie wenn Du Vögel am Futterhaus beobachtest und die dann versuchst zu bestimmen. Der, der das macht, die Vogelbestimmung, der kam zurück und hat das Erlebte versucht so zu beschreiben, dass es in meine Landkarte passt.

Deine zwei Vermutungen stimmen. Ich erinnere mich, dass in diesem Ereignis eigentlich alles stimmig war. Da war kein Gedanke eines Zweifels. Und es war Jetzt. Dieses Präsente. Es gab keine Gedanken an Vergangenheit oder Zukunft.

Im Nachhinein hatte ich dieses starke Erleben seit diesem Spaziergang nicht mehr. Was ich spüre ist, dass ich im Alltag sehr oft vom “Autopilot” gesteuert werde und öfters in einen Tunnel fahre. Oft bemerke ich es zu spät.  Dann kommt ein Gedanke, der sagt: “Jetzt”.  Danach kommen Erinnerungen an das Ereignis. Manchmal, für ein paar Sekunden, meine ich, wieder mit Allem verbunden zu sein.

Das augenblickliche Jetzt ist nicht das Erleben vom Spaziergang. Es sind sehr viele Gedanken da, von der Vergangenheit, Zukunft und dem Taubengegurre vor dem Fenster.

Was auch immer öfters erscheint, ist der Wunsch nach diesem Zustand.

Ich freue mich und bin ein bisschen “stolz”, dass Du mit mir über meine Erlebnisse schreibst 😊   Danke!


Was zurück kam oder wieder eingesetzt hat, ist also ein automatisches Kategorisieren. Eine mentale Aktivität, bist das “du”?

Und es sind wieder mehr Gedanken im Spiel, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Inklusive der Erinnerung an das “Ereignis” und dem Vergleichen des “Ereignisses” mit dem augenblicklichen Jetzt.
Mentale Aktivitäten, bist das “du”? Oder werden sie wahrgenommen wie das Taubengurren vor dem Fenster?


Du hast Recht, diese mentale Arbeit sind einfach nur Gedanken, die wahrgenommen werden wie das Taubengegurre!

Wer nimmt die wahr? Bin das ich?

Dass sofort nach der Wahrnehmung wieder Gedanken zum Wahrgenommenen Gedanken auftauchen … lustige Sache. Manchmal, wenn ich z.B. im Bett liege, versuche ich, die Gedanken, die da auftauchen, einfach zu beobachten. Jetzt merke ich, dass der Beobachter auch nur ein Gedanke ist. 🙂

Das oder der merkt, dass der Beobachter auch nur ein Gedanke ist, bin das ich? Oder ein weiterer Gedanke, ein Beobachter des Beobachters? Wie viele Beobachter gibt es ?

Muss da noch vieles auf mich wirken lassen und noch viele Gespräche mit Dir führen 🙂


“Wer nimmt die wahr? Bin das ich? … Das oder der merkt, dass der Beobachter auch nur ein Gedanke ist, bin das ich?”

MUSST du denn etwas sein? Da sind diese mentalen / energetischen Prozesse /Aktivitäten: Suchprozesse, Informationsverarbeitung, Einordnen usw. Und einer dieser Prozesse ist die Identifikation: das Einsortieren in die Kategorie “Ich” im Gegensatz zu “Nicht ich”.

Auch Beobachten ist ein Geschehen: Bemerken, Erkennen … alles energetische / mentale Prozesse.
Auch das Beobachten kann beobachtet werden, diese Aktivität fühlt sich vielleicht “spacig” an, ist aber auch ein energetisches Geschehen.
Da findest du den Organismus, z.B. die Augen, die sich bewegen und fokussieren, dann findest du Gedanken, die z.B. “Aha!” sagen (oder “Ui!”), und ein Gefühl des “Passens”, ein gefühltes “Aha!” (oder “Ui!”).

Also auch wieder mentale / energetische Prozesse. Findest du ein “Du”, das all das findet, einen Beobachter – oder nur Prozesse, Bewegungen im Energiefluss?

Und die Stille, in der sich all diese Bewegungen abspielen; Stille, die in ihnen Gestalt annimmt?

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Akzeptanz leben

Hallo Dittmar,

bei mir läuft es recht gut. Aller­dings gibt es auch immer wie­der viele unan­ge­nehme Zustände, die da auf­tau­chen. Aber ich lerne, auch diese zu akzep­tie­ren, da auch sie erlaubt sind. D.h. eigent­lich brau­che ICH sie weder erlau­ben noch akzep­tieren, denn wenn die Zustände auf­tau­chen, sind sie ja bereits da und müs­sen dem­zu­folge nicht mehr akzep­tiert werden.🙂

Die Idee, dass unan­ge­nehme oder uner­wünschte Gedan­ken und Gefühle NICHT da sein soll­ten (oder dür­fen), macht eigent­lich alles nur schlim­mer. Wenn man eine gute Zeit hat und man sich wohl fühlt, ver­sucht man natür­lich mit allen Kräf­ten, die­sen Zustand zu erhal­ten (zu “kon­ser­vie­ren”). Das funk­tio­niert aber lei­der nicht. Wenn ein unan­ge­neh­mer Zustand auf­taucht, will man ihn so schnell wie mög­lich los wer­den. Auch das funk­tio­niert nicht. Der Zustand bleibt, so lang er eben bleibt.

Ich merke, wie sehr man durch die jahre­lange Suche und das viele Lesen von Spirit-Litera­tur, das Auf­suchen von Sat­sang-Lehrern usw. doch voll­ge­stopft ist mit Vor­stel­lun­gen, was das Erwa­chen angeht. Ich finde das auch bei dei­nem Gesprächs­kreis manch­mal etwas schwie­rig, da ich spüre, wie sehr manche an diesen Vor­stel­lun­gen hän­gen, dass nach dem Erwa­chen bestimmte Zustände nicht mehr aufzu­tau­chen haben. Ich sehe da eine Wei­ge­rung, mit DEM umzu­gehen, was DA ist. Wie siehst du das denn?

Im Moment beschäf­tige ich mich kaum mit diesem gan­zen “Erleuch­tungs­kram”. Ich beob­achte ein­fach das Leben. Von Moment zu Moment. Und ich sehe auch, wie die Gedan­ken immer wieder alles als “meins” in Besitz neh­men wol­len. Dabei hat das alles im Grunde über­haupt nichts mit “mir” zu tun. Und es sind halt auch ein­fach nur Gedan­ken, die auf­tau­chen und wie­der verschwinden. 

Herzliche Grüße


Liebe …,

das mit der Akzeptanz ist eine sehr interes­sante Frage.

Dass es kein “Ich” gibt, ist intel­lek­tu­ell sehr leicht zu ver­ste­hen – nur macht diese intel­lek­tu­elle Ein­sicht (mei­ner Ansicht nach) sehr wenig Unter­schied, son­dern ist ein­fach nur eine neue Phi­lo­so­phie mit den übli­chen Dogmen.

Ichlosigkeit wirklich zu erleben, das ist ein gro­ßer Unter­schied. Das heißt erle­ben, was durch Ich-Vorstel­lun­gen ver­schlei­ert wurde: diese abso­lute, all­ge­ge­nwär­tige, unbe­dingte, bedin­gungs­lose Liebe, die sich als alles manifestiert.

Es fällt nicht wirklich ein “Ich” weg (das ja nie exis­tiert hat), sondern der Glaube daran, die Gefühls­reak­tio­nen, als ob es ein Ich gäbe – sowohl im “eige­nen” Orga­nis­mus als auch in den “anderen”.

Was bleibt, ist das ErLeben als unge­teil­tes Gan­zes mit allen Erschei­nun­gen darin: Sinnes­ein­drücke, Gedan­ken … Ein Erle­ben, dass alle Erschei­nun­gen “innen” und “außen” Aus­drucks­for­men der­selben liebe­vol­len Leben­dig­keit sind.

Diese eine Leben­dig­keit in allem ist Liebe, Frieden, Frei­heit, diese gan­zen Hippie-Begriffe. Das ist meiner Auf­fas­sung nach das ein­zige, worauf es ankommt. Nicht intel­le­ktu­elle Klar­heit, sondern Liebe.

Zum Akzeptieren und zur Unnö­tig­keit des Akzep­tie­rens: Ja, was erlebt wird, ist schon da und war­tet nicht auf Akzep­tanz. Und ja, Ver­bote und “Sollte”s machen einen Zustand eher schlim­mer, ver­festigen ihn eher.

Die Abwesenheit von “Sollte”-Denken bedeu­tet aber weder Resi­gnation noch Passivität.

“Ich habe Hun­ger – mei, so ist es halt”, das ist ja nur dann sinn­voll, wenn es keine Möglich­keit gibt, an Essen zu kom­men, oder wenn man fas­ten will. Im Normal­fall heißt Akzep­tanz nur das Wahr­neh­men des Hun­ger­ge­fühls. Dann kann auf diese Wahr­neh­mung eine Hand­lung folgen, nämlich, etwas zu essen.

Oder “Ich habe immer wieder Rücken­schmerzen – mei, so ist es halt” im Gegen­satz zur (akzep­tie­ren­den, neu­gie­ri­gen, liebe­vol­len) Erfor­schung, wo die Schmer­zen sind, wann sie auf­tau­chen (bei wel­cher Bewe­gung oder Hal­tung), ob es andere Bewe­gungs­mus­ter gibt, die den Schmerz nicht aus­lösen, usw.

Durch (z.B. Feldenkrais-) Experi­mente lerne ich sinn­vol­lere Bewe­gungs­mus­ter und dadurch habe ich viel weni­ger Schmer­zen als frü­her. Die Experi­mente begin­nen mit “Akzep­tanz”: mit Bewusst­heit über eine Bewe­gung und wie sie sich anfühlt. Dann pro­biert der Kör­per Vari­a­tio­nen aus, und wenn die sich besser = leich­ter anfüh­len, über­nimmt er sie. Viel­leicht nicht sofort in jeder Situ­a­tion, aber das Ler­nen des Neuen und Able­gen des Alten hat begonnen.

Wozu Zähne putzen, wozu Haare und Nägel schnei­den, statt sie zu akzep­tie­ren, wie sie sind? “Das Shirt passt mir nicht mehr / ist schmut­zig / zer­schlissen – naja, ich akzep­tiere, dass ich es trage” ist nicht wah­rer / freier / ich­loser / akzeptie­ren­der als “… und ich lege es ab.”

Was für diese körperlichen Bei­spiele gilt, stimmt meiner Ansicht nach genauso für mentale Erschei­nun­gen: Gedan­ken und Emotionen.

Manche alten mentalen Muster tau­chen bei mir immer noch auf, vor allem Bedin­gungen, wie andere Leute mich behan­deln soll­ten. Wenn so eine Bedin­gung ver­letzt wird (“He, rede nicht in so einem Ton­fall mit mir, unter­brich mich nicht! …”), dann kommt Wut auf und die Auf­merk­sam­keit ver­engt sich aufs Durch­set­zen der Bedin­gung. Ein Streit-Modus setzt ein, wodurch die Liebe und der Frie­den, die sonst als Grund­zu­stand da sind, in den Hinter­grund des Erle­bens gera­ten. Das fühlt sich schmerz­haft an. Und nicht wie ein kla­rer, ein­deu­ti­ger Aus­druck von Liebe, Frie­den und Frei­heit, son­dern wie Ärger, Kampf und Zwang.

Wenn ich schaue, wozu die­se Bedin­gun­gen ursprüng­lich über­nom­men wur­den, dann sehe ich, dass sie Liebe, Frie­den und Frei­heit ver­spro­chen haben, und dass die “Wehe-wenn!”-Mechanismen für die Durch­set­zung der Bedin­gun­gen kämp­fen, um Liebe, Frie­den und Frei­heit zu ermög­li­chen. Was sie errei­chen wol­len, ist genau das, was ohne Kampf schon da ist, und was im Kampf in den Hin­ter­grund gerät.

Diese Bedingungen werden nicht von “mir”, von keinem “Ich” gestellt und sind auch nicht für den Orga­nis­mus wichtig, son­dern sie sind ein­fach nur kon­di­tio­nierte Vor­stel­lun­gen, wie “es” sein sollte. Auto­ma­ti­sche Mus­ter, wie Selbst­schuss­an­la­gen. Und daher geht es nicht mehr darum, andere daran zu hin­dern, in die Licht­schran­ke zu lau­fen und die Selbst­schuss­an­lage aus­zu­lö­sen, son­dern darum, die Selbst­schuss­an­lage zu deaktivieren.

Das ist keine Arbeit und keine Tech­nik, sondern kommt von selbst durch die klare Erkennt­nis, was die Anlage/Bedin­gung bringt (Stress) und was sie kos­tet (Frieden).

Ich will einfach lieber feiern. Das heißt nicht, dass immer alles lus­tig sein muss, es gibt ja auch Trauer­feiern. Meinem Vater geht’s z.B. grad ziem­lich schlecht, da bin ich trau­rig und finde es völ­lig ok, sowohl was mit ihm geschieht als auch mein Gefühl dazu, das sehr fried­lich ist. Aber Streit fühlt sich wie eine Unter­bre­chung der Feier an, unfried­lich, “unangenehm”.

Und wenn ich schaue, welche Zustände unange­nehm sind, dann sind die immer die Reak­tion auf eine Bedin­gung, deren Nicht­er­fül­lung “unan­neh­mbar” scheint. Anders gesagt: Sie wei­sen auf einen ein­zi­gen Gedan­ken hin, der in vie­len For­men behaup­tet: “Es soll anders sein.”

Wendet sich die Aufmerk­sam­keit von ihrer liebe­vol­len, fried­lichen Quelle ab, um die­sem Gedan­ken zu die­nen? Oder sieht sie ihn mit liebe­vol­len, fried­li­chen Augen als die Ver­wir­rung, die er ist? Sieht sie, dass das Aus­agie­ren die­ses Gedan­kens “Es soll anders sein” Schmer­zen statt Freude bringt, dann hat der Gedanke keine Moti­va­tion, keine Ener­gie mehr.

Es fühlt sich ein­fach so viel bes­ser an, der Welt nicht vor­schrei­ben zu müs­sen, wie sie sein soll, son­dern sie frei zu las­sen und dadurch frei zu sein! Nicht aus ohn­mäch­ti­ger Resi­gnation, son­dern aus Liebe. Die Liebe gilt sich selbst, unab­hän­gig von Erschei­nun­gen. Und sie gilt dem Erschei­nen­den, frei von Bedingungen.

Das ist für mich ein neues /altes Krite­rium, ob die Situ­a­tion ein kla­rer Aus­druck von Liebe ist. Nach dem flash­igen ers­ten Erle­ben, dass kein Ich und keine wirk­liche Tren­nung exis­tiert, und dass nichts dazu gesche­hen muss, um einen “Zustand der Ich­losig­keit” zu errei­chen, war ich über Jahre fas­zi­niert davon, dass auch das Stellen von Bedin­gun­gen und die daraus resul­tie­rende Wut, wenn sie nicht erfüllt sind, genau­so Erschei­nungs­formen der­sel­ben Leben­dig­keit sind. Das sehe ich immer noch so. Aber ebenso wahr ist, dass es im Leben keine Stag­na­tion gibt und dass das Leben – vor allem in / als Menschen – immer weiter lernt und sich ent­wickelt. Dass es Behin­de­run­gen abstreift. Dass es alte Ver­hal­tens­wei­sen und Aus­drucks­for­men ablegt und schö­nere fin­det. Des­halb ler­nen Kin­der einen immer grö­ße­ren Wort­schatz, immer mehr Fähig­ke­iten, immer geschmei­di­gere Bewe­gung­smus­ter. Des­halb ler­nen Men­schen Musik­ins­tru­mente oder Yoga oder Tai Chi oder Knut­schen. Schöne, freie Aus­drucks­for­men der Liebe und Leben­dig­keit und Verbundenheit.

Dadurch wird keine “höhere Stufe” erklom­men, sondern ler­nende Intelli­genz lebt sich aus, sonst nichts.

Kleiner Nach­trag: Stel­len­weise habe ich in “So ist das”-Sprache geschrie­ben. Die Mail ist aber nicht als Emp­feh­lung gemeint, nicht als all­ge­mein­gül­ti­ges “So soll es sein”, son­dern als Beschrei­bung mei­nes Erle­bens, als Ant­wort auf die Frage, “wie ich es denn sehe”.

Liebe Grüße
Dittmar

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Die Antwort auf alle Fragen

Lieber Herr Kruse,

heute Vormittag habe ich Ihr Buch “Glück ohne Schmied” gelesen. Obwohl “ich” (ich verzichte künftig auf die Anführungs­zeichen, Sie kennen ja das Dilemma der Spra­che) mit dessen Grund­aus­sagen bereits lange vertraut bin, hat mich die Lektüre doch wieder daran erin­nert, den Fokus genauer auf die Wahr­neh­mung, auf das direkte Erle­ben, zu rich­ten und dadurch das perma­nente Wunder des Seins zu erkennen. Dafür danke ich Ihnen herz­lich! Sie laden den Leser am Ende Ihres Buches dazu ein, Ihnen zu schreiben und auf­tau­chende Fragen zu stellen. Diese Gele­gen­heit möchte ich gerne wahrnehmen.

Seit einem “Einheitserlebnis” vor vier Jahren habe ich das “Sein” für ca. eine Stunde direkt erlebt, ohne ein­engende, da nicht „ernst genom­mene“ Gedan­ken (resp. Geschich­ten, Konzepte etc.). Seit­dem ist mir bewusst, dass es nur den jetzigen Moment gibt, dass Ver­gan­gen­heit und Zukunft nur Geschich­ten sind, genauso wie das Kon­zept des „Ich“. Besonders ent­schei­dend war für mich die Ein­sicht, dass auf­tau­chende Gedanken über­haupt kein „Problem“ sind. Pro­ble­ma­tisch kann’s erst dann werden, wenn man diese Gedan­ken (etwa den „Ich-Gedanken“) für mehr nimmt als eben – einen Gedanken.

So weit, so gut. Woran ich dann aber doch immer wieder hängen­bleibe, sind Fragen, die sich auf die “Wirk­lich­keit” der Welt bezie­hen. Gibt es die Welt über­haupt? Gibt es den eigenen Kör­per? Oder sind auch dies nur Gedan­ken­ge­bilde, Kon­zepte? Für mich spitzte sich diese Frage vor allem zu einer Frage zu: Sind meine Gedan­ken die Pro­dukte meines Gehirns oder ist mein Gehirn das Pro­dukt meiner Gedan­ken? Aus kon­se­quen­ter (meinet­wegen: phä­no­me­no­lo­gi­scher) Per­spek­tive müsste m.E. die zweite Ant­wort die richt­ige sein. Alles ist letzt­lich ein Gedanken­kon­zept, das eben im Jetzt, im direk­ten Erle­ben, auf­taucht, aber gewis­ser­ma­ßen keinen “onto­lo­gi­schen Sta­tus” besitzt. Und dies gilt denn auch für Kon­zepte wie Kausa­li­tät und Zeit. Würden Sie dieser Eins­chät­zung zustimmen oder nicht so weit gehen?

Besonders intensiv taucht “hier” immer wieder die Frage nach der “Wirk­lich­keit” des “ander­en Men­schen” auf. Ich bin mir mitt­ler­weile bewusst (diese para­doxe For­mu­lie­rung ist freil­ich nur der Spra­che geschul­det), dass es das “Ich” als Ins­tanz nicht gibt, dass das “Ich” ledig­lich ein Kon­zept ist wie “Du” und “Menschen” all­ge­mein. Das Ein­zige, was ich nicht nur als Kon­zept erlebe / begreife, ist das “direkte Erle­ben”, die Wahr­neh­mung mit all ihren Aspek­ten (formu­liere ich es so, ist es natür­lich nicht mehr die direkte Wahr­nehmung – das ewige Dilemma der Mys­tik …). Aber: Die “direkte Wahr­nehmung” ist “hier”, das ist mir ein­deu­tig evi­dent, gerade weil sie kein Nach-Denken benö­tigt. Inwie­fern kann ich aber wissen, ob es die “direkte Wahr­neh­mung” “dort” (beispiels­weise “bei Ihnen in München”) auch gibt?

Ist das nicht einfach wieder nur ein Gedanke, der eben “bei mir hier” auf­taucht, aber eben nur ein Kon­zept ist? Oder aus Ihrer Per­spek­tive for­mu­liert: Können Sie wissen, ob “dort” (bei­spiels­weise “bei mir in Berlin”, eben nicht bei Ihnen) eben­falls direk­tes Erleb­en statt­findet? Und wenn dies nicht mög­lich ist, liefe das nicht auf ein solip­sis­ti­sches Welt­bild heraus – freilich auf einen Solip­sismus ohne Ich?

Lieber Herr Kruse, ich weiß weder, ob ich Ihnen das Pro­blem, das hier immer wieder auf­taucht, einige­rmaßen ver­ständ­lich machen konnte. Noch weiß ich, warum ich Ihnen dieses Pro­blem über­haupt mit­teile. Viel­leicht ist hier die Hoff­nung auf eine Ant­wort, die das ewige Fragen end­lich zur Ruhe brin­gen könnte. Jeden­falls tauchte der Impuls auf, Ihnen diese Mail zu schrei­ben. Viel­leicht haben Sie ja den Impuls, darauf zu rea­gieren? Ich würde mich sehr darüber freuen!


Danke für Ihre Fragen!

Wie Sie schreiben: “Problema­tisch kann’s erst dann werden, wenn man diese Gedan­ken (etwa den ‘Ich-Gedanken’) für mehr nimmt als eben – einen Gedanken.”
Das gilt ebenso für Fragen wie: “Gibt es … oder nicht?” Auch das sind ja Gedanken.

Ihr Einheits­erlebnis hatte ja wahr­schein­lich nichts damit zu tun, dass Sie auf jede mög­liche Frage eine Ant­wort wussten. Das ist die gedank­liche Vor­stel­lung von Klar­heit: auf jede Frage eine ein­deu­tige Antwort zu haben.

“Wenn Antwort A richtig ist, dann muss Antwort B falsch sein” – so die Sicht­weise und Logik von Gedan­ken. “Ent­we­der A exis­tiert oder A exis­tiert nicht.” “Ist das Illu­sion oder Realität?”

“Das permanente Wunder des Seins”, wie Sie es nennen, besteht ja nicht darin, eine Erklä­rung für alles zu haben. Sondern im Staunen über die schil­lernde Unbe­greif­lich­keit und Unbeg­riff­lich­keit des Seins, mani­fes­tiert in der zeit­losen Gegenwart.

Im Wunder des Einen als Viel­heit (1als2 heißt meine Webseite), in all diesen Para­do­xien. Nicht im “Entweder-Oder”, sondern im “Sowohl-Als auch” und im “Weder-Noch”.

“Sind meine Gedan­ken die Pro­dukte meines Gehirns oder ist mein Gehirn das Pro­dukt meiner Gedanken?”

Ja, beides. Und weder noch. Je nachdem. Ein Gehirn scheint sehr wich­tig, um Gedanken pro­du­zie­ren zu können. Das zeigt sich deut­lich, wenn das Gehirn in seiner Leis­tungs­fä­hig­keit beein­träch­tigt wird, z.B. durch Alko­hol, orga­ni­sche Schä­di­gun­gen wie Schlag­an­fall oder ein­fach nur durch Müdig­keit. Wenn das Gehirn nicht gut funk­tio­niert, wirkt sich das dras­tisch auf die Gedanken aus. Und gleich­zei­tig tauchen all diese Gedan­ken an und über das Gehirn ja eben gerade als Gedan­ken auf: “Mein Gehirn” ist ein Gedanke.

Dass etwas direkt erlebt wird, heißt nicht, dass es wahr ist (siehe Hallu­zi­na­tio­nen); dass etwas nicht direkt erlebt wird, heißt nicht, dass es nicht exis­tiert. “Wenn ein LKW auf Sie zu rast, schlie­ßen Sie ein­fach die Augen und hal­ten sich die Ohren zu, dann ist er ver­schwun­den!” – ich würde mich nicht darauf verlassen.

Die einzige verläss­li­che “Tat­sache” scheint mir: Da ist Erleben. Ob das ein Traum ist, ein Gedanke oder Buch­sta­ben auf einem Moni­tor: Da ist wirk­lich Erle­ben; Leben­dig­keit, die jetzt gerade erlebt und erlebt wird.

Und was erlebt wird, ist ein Zusammen­spiel von allen Sinnes­ein­drücken, die gerade da sind. Diese Eindrücke sind das Zusammen­spiel vom Organis­mus und seiner Umwelt. Das kann von Gedan­ken unter­teilt werden: Hier Orga­nis­mus, dort Umwelt. Im direk­ten Erle­ben ist immer bei­des gleich­zei­tig da und spielt zusammen. Bei­des taucht im Bewusst­sein / als Bewusst­sein auf. Die­ses Bewusst­sein mani­fes­tiert sich als Erschei­nun­gen, die durch einen bestimm­ten Orga­nis­mus wahr­genom­men werden; die Erschei­nungen sind nicht unab­hängig vom Orga­nis­mus und vom Bewusst­sein. Und der Orga­ni­smus ist selbst eine Viel­zahl von Erscheinungen.

Was Sie über “mich hier in München” denken, ist natür­lich ein Gedan­ken­kon­strukt, ebenso wie meine Gedan­ken an “Sie dort in Berlin” (und “meine” Gedan­ken an “München” und “mich” und “sons­tige Gedanken”).
Ich verwechsle Sie nicht mit den Gedanken an Sie, gehe aber (sagen wir mal “intui­tiv”) davon aus, dass bei Ihnen eben­falls direk­tes Erle­ben ist. Bewei­sen könnte ich es nicht, for­dert ja auch keiner.

Mein Bild zu unseren bei­den Orga­nis­men ist wie zwei Äste an einem Baum. Die erle­ben unter­schied­li­che Dinge: Auf einem landet gerade ein Vogel, der andere ver­liert ein paar Blätter im Wind … Und doch sind beide Mani­fes­ta­tio­nen des­sel­ben Baums und SIND derselbe Baum. 1als2.

Um meine Antwort in einem Satz zusam­men­zu­fassen: Die Wirk­lich­keit liegt jen­seits von Gedan­ken und kann von ihnen nie erfasst wer­den. Daher sind Gedan­ken hilf­reich zum Pla­nen, aber laden sonst oft nur zur Ver­wir­rung ein. Ok, ich dachte, es würde nur ein Satz.


Lieber Herr Kruse,

ganz herzlichen Dank für Ihre schnelle und aus­führ­liche Antwort! Ich finde es wirk­lich klasse, dass Sie so detail­liert auf meine Fragen ein­ge­gan­gen sind, und das auch noch an einem Feiertag.

Ihre Nach­richt hat eine para­doxe Wir­kung auf mich: Einer­seits löst vor allem Ihre Erin­ne­rung, dass natür­lich auch Fragen wie “Gibt es / Gibt es nicht?” ledig­lich Gedan­ken, also dua­lis­ti­sche For­men, sind, große Erleich­te­rung in mir aus – so, als ob ich mir durch diese Erkennt­nis nun nicht mehr die Mühe machen muss, mir diese Fragen stän­dig zu stellen. Anderer­seits verur­sacht gerade diese Erkennt­nis aber auch, dass Unruhe und Ent­täu­schung in mir auf­stei­gen, verb­un­den mit dem Gedan­ken, dass ich dann ja “nie etwas sicher wis­sen” kann. Und die wei­tere Erkennt­nis, dass frei­lich auch dies nur ein Gedanke ist, kann mich (im Moment zumin­dest) lei­der auch nicht beruhigen.

Und trot­zdem ist da eine Ahnung in mir, dass genau diese Ein­sicht, dass letzt­gül­tige Ant­wor­ten nie­mals gefun­den wer­den kön­nen, zur Ruhe führt oder, um es schön para­dox zu for­mu­lie­ren: dass die Lösung aller Fragen ist, dass es keine Lösung gibt.

Dies nur als kurzes Feed­back. Ich werde mir Ihre Sätze noch häu­fig “durch den Kopf gehen lassen”. Nochmals ganz herz­lichen Dank für Ihre Ant­wort und auch für den Hin­weis auf Ihre Webseite, auf die ich schon sehr gespannt bin.


Ich antworte Ihnen gerne, gerade am “Tag der (deutschen) Einheit”!

“Die Lösung aller Fragen ist, dass es keine Lösung gibt.” … Ich würde sagen: Die Lösung solcher Wirk­lich­keits­fragen ist zu erken­nen, dass Gedan­ken eine abstra­hierte, ver­zerrte Schein­welt erzeu­gen, die der Wirk­lich­keit ähnelt, aber sie nicht erfas­sen kann.
Und dass gedank­liche Ant­wor­ten auf gedank­li­che Fra­gen der Wirk­lich­keit bes­ten­falls eini­ger­ma­ßen ähneln, aber nie, nie, nie, nie, nie die Wirk­lich­keit erfas­sen, die jen­seits der Gedanken liegt.

Sich an Gedanken zu halten, die Sicher­heit ver­spr­echen (“DIE Antwort”), führt zu Dogmen und zu Dogmatik.
Und fürs Denken ist das viel­leicht erst mal frus­trie­rend zu erken­nen: Es gibt Berei­che, in denen das Werk­zeug “Denken” nicht greift.
Dann kann es aber auch sehr erleich­ternd sein. Denn das Den­ken braucht sich nur noch um die Berei­che küm­mern, für die es zustän­dig ist: Planung usw., und muss nicht mehr für ALLES zustän­dig sein.

Das Denken hat Fragen, die im Denk-Modus fas­zi­nie­rend und vor allem wich­tig erschei­nen und oft über­haupt nur im Den­ken exis­tieren: “Der Dorf­bar­bier rasiert die Män­ner, die sich nicht selbst rasie­ren. Rasiert er sich selbst?”
Und das Denken kann mit sol­chen Fragen spie­len, wenn es Spaß daran hat, aber dabei wird es keine Sicher­heit oder die Antw­ort auf alles finden (die bekannt­lich “42” ist).

Die faszinierendste aller Fragen finde ich: Was ist “JETZT”?, eben weil alle gedank­li­chen Ant­wor­ten darauf völlig unzu­reichend sind und die einzig interes­sante Ant­wort nur in der gegen­wär­ti­gen Offen­heit besteht.
Die Antwort ist Stille. Stille für das, was sich jetzt zeigt.

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Das Unterbewusstsein

Lieber Dittmar,

danke für die auf­schluss­rei­chen Ein­blicke! Ich schätze dich sehr als jeman­den, der Non­dua­li­tät ver­kör­pert, ohne sich auf einen Guru-Sockel zu stel­len. Momen­tan scheint es für mich aber trotz­dem nicht anzu­st­ehen, an dein­em öffent­lichen Chat teil­zu­neh­men.

Zwei Fra­gen habe ich trotz­dem:
Obwohl die ge­trenn­te Ich-Ins­tanz eine Illu­sion ist, wird gemein­hin von einem ener­ge­ti­schen Tod ge­spro­chen, der not­wen­dig ist, be­vor jemand das All-Eins-Sein komp­lett ver­kör­pern kann. Wie siehst Du das? Und was ist mit dem Unter­be­wusst­sein? Gren­zen­los­es Bewusst­sein schließt doch das Unter­be­wusst­sein mit ein – ist es inso­fern nicht wich­tig, das per­sön­li­che und das kol­lek­tive Un­be­wusste zu inte­grieren, damit Ganz­heit rea­li­siert wird?

Danke und herzliche Grüße


Danke für deine Mail!

Wie immer halte ich es für sinn­voll, mög­lichst wenige Kon­zepte zu ver­wen­den und statt­des­sen zu schauen, was wirk­lich er­lebt wird. Und wenn ein Be­griff wie “Unter­bewusst­sein” ver­wen­det wird, ihn zu de­fi­nie­ren, um zu schauen, ob wir das­selbe meinen.

Die ein­fachste De­fi­ni­tion fin­de ich “Das, was gerade nicht bewusst ist” und würde  das syno­nym ver­wen­den mit “Das, wo die Auf­merk­sam­keit gerade nicht ist”.
Der Begriff “Unter­be­wussts­ein” klingt so, als wäre das ein Wesen statt ein­fach nur “Das, was (jetzt gerade) nicht bewusst ist”.
Mit ande­ren Wor­ten finde ich den Begriff “Unter­be­wusst­sein” unnötig, und “Das Un­bew­usste” auch, so wie es kei­nen Be­griff braucht für “Das, was gerade nicht wahr­ge­no­mmen wird”.

Viel­leicht ist deine De­fi­ni­tion von “Un(ter)­be­wusst­sein” auch ganz anders, was ver­stehst du denn darunter?

Meine Beschrei­bung: Da sind Mus­ter, Gewohn­heiten, Auto­ma­tis­men der Auf­merk­sam­keit und der Reak­tio­nen auf das Wahr­ge­nom­mene. Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten, Über­ze­ugung­en, die voraus­ge­setzt und nicht hin­ter­fragt wer­den.
Man­che Mus­ter kön­nen bewusst wer­den (z.B. Atem-Muster, Denk- und Sprech­wei­sen), man­che nicht (z.B. Auf­schlüs­seln der Nah­rung nach Nähr­stof­fen und Abfall).

Zum “ener­ge­ti­schen Tod”: Er ist das Ende der Illu­sion, dass es “meine” Ener­gie inmit­ten von “ande­ren” Ener­gien gibt. Das Er­le­ben des einen Ener­gie­meers, von dem nichts aus­ge­nom­men ist, und der Stille darin, von der nichts aus­genom­men ist.

Die Ener­gie fließt auch in Mus­tern, die Wir­bel bil­den oder stag­nie­ren kön­nen (siehe oben). Die­se Mus­ter sind nicht ge­trennt vom Gesamt­gesche­hen, von der momen­ta­nen Energie-Konstel­la­tion, nur gehen dys­funk­tio­nale Mus­ter von anderen Gege­ben­hei­ten aus: von der Situ­a­tion zu der Zeit, als sie ent­stan­den sind; von der Not­wen­dig­keit, etwas zu ver­tei­di­gen oder zu be­kämp­fen oder zu igno­rie­ren und sonstigen Irrtümern.

Dafür kann es ein Up­date geben: In der Er­kennt­nis, dass die Mus­ter etwas ganz Un­per­sön­li­ches sind, im Er­ken­nen der einen Lee­re in allen Erschei­nun­gen, in allen Mus­tern, kann die Ener­gie spon­tan in neuen Bah­nen flie­ßen, die sich stimmig, friedl­ich und lie­bev­oll anfühlen.

Herzliche Grüße
Dittmar


Hallo Dittmar,

herz­­li­chen Dank für die auf­schluss­rei­chen Im­pul­se. Wenn Du für Deine in­ves­tier­te Zeit einen fi­nan­ziel­len Aus­gleich möch­test, lass mich bitte Dein­e Kon­to­nu­mmer wissen.

Zum Thema “ener­ge­ti­scher Tod und über­per­sön­liche Energie-Muster” kann ich gut nach­voll­zie­hen, was Du meinst.

Mit dem Unter­be­wusst­sein meine ich das, was Eckhart Tolle den Schmerz­kör­per nennt. Das, was mich ent­we­der zur Täterin oder zum Opfer macht, was sich manch­mal wie ein Dämon an­fühlt und manch­mal wie ein quen­ge­li­ges Klein­kind. Ent­spre­chende Pro­jek­ti­onen ge­hören für mich eben­falls zum Be­griff Unter­be­wusst­sein. Die Aus­ein­an­der­set­zung mit neu­eren Erkennt­nis­sen aus der Trauma­for­schung hin­sicht­lich mei­ner eige­nen trau­ma­tis­chen Ener­gien ist mei­ne per­sön­li­che psy­cho­lo­gi­sche Ebene die­ses Phä­no­mens Schmerz­körper.

Konkreter aus­ge­drückt erlebe ich z.B. in Be­geg­nun­gen oft­mals eine feind­se­li­ge Hal­tung in mir, ob­wohl ich ei­gent­lich freund­lich sein möch­te, und habe dann kei­nen Ein­fluss auf mein Ver­hal­ten. Oder wenn ich Angst habe im Um­gang mit Men­­schen, be­kom­me ich ein ganz stren­ges Ge­sicht – ein Phä­no­men, wel­ches ich als sog. “Täter­intro­jekt” inzwi­schen durch­aus ein­zu­ordn­en weiß.

Wenn ich mir aller­dings das be­din­gungs­lo­se Eins­sein aller Men­schen mit dem ein­zig Einen be­wusst mache und mich in die­sem Be­wusst­sein mit­tels ent­spre­chen­der Affir­ma­tio­nen ver­an­ke­re, er­le­be ich durch­aus Lie­be im Sin­ne von Eins­sein, sowie Frie­den und Angst­frei­heit im Um­gang mit Menschen. Das ist aber noch nichts Selbst­ver­ständ­li­ches in mir, die al­ten sozial­pho­bi­schen Mus­ter über­la­gern oft­mals noch das, was ich als “meine” sog. wah­re Na­tur durch­aus be­reits er­fah­ren habe.

Verstehe ich Dich rich­tig, dass es für die voll­stän­di­ge Rea­li­sie­rung die­ses All-Eins-Seins nichts zu tun und nichts zu las­sen gibt? Momen­tan ten­diere ich aller­dings da­zu, mich mit den oben erwähn­ten Affir­ma­tio­nen wei­ter darin zu üben, DAS zu rea­li­sie­ren, was ich bereits BIN.

Danke für alles und herzliche Grüße


Ich danke dir eben­falls für die interessan­ten Fra­gen … und für das Aus­gleichs-Angebot! Ich freue mich, dir zu ant­wor­ten, es braucht kei­nen wei­te­ren Aus­gleich.

Danke auch für deine (und Eckhart Tolles) Defi­ni­tion von “Unter­be­wusst­sein” bzw. “Schmerz­kör­per”! Die Vor­stel­lung, die durch diese Be­grif­fe sug­ge­riert wird, ist: Da gibt es etwas Nega­ti­ves, das am bes­ten ge­löscht wer­den soll­te. Ohne Schmerz­kör­per, ohne Dä­mon, ohne quen­geliges Kind wären wir besser dran.

In solchen Kon­zep­ten (oder auch “Teil­per­sön­lich­kei­ten”, “Schat­ten” usw.) wird als Wesen be­schrie­ben, was nur ein Mecha­nis­mus ist. Eine ge­lern­te Rea­kt­ion, die in der Si­tu­a­tion, in der sie ge­lernt wur­de, als bes­te oder ein­zi­ge Mög­lich­keit er­schien, und im Licht aktu­el­ler Er­fah­run­gen nicht mehr passt, weil an­d­ere Mög­lich­kei­­ten er­kannt wur­den. Die­sel­ben ge­lern­ten Tanz­schritte, ob­wohl längst ganz andere Musik spielt.

So gesehen ist ein “Täter­intro­jekt” Modell-Lernen, das Ler­nen von Vor­bil­dern. Zum Bei­spiel: Be­stra­fung als Mit­tel, un­er­wünsch­tes Ver­hal­ten ab­zu­stel­len. Et­was, an das “eigent­lich” gar nicht ge­glaubt wird, das aber wei­ter läuft, so­lan­ge es nicht über­prüft und / oder aktu­alisiert wird.

Ich habe noch einen Begriff, den ich statt “Unbewuss­tes / Unter­be­wusst­sein” ver­wenden würde: Impli­zites Wis­sen. Das Wis­sen, das voraus­ge­setzt wird, ohne dass darü­ber re­flek­tiert wer­den muss. Zum Bei­spiel das Wis­sen, wo du gerade bist. Ein an­de­res Bei­spiel: Mir ist nicht be­wusst, wel­che Tas­ten auf der Tas­ta­tur links und rechts vom “P” lie­gen; trotz­dem gibt es das imp­li­zi­te Wis­sen darü­ber, so dass ich diese Tas­ten “blind” benut­zen kann, wenn ich sie brauche.
Und dieses “im­pli­z­ite Wis­sen” kann ve­ral­ten durch neue Ge­ge­ben­hei­ten, zum Bei­spiel wenn ich ei­ne eng­li­sche Tas­ta­tur be­nutze: Dann ist rechts ne­ben dem “P” ein an­de­res Zei­chen (das ich jetzt auch nicht weiß, aber bei Be­darf ver­wenden könnte).

Wenn das Ver­hal­tens- oder Auf­mer­ksam­keits­muster, das ab­ge­ru­fen wird, dys­funk­tio­nal ist (schmer­zhaft, gewalt­tä­tig o.ä.), dann ist ein Up­date sinn­voll, eine Inte­gra­tion des Auto­ma­tis­mus ins aktu­elle Erleben.

Das kann, wie du schreibst, durch eine Af­fir­ma­tion ge­sche­hen, eine Be­kräf­ti­gung des­sen, was du in­zwi­schen weißt /er­kannt hast. Diese Af­fir­ma­tion oder Er­in­ne­rung kann zu einer neuen Aus­rich­tung der Auf­merk­sam­keit füh­ren und da­mit zu einem ak­tua­li­sier­ten Den­ken, Er­le­ben, Füh­len, Ver­hal­ten. (Affir­ma­tio­nen kön­nen aller­dings auch ein Ver­such sein, das mome­ntane Er­leben zu leug­nen und sich davon abzuwenden.)

Die Aktua­li­sie­rung (das Up­date) kann da­rin be­ste­hen, zu über­prü­fen, was im al­ten Pro­gramm voraus­ge­setzt war, zum Bei­spiel: Bin ich in einer feind­li­chen Um­ge­bung? Gibt es et­was zu ver­tei­di­gen oder auf­recht zu er­hal­ten? Wel­che Be­din­gun­gen werden vom Mus­ter ge­stellt? Bei die­ser Über­prü­fung kann NLP helfen, oder auch “The Work” nach Byron Katie.

Das Update kann auch sein, mit neuen Au­gen zu schauen und sich dem ak­tu­el­len Er­le­ben mit For­scher­geist zu­zu­we­nden: Was er­leb­e ich jetzt? Wel­cher Ge­dan­ke ist ge­ra­de im Spiel? Ist er ein Bild, eine Stim­me, beides? Wie rea­giert der Kör­per darauf? Was ist da sonst noch? … Ohne Ver­bot, das zu er­leben, und ohne den Ver­such, die­je­ni­gen zu be­stra­fen, die die­se Ge­füh­le schein­bar aus­ge­löst ha­ben. Die­se offe­ne, freund­li­che Auf­merk­sam­keit für das ak­tu­elle Er­le­ben ist schon das Update, die Ak­tu­ali­sierung – und erfüllt den Wunsch nach lie­be­voller Zuwendung.

“Ver­ste­he ich Dich rich­tig, dass es für die voll­stän­di­ge Rea­li­sie­rung die­ses All-Eins-Seins nichts zu tun und nichts zu lassen gibt?”

Das All-Eins-Sein umfasst al­les (wie der Be­griff schon sagt) und schließt nichts vom Er­le­ben aus. Auch z.B. das Gefühl, ge­trennt oder über­for­dert zu sein, darf im Er­le­ben auf­tau­chen. Ler­nen ge­schieht, wenn die­ses Gefühl nicht isol­iert erlebt wird, son­dern im Zusammen­hang mit den Bedin­gun­gen, die ans Erle­ben gestellt wer­den (wie es sich anfüh­len soll, wie andere mir begeg­nen sol­len …), als wären die Bedin­gun­gen wich­ti­ger und das Eins­sein gerade nicht “Thema”.

Der Organis­mus ist an­ge­zogen vom Er­le­ben des Eins­seins, von Liebe. Er kann sich daran orien­ti­eren; Auf­merk­sam­keit und Ver­hal­ten kön­nen sich auf die Ge­gen­wart der Lie­be aus­rich­ten, statt nur mecha­nisch und re­fle­xhaft zu re­agie­ren. Er erlebt die Wei­te, die darin liegt, und lernt. Oder er lernt: “So fühlt es sich an, die­sen Gedan­ken und Bedin­gun­gen zu glau­ben” – und lernt aus dem Kon­trast zwi­schen Enge und Weite.

Das ist übri­gens ein Punkt, mit dem viele nicht ein­ver­stan­den sind: In Advaita-Kreisen hat “Ler­nen” einen schlech­ten Ruf; das Wort klingt nach Ar­beit und kann die Vor­stel­lung mit sich brin­gen, noch nicht “am Ziel” zu sein, noch etwas er­rei­chen zu müs­sen. Und es er­weckt viel­leicht die Vor­stel­lung einer Zu­kunft, für die ge­lernt wird.

Ich spreche aber vom Ler­nen für “Jetzt”. Das Leben ist ler­nen­de Intel­li­genz, ganz ohne Zu­tun. Er­leben ist Ler­nen, so wie ein Musi­ker lernt, wenn er ein­fach nur spielt … und dabei zuhört.

Dieses Ler­nen ge­schieht von selbst: ein Ler­nen aus Liebe zur Musik, zum momen­tanen Er­le­ben. Lernen aus Liebe.


Hallo Dittmar,

vielen, vielen Dank für die er­hel­len­den Er­läu­te­run­gen. Die Gros­chen fallen – manchmal nur cent­weise, manch­mal auch schlag­ar­tig.
 
Was das von Dir be­schrie­be­ne Up­date an­geht, fühle ich mich weni­ger zu Byron Katie und all­ge­mei­nem NLP hin­ge­z­ogen als zu Dei­nen Alter­na­tiv­vor­schlä­gen und zu der sog. Core-Transfor­ma­tion, die ich vor eini­ger Zeit schon mal an­ge­spro­chen hatte.
 

Ich wer­de dei­ne Mail wie­der­holt im Hin­ter­kopf be­we­gen und dran­blei­ben an der Er­for­schung der Ich-Illusion …

 

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Erleben ohne Instanz?

Lieber Dittmar,

so oft höre ich davon, dass es ein deut­li­ches Erken­nen geben kann, dass es keine Ins­tanz gibt (noch jemals gab), wel­che diese Erfah­rung macht – also dass es nie­man­den gibt, der über­haupt irgend­eine Erfah­rung machen könnte! Ich kann das nicht ver­ste­hen. Irgend­wie scheint’s da ein “Ken­nen” zu geben. Aber etwas wird erkannt ohne einen Erken­nen­den? Wird nichts erkannt? Ist es auch ein Spiel mit Worten?

Heißt “sich etwas bewusst” zu wer­den, sich jen­seits des Klangs eines Wor­tes, des­sen Bedeu­tung bewusst zu wer­den? Bedeu­tung ent­steht doch nur im Zusam­men­hang mit einer Geschichte, zu der ich dann letzt­end­lich einen Bezug habe. Also das Wort “Afrika” ist eigent­lich nur ein Klang, wie etwa das Säu­seln des Win­des unter der Tür hin­durch. Aber im Zusam­men­hang mit den Wörtern “Wüste, Schwarz, Armut, Lebens­freude, Tropen, Steppe, Ele­fan­ten, Löwen, Zebras, Krieg…” entste­hen Bil­der im Kopf, die sich zu einer Geschichte zusam­men­fas­sen las­sen, oder einer Geschichte ent­stammen.

Damit ver­bun­den sind Bewer­tun­gen und Gefühle, die dann einen Bezug zu mir her­zu­stel­len schei­nen oder sogar über­haupt erst ein Ich “erschaf­fen”.
In dem Augen­blick ent­steht irgend­wie ein Gefühl der “Ich bin hier – Afrika ist da”-Trennung, die durch den Bezug zu Afrika gleich­zei­tig ent­steht und über­brückt wer­den soll. Mir schwirrt der Kopf, ich kann mir ein­fach nicht vor­stel­len, wie das alles auf­taucht, ohne einen Bezug zu einer Instanz in mir. Und gleich­zei­tig ist da nichts Greif­ba­res außer Abstrak­tio­nen, die im Grunde nur ein Klang sind wie “[sein Name]”, der auch immer nur im Zusam­men­hang mit ande­ren Wor­ten, also Gedan­ken und Gefüh­len einen Sinn, eine Bedeu­tung erschafft. Ein Ich, das nur “vir­tu­ell” exis­tiert und genau des­we­gen nicht begrif­fen wer­den kann, so wie “Feuer” als Wort nicht heiß ist …


Lieber …,

ich kann’s auch nicht erklä­ren, weil es nicht zu ver­ste­hen ist.
Es ist eben kein Spiel mit Wor­ten, weil Worte es ein­fach nicht erfas­sen kön­nen. In ihnen ist ja immer eine Sub­jekt-Objekt-Struktur vor­ge­ge­ben; im Erleben nicht. Nur wenn der Ver­stand das Erleben mit Wor­ten erfas­sen will, dann schei­tert er. Aber das, wofür du dich – nicht nur in Gedan­ken, sondern im Gefühl – gehal­ten hast, kann weg­fal­len. Das, was das Erle­ben für sich bean­sprucht und auf sich bezieht, kann weg­fallen.

Ja, ein Wort wie “Afrika” löst Asso­zi­atio­nen aus, Erin­ner­un­gen und Fan­ta­sien, die ein schil­lern­des Gesamt­bild ent­ste­hen las­sen. Das ist der­selbe Mecha­ni­smus, der ein “Ich” real erschei­nen lässt. Der­selbe Mecha­ni­smus, der auch “Atlan­tis” oder “Blut­ehre” real erschei­nen las­sen kann, ohne dass irgend­eine Rea­li­tät dahin­ter ste­cken muss.

Das Ich ist nicht wirk­lich “jemand” und auch kein “Es”, son­dern eine Gewohn­heit: Gedan­ken und Gefühle, die sich auf andere Gedan­ken und Gefühle bezie­hen und dadurch ein soli­des Etwas, eine Art Sub­stanz, ein Wesen zu bil­den scheinen.
Was ist da ohne Worte, ohne Gedan­ken? Stille Unfass­bar­keit, die in keiner Weise umgrenzt ist. In der alle Erschei­nun­gen Aus­druck des­sel­ben sind. In der alles Ich ist, alles Du ist, alles Es ist … – in der diese Begriffe nicht greifen.

Also wie gesagt: Ich kann’s auch nicht erklä­ren. Es ist frus­trie­rend fürs Den­ken und ganz wun­der­voll fürs Herz.

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Frei

Nondualität | Gedichte: Frei
Last von den Schultern
Und die Welt wird Schwingen
Stein vom Herzen
Und das Herz springt auf und die Welt ist darin
Boden unter den Füßen
Trägt und lebt und die Füße
Entpuppen sich trägerlos
Als pures Leben
Inmitten der Lebendigkeit

alle Gedichte

Gedankenfallen glauben

Lieber Dittmar,

erschreckend, in welchen Gedan­ken­fallen man sich immer wie­der ver­fängt! Hört diese Geis­ter­bahn jemals auf? Und ist dann da endlich “die uner­träg­li­che Leich­tig­keit des Seins”? Es wäre ja schon schön, das Leben nur zu erfah­ren und nicht daran zu leiden.


Liebe …,

“Hört diese Geisterbahn jemals auf?” – Ja, immer wieder.
Die Falle bei Gedan­ken besteht mei­ner Erfah­rung nach darin, ihnen zu glau­ben. Sie ver­spre­chen Glück durch Pla­nung und Refle­xion (Zukunft, Ver­gan­gen­heit) – oder wenigs­tens, Unglück fern zu halten.
Das funktioniert bei mir über­haupt nicht; Glück ist nur in der Gegen­wart erfahr­bar, in der Ent­thro­nung von Gedan­ken.

Das ist uner­träg­lich leicht, nicht durchs Weg­schie­ben von Gedanken, son­dern durch Inte­resse an der Gegen­wart. Und auch durch das Anschauen von Gedan­ken, die gerade auf­tau­chen: Was behaup­ten sie? Was ist in ihnen voraus­gesetzt?

Zum Beispiel kann ich nur alt, häss­lich, arm, krank usw. sein, wenn ich ein Kör­per bin. Die Frage dabei ist: Bin ich ein Körper?
Wenn die Ant­wort darauf nicht nur aus Gedan­ken-Reflexen kommt (“Nein, natür­lich nicht! Aber …”), dann ver­liert der Gedanke viel­leicht seine Glaub­haf­tig­keit und damit seine Wir­kung auf die Emotionen.

So gesehen bein­haltet ein quäl­en­der Gedanke immer eine inte­res­sante Frage: eine Gele­gen­heit, die quä­lende Über­zeu­gung in klarem Licht zu sehen. In diesem Licht kann sie sich nicht halten.

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In voller Blüte

Nondualität | 1als2 | Gedichte: In voller Blüte
So ein Wunder
so verliebt
die Eine
zahllose Blüte
in Allem
fraglos die Antwort!

Kein Wunder
dass du sie haben willst
für den Fall
dass du wieder gestellt wirst
auf dich
und ein Wunder brauchst!

Im Pflücken wird zum Gegenstand
was eben noch blühte
doch auch die Hand blüht
und der Pflücker ist Nichts
als ein Greif-Reflex
in voller Blüte.

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Muschel-Strand

Nondualität Gedichte: Muschel-Strand

Du bist am Strand
endlose Weite

endlose Weite
endlose Weite
und eine Muschel

Du nimmst sie vom Strand
und sie Deinen Blick

kleine Muschel
gezackter Rand
endlose Weite

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Topfschlagen und der Kuss

Hi Dittmar, ich hab ein Inter­view mit dir gese­hen, das hat mich berührt.
Kann ich dich was fragen? Wenn es kein Ich gibt, wer ist es dann, der ent­schei­det, ob ich den Apfel esse oder den Burger?


Zum Thema “Apfel oder Burger”: Im Ent­schei­dungs­pro­zess spie­len Vor­lie­ben des Orga­ni­smus eine Rolle, Erin­ne­run­gen daran, wie gut der letzte Bur­ger oder Apfel geschmeckt hat, Gedan­ken über Geld, Ver­füg­bar­keit (“wo ist der näch­ste …”), Öko­lo­gie und Moral (Vega­ner), viel­leicht der Wunsch abzu­neh­men oder sich gesün­der zu ernäh­ren … und so wei­ter. Also ein Gedanke taucht auf an einen Apfel oder einen Bur­ger und bringt ent­spre­chende Gefühle mit sich. Das “über­zeu­gend­ste” = inten­siv­ste Gefühl setzt sich wahr­schein­lich durch. Die­ser Ent­schei­dungs­pro­zess ent­schei­det, egal ob er bewusst oder unbe­wusst abläuft.

Soweit meine Beschre­ibung, in der kein Ent­schei­der vor­kommt. Erlebst du es anders oder wür­dest du es anders beschreiben?


Ich erlebe es schon stark so, dass es einen Ent­scheider in allen Situ­a­tio­nen gibt. Ich habe schon das Gefühl, das ich z.B. aus­ge­sucht habe, was ich stu­diere und nicht, dass es ein­fach von selbst pas­siert ist. Aber das scheint ja der Trug­schluss zu sein. Ich muss auch etwas auf­passen, dass ich nicht ein­fach glaube, dass es so ist und es über mein Erle­ben drüber lege. Das mit dem Fokus fand ich auch inte­res­sant, was du erwähn­test, z.B. wenn ich bewusst in den gan­zen Kör­per fühle, so wie Eckhart Tolle das emp­fiehlt … Wer ent­schei­det sich dann, den Kör­per jetzt wahr­zu­neh­men? Auch Erin­n­erun­gen? Der Wunsch, eine Übung zu machen? Wann rutscht der Fokus ins Unend­liche und wann aufs Spezielle?

Ich hatte nach dei­nem Video neu­lich echt erst­mals das Gefühl, dass es in mir ruhig gewor­den ist. Erst­ma­lig. Ever. Aber das setzt dann wie­der ganz neue Neu­r­osen in Gang. Teils große Ängste, teils kämpft dann meine Gedan­ken­welt mit dem Jetzt, im Sinne von: Bin ich noch im Jetzt, wenn ich denke? Zer­stört der Gedanke gerade das Jetzt? … so feine Nuan­cen, die mich ganz kirre machen können.


Wie erlebst du denn diesen Ent­schei­der? Woran merkst du, dass er da ist? Du schreibst: “Ich habe schon das Gefühl, dass ich z.B. aus­ge­sucht habe …” – Wie fühlt sich das an? Und du schreibst: “Ich hatte nach dei­nem Video neu­lich echt erst­mals das Gefühl, dass es in mir ruhig gewor­den ist.” Die Ruhe, die du da gefühlt hast ist das die Abwe­sen­heit vom Entscheider-Ich, ist also das Entscheider-Ich nur eine Unruhe, die sich aufs Leben und auf die Ent­schei­dungs­prozesse drauflegt?

Für mich war das Wegfallen der Ich-Illusion, als wären die Sinnes­ein­drücke, Gedan­ken usw. von einem Kleis­ter zusam­men­ge­hal­ten, der sich plötz­lich als nicht exis­tent erwies­en hat, und die Sin­nes­ein­drücke, Gedanken usw. wurden dann als frei schwebend erlebt. Es gibt keine Instanz, die sie zusa­mmen­ge­hal­ten hat, und das war auch nie nötig. Das nur als Bei­spiel. Denn wie du schreibst, geht es nicht darum, ein­fach zu glauben, dass es so ist, und das übers Erle­ben drüber zu legen – weder das Ich noch den Glau­ben an die Ich­losig­keit. Son­dern zu erle­ben, was du wirk­lich jetzt gerade erlebst. Also: Wie und wo fühlst du das, was du “Ich” nennst, und wie unter­schei­det sich die­ses Gefühl von ande­ren Gefüh­len wie z.B. Anspan­nung oder Angst oder Auf­re­gung? Oder ist das “Ich” etwas, das in den Gedan­ken vor­kommt, und der Kör­per rea­giert darauf mit Anspan­nung, einer bestimm­ten Hal­tung, einer Ein­stel­lung dem Leben “gegenüber”?

Zum Thema “Zer­stört der Gedanke gerade das Jetzt?”: Wann immer du schaust, ist Jetzt da, oder? Ob mit Gedan­ken oder ohne. Nur die Auf­merk­sam­keit kann durch Fan­ta­sien und Erin­ne­run­gen von die­ser Tat­sache abge­lenkt wer­den. Aber diese Fan­ta­sien und Erin­ne­run­gen sind etwas, das im Jetzt auf­taucht, ein Aspekt des Jetzt zusam­men mit allen momen­ta­nen Sin­nes­ein­drücken. Hier eine Emp­feh­lung: Stell die Frage: “Was ist Jetzt?” und schau. Alles, was da ist, ist Jetzt. Jetzt tau­chen Gedan­ken auf, Gefühle, Geräu­sche, Far­ben … und ist da ein Ich oder “nur” eine Offen­heit, in der sich alles zeigt?


Hi Dittmar, danke für deine Worte! Na ja, es fühlt sich für mich ganz kon­kret so an, als wäre ich es, der z.B. die Luft anhält. Oder wenn ich mei­nen Kör­per als Gan­zes spüre, gebe ich den Impuls dazu. Wer macht das? Die Ruhe, die ich fühlte, war wie eine Art Ur­grund. Von da aus stie­gen die Gedan­ken auf. Es war nicht mehr so, dass ich ver­suchte, die Gedan­ken zu beob­ach­ten, sondern da war die Stille und dann waren da Gedan­ken, aber das war egal. Leider kann ich das nicht bewusst erzeu­gen und es lässt wie­der nach. Ein Ich, das kon­kret meine Gedan­ken und Gefühle ver­netzt, finde ich auch nicht. Den­noch spüre ich das noch nicht bis ins Mark. Es ist viel­leicht auch eine Art Glaube.


“Luft anhalten” ist ein gutes Thema. Wer ist es, der dann ent­schei­det, doch wie­der zu atmen?
Ja, die Ruhe / Stille ist der Urgrund, aus dem Gedan­ken und alles “andere” auf­steigt. Sie ist nichts, das her­bei­ge­führt werden kann oder muss, sondern ist schon da. Immer jetzt.
Techniken wie Chakren-Arbeit oder Micro­cos­mic Orbit haben mit Her­bei­füh­ren zu tun, die Ener­gie len­ken usw. Das ist etwas ande­res als Schauen, was Jetzt ist. Her­bei­füh­ren / Anschie­ben / Methode usw. kann den Glau­ben ver­stär­ken, dass jemand da ist, der etwas her­bei­füh­ren kann (z.B. Luft­an­hal­te­re­kord), und der dann ver­sagt oder über­for­dert ist und vom Leben über­wäl­tigt wird (z.B. wenn der Atem sich durchsetzt).


Lieber Dittmar, war das bei dir denn eine län­gere Phase oder war das plötz­lich klar mit der Ich­losig­keit? Also die tiefe Über­zeu­gung der Ic­h­losigkeit?
Ich nehme mitt­ler­weile sehr gut wahr, dass da kein Kle­ber ist … nur Gedan­ken, Gefühle und hin und wie­der Stille. Wenn ich frage: “Was ist jetzt?”, dann ist da für eine Weile Stille und dann Atmen. Aber dass ich 100% über­zeugt bin und es bis in die Tiefe fühle oder da pures Glück ist oder so … das ist da nicht.

Ist diese Ich­losig­keit eigent­lich das, was Buddha Befrei­ung nannte, oder geht’s “danach” noch wei­ter? Ich erin­nere mich daran, dass die Tao­isten sagen, dass mit der Gedan­ken­stille das Myste­rium gerade mal anfängt. 


Wg. Entscheiden, Luftanhalten usw.: Das lässt sich immer beschrei­ben als Impuls, der umge­setzt wird. Als Idee / Infor­ma­tion, die ver­wirk­licht wird. Wenn du meinst, dass du da als Ent­schei­der dazwi­schen­ge­schal­tet bist, dann ist das doch prima! Dann geht es doch “nur” noch darum, gute Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. (Aller­dings könnte als Neben­wir­kung das – latente oder deutliche – Gefühl von Über­for­de­rung auf­kom­men.) Dann kannst du ent­schei­den, die Auf­merk­sam­keit auf die gegen­wär­ti­gen Kör­per­emp­fin­dun­gen zu len­ken. (Ent­schei­dest du dann auch, dich wie­der davon abzu­lenken?)
Solltest du nicht der Entschei­der sein, dann ist das ein Lern­pro­zess, wo die Auf­merk­sam­keit sich immer wieder den Kör­per­emp­fin­dun­gen zuwen­det (aus­ge­löst z.B. durch eine Erin­ne­rung) und der Orga­nis­mus sich dabei ent­spannt, was den Pro­zess bekräf­tigt und “posi­tiv verstärkt”.

Zu “Wie war’s bei dir?”: Ich bin ja kein Vor­bild, son­dern das ist jetzt nur eine von vie­len mög­li­chen Beschrei­bun­gen; also so war’s bei mir: Ich habe sehr inten­sive, unglaub­lich beglü­ckende Erleb­nisse gehabt, die sich wie Auf­wachen anf­ühl­ten und es auch waren. Wenn die Ekstase abklang, schien mir, als hätte ich etwas falsch gemacht und wäre des­halb wieder aus dem Para­dies gefal­len. Ich kannte keine Beschrei­bung von Ich­losig­keit und habe das Auf­wa­chen mit einem Zustand gleich­gesetzt.
Das Verstehen von Ich­losig­keit als Wirk­lich­keit, in der Zustände kom­men und gehen, kam erst spä­ter. Auch mit gro­ßer Freude, aber irgend­wie unauf­ge­regter, dafür als dauer­hafte Klarheit.
Wenn ich das verall­ge­meinern soll, dann sage ich: Ohne pures Glück würde ich mich nicht zufrie­den geben. Gleich­zei­tig ist das Anne­hmen der Gegen­wart pures Glück.

Das Mysterium endet nicht, so wie eine Liebes­bezie­hung erst anfängt, wenn du die Liebste ken­nen lernst. Aber wenn du sie “fin­dest”, dann ist das ein­deu­tig und abso­lut klar und zweifellos.


Ich habe jahre­lang meine Auf­merk­sam­keit auf bestimmte Kör­per­teile gelenkt, im Qigong oder als Erdungs­übun­gen, ins Hara oder ins dritte Auge, oder Body­scan … Außer einem guten Kör­per­ge­fühl hat das nicht viel bewirkt. Letzt­lich scheint sich aber eine Art stil­ler Raum in mir geöff­net zu haben seit deinem Video und einem Buch, was ich gerade lese. Wür­dest du empfeh­len, bewusst immer wie­der in diesen stil­len Raum ein­zu­tau­chen und die Gedan­ken, die noch kom­men, zie­hen zu lassen? 


Ja, das Eintauchen in die Stille würde ich sehr emp­fehlen. Ich glaube, dass Andacht heil­sam ist.


Wenn ich den Advaita-Gedan­ken betrachte, werde ich immer etwas abso­lu­tis­tisch … Also im Prin­zip ist ja die Idee, sich so anzu­neh­men wie man ist. Wenn ich jetzt meine Schmer­zen nicht so akzep­tiere wie sie sind und sie weg mas­siere oder Übun­gen dage­gen mache, nehme ich sie nicht mehr wirk­lich an, oder?

Zu diesem “in Stille eintauchen” … Sind in deiner Stille auch Gedan­ken und was machst du dann, wenn die auf­tau­chen? Ich habe sehr oft auch fast schon zwang­haf­tes Den­ken, wo ich nicht ein­fach so raus­komme. Und seit ich jetzt immer mal so Stille habe, weiß ich nicht so recht, wie ich da eigent­lich hin­komme. Sie ist manch­mal ein­fach da, aber in der Regel eher nicht. Und wenn Gedan­ken wirk­lich keine Ich-Grund­lage haben und von selbst kommen, kann man ja bewusst auch nicht wirk­lich aus­steigen, weil man ja auch nicht bewusst selber denkt …


“Sich annehmen wie man ist”: Wenn du Hun­ger hast, lässt du den Hun­ger, wie er ist, oder tust du etwas für ihn, d.h. erlaubst du dem dahin­ter lie­gen­den Bedürf­nis, sich zu erfül­len, und isst etwas?
Wenn du mit einem wei­nen­den Kind zu tun hast, dann nimmst du es (im Ideal­fall) an, wie es gerade ist, d.h. du ver­suchst nicht, das Wei­nen “abzu­stellen”. Aber du ve­rsuchst, sein Bedürf­nis zu erken­nen und zu erfül­len, weil du willst, dass es dem Kind gut geht. Wenn du das tust, meinst du dann, dass du das Kind nicht akzeptierst?
Klar, die Akzep­tanz ist wich­tig, statt “Solange du so bist, akzep­tiere ich dich nicht.” Aber zur Akzep­tanz gehört auch die Akzep­tanz des Bedürf­nis­ses, des Hil­fe­rufs. Du tust etwas “für”, nicht “gegen”. Akti­v­ität ist Teil des Lebens und nicht schlech­ter oder unna­tür­li­cher als Passivität.

Wg. Stille: Ja, bei mir tau­chen auch immer wie­der Gedan­ken auf. Der Treib­stoff für Gedan­ken ist Inte­resse. Inte­resse ent­schei­det, ob sie sich mal kurz vo­rstel­len / anbie­ten oder ob sie wei­ter­lau­fen, ver­folgt wer­den. Meis­tens erschei­nen mir die Gedan­ken­in­halte nicht so inte­res­sant wie die Gegen­wart, des­halb zie­hen sie recht zügig vorüber.
Das Interesse an Gedan­ken­in­hal­ten besteht darin, was die Gedan­ken ver­spre­chen: dass sie hilf­reich und wich­tig sind. Bei genau­e­rer Betrach­tung sind sie das oft nicht, so jeden­falls meine Erfah­rung. 🙂 Dahinter ist immer die Stille, die sie wahr­nimmt. Nur die Auf­merk­sam­keit wen­det sich manch­mal so sehr den Gedan­ken­in­hal­ten zu, dass die Stille über­hört wird.


Das mit den Gedanken und der Stille hilft “mir”. Danke! Das ist ein guter Umgang, den ich mal beob­ach­ten muss. Ich fühle diese Stille im Hin­ter­grund auch, nur wird sie extrem durch Gedan­ken­lärm über­schat­tet und es macht mich pha­sen­weise fast ver­rückt, weil ich da wie­der hin will – aber das so nicht funktioniert.
Ich muss mich teil­wei­se förm­lich zwin­gen auf­zu­hö­ren zu den­ken, weil es echt schwer ist, da raus zu kom­men, und ich finde den Inhalt nicht wirk­lich span­nend. Auch beob­achte ich oft, dass meine Atmung zwang­haft wird, weil im Atem­an­ha­lten mehr Stille ist als beim regel­mä­ßi­gen Atmen. Also der Tun-Aspekt scheint da noch groß mit rein­zu­spielen.

Glaubst du eigent­lich, dass man durch diese Advaita-Art zu leben nicht auch sehr lethar­gisch werden kann? Ich habe das frü­her, als ich mich erst­mals damit befasst habe, an mir gemerkt, dass mir alles egal gewor­den ist, weil man ja “eh nix tun kann”…


Ob Advaita lethargisch macht? “Ich würde das gerne beant­wor­ten, aber da ist niemand, der ant­wor­ten könnte.” 😄

Oft wird in der (Neo-)Advaita-Theorie die Illu­sion, dass da jemand ist, der etwas tun kann, ersetzt durch die Illu­sion, dass da jemand ist, der nichts tun kann. Die Erkennt­nis ist aber, dass dieser Jemand schon immer nur in Gedan­ken exis­tiert hat und die Gedan­ken ihm die Ent­schei­der- und Macher-Rolle zuge­schrie­ben haben.
In Wirklichkeit ist es der Gesamt­pro­zess des Lebens, in dem Ent­schei­dun­gen fallen und Dinge getan werden; das war schon immer so.


Diese letztliche Erkenntnis, dass das Ich echt nicht exis­tiert, kommt die durch wiede­rholte Erfah­rung, dass da nur Gedan­ken und Wahr­neh­mun­gen sind, oder wodurch hat die sich so gefes­tigt bei “dir”?


Die Erkenntnis hat zu tun mit Sehn­sucht, Heim­weh, Liebe, mit Ver­trauen und mit Los­la­ssen von allem: allen Plä­nen, Kon­zep­ten, Bedin­gu­ngen, Erwar­tun­gen … Wie das geht oder wie das kommt, weiß ich auch nicht. Sehen, dass alles Bis­he­rige nicht funk­tio­niert hat, hilft, glaube ich. Aber ich habe kein Rezept dafür.

Da ist etwas, das ruft und gehört wird, wenn die “eige­nen” Vor­stel­lun­gen nicht höher geach­tet werden als der Ruf. Wenn das Ver­trauen nicht mehr dem Den­ken, son­dern dem Moment gilt.

Ich würde es auch nicht “gefes­tigte” Erkennt­nis nen­nen, son­dern das Lösen von allen fes­ten Vor­stel­lun­gen. Es klingt nur dann wie eine Phi­lo­so­phie, wenn es in Worte gefasst wird. Aber es kann nicht her­bei gedacht wer­den. Das Den­ken kann viel­leicht biss­chen vor­be­rei­ten, aber ab da ist es nur eine Ablenkung.


Und in deinen Gedan­ken, die auf­tau­chen, ist da noch das Wort „Ich“ dabei? Wenn da immer wie­der Gedan­ken auf­tau­chen mit dem “ich” drin und es jedes Mal kein Ich gibt, ist das ja eine Art Kon­flikt in Gedanken …


Nein, da ist kein Konflikt. Wenn ich schreibe “Ich schreibe dir” ist da auch kein Kon­flikt, sondern es ist nur wie alle Beschrei­bun­gen unzu­rei­chend. Genauso ist es auch bei Gedan­ken: Gemeint ist der Orga­nis­mus, durch den (oder als der) es geschieht, Schrei­ben und Den­ken und Lesen … “Ich” ist halt eine Redensart.


Also könnte man zusammen­fas­send sagen, dass du “nur” das Gewahr­sein hin­ter allem bist, und das ständig? …

Ich hatte neu­lich für Momente ein tie­fe­res Gefühl davon, was Ich­losig­keit bedeu­tet, und dass das Ich nir­gends hin kann, wo es nicht schon ist. Also dass in dem Moment, wo ich Stille will, eigent­lich nie­mand da ist, der Stille will, son­dern nur der Gedanke, mit dem man iden­ti­fi­ziert ist, als könnte man in die Stille gehen. Dann war ich irgend­wie vor den Gedanken.
Allerdings: Immer wenn jetzt das Wort „Ich“ in meinen Gedan­ken auf­taucht, bin ich schnell wie­der in der Identi­fi­kation drin …


Ja, das stille Gewahrsein hinter und in allem und als alles. Das Gewahr­sein, das du bist, kann sehen, wie Iden­ti­fi­kat­ion geschieht: Ein Gedanke, durch den die Welt gefärbt wird und das Wun­der der Gegen­wart verblasst.


Also für mein Ich fühlt sich der ganze Pro­zess pha­sen­weise sehr ver­stö­rend an, so ohne Beglei­tung … und ich frag mich manch­mal, was eigent­lich grad abgeht, ob da über­haupt etwas geschieht, ob das alles so rich­tig läuft oder ich mich in irgend­was verrenne.

Im Prinzip hab ich im Moment das Gefühl, vor mei­nen Gedan­ken zu sein. Jeder Gedanke wird erkannt und auch Ich-Gedan­ken wer­den als Gedan­ken erkannt. Pha­sen­weise habe ich aber auch Gedan­ken­rasen, was sich dann oft echt unan­ge­nehm anfühlt. Aber die Rea­li­tät erscheint durch den gan­zen Pro­zess kom­plett ver­än­dert, ein wenig wie auf Drogen; die Wahr­neh­mung von Din­gen ist so inten­siv! Die Bewusst­heit von bestimm­ten Din­gen wie Atmung bricht kaum noch ab.
Aber im Grunde feh­len ein wenig die Weg­wei­ser, was eigent­lich getan wer­den sollte und was nicht. Also z.B. sollte man im All­tag ver­su­chen, in der Gedan­ken­stille zu ver­wei­len? Oder ist Stille auch nicht bes­ser als Gedan­ken? Ist die Stille schon das Ziel? Oder ist die­ses “vor den Gedan­ken sein” oder diese Wahr­neh­mung von allem das Ziel? Oder ist der Beob­ach­ter auch nur eine Illusion?


Spricht etwas dagegen, dir Beglei­tung zu suchen?

Eine Schwierigkeit mit dem “Sollte man …?” und dem “Ist X bes­ser?” und dem “Was ist das Ziel?” ist: Du fragst jeman­den und bekommst eine Ant­wort. Dann fragst du jemand ande­ren und bekommst eine andere Ant­wort, und dann bist du so schlau wie vor­her, weil alle Ant­wor­ten für dich wieder nur Gedan­ken und Meinun­gen sind.
Deshalb empfehle ich dir, statt “Exper­ten” dein Erleben als Refe­renz zu benut­zen. Und zum Bei­spiel zu untersuchen:

* Ist Stille besser als Gedan­ken? Wenn ja, was ist bes­ser daran?

* Wenn die Aufmerksamkeit die Erlaub­nis hat, hin­zu­ge­hen wo immer sie hin­ge­hen mag, wo mag sie dann hin?

* Was ist, wenn es gar nichts gibt, was getan werden “sollte”, und alles, was getan werden sollte, sich nur in der Illu­sion abspielt?

* Was, wenn das Gefühl von “Es fehlt etwas” oder “Es ist etwas zu viel” nur die Folge von die­sem “Sollte”-Gedanken ist? Wie ist das Erle­ben, wenn es nicht durch ein “Sollte” beur­teilt wird?

* Was würdest du tun, wenn dein Ziel wäre, zu Gott zu kommen?


Naja, prinzipiell spricht nix gegen eine Beglei­tung, außer die Schwie­rig­keit, eine zu fin­den. Hier vor der Haus­tür gibt’s nie­man­den. Ansons­ten hab ich bis­her nur die übli­chen Neo Advaita Sat­sang Events aus­fin­dig machen kön­nen, die mich nicht beso­nders anzie­hen. Das ganze ist also nicht so ein­fach. Wie hast du das denn gemacht?

Das mit dem selber Unter­su­chen ist natür­lich der bes­sere Weg, jedoch nicht bei allen Fra­gen so ein­fach zielführend.

Um mal Punkt 1 anzu­spr­echen: * “Ist Stille bes­ser als Gedan­ken? Wenn ja, was ist bes­ser daran?” Ich habe jetzt mal eine Woche das Gewahr­sein unter­sucht und prak­tisch den gan­zen Tag Gewahr­sein geübt. Hier­bei wird prak­tisch jeder Gedanke als Gedanke erkannt und jede Empfin­dung oder Gefühl taucht halt auf und wird wahr­ge­nom­men, ohne dass ich mich oft iden­ti­fi­ziere und wie­der in Gedan­ken ver­liere. Trotz­dem sind viele Gedan­ken da.

Bei der Entscheidungs­frage, wel­cher der bei­den “Wege” eher ziel­füh­rend ist, ste­hen eben auf der einen Seite die­ses Gewahr­sein und auf der ande­ren Seite dieses “bewusste in die Stille gehen” zur Debatte. Wenn du also fragst: “Ist Stille bes­ser als Gedan­ken?” – nach meinem nun jahr­zehn­tel­ang plap­pern­den Mind ist die Ant­wort deutl­ich: Ja, Gedan­ken­stille gefällt mir bes­ser. Es ist mir ja in mei­ner Lern­phase neul­ich erst­mals klar gewor­den, dass da eben auch Stille ist, die die­sen gan­zen Pro­zess wie­der ent­facht hat. Es fühlt sich mitt­ler­weile so an, als könnte ich bewusst eine Sekun­den anhal­tende Stille erzeugen, die sich gut anfühlt, die meine Kopf­schme­rzen ver­bes­sert, von der ich aber eben nicht weiß, ob’s das schon ist. Im Prin­zip kul­mi­niert die Frage in diesem Text:

(Ramana Maharshi: ALLE GEDANKEN ZERSTÖREN, ein für alle Mal, aus „Sei, was du bist!“)
Wenn Vernich­tung von Gedan­ken Befrei­ung ist, kann man dann sagen, dass er Erlö­sung erreicht hat? In Manolaya gibt es eine vorüber­ge­hende Absen­kung der Gedan­ken-Wellen, und obwohl diese vorüber­ge­hende Peri­ode sogar für tau­send Jahre andau­ern kann, stei­gen Gedank­en, die dadurch vorüber­ge­hend beruhigt wer­den, auf, sobald die Manolaya auf­hört. Man darf sich nicht durch sol­che Zau­ber von Stille der Gedan­ken einho­len las­sen. In dem Moment, da man sie erfährt, muss man das Bewusst­sein wie­der­be­le­ben und sich fra­gen, wer ist es, der diese Stille erfährt. Wäh­rend man den Gedan­ken nicht gestat­tet zu stö­ren, darf man zur glei­chen Zeit nicht von die­sem tie­fen Schlaf [Yoga Nidra] oder einer Selbst-Hypnose ein­ge­holt wer­den. Obwohl dies ein Zei­chen des Fort­schritts in Rich­tung Ziel ist, ist es aber auch der Punkt, an dem die Abwei­chung zwischen dem Weg zur Befrei­ung und Yoga Nidra erfolgt.
Der ein­f­ache Weg, der direkte Weg, DIE ABKÜRZUNG zur Erlö­sung ist die Erkun­dungs-Methode. Durch eine solche Erkun­dung wirst du die Gedan­ke­nkraft tie­fer steu­ern, bis sie ihre Quelle erreicht hat und darin auf­geht. Dann wirst du die Ant­wort von Innen haben und fest­stel­len, dass du dort ruhst, ALLE GEDAN­KEN ZERS­TÖRST, ein für alle Mal. Man muss also den spi­ri­tu­el­len Fort­schritt genau beob­ach­ten. Sadha­kas [Suchende] ver­ste­hen sel­ten den Unter­schied zwi­schen die­ser vorüber­ge­hen­den Beru­hi­gung des Geis­tes [Manolaya] und dauer­haf­ter Zer­stö­rung von Gedan­ken [Manonasa].

Frage ich in dieser Art von Stille: Wer ist es, der diese Stille empfin­det? … erscheint das auch nur als Satz im Gewahr­sein, mehr pas­siert dann aber nicht. Übe ich die ganze Woche rei­nes Gewahr­sein, eröff­net sich da keine tie­fere Stille oder Frieden.

Im Prinzip frage ich mich halt: Was ist die echte und was ist die fal­sche Stille? Angeb­lich ist die Iden­ti­fi­ka­tion mit dem Gewahr­sein oder dem Beob­ach­ter ja der Urgrund und tiefe Stille. Ich ver­stehe nur nicht, wie sich diese Stille unter­schei­den soll von der Stille, die ich da erfahre. Schein­bar gibt es ja in mei­ner Stille noch eine Art Ich, wel­ches in die Stille geht.

Eine weitere Sache, die mir auf­fällt: Wenn ich in die Stille gehe und lächle, dann erscheint in meinem Feld so etwas wie Frieden (ich habe früher sehr lange diese Medi­ta­tion des inne­ren Lächelns geübt, sodass ich mich hier frage, ob ich dann nicht irgend­was gene­riere, statt das zu fin­den, was wirkl­ich da ist). Ist dies der Frie­den, um den es geht? Wodurch kommt deiner Mei­nung nach der Frieden?


Genau solche Empfeh­lun­gen ande­rer Leute meine ich. Jeder sagt dir etwas ande­res, das du tun oder las­sen sollst, Stille erzeu­gen oder Gedan­ken zer­stö­ren … Für mich jeden­falls wäre der Ramana-Text völ­lig irre­füh­rend gewe­sen. “Man muss, man darf nicht …” All dieses Machen baut auf die Illu­sion des Machers; alle Wege bauen auf die Illus­ion von “woan­ders, später”.

Ich kann nur für mich spre­chen. Aus­schlag­ge­bend für mich war das Auf­ge­ben des Machens, jedes Plans und des Beur­tei­lens von Fort­schrit­ten anhand eines Plans. “Ja, aber wie macht man das, das Machen auf­ge­ben?” Es ist wie ein Koan – außer, wenn man es als Koan “benutzt”. Da ist die Wirk­lich­keit, die dich nimmt, wenn du sie lässt. Sie ist mag­ne­tisch, und sie zieht dich in sich, wenn du nichts machen und nichts sein willst. Sage ich – einer dieser Leute, die so vieles sagen …


Dank dir. Die Fra­gen sind halt nur inso­fern rele­vant, dass dieses In die Stille Gehen zumin­dest erst­mals meine Kopf­schmer­zen echt ver­be­ssert, und das ist schon mal ziem­lich cool. Lei­der kann ich es durch Aus­tes­ten aber nicht so rich­tig ergrün­den oder raus­fin­den, was es genau ist, was ich da eigent­lich tue, wenn ich in die Stille gehe. Daher blei­ben die Fragen irgend­wie relevant.

Was denkst du zu der Thema­tik mit dem inne­ren Lächeln und der Auf­merk­sam­keit? Also gibt es in diesem “Ich bin” denn Kör­per­bewusstsein?
Ich habe früher so viele Körper­spür­übun­gen gemacht, dass mein Kör­per immer sehr präsent ist in meiner Wahr­neh­mung. Wenn ich also meine Auf­merk­sam­keit auf den Bauch lenke, oder in den Bauch, und meinen Atem wahr­nehme, ist das am Ende auch nur ein Gedanke, der fest­ge­hal­ten wird? Ein schein­ba­res, vor­ges­tell­tes Ich, wel­ches glaubt, seinen Fokus in den Bauch zu lenken?
Letztlich macht dieses im Bauch Zen­tri­eren es auch ein­fa­cher, in die Stille zu kom­men. Nur die Frage ist, inwie­fern das nicht wieder ein Konzept ist …


Lass uns mal von einer Prä­misse ausge­hen: Das getrennte “Ich” ist nur eine Abstrak­tion, ein sozi­ales Kon­strukt. Da ist nie­mand, der etwas tut. Egal ob an ein “Ich” geglaubt wird oder nicht, es ist nicht die Ich-Illusion, die etwas tut. Son­dern da ist ein Fluss von Ener­gien = Infor­ma­tio­nen. Zum Bei­spiel der Gedanke / Impuls: “Fokus in den Bauch!”, gefolgt von einem Gefühl von Zen­tri­erung im Dan­tien und dem Empfin­den von Ruhe und Stille. Wenn sich das gut und ent­span­nend anfühlt, warum sollte das nicht gesche­hen? Das­selbe gilt fürs Innere Lächeln.

Natürlich gibt es im “Ich bin” (oder “Es ist” oder in der Prä­senz oder im Erle­ben) Empfin­dun­gen = Körper­be­wusst­sein. Es gibt nichts, das da fehl am Platz wäre oder nicht rein­pas­sen würde. Und wenn selbst die Stille nicht “auf­recht erhal­ten”, sond­ern los­ge­las­sen wird und sich in ihr alles zei­gen darf, wenn Du nur Offen­heit bist, in der alles erscheint (was Du bist!), dann kommt dieser Mag­ne­tis­mus ins Spiel, von dem ich letz­tes Mal geschrie­ben habe. Es ist eher, dass Du gefun­den wirst, als dass Du findest. (Das trifft es aber auch nicht annä­hernd.) Es ist wie Ver­lieben: Du führst es nicht herbei, son­dern Es erwischt Dich. Und dann ist es ganz ein­deutig und zweifellos.

Die Frage, die du stellst (wenn ich sie rich­tig ver­stehe), lau­tet: Ist es sinn­voll, für gute Start­be­din­gun­gen zu sor­gen (Medi­tat­ion, Auf­merk­sam­keit len­ken …), oder stärkt das eher das Gefühl, der Macher zu sein, und ver­fälscht das “reine For­schen”? Das Experi­ment, das ich dir empfehle, um diese Frage zu beant­wor­ten, ist: Erfor­sche, wie das abläuft, den Fokus in den Bauch zu “len­ken” oder in die Stille zu “gehen”. Ist da wirk­lich ein “Ich” betei­ligt, das lenkt und wohin geht, oder ist es eher so wie ich es ein­gangs beschrie­ben habe: Im Fluss der Infor­ma­tio­nen kommt ein (z.B. gedank­licher) Impuls und auf wunder­same Weise ver­lagert sich die Auf­merk­sam­keit auf Bauch und / oder Stille oder ein Lächeln wird spürbar …


Lieber Dittmar, also gibt es nicht so einen Ort, wo die Auf­merk­sam­keit opti­maler­weise sein sollte? Wohin sie zurück­kehrt, wenn erkannt wird, dass man sich wieder mal in Gedan­ken ver­loren hat? Wenn sie z.B. wieder auf die Atem­be­weg­ung zurück­fällt, ist das ja eher eine Kon­zen­tra­tion und nicht reine Offenheit.

Du sagtest mal in einem Inter­view, dass es eine Weite ist, eine Art Raum. Ist das meta­pho­risch oder ist das ein ganz real exis­tie­ren­der wei­ter Raum? Oder ist der Raum auch schon wie­der ein Objekt?

Eine Sache, auf die ich durch das “in Stille gehen” immer wieder treffe und die mich etwas “belas­tet”, ist diese Qi-/Kunda­lini-Geschichte. Vermut­lich war mein Ver­ständ­nis davon immer etwas “falsch”, sodass mir dieses Gedan­ken-Wahrnehmungs­ge­bäude mitt­ler­weile eher wie ein Fluch vor­kommt. Also so wie ich frü­her immer die­sen klei­nen Ener­giek­reis­lauf geübt und ver­stan­den hatte, sammelt man im Dant­ien Qi, bis es dann auf­steigt in der Wir­bel­säule oder bis man es von Punkt zu Punkt lei­tet. Am Ende sollte man es unbe­dingt wieder im Dan­tien sammeln, weil sonst die Gefahr bestehe, dass es sich im Kopf sam­melt und dort Scha­den anrich­tet. Das hat sich in mir fest­ge­setzt, ich bin beim nach innen Gehen an dem Punkt, wo mein Qi einfach immer die Wir­bel­säule von alleine in den Kopf fließt; ein per­ma­nen­tes autar­kes unkon­trol­lier­ba­res Strömen.
Da ich mich von diesen gan­zen Übungen verab­schie­det habe, sammle ich nix mehr im Dan­tien. Ich fühle mich aber fast immer nach Medi­tat­io­nen in einem ande­ren Bewusst­seins­zus­tand etwas dizzy oder als ob die Welt unecht wäre … und das führt immer wieder zum Hin­ter­fra­gen, ob mir diese Qi-Geschichte nicht gescha­det hat und ich da Kanäle akti­viert habe, die ich nun nicht mehr kon­trol­lie­ren kann usw.

Glaubst du, dass man sich mit der­ar­ti­gen Übun­gen scha­det, oder glaubst du, ich hab mich da eher in einem Gedan­ken­karus­sell ver­loren? Vielen Dank für deine klaren Antworten! Ich finde sie sehr hilfreich.


Der hilfreich­ste “Ort” für Auf­merk­sam­keit ist zu sehen, wohin sie geht und wie sie dabei ist: weit, kon­zen­triert, lie­be­voll, neu­gie­rig, besorgt, dösig …?

Ja, Offenheit ist wie ein Raum, in dem alles Platz hat und zuhause ist. Fürs Den­ken ist das eine Meta­pher, weil das Den­ken sich immer nur an Objekte hal­ten kann. Fürs Erle­ben ist es die eine Prä­senz in allem, als alles …
Also nicht nur Raum drum­he­rum, sondern auch darin und nichts sonst. Es gibt nichts ande­res = Non­dua­li­tät. Das “Pro­blem” ist nicht die Kanal-Akti­vie­rung oder -Kontrolle, son­dern der Glaube, der Akti­vie­rer / Kon­trol­leur zu sein. Der Glaube, das Rich­tige tun zu müs­sen oder zu kön­nen. Das ist eine Bürde, die nicht dadurch abge­legt wird, dass du das Rich­tige tust oder weißt. Son­dern die von selbst abfällt, wenn du dich dem Nicht­wissen ergibst.


Eine Sache, die sich nicht so rich­tig erschließt (auch wenn diese ver­mut­lich auch wie­der damit beant­wor­tet wer­den wird, dass es eben ein­fach nie­man­den gibt) ist, ob dann jetzt beim still Sit­zen ein­fach die Atmung beob­ach­tet wer­den “sollte”, der Kör­per beim Sit­zen gespürt wird, die Hal­tung wahr­genomm­en wird.
Und die Atmung z.B. ist ja immer da, könnte also immer wahr­ge­nom­men wer­den, oder ist das dann schon Kon­zen­tra­tion? Letzt­lich also: “Sollte” im Moment, im Hier und Jetzt, gespürt wer­den, oder geht es mehr um die Frage, wer das ganze nun erfährt und wahrnimmt?

Mir ist nicht klar, wie das gehen soll, das Gewahr­sein zu sein, und auch der Hin­weis, dass ich es schon bin, hilft da nicht viel. Diese Spal­tung sorgt in meinem Dasit­zen oft für Uneinig­keit, was ich nun “tun” sollte.

Und zu dieser Weite und dem Raum: Kann man denn bewusst erspü­ren, wie man über die Gren­zen seines Körpers hinaus exis­tiert? Eine Art Erfüh­len der Aura … Oder ist das auch schon zu viel Visu­ali­sation und Tun?


Sei da, ohne zu wis­sen, was zu tun ist. Alles was du erspürst ist wieder nur etwas, das du erspürst. Sei da, ohne zu wissen, was zu tun ist. Alles darf so sein wie es jetzt gerade ist, alles darf sich zei­gen oder nicht zeigen.
Der “Sollte”-Mechanis­mus macht daraus ein “Aha, ich sollte erlau­ben!” – Auch das darf so sein und kann gese­hen wer­den. Da ist nichts, das du her­beifüh­ren oder los­wer­den müss­test. Keine Erscheinung ist wich­ti­ger als jede andere.
Du brauchst die Auf­merk­sam­keit auf nichts zu rich­ten, weder auf den Kör­per / die Atmung noch auf den Raum noch auf die Frage “Was tun?” noch auf den schein­ba­ren Wahrnehmer.

Du kannst ein­fach sehen, wohin die Auf­merk­sam­keit geht. Sei da ohne zu wis­sen, was zu tun ist. Es geschieht alles von selbst, und das wird klar, wenn du auf­hörst, etwas zu ver­su­chen. Wenn du kannst, lass das Ver­su­chen los. Wenn du das nicht kannst, sieh das Ver­su­chen, wie es von selbst geschieht: eine Erschei­nung, eine Ener­gie im Bewusst­sein. Sei da, ohne zu wissen, was zu tun ist.


Aber ohne die Auf­merk­sam­keit auf die Atmung zu len­ken fällt sie eigent­lich immer auf die Gedan­ken und ver­wickelt sich in Selbst­gespräche.
Übrigens, diese Prä­misse, dass es kein Ich gibt: Kann das nicht zu einem neuen Glau­bens­satz des Ver­stan­des mutie­ren? Oder ist das ein Glau­bens­satz, der ok ist, weil er wahr ist?


Der Nachteil beim Len­ken der Auf­merk­sam­keit scheint mir, dass sie fest­ge­hal­ten wer­den muss. Und die Illu­sion des Len­kers auf­recht erhal­ten wird. Glau­bens­sätze sind nur Gedan­ken, egal ob “Da ist kein Ich” oder “Ich bin der Len­ker”. Sie sind kein Ersatz für dire­ktes Erleben.


Ok, aber wenn man offen für alles ist und sich dann in Gedan­ken ver­liert, ist das “bes­ser”? Du hat­test ja gesagt, dass wir von der Prä­misse aus­ge­hen … Ich würde das dann eher als eine Art Erin­ne­rung anse­hen. Es gibt schon Momente, wo ich sehe: Da ist kein Ich; und dann gibt’s wie­der Momente, wo ich es nicht mehr sehe …


Ja, die Erinnerung, dass da noch nie ein Ich zu fin­den war, oder der Gedanke “Das Ich ist eine Abstrak­tion, kein Wesen”, das kann hilf­reich sein, um neu zu schauen: “Was ist JETZT?” – In den Momen­ten, wo du die “Ich­losig­keit” nicht siehst, was siehst du dann?


Gedan­ken und Selbst­ge­sprä­che. Meist erkenne ich, dass es Gedan­ken sind, und dann igno­riere ich sie. Aber oft merke ich auch, wie ich mich in Gedan­ken verliere.


Ja, Gedanken und Selbst­ge­sprä­che, die so vor sich hin lau­fen, kein Ich.


Aber in Selbstgesprä­chen ver­lo­ren zu sein bedeu­tet ja, dass man nicht mehr im Moment ist und dass man wieder von einem Ich-Gedan­ken ausgeht. Wer sollte sonst die Selbst­gesprä­che führen?


Und wenn das Selbstgespräch bewusst wird, dann wird auch klar, dass das Ich nur in Gedan­ken exis­tiert. Und wenn bewusst wird, dass die Auf­merk­sam­keit in Gedan­ken stag­niert, dann ist sie in der Gegenwart.


Wie ist es, wenn in dieser Offen­heit (wahr­schein­lich aus Gewohn­heit) die Auf­merk­sam­keit dann immer wieder zurück­fällt auf die Atem­be­ob­ach­tung? Ist das dann ein­fach voll­kom­men ok so?

Wenn ich die Atem­be­ob­ach­tung los­lasse, geschieht dann in etwa fol­gen­des, ununter­bro­chen: Atmung wird bewusst, dann fühle ich den Po auf dem Kis­sen, dann mal die Beine, dann den Qi-Fluss in der Wir­bel­säule, im Kopf, dann wied­er die Atmung, dann mal ein Gedanke mit dem Hin­ter­grund, dass da kein Ich ist, was das alles macht …

Geschieht das alles auto­ma­tisch, aus Erin­ne­run­gen: Die Auf­merk­sam­keit springt umher und das gilt es zu beob­ach­ten? Das ist dann “das Ziel”?? Es geht also letzt­lich ein­fach nur darum, im Hier und Jetzt zu erle­ben, was gerade statt­fin­det … die Fuß­sohle sinn­lich zu spü­ren, wenn man läuft, das Kauen beim Essen.

Die Frage “Wer bin ich?” zielt nur darauf ab, zu ent­de­cken: Da ist kein indi­v­idu­el­les Ich. Oder die Aus­sage “Sei was du bist!” deu­tet nicht darauf hin, etwas ande­res sein zu müs­sen als der reine Beob­ach­ter von allem was pas­siert, vom Sprin­gen der Auf­merk­sam­keit im Körper – ist das richtig?

Mich verwirrt dieser Wider­spruch zwi­schen einer­seits im Hier und Jetzt wahr­zu­neh­men, dass Kind­er vorm Fens­ter vor­bei­lauf­en und dem Hin­weis: “Sei was du bist”, da ja das Hören eben nicht das ist, was ich bin. Der Qi-Fluss im Kör­per oder das Füh­len der Sitz­beine ist ja eben nicht, was ich bin.

Manchmal beim so Sit­zen emp­finde ich schon eine Freude ohne Grund; oft ist es dann aber im Nach­hinein so, das dieses Dizzy­ness-Gefühl im All­tag auf­tritt, bis hin zu einer Art leich­tem Schwin­del­ge­fühl, aber das trifft es auch nicht richtig.

Also die Erkennt­nis „Ich kann nichts tun, weil es mich nicht gibt“, ist beim Dasit­zen sehr befrei­end, lässt aller­dings den Qi-Fluss los und erzeugt eben im All­tag trotz­dem dieses Dizzy­ness-Gefühl. Wie geht man dann damit um? Auch ein­fach zulas­sen und beobachten?
Vielen Dank für deine Hin­weise! Ich finde sie extrem hilf­reich in dem Dschun­gel an Infor­ma­tionen “da draußen”.


Wie ich schon erwähnt habe, bin ich kein Maß­stab und möchte nicht sagen “So wie ich es erlebe, ist das ein­zig Wahre.” Hier also ein­fach nur eine Beschrei­bung des Erle­bens, kein Soll.

Was ich (anders als früher) erlebe, ist: Da ist die­ses liebe­volle und geliebte Bewusst­sein(sfeld). Die intel­li­gente Offen­heit, in der sich alle Erschei­nun­gen zei­gen und die sich als alle Erschei­nun­gen zeigt: als Atmung, die in den Vor­der­grund kommt, dann als ein ande­res Gefühl, als die Geräu­sche und Stim­men vor dem Fens­ter und als Fens­ter, als Bewusst­heit darü­ber, wie die Auf­merk­sam­keit sich in die­sem Bewusst­seins­feld bewegt, als Glück, das Eins­sein in diesem Fluss der Erschei­nungen zu erle­ben und zu sein.

Dazu muss keine Erschei­nung aus dem Fluss ver­schwin­den (für “rei­nes Bewusst­sein” oder so). Die­ses Bewusst­sein ist Hier und Jetzt und ist nicht getrennt, son­dern eins mit allem, was gerade im Bewusst­sein auftaucht.

Jede Erscheinung ist beseelt vom sel­ben Einen. Diese Erkennt­nis lässt sich nicht her­bei­füh­ren (ich wüsste nicht, wie); sie kommt von selbst, es fühlt sich an wie ein Geschenk, das immer neu und immer da ist. Die Leben­dig­keit des Augenblicks.

Das Erleben, auch das momen­tane Hören, Füh­len usw. ist Aus­druck die­ser Leben­dig­keit, dieses leben­di­gen Ener­gieflusses.

Die Aufm­erk­sam­keit muss sich von kei­nem Aspekt weg­be­weg­en; das wäre wie die Auf­for­de­rung: “Achte nicht auf die Blätt­er, son­dern auf den Baum. Achte nicht auf die Äste, den Stamm, die Wu­rzeln … son­dern auf den Baum.”

All das IST der Baum. Die Erschei­nun­gen SIND das Erle­ben der Leben­dig­keit. Es ist nicht nur in bestimm­ten Erschei­nun­gen zu fin­den, und es ist nicht in einer fik­ti­ven Abwesen­heit von Erschei­nun­gen zu finden. Es versteckt sich nicht, son­dern zeigt sich ganz natür­lich im Dasein und Nicht­wis­sen. Du kannst nicht vor­her wis­sen, was sich zeigt. Du kannst nur da sein, offen für die Offenheit.
Und wenn es sich zeigt, ist es ganz ein­deu­tig und klar und unmissverständlich.


Danke, das hast du sehr schön beschrieben!

Woher weiß man, dass es die Auf­merk­sam­keit ist, die wand­ert, und nicht die Gedan­ken, die in eine bestimmte Stelle hinein­füh­len? Wenn ich bewusst in den Bauch fühle und er krib­belt, ist es ja nicht die Auf­merk­sam­keit, die im Bauch krib­belt und danach kommt erst der Gedanke und denkt: “Aahh, jetzt fühle ich mal in den Bauch!”
Insofern ist das ganze etwas schwer zu dif­f­eren­zie­ren, v.a. beim chro­ni­schen Kopf­schmerz. Wenn der rich­tig stark ist, wan­dert die Auf­merk­sam­keit dort hin. Hier finde ich auch schwer nach­zu­voll­zie­hen, wie man darun­ter nicht mehr lei­det. Wenn ich erkenne, es gibt kein Ich das selbst­stän­dig denkt, ist trotz­dem noch das Gefühl da, unter den Dauer­schme­rzen zu leiden.
Und auch die Aufmerksamkeit machen zu las­sen, was sie will, ist schwer, weil die dann dort hän­gen bleibt, wäh­rend z.B. das in den Bauch Atmen und die Atmung beob­ach­ten den Kopf­schmerz eher ve­rbes­sert.

Die reine Offenheit scheint zu bewir­ken, das das Sprin­gen der Auf­merk­sam­keit genauso stark ist wie meine Gedan­ken­ge­schwin­dig­keit und das Den­ken von einem Gedan­ken zum nächsten.
Hier sehe ich so einen Wider­spruch, wo du mal mein­test, es ist gut, was gegen die Schmer­zen zu tun, wenn man was hat, was hilft und dem “Erwa­chen” zu rei­ner Offen­heit und die Auf­merk­sam­keit machen las­sen, was sie will.


Ich würde nicht sagen, dass es gut ist, etwas “gegen” die Schmer­zen zu tun. Son­dern ich sage: Schmerz ist eine Bitte um lie­be­volle Auf­merk­samkeit.
Was immer du wahr­nimmst, ist Auf­merk­sam­keit als der bewegte Aspekt des Bewusst­seins. Ob Gedanken, Gefühle, Gerüche …
Es ist nicht nötig zu dif­fe­ren­zie­ren. Da ist ein­fach dieses Meer der Erschei­nun­gen, daran kann und muss niem­and etwas ändern. Das Bewusst­sein ruht im Meer der Erschei­nun­gen, die Auf­merk­sam­keit bewegt sich in ihm. Die Erschei­nun­gen spie­len ihr Spiel.

Wenn die Erscheinungen in Ruhe gelas­sen wer­den statt dass sie irgen­dwie zu “bes­se­ren” Erschei­nun­gen ver­än­dert wer­den sol­len, dann hört die Zer­split­te­rung / Tren­nung / Dif­fe­re­nzie­rung auf und das Bewusst­sein wird klar erkenn­bar als immer im Meer der Erschei­nun­gen ruhend, in der Ewig­keit der Gege­nwart.
Und auch der Impuls, die Gegen­wart zu len­ken und zu ver­bes­sern, kann als eine Erschei­nung in diesem Meer erlebt wer­den. Alle Erschei­nun­gen wer­den auf ein­mal als ein ein­zi­ges Gan­zes erkannt, als leben­dige Prä­senz, als Aus­druck des Absoluten.

Die schein­bare Zer­split­te­rung heilt durch die Leben­dig­keit des­sen, das immer heil und ganz war und ist und nicht getrennt ist – nicht vom Den­ken, nicht von der Auf­merk­sam­keit und ihren Bewe­gun­gen, nicht von der Gegen­wart, nicht von dir.

Du bist die unbe­fleckte Empfäng­nis (um mal biss­chen weih­nacht­lich zu wer­den). Keine Erschei­nung kann das Emp­fan­gen / die Offen­heit beflecken, keine muss anders wer­den oder ver­schwin­den. In den QiGong- u.ä. Beschrei­bun­gen klingt es oft nach Her­bei­füh­ren; mir scheint die christ­li­che Beschrei­bung der Gnade, des Unver­dien­ten, des Geschenks (Weih­nach­ten) eher passend. Advent = Es kommt von selbst.


Es klingt alles immer sehr schön, was du sagst, und ich habe auch manch­mal Momente, wo das tie­fer ein­sinkt. Vie­len Dank noch­mals dafür!

Mir ist in letz­ter Zeit oft auf­ge­fal­len, dass viele der Advaita-Leute an Krebs gestor­ben sind. Da wären zunächst Ramana und Nisargadatta, aber ich habe neu­lich auch ein Buch von Suzanne Segal gele­sen; auch sie ist mit 40 rum an einem Hirn­tu­mor gestor­ben. Auch Nathan Gill ist ja recht jung gestor­ben (weiß nicht ob auch an Krebs).

Interessant ist ja, dass Krebs als eine Art Zwei­heit auf­taucht. Was ist solch eine Erkran­kung denn im Bewusst­sein der Non­dua­li­tät? selbst erschaf­fen? ein Teil des eige­nen Geis­tes? ein selbst gewähl­ter To­des­vollstrecker?


Der Gedanke an Krebs ist eine Erschei­nung; das Gesche­hen, was damit gemeint ist, auch – so wie Kopfweh, Schluck­auf, Bäume … und ebenso das Spe­ku­li­eren übers Warum. Daran ist nichts falsch, nur kann man da halt nur spe­ku­lie­ren, ich auch. Da kannst du genauso gut jeden ande­ren fragen.


Aber sind Krank­hei­ten kom­plett unab­hän­gig von dem, der sie kriegt? Und wenn jemand bestän­dig in der Ein­heit lebt und in stän­di­ger Freude und Liebe, ist es ver­wun­der­lich, wenn solch eine töd­li­che Krank­heit ent­steht. Hast du dich schon mal mit Ken Wilber beschäftigt?

Ich hab mir jetzt übri­gens dein Buch bestellt und die zwei, die du über­setzt hast. Ich bin gespannt und freue mich drauf, sie zu lesen.

Stört es dich eigent­lich, dass ich dir so viele Fra­gen stelle? Ich möchte dir nicht auf die Ner­ven gehen, aber es berei­tet mir große Freude, mit dir zu schrei­ben. Ich glaube, so lang­sam sickert das, was du sagst, auch durch. Man soll ja immer nicht über spi­ri­tu­elle Erfah­run­gen reden, weil sie dann angeb­lich wieder ver­schwi­nden, und ich habe auch Angst, dass es wie­der ver­schwi­ndet, und mein Mind zwei­felt die ganze Geschichte so­wieso per­ma­nent an. Aber wenn ich mich zum “Medi­tie­ren” hin­setze, geschieht es immer öfter, dass aus meinem Bauch und Her­zen so ein Bliss auf­steigt. Ist es das, worum es bei der ganzen Sache geht?

Manchmal frage ich mich, ob es davon kommt, dass ich frü­her häu­fig Übun­gen gemacht hab und ich ziem­lich hyper­sen­si­bel bin auf jeden Fokus mei­ner Auf­merk­sam­keit. Das Komi­sche daran ist, dass die­ser Bliss da ist, obwohl meine Medi­ta­tion eigent­lich zu einem ein­zi­gen Nach­den­ken ver­kommen ist.
Es ist so ein Wechsel zwischen diesem Bliss und mei­nen Gedan­ken und dann frage ich mich immer, wer die­ses Ich ist, und dann wird mir schnell wie­der klar: Es ist nur ein Gedanke – aber obwohl da unent­wegt Den­ken statt­fin­det, ist der Bliss da. Das ist selt­sam, weil ich doch immer dachte, dass die Stille von Gedan­ken so wichtig ist.


Nein, die Fragen stören nicht und ner­ven nicht. Ich ant­worte eh immer das Glei­che, sind ja auch immer die­sel­ben Fragen. 🙂

Bliss ist eine Erschei­nung. Gedan­ken sind Erschei­nun­gen. Der Gedanke: “Was ist bes­ser?” ist eine Erschei­nung. “Was soll ich tun?”, “Woher kommt das?” – all das sind Gedan­ken, die erschei­nen und wied­er ver­gehen. “Ich möcht’s aber wissen!” – s. o.


Ich dachte, Bliss (Freude, Selig­keit) ist der Urzus­tand des Seins, der auf­tritt, wenn man ein­fach nur “ist”? Sag­test du nicht anfäng­lich mal, dass du auch in purer Freude ein­fach nur da warst? Wenn die grund­lose Freude und das Wahr­neh­men von Gedan­ken ohne Den­ker kein Indiz sind für “Das” – was dann?


“Erscheinung” nenne ich alles, was kommt und geht oder sich ändert, z.B. Zustände wie Freude oder Ver­wirrung.

Freude, die immer da ist, ist keine Erschei­nung. Das Erkennen = Bewusst Sein des Einen Seins zeigt sich in und als Freude. Sie ist das Sein und das Echo im Orga­nis­mus: die Reak­tion darauf, dass alles so sein darf, wie es ist.

Wenn Freude aufkommt, spricht nichts dage­gen, sie zu gen­ießen. Sie als beson­dere Erschei­nung zu suchen, ver­wickelt die Auf­merk­sam­keit in Erschei­nun­gen und in das “Bes­ser / Schlech­ter”-Spiel – statt ein­fa­chem Sein in und mit den Erschei­nun­gen, wie sie gerade sind.


Wo ist der Unterschied zwischen der Freude des Seins und Freude, die kommt und geht? Also hast du eine Freude, die immer da ist und dann kommt manchmal noch eine, die größer ist?
Die Freude bei mir tritt meist nur beim “Meditieren” auf. Kann das nicht ein Indiz sein, das ich manchmal verstehe zu sein und manchmal wieder in der Story verwickelt bin? Oder ist auch die Freude, die immer da ist … manchmal weg?

Wie ist es mit den Erscheinungen, die kommen und gehen eigentlich in Bezug auf so Sachen wie Kopfschmerz und Tinnitus, der eben nicht kommt und geht, sondern immer da ist?


Der Verstand ver­sucht, sich an “Indi­zien”, an Maß­stä­ben (“bes­ser /schlech­ter”, “näher /wei­ter”, “wär­mer /käl­ter”) zu orien­tieren. Er geht nach der Topf­schlage-Strategie vor, nur funk­tio­niert das nicht (wenn du mich fragst; andere Leute haben ja eine Menge Orien­tie­rungs­punkte und Rezepte im Angebot).

Dem Verstand scheint es ein Fort­schritt, wenn eine Frage beant­wor­tet wird, mit dem Ziel, dass irgend­wann alle Fragen beant­wor­tet sind. Das Den­ken kann es aber ein­fach nicht erfas­sen und ist letzt­lich nur eine Ablen­kung (wenn es für relev­ant gehal­ten wird).

Meine Empfeh­lung ist nach wie vor: Sei da ohne zu wis­sen, orien­tie­rungslos.
Hör, wie der Ver­stand sagt: “Na toll, aber … (woher weiß ich …)”. Lass ihn in Ruhe, dann lässt er dich in Ruhe.

Da ist die eine Prä­senz, in der alle Erschei­nun­gen auf­tau­chen. Sie ist keine Emotion und kein Tinni­tus, und wenn sie dich küsst, dann ist es klar und frag­los und ein­deu­tig und unzwei­fel­haft … wie ein Kuss eben.
Das heißt nicht, dass der Ver­stand plötz­lich alle Ant­wor­ten weiß oder sich keine Fra­gen mehr aus­den­ken könnte, son­dern es ist klar, dass er das Wesent­liche des Kus­ses, seine stille Leben­dig­keit, nicht erfas­sen kann und muss.

Du kannst nur kuss­be­reit sein, oder aber auf die Fra­gen hören zu Kuss­tech­nik, Bereit­schaft, Vor­be­rei­tung, Fort­schrit­ten, Indi­zien für Annä­he­rung, Iden­ti­fi­zieren des Küssenden usw.
Und der / die / das Geliebte sagt: “Sei still und küss mich!”
In diesem Kuss ist alles eins.


 Vielen Dank!  🙂

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Gegen Gedanken kämpfen

Lieber Dittmar,

“der Augenblick ist auch mit den Gedanken wie er ist. Nur Wahrnehmen.” – Was aber, wenn einem das Wahrnehmen einfach nicht auf Dauer gelingen will? Man sich immer wieder in die Gedanken, “das Zusammen­ziehen” verstrickt? Man sich immer wieder mit Gefühlen identifiziert? Man nicht einfach nur in der U-Bahn sitzen kann?

Es ist sehr schwer. Und das Kämpfen darum macht mich noch ganz verrückt. Weil ich ja weiß, wie entspannt es sein könnte, wenn mein Kopf nicht ständig woanders wäre oder ihm mit dem nur Dasein nicht langweilig würde.

Muss man dann nicht doch üben? … So wie die Zenmeister die Meditation empfehlen? Der Körper-Geist-Organismus ist einfach anders trainiert und verstrickt sich immer wieder. Kann das Leben, wie du es bezeichnest, lernen sich nicht zu identifizieren?

Liebe Grüße
Isabell


Liebe Isabell, danke für die Fragen!

Wahrnehmen kann in diesem Zusammen­hang nicht “nicht gelingen”. Auch Gedanken werden wahrgenommen, ebenso wie die Gefühlsreaktionen auf sie, das Zusammenziehen, der Tunnel, den sie bilden.

Diese Wahrnehmungen, dass da Gedanken sind und wie sie sich auswirken, bleiben eher im Hintergrund, solange das Hauptinteresse den Gedanken-Inhalten gilt. Solange es eine Identifikation mit der Person gibt, um die sich die Gedanken drehen (ihre Geschichte, ihre Zukunft …), solange scheint es in Gedanken etwas zu holen zu geben. Und solange dem Versprechen in den Gedanken geglaubt wird, dass sie hilfreich sind, um die Person zu beschützen, solange wird die Person auch weiter vorausgesetzt und für real gehalten.

Identifikation mit Gedanken ist genau dieser Prozess: Die Gefühle reagieren auf Gedanken, als wären sie wahr und ein 1:1-Abbild der Wirk­lich­keit. “Ich” erscheine auf ein kleines, schutzbedürftiges Einzelwesen in einer getrennten Welt reduziert, und der Orga­nismus reagiert darauf mit Anspan­nung und Zusammenziehen.
Das leise Unbehagen beim Dauer-Denken, das Gefühl von latenter Bedrohung, ist gleichzeitig wieder Anlass für Gedanken, “wie ich mich schützen /vorbereiten kann”.

Denken ist auch ein Abwehr-Mechanismus, der die Person beschützen will, für die er sich hält. Das heißt, wenn diese Identifikation ins Wanken kommt (“bedroht” wird), dann wird das Denken schnell aktiv, um die Aufmerk­sam­keit abzulenken. Das kann losgehen mit einem Gefühl der Langeweile: „Die Gegen­wart bietet mir nichts Interes­santes.“ – worin schon ein getrenntes Wesen vorausgesetzt wird, das von der Welt unterhalten werden will.

Der Treibstoff, der Gedanken am Laufen hält, ist der Wunsch, (sich) etwas Gutes zu tun; dafür zu sorgen, dass es dir gut geht. Also eigentlich ein liebevoller Impuls, nur verwirrt durch die Identifikation, durch Irrglauben darüber, wer /was du bist und was du brauchst, um glücklich zu sein.

Wenn gesehen wird, wie oft Gedanken das Gegenteil von dem bewirken, was sie beabsichtigen – wie oft sie eher unglücklich machen –, dann kann der liebevolle Impuls von dieser Verwirrung ablassen und sich dem zuwenden, was wirklich glücklich macht: dem Bewusstsein selbst in seiner gegenwärtigen Erscheinungsform als dieser Moment.

Ja, das ist ein Lernprozess, kein Ein-für-alle-Mal-Ereignis, sondern ein Immer-wieder-Aufwachen. Mit Kämpfen hat das nichts zu tun (so scheint es nur aus der Denk-Perspektive), sondern mit der Bereitschaft, zu lernen, auch aus den Gefühlen, die das Denken mit sich bringt.

Sehr praktisch finde ich es, die Gedanken Kategorien zuzuorden, z.B. “Vergangenheit / Zukunft” (Gedanken, die sich nicht auf die Gegenwart beziehen), “Phantom-Diskussionen” (Dialoge, die mit Abwesenden durchgespielt werden) usw. Dazu habe ich dir ein pdf angefügt:
Gedanken einordnen

Ein anderes Experiment untersucht die Erscheinungsformen von Gedanken: Ist es ein Bild, eine Stimme oder beides? Wie reagiert das Gefühl? usw. Das pdf findest du hier:
Denken untersuchen

Es geht in diesen Experimenten /Übungen nicht darum, sich von Gedanken abzuwenden, nicht darum, ihnen die Aufmerksamkeit zu entziehen, sondern darum, ihnen und ihren Wirkungen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Gedanken nicht als Feinde zu behandeln, sondern die Gelegenheit zu nutzen, etwas über sie zu lernen.
Jeder Gedanke ist eine Einladung in zwei Richtungen: Entweder ihm und seinen Nachfolgern weiter zu folgen oder wach zu werden für die gegenwärtige Wachheit, in der sie sich abspielen.

Meditation halte ich für etwas, das dem Organismus sehr gut tut. Sie kann über das Stillsitzen hinaus ein ständiges Lernen sein.
Ja, das Leben kann lernen, sich nicht zu identifizieren. Das geschieht z.B. durch den direkten Vergleich, durch den Kontrast: So fühlt sich Identifikation an … und so das Wunder der Gegenwart, in der alles lebt.
Und wenn du den sinnlichen Aspekt der Wachheit genießen möchtest, habe ich noch dieses Experiment für dich, das die Aufmerksamkeit in die Gegenwart einlädt:
Gegenwart-Atem

Liebe Grüße
Dittmar

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Vom Schicksal gezeichnet

Lieber Dittmar,

zuerst einmal vielen Dank für die Möglichkeit, auch als Abwesende (von Deinen Kursen oder Gesprächskreisen) Gast bei Dir sein zu dürfen – ich schaue und höre mir jedes Video an, lese die Beiträge …

Bei den Videos fällt mir auf, dass alle einer Meinung zu sein scheinen, jeder und jede ergänzt bzw. bestätigt den Anderen. Die Gespräche sind einstimmig …

Natürlich fällt mir auch anderes auf: Die Themen z.B. sind einfach spannend, bereichernd und anregend. Danke.

So gern ich Gespräche über Nondualität anhöre, so gern ich Bücher darüber lese, so ungern spreche ich mit anderen Menschen darüber. Manchmal gelingt es mir, in meinen Yogaunterricht etwas einzuflechten. Es gelingt mir dann, wenn ich spüre, dass ich was verinnerlicht habe, dass ein Samen aufgegangen ist, dass etwas abrufbar ist.

Neulich bin ich einer Bekannten begegnet. Sie erzählte mir folgendes: Sie kam vom Einkaufen nach Hause, da standen mehrere Polizeiautos im Hof. Ihr Ehemann wurde gerade abgeführt. Anklage wegen Pädophilie in xxx Fällen, Kinder­porno­graphie … Für die Frau brach die Welt zusammen.

Ich könnte dieser Frau niemals sagen: “Weißt du, du bist kein getrenntes Wesen und dein Mann auch nicht. Wir sind alle ein Baum und erscheinen als Ast. 1als 2 eben.”

Ich konnte das Entsetzen der Frau, die nicht die leiseste Ahnung vom Treiben ihres Mannes hatte, gut nachempfinden, auch die Wut, die Verzweiflung und die Trauer über die zerbrochene Liebe. Trösten konnte ich sie nicht. Ich hab ihr gesagt, dass man auch mit einem Total­schaden weiter leben kann. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.

Ich fände es grauenhaft zu sagen: Wer weiß, vielleicht findest du in ein paar Jahren, dass es gut war, dass alles so gekommen ist. Ebenso grauenhaft fände ich es zu sagen: Ach, das sind alles nur Gedanken, die kommen und gehen und diese Gedanken spielen sich manchmal auf als Richter, Moralist, usw.

Ich frage mich, wie ich manchmal in das scheinbar Unlösbare, das Schwere oder Unerträgliche ein wenig Leichtigkeit bringen könnte. Bei mir und bei anderen.

Natürlich ist es wunderbar, wenn man im Augenblick sein und ihn mit allen Sinnen wahrnehmen kann, aber die Aufmerksamkeit wird nun mal eingeschränkt, wenn man von Dämonen bedroht wird.

Ich habe nie das Gefühl, ich müsste der Außenwelt etwas abringen, um vollständiger zu werden. Aber ich hätte gern ein ruhigeres Leben, das mir weniger Schrecken einjagt.

Lieber Dittmar, das wollte ich los werden, denn mir scheint, die Methode “Nondualität” ist eben auch nur eine Methode – natürlich eine gute und sinnliche. Sie taugt für Menschen, die mal einen kleinen Dämpfer bekommen haben, oder für diejenigen, die ein leichtes, glückliches Leben führen dürfen, nicht aber für jene, die gezeichnet sind vom Schicksal.

Was meinst Du?

Ich grüße dich herzlich!


Liebe …,

danke für deine Mail und dein Feedback!
Hier ein paar Punkte dazu:

• “Dämonen”: Diese Dämonen, die da drohen, sind Gedanken, die immer wieder kreisen. Gedanken, die sich voller Reue und Trauer auf die Vergangenheit beziehen und voller Angst auf die Zukunft.
Die Ähnlichkeit zu Dämonen liegt in der gefühlten Besessen­heit von diesen Gedanken, die keine Ruhe geben.
Aufmerksamkeit für die Gegenwart kann diese Besessenheit heilen. Daher ist “Achtsamkeit” essentieller Bestandteil in der Arbeit mit traumatisierten Menschen.
Das Vertrauen in den gegenwärtigen Moment hilft, die Gedanken an die Vergangenheit loszu­lassen und stärkt das Vertrauen, dass die Zukunft ebenso “tragen” wird wie die Gegenwart.

• “Gezeichnet vom Schicksal”: Ich habe wirklich noch nichts besonders Schlimmes erlebt (halt die üblichen vorübergehenden Unfälle, Trennungen, Schmerzen, Krisen usw.). Ich kenne aber genug Menschen, die wirklich trauma­tische Erfah­rungen hatten, zum Beispiel den genannten Kindes­miss­brauch vom Klein­kind­alter an, Vergewal­tigung, Tod eines Kindes oder Quer­schnitt­lähmung … und die glücklich sind, frei von Dämonen. Die Liebe und Frieden und Freiheit in sich fühlen und ausstrahlen. Nicht weil sie das Erlebte verdrängt haben oder sich schön­reden oder “nicht so schlimm fanden”.
Da ist etwas, das ganz unabhängig von allen Umständen und Erschei­nungen ist, etwas, das heil bleibt. “Total­schaden” betrifft z.B. das Auto, das Haus, die Ehe … DU bist kein Total­schaden. Da ist etwas, das heil bleibt, offen und durchlässig.
Da ist immer noch Liebe.
Der Organismus kann sich mit all seinem Schmerz und seiner Trauer an diese unver­gäng­liche Liebe wenden (die er sich z.B. vom Partner erhofft hatte), und es kann diese liebevolle Zuwendung zu allem Schmerz und aller Trauer geben. Dazu kann thera­peutische Begleitung wichtig sein, die hilft, alle Gefühle, die da sind, zu erlauben. Und damit der Vergan­genheit erlaubt, vergangen zu sein.

• “Gut finden”: Die Situation deiner Bekannten “gut” zu nennen ist natürlich auch nur eine Bewertung, genau wie “schlecht”. Aber eines Tages ist sie vielleicht froh, dass das Doppel­leben aufgeflogen ist und sie nicht in der Lüge oder Illusion weitergelebt hat.
Das Zusammenbrechen einer Schein­welt kann sehr schmerzhaft und enttäu­schend sein und eine ungeahnte Freiheit von den bisherigen Umständen und Illusionen mit sich bringen.
Das Scheitern eines Lebensplans kann den Hochmut entthronen, das Leben sollte sich nach seinen Vor­stellungen richten und seine Bedin­gungen erfüllen. Dann ist da Demut, sich dem Moment zu öffnen, so wie er sich zeigt; Demut, die heilt und befreit.

• “Methode”: Einem Menschen in einer akuten Notlage belehren und eine Philo­sophie aufdrücken zu wollen fände ich auch respektlos und arrogant – oder “grauenhaft”, wie du es nennst.
Nondualität ist keine Methode, ist weder “Reframing” noch “Positives Denken” oder “Schönreden”. Sondern entweder eine Philosophie (dann ist es eine von vielen, so wie Stoizismus, Fatalismus …): eine gedankliche Ein­ord­nung, die ich nicht besonders interessant finde – oder ein Sehen (und Beschreiben) der Einheit hinter den Erschei­nungen, die ich liebe und als das einzig wirklich Interessante empfinde.

• “Meinung”: Meistens sind unsere Gespräche “einstimmig”, wie du es nennst. Das kommt aber nicht durch Bestärken derselben Meinung, sondern im Zusammensein kann das Eins­sein deutlich fühlbar und im eigenen momentanen Erleben erkannt werden.

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Erleuchtung: War’s das schon?

Lieber Dittmar,

vor ein paar Tagen hab ich auf der Seite von X so nen “Erleuch­tungs­kurs” mit­ge­macht. Kennst du die Seite? Jeden­falls wurde mir bestä­tigt, das “Tor­lose Tor” durch­schrit­ten zu haben. Warum schreib ich dir…? Hmm, ich glaub, dass u.a. ein Zwei­fel daran betei­ligt ist. Ist schon irgen­dwie komisch: Wenn es das jetzt wirk­lich war, wonach ich immer gesucht habe … Die letz­ten Tage nach der “Tor­durch­fahrt” waren jeden­falls von mehr Klar­heit und Leich­tig­keit gekenn­zeich­net. Viel­leicht hast du ja ein paar Worte für mich?!


Diese Frage: “War’s das jetzt wirk­lich schon?” haben mir schon einige “X-Absol­ven­ten” gestellt. Ob du etwas durch­schrit­ten hast und was das war hängt davon ab, wie das Tor defi­niert wird. Mir scheint es ein rie­si­ger Unter­schied zu sein, ob da jetzt zusätz­lich zum Erle­ben ein korri­gie­ren­der / erklä­ren­der Gedanke kommt (“… aber da ist ja niemand”) – was ein intel­lek­tu­elles Ver­steh­en ist und viel­leicht auch eine emot­io­nale Beru­hi­gung mit sich bringt. Und oft auch den Gedan­ken: “Ich bin jemand, der das Tor durch­schrit­ten hat.” (TOR 1)

Oder ob eine ener­ge­ti­sche Auf­lö­sung geschieht, ob das Gefühl der Getrennt­heit, der Unvoll­stän­dig­keit, der Eigen­mäch­tig­keit in der Offen­heit ausge­löscht ist. Ob eine Abso­lut­heit im Moment, in den Erschei­nun­gen erkannt wird. Ob die Erschei­nun­gen als Ausd­ruck der­sel­ben lie­be­vol­len Quelle erlebt wer­den. Als Erschei­nungs­for­men de­rsel­ben Leben­dig­keit. Als Innig­keit der Quelle mit sich selbst. Ob das Erle­ben von Liebe erfüllt ist. Ob das Erle­ben ein Tor­lo­ses Tor ist, ein stän­di­ges Erwachen in die­sen Moment. Ob die­ser Moment das Tor­lose Tor ist. Ob Du das Tor­lose Tor bist. Ein Zusam­me­nsein, ein Zusam­mens­piel von allem. Ein Wunder. (TOR 2)

So habe ich das Tor erlebt und so erlebe ich es. Das heißt nicht, dass ich immer won­nig­lich drauf bin und die Auf­merk­sam­keit immer weit und ent­spannt ist. Ich erlebe auch immer wieder mal Anspan­nung und Ärger oder Traur­ig­keit. Das ist die Folge einer Vor­stel­lung, wie “die Welt” sein sollte, nach der die Welt sich nicht rich­tet; die Folge eines Mus­ters, das wie eine Selbst­schuss­an­lage abläuft. Sol­che Vor­stel­lun­gen haben sich irgend­wann in einem arg­lo­sen, kind­li­chen Geist ein­ge­nis­tet als lieb­evol­ler Wunsch: “Das Leben wäre viel schö­ner, wenn nur …”

Wenn das Muster wehtut – vor allem, weil das Tor 2-Erle­ben dadurch in den Hin­ter­grund tritt –, dann geht die Auf­merk­sam­keit von der Dis­kre­panz zwi­schen Wunsch und Wirk­lich­keit auf den Wunsch selbst, auf das Mus­ter. Dann erlebe ich den Preis, den das Behar­ren auf Bedin­gun­gen kos­tet (die nicht mal “meine” Bedin­gun­gen sind, sondern von einer Vor­stel­lung / einem Mus­ter gestellt wer­den, das sich vor lang­er Zeit im Orga­nis­mus ein­ge­nis­tet hat). Und wenn das Mus­ter erkannt wird, dann endet die Fixie­rung darauf und das Erle­ben ent­spannt sich. (Manch­mal dau­ert es auch biss­chen mit dem Erken­nen …) Gleich­zei­tig ist klar, dass diese Mecha­nis­men nichts Per­sön­li­ches sind, sondern Erschei­nungs­for­men der Leben­dig­keit, nur ener­ge­ti­sche Ver­fes­ti­gun­gen, die sich im Licht der Gege­nwart ver­flüs­si­gen. Die Auf­merk­sam­keit ist ein Update in die Frei­heit. Jeden­falls, sol­che Bedin­gungs­mus­ter tau­chen bei mir immer noch auf. (Meine Freundin gibt dir da gerne eine Liste!) Und auch eine Beschrei­bung wie die von Tor 2 kann leicht zu einer Bedin­gung ans Erle­ben werden: “So sollte es sein – ver­dammt, so ist es aber noch nicht!” Das erschwert das unvor­ein­ge­nom­mene, bedin­gungs­lose Schauen, wie die Wirk­lich­keit ist, wenn sie keine Kri­te­rien erfül­len soll.

Ohne Kriterien und Bedin­gun­gen schaut die ein­zige wirk­li­che Auto­ri­tät für Wach­heit: die Wachheit.


Lieber Dittmar, deine gehalt­vol­len Zeil­en drin­gen wie immer tief in mich ein und brau­chen auch noch Zeit zu wir­ken. Auch dein authen­ti­sches Beschrei­ben deines Erle­bens ist mir ein gro­ßes Geschenk. Vielen Dank !

Eine kurze Bilanz: Nach dem “Tor­durch­lauf” war und ist mehr Klar­heit. Es schei­nen die alten bekann­ten Gedan­ken­nmus­ter – für län­gere Zeit – nicht mehr zu grei­fen, das fühlt sich nach mehr Frei­heit an. Es wird immer wie­der gese­hen, dass diese Filme sich nur noch um sich selbst dre­hen und keinem Ich-Kern mehr die­nen. Es sind Gedan­ken, Bilder, wie [Name] dies und das macht, und sie füh­len sich wie immer an, bis ein Sehen oder Erin­nern auf­taucht und die­ses wird oft von dem Gedan­ken beglei­tet “Es gibt kein Ich”. Also ein Wech­sel: Film-Iden­ti­fi­zie­rung und danach sehen, das ist nur ein Film – dies scheint das Erken­nen bewirkt zu haben.

Was jedoch nicht erlebt wird, ist ein Ein­heits­ge­fühl, eine Liebe, die alles umfasst, ein Innen und Außen als Illus­ion… im Ansatz viel­leicht schon, jedoch ist es kein Grund­ge­fühl. Auch dass im Gegen­über kein Ich ist, scheint sich nur lang­sam zu grün­den. Daher plä­diere ich eher dafür, dass hier wohl das Tor 1 durch­schri­tten wurde — immerhin.

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Was das Leben erlebt

Das ist keine Verkleidung:<br /> So sieht Gott aus.<br /> Er ist die Ecke, hinter der du ihn suchst<br /> Das Suchen, das Sehen<br /> Das Fantasieren und Sortieren<br /> Die feierliche Geste<br /> Und das Lachen darüber<br /> Der tiefe Blick, der flache Witz<br /> Die Enge und die Weite<br /> Das Atmen aller Dinge<br /> Wild und lasziv und laut und knallbunt<br /> Gleißend und beißend und schillernd und dunkel und<br/> still:<br /> Das Leben und alles, was das Leben erlebt.

Das ist keine Verkleidung:
So sieht Gott aus.
Er ist die Ecke, hinter der du ihn suchst
Das Suchen, das Sehen
Das Fantasieren und Sortieren
Die feierliche Geste
Und das Lachen darüber
Der tiefe Blick, der flache Witz
Die Enge und die Weite
Das Atmen aller Dinge
Wild und lasziv und laut und knallbunt
Gleißend und beißend und schillernd und dunkel und
still:
Das Leben und alles, was das Leben erlebt.

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Wozu mein Ich verlieren?

Hallo Dittmar!

Ich habe mit Begeis­te­rung Dein Video mit Teresa geschaut und es sehr genos­sen, leicht, erfri­schend, tref­fend, ein­fach, prag­ma­tisch, nor­mal. So ein sym­pa­th­ischer Kerl dachte ich. Falls es je einen Guru gab, dann bist Du der erste, der nor­mal ist und end­lich mal die Dinge ehr­lich sagt wie sie sind, wie ICH sie sehe. Du wirkst für mich so strah­lend authen­tisch und so anders als alle bis­her pathe­ti­schen, medi­ta­tiv­en, erns­ten, nach innen gekehr­ten, psy­che­de­li­schen, hei­li­gen, bana­len, schlei­mi­gen, ver­wir­ren­den, kopf­las­ti­gen, theo­re­ti­schen, kon­zept­las­ti­gen, unau­then­ti­schen Spiri-Lehrer. Spaß bei­seite, ich über­treibe, aber so ein bis­serl den Anschein haben die manch­mal für mich. Aber das ist mir grund­sätz­lich total egal. Ich gehe zu Karl Renz auch nur des­halb, weil es spi­ri­tu­el­les Kaba­rett für mich bedeu­tet und ich mich tot­lache. Was sonst kein Kaba­ret­tist schafft. Er zer­trüm­mert ja jeden Gedan­ken, jedes Kon­zept und das befreit logi­scherweise.

Ich hatte mich nach dem Video gefragt: Wozu brau­che ich eigent­lich mein ICH verlieren?


Tja, der Punkt ist: Da ist nie­mand, der ein “Ich” besit­zen würde und der “sein Ich” ver­lie­ren könnte. Und da ist auch kein sol­ches “Ich”.
Sondern da ist unper­sön­li­ches Bewusst­sein, in dem Gedan­ken und Emo­tio­nen erschei­nen. Diese Gedan­ken und Emo­tio­nen bezie­hen sich auf einan­der und gehen davon aus, ein “Ich” als Zen­trum und Bezugs­punkt zu haben. Sie bezie­hen sich auf die Illu­sion, die sie erzeugen.

Und der Gedanke, “sein” “Ich” zu verlie­ren, geht von der­sel­ben Illu­sion aus. Daher kann die Arbeit daran, sein Ich abzu­le­gen, diese Illu­sion noch verstärken.

Was es aber gibt und was sich ändern kann, ist die Iden­ti­fi­kation mit Gedan­ken und Gefüh­len. Das Glau­ben der Gedan­ken (über “mich, den Besit­zer von Kör­per und Gedan­ken, das getrennte Ein­zel­we­sen”) und die mit die­sem Glau­ben ver­bun­de­nen Emot­io­nen, das kann auf­hö­ren.
Das ist wie das Erwa­chen aus einem Traum, aus einer Trance.


Dann habe ich auf deiner Verlagsseite die Fra­gen gele­sen, ab Frage 3 war mein Den­ken so ver­wirrt, dass nur mehr Chaos übrig­blieb. Ein sehr ange­neh­mes Gefühl: Keine Gedan­ken und Zufrie­den­heit und Vertrauen.

Jedenfalls habe ich immer dieses Den­ken und diese Gefühle und diesen Kör­per mit dem [Name] gleich­ge­setzt, also als ICH benannt. Offen­sicht­lich war das der Denk­feh­ler. Es gibt offen­sicht­lich etwas jen­seits von all dem, wonach es zu suchen gäbe, wahr­schein­lich meinst Du damit die ICH­losig­keit? Das kenne ich aller­dings, das ist ein schöner Zustand, da bin ich ein­fach nur. Aber das habe ich schon. Auch das bestä­tigst Du. Das habe ich immer, das ist immer da. Manch­mal rückt es im Wut­an­fall oder All­tags­stress in den Hin­ter­grund, aber es ist her­hol­bar, aber nicht zwin­gend. Manch­mal aber lei­der ist dies Andere aber nicht herholbar…

Wenn das eben das ist, was Du meinst, brauch ich nim­mer suchen? Dann sage ich ein­fach: Dieses Andere ist die ICH­losig­keit, die ich in Wor­ten nicht beschrei­ben kann und [Name] mit Gedan­ken mit Gefüh­len und Wor­ten ist das ICH. Erlaubst Du in Dei­ner Sicht­weise, dass es das gibt? Weil ich emp­finde es als sehr real, wenn ich mich so von der ICHl­osig­keit / eben von Die­sem ande­ren her betrachte. Ich habe näml­ich immer geglaubt, dass alles ver­schwin­den muss. Und das hat mich so gestresst. Die­ses alles Andere als die ICH­losig­keit ist doch was Schö­nes, oder? Und para­doxer­weise gefällt mir mein ICH auch:-))


Es ist so eine Sache mit Wor­ten: “Das ist ein schö­ner Zustand, … das habe ich schon” würde wie­der einen Besit­zer eines Zustands bedeu­ten. Die Wirk­lich­keit ist kein Zustand, sondern in allen Zustän­den, und sie hat kei­nen Eigen­tü­mer. (Wahr­schein­lich meinst du das auch nicht, bin nur fürs Pro­to­koll spitzfindig.)

Die Wirklichkeit ist auch nicht her­hol­bar, son­dern die Auf­merk­sam­keit kann sich ihr zuwen­den, wenn sie nicht von Gedan­ken “gefan­gen” ist. Auch dann ist das natür­lich Wirk­lich­keit: Die Auf­merk­sam­keit ist von Gedan­ken absor­biert und spielt im Land der Illu­sio­nen. Aber die Wirk­lich­keit, die IMMER da ist, tritt dann in den Hin­ter­grund: das Bewusst­sein, in dem sich die Erschei­nun­gen und Illu­sio­nen abspie­len. In dem sich Gedan­ken an “[Name] und seine Welt” und die ent­spre­chen­den Gefühle abspielen.


Bisher dachte ich ein­zig allein, meinen Kör­per zu verbes­sern, weil er ist das Haus von meinem ICH, dann fühlt er sich wohl und das ist ange­nehm. Das glei­che tat ich mit Gedan­ken und Gefühlen. Manch­mal tat ich auch gar nichts zu letz­te­ren bei­den und dann war ich nur prä­sent, dann hat sich Trauer von selbst gelöst und es ist wie­der so ok wie es ist. Manch­mal hat sich die nega­tive Emo­tion auch nicht gelöst. Auch das war ok. Inso­fern ist das also das von Dir genannte “zum Fri­seur gehen”. Und ich bin so froh, dass das ok ist. Offen­sicht­lich ist das ein­fach die irdi­sche Dimen­sion, und die Non­dua­li­tät eine Paral­lel­welt, die gleich­zei­tig exis­tiert. Ist das so? Kann man es so sehen? Das recht­fer­tigt dann näml­ich für das EGO das “zum Fri­seur gehen”. Viele Leh­rer ver­nei­nen das Therapieren.


Eine mögliche Beschrei­bung: Da ist das Bewusst­sein (was nur ein Wort ist und auch das “Unbe­wusste” bein­hal­tet; andere Worte wären “das Leben, die Leben­­­­­­­dig­­­­­­­­keit, Intel­­­­­li­­­­­­genz, das Sein, das Nichts …”) und die Erschei­­nun­gen: die Inhalte des Bewusst­seins; die For­men, die das Bewusst­sein annimmt; die Art, wie es sich jetzt gerade zeigt.

In der Welt der Erschei­nun­gen geschieht alles, Gedan­­ken kom­­men, Haare wach­­sen, Fri­­seure bie­ten sich an. Der Orga­­nis­­mus küm­­mert sich um sein Wohl­­er­ge­hen; er fühlt Hun­­ger, dann besorgt er sich etwas zu essen. Er fühlt Trauer, dann besorgt er sich einen The­ra­­peu­­ten oder ein Selbst­hil­­fe­buch oder einen Freund zum Reden, oder er joggt, bis er sich bes­­ser fühlt, oder er “geht der Trauer auf den Grund”, er workt oder weint …

In der Welt der Erschei­nun­gen (die du “die ird­sche Dimen­sion” nennst) gibt es jede Menge sol­cher selbst­or­ga­ni­sie­ren­der und selbst-heilender Pro­zesse. Da ist kein Ego, das zum Fri­seur geht, son­dern ein Orga­nis­mus, ein Aus­druck des Bewusst­seins, mani­fes­tierte Leben­dig­keit. Leben­dig­keit “an sich” und mani­fes­tierte Leben­dig­keit sind keine getrenn­ten Wel­ten und auch keine Paral­lel­wel­­ten (ich weiß, die Worte sind immer unzu­rei­chend), son­dern die Erschei­nungs­welt ist Aus­druck der Lebendigkeit, des Bewusstseins. (Das trifft es auch nicht ganz … Worte!)

Im Spiel der Erscheinun­gen ist “zum Fri­seur gehen” genauso eine Erschei­nung wie “die Haare wach­sen las­sen”. Beides sind Gescheh­nisse; Rum­sit­zen ist nicht bes­ser oder schlech­ter als Jog­gen, Passi­vi­tät nicht bes­ser oder schlech­ter als Akti­vi­tät. Die Illu­sion ist, dass da jemand “von außen” ein­greift oder eben ver­mei­det, ein­zu­grei­fen; die Wirk­lich­keit ist, dass das alles im Spiel der Erschei­nun­gen und Energien geschieht.


Und was wäre, wenn ich nun aufhöre die ICH­losig­keit zu suchen, weil sie schon da ist? Denn, wenn ich jetzt hier bin, ich sitze hier am Sofa. Da habe ich keine Gedan­ken, keine Emo­tion außer Zufrie­den­heit inklu­sive etwas Freude und grad auch keine kör­per­li­chen Beschwer­den. Aber das ist eh immer so, außer hier und da im Alltagsstress.

Mit Ausnahme der kör­per­li­chen Beschwer­den, die zei­gen sich per­ma­nent, wenn ich nichts dage­gen unter­nehme, aber dann mache ich halt etwas Feldenkrais und sie sind wieder weg. Und wenn ich es nicht mache, ist es auch ok. Dann habe ich halt etwas Rücken­schmer­zen, wen stört es? Wenn es das ICH stört, kann ich eh was dage­gen tun. Also alles irgend­wie absurd. (Weil irgend­wie geht sich kein Konzept aus, an dem ich fest­hal­ten soll / kann.)

Und wenn ich mich emotional schlecht fühle, dann trans­for­miere ich diese Gefühle. Und wenn nicht, es ist sowas von egal. Und nega­tive Gedan­ken oder zuviele Gedan­ken stö­ren mich über­haupt nicht. Soll­ten es je noch­mals zu viele Gedan­ken wer­den, dann gehe ich spa­zie­ren und in spätes­tens 20 Minu­ten bin ich auch gedan­ken­frei, als Kin­äs­thet sowieso sehr leicht. Höchs­tens gefühls­frei werden, das ist etwas schwie­ri­ger, weil eben soviel Gefühl da ist …


Mir haben einige Leute geschrie­ben, für die die Erkennt­nis, dass da “nie­mand” ist – die Erkennt­nis der Ich­losig­keit – ver­stö­rend und depri­mie­rend war. Die eine nihi­lis­ti­sche Erfah­rung von Leere, Sinn­losig­keit, Abwe­sen­heit gemacht haben. Die nur die Nega­tion erlebt haben, das Weg­fal­len, das dann wie ein Feh­len, eine Ödnis erschien. Für man­che ist es auch ein­fach nur ein intel­lek­tu­elles Ver­ste­hen ohne wei­tere Kon­se­quen­zen (außer dass sie an ihre Sätze den Zusatz “…. aber da ist ja nie­mand, der das macht” dran­hängen).

Der andere – viel größere – Aspekt ist zu erle­ben, was “statt­des­sen” da ist, was durch die Abwe­sen­heit des illu­si­onä­ren Ichs klar sicht­bar wird: die Abso­lut­heit des Erle­bens. Die Frei­heit von und in Erschei­nun­gen. Liebe, Freude, Frie­den, Erfül­lung. Die leben­dige Prä­­­­­­senz, die abso­lut nicht [Name] oder Dittmar ist. Lie­be­­­­­­vol­les Bewusst­­­­­­sein, das sich selbst erkennt und die Erschei­­­­­­nun­gen als Aspekt seiner selbst. Dass da kein “Ich” ist, das dem gegen­über­steht, ist darin selbst­ver­ständlich enthalten.


Dann bin ich grundsätzlich am Ende meiner Suche ange­kom­men,weil ich alles schon gefunden habe. Aller­dings hat mir das noch kein ein­zi­ger Guru, Leh­rer, Meis­ter, Trai­ner oder wer auch immer bestä­tigt. Die sagen alles was ande­res. Soll ich Dir glauben? :-)))))
Entweder bin ich ver­rückt oder ich habe die gan­zen Leh­rer nicht kapiert, weil sie für mich immer etwas ande­res aus­ge­sagt hat­ten als das was Du sagst!

Also ich glaube, ich bin am Ende der Suche ange­langt. Ja das tue ich, weil es ent­spricht doch mei­ner inne­ren Weis­heit, hätte ich das doch eher getan, aber ich dachte immer es fehlt mir was, wie eben alle behaup­ten. Und das ist nun der Punkt, alle Lehrer reden, dass mir was fehlt und sie was hät­ten wo ich nie bin!! Und ich glaube, ich bin da rein­ge­fal­len. Durch Dich habe ich offen­sicht­lich die Gewiss­heit erlangt, dass ich auch das, was Du meinst wie ICH­losig­keit nicht erlan­gen brauche. Also auch das sieht wie eine Vor­gaukelei aus.


Die Ichlosigkeit zu erlan­gen wäre wie die Schwer­kraft erlan­gen. Die Schwer­kraft kann ver­ges­sen wer­den, sie kann in den Hin­ter­grund der Wahr­neh­mung gera­ten, wenn die Auf­merk­sam­keit von etwas ande­rem fas­zi­niert ist. Beim Kon­zept “Ich­losig­keit” ist die Auf­merk­sam­keit zum Bei­spiel fas­zi­niert von Ver­spre­chen und von Bedin­gun­gen, wie die Ich­losig­keit aussehen sollte.


Die Gurus haben nämlich behaup­tet ich muss da etwas Kom­pli­zier­tes erken­nen und sehen … Ich finde alles absurd jetzt. Das ist ent­we­der meine Ver­wir­rung oder Klar­heit, dass alles eh so stimmt wie ich schreibe. Wenn ich es ver­glei­che mit Dir und vor allem den ande­ren Leh­rern, ent­steht die Verwirrung.

Außerdem meinen die Neuro­bio­logen ohne­hin, es gibt keinen freien Willen und so wei­ter, es pas­siert alles ohne­hin. Nur wegen all den Guru-Aussagen inklu­sive dem Osho und ande­ren ver­suchte ich immer das zum Zahn­arzt­gehen mit dem so Sein des “Es ist schon immer alles ok und ich bin in Ord­nung” zusam­men­zu­füh­ren. Nur hat kein ein­zi­ger sich getraut, das zu tun. Nur Du! Die haben immer alle gesagt, ich bin schon ok. Ich hatte solche Schmer­zen und auch nega­tive Gefühle und dann war für mich der Wider­spruch, von Du bist ok, [Name]. Nein, ich fand das nicht ok. Ich bin zum Thera­peu­ten gegan­gen, oder thera­piere mich jetzt ja selbst. Aber für mich schien das immer uner­laubt, dass ich quasi zum Zahn­arzt gehe.

Wie siehst Du eigent­lich das mit dem freien Wil­len, den es ja nicht gäbe, damit wäre auch das The­ra­pie­ren über­flüs­sig und würde eh sowieso von selbst passie­ren, ohne mein Dazutun?


Wenn du dich in die Hand schneidest (um es umgangs­sprach­lich zu sagen; kon­zep­tu­ell kor­rekt: “Wenn In­die­hand­schnei­den pas­siert”), dann rea­giert der Orga­nis­mus / das Leben mit Selbst­hei­lungs­kräf­ten: Neue Zel­len (Blut­plätt­chen) werden gebil­det, die die Ader ver­schlie­ßen usw. Außer­dem rea­giert der Orga­nis­mus mit Schmerz, also mit erhöh­ter Auf­merk­sam­keit für die Lern-Erfahrung. Diese erhöh­te (und unwill­kür­li­che) Auf­merk­sam­keit ist genauso Teil des Lebens wie die unwill­kür­liche Blut­ge­rin­nung. Beides ist Aus­druck und Mani­fes­ta­tion der Intelli­genz des Lebens.

Diese Intelligenz zeigt sich in der Welt der Erschei­nun­gen als >ler­nende< Intel­­­­­­li­­­­­­genz. (Was sollte “reines” Bewusst­sein ohne Erschei­nun­gen auch ler­nen?) Die­ses Ler­nen besteht zum Bei­spiel in einem geschick­te­ren Umgang mit dem Mes­ser, so dass der nächste Schnitt ver­mie­den wer­den kann. Ein gutes Bei­­­­­­spiel für ler­nende Intel­­­­­­li­­­­­­genz ist auch Feldenkrais. Da wird dem Orga­nis­mus nicht von “außen” ein Kon­zept auf­ge­zwun­gen, wie er ste­hen, sit­zen oder lie­gen sollte, son­dern er lernt ganz leicht durch direkte Erfah­rung, durch liebe­volle Auf­merk­sam­keit: “Ok, bei dieser Bewe­gung zieht es in der Schul­ter – aahh! Bei die­ser Bewe­gung fühlt sich das ja ganz leicht an!”

Diese liebe­volle Auf­merk­sam­keit ist ler­nende Intel­­­­­­li­­­­­­genz. Und sie hat einen thera­­­­­­peu­­­­­­ti­­­­­­schen Effekt. Den­sel­ben Effekt hat auch “The Work” (die du bestimmt auch kennst): “Wie fühlt es sich an, diesen Gedan­ken zu glau­ben? Und wie ist es ohne die­sen Gedan­ken?” Und den­sel­ben Lern-Effekt hat hat auch das ein­fa­che Erle­ben: “Wie ist es, Bedin­gun­gen an den Moment zu stel­len (bzw. den gedank­lichen Vor­ga­ben an den Moment zu glau­ben)? Wie fühlt sich das an, wenn die Auf­merk­sam­keit stän­dig in Gedan­ken ver­hed­dert ist, dass das Leben (Ich / Du / Er / Sie / Es) anders sein sollte?” … diese Enge und Anspan­nung wirk­lich zu erle­ben und nicht als Beweis dafür zu neh­men, dass nur die Bedin­gun­gen erfüllt wer­den müss­ten und DANN würde ich mich bes­ser füh­len. Und die­sen Wahr­neh­mungs­tun­nel, diese Enge-durch-Bedingungen, die­sen Trance­zu­stand zu ver­glei­chen mit der Selig­keit, dem Frie­den, der Freude des bedin­gungs­lo­sen Ein­fach­Seins, dem Jetzt-als-Geschenk …
Das ist ein Ler­nen durch Kon­trast, wie bei Feldenkrais, The Work und beim Topfschlagen.

Auch das Bedingungen­stellen und Vom-Leben-Fordern und Kämp­fen sind Mani­fes­ta­tio­nen des Bewusst­seins. Mir schei­nen sie nur viel schmerz­haf­ter als die Bewusst­seins­in­halte so sein zu las­sen, wie sie grad sind, inklu­sive der Lern­er­fah­run­gen. Die liebe­volle Zuwen­dung fühlt sich liebe­voll an, das Abwen­den von der Wirk­lich­keit fühlt sich dumpf und ver­wirrt an. Ver­wir­rung ist Teil des Lebens, ebenso das Ler­nen und das Able­gen von schmerz­haf­ten Mus­tern, das sich natür­lich aus den Lern-Erfahrun­gen ergibt, so wie beim Schnei­den mit dem Mes­ser (z.B. “Nicht auf die Hand zu schnei­den, son­dern von der Hand weg! Nicht auf die Schneide drücken! Hin­schauen!”). Ler­nen ist die Bewe­gung von Ver­wir­rung und Unklar­heit hin zu Klar­heit. Lernen geschieht aus Selbst­liebe und ist Selbst­liebe in Aktion.


Also die Leichtig­keit ist immer da, und selbst wenn Schwere da ist, gibt es gleich­zei­tig auch Leich­tig­keit. nur wenn ich die von Dir ange­spro­chene ICH­losig­keit errei­chen wollte, dann hätte ich ein Pro­blem und es wäre wie­der alles schwer und kom­pli­ziert. Denn ich muss ehr­lich sagen, diese Illu­sion von ICH, wie es alle Gurus benen­nen, dieser [Name], ich finde den ein­fach ok mit sei­nem Kör­per, sei­nen Gefüh­len und sei­nen Gedan­ken. Und Punkt. Es wäre schade wenn das weg wäre, weil ich so gerne lebe…….

Das ist wenn überhaupt der einzige Wider­spruch mit Dei­nen Wor­ten, die ich even­tu­ell fehl­in­ter­pre­tiere. Und dann muss ich noch sagen, dass das SO­SEIN für mich genau so super wie das ICH ist. Und Punkt. Warum tren­nen? Dann gibt es auch noch Leute die in ein Selbst auf­tren­nen, alles zu kom­pli­ziert finde ich.


Ja, solange das Ich (also der Glaube an ein getrenn­tes Ich, das Bedin­gun­gen stel­len und durch­set­zen kann) keine zu gro­ßen Schmer­zen verur­sacht, ist das Heim­weh nicht so im Vor­der­grund. Bei mir war die Umkehr, dass ich zu große Schmer­zen hatte, um noch Bedin­gun­gen zu stel­len, und mit meinem Latein am Ende war. Und dann habe ich bemerkt, dass das nicht meine Bedin­gun­gen waren und nicht mein Latein.

Und der Kör­per mit seinen Empfin­dun­gen hört ja nicht auf zu exis­tie­ren, nur weil die Iden­ti­fi­ka­tion mit ihm (oder mit den Gedan­ken) endet. Die Erschei­nun­gen erschei­nen wei­ter, aber sie sind mehr ein Liebes-Spiel als ein Schlachtfeld.

Soweit meine Beschrei­bung. Im End­effekt ist es eine Beschrei­bung mehr – “etwas, das jemand sagt”. Die Beschrei­bung zu glau­ben ist ein­fach nur ein Glau­ben mehr. Sie nicht zu glau­ben ebenso.

Die Frage ist: Deckt sich die Beschreib­ung mit dei­nem Erle­ben? Gibt es da eine Resonanz?


Allein wegen dem, dass es end­lich jemand gibt, der die Welt ähn­lich wie ich sieht, bin ich so dank­bar!!! Ich würde gerne mal nach München kom­men und bei Dir eine Coa­ching­stunde nehmen. Zum Spaß, zur Freude und ver­mut­lich weil ich viel von Dir lernen kann. Danke!


Danke ebenfalls, ich habe dir sehr gerne geantwortet! Und klar, wenn du mal nach München kommen willst, zum Coaching oder zum Gesprächskreis, bist du herzlich willkommen.


Ich würde mich noch mehr über eine Ant­wort freuen auf meine Gedan­ken. Sie kann auch ganz kurz sein:-)


“Die Antwort kann auch ganz kurz sein” – das habe ich leider zu spät gelesen. 🙂

Herzliche Grüße
Dittmar

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Wahrnehmungsfilter: Ersetzen oder erforschen?

Sehr einleuchtend und wohltuend, das Thema mal unter dem Aspekt der bedingungslosen Liebe zu betrachten und sich die sonderbare Brille, durch die wir gemeinhin schauen, wiederholt vor Augen und damit ad absurdum zu führen. Wenn Du, Dittmar, an anderer Stelle NLP oder Byron Katies Work empfiehlst, wird doch aber wiederum die besagte Brille nur durch eine andere Brille ersetzt, oder nicht? Wie passt das für Dich zusammen?


Viele Leute halten NLP und The Work für “Methoden, um uner­wünschte Gedanken loszu­werden und durch bes­sere zu ersetzen”. Ich verstehe sie (vor allem im Kontext dieses Gesprächs) anders, nämlich als Erforschung.

NLP und The Work können dabei helfen:

  • zu erforschen, welche Bedin­gungen gestellt werden (die Gedan­ken zu erken­nen, die Bedin­gungen stellen);
  • zu erforschen, welche verzer­rende Wirkung das Sehen durch die Bedin­gungs­brille hat: die daraus resul­tie­rende Veren­gung des Erle­bens, die Anspan­nung, Wut, Einsam­keit, Trauer, Verwir­rung und Angst, die damit einhergeht;
  • für diese Gefühle und Reak­tionen nicht mehr die Welt verant­wort­lich zu machen, die “mir vor­ent­hält, was ich brauche”, son­dern die Reak­tio­nen als Folge der gestell­ten Bedin­gun­gen zu erken­nen, als Folge des Wahns, Ankläger oder Opfer zu sein;
  • die Alternative zu erkunden: zu erleben, was ohne Ankla­gen und Bedin­gungen schon da ist – liebevolle Offen­heit für alles, was sich zeigt.

Es geht hier also nicht um eine neue Kondi­tio­nie­rung und auch nicht um “Posi­tives Denken”, sondern um Lernen durch Kontrast:
So ist es, wenn eine Bedin­gung wich­tiger erscheint als Liebe, und so ist es, wenn Liebe wich­tiger ist als Bedingungen.

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