Ich will frei und glücklich sein

(Live-Gespräch, Name geändert)

Andrea: Was mir bei mir immer mehr auffällt, ist, dass es kein Entkommen gibt. Da ist immer das Bedürfnis: „Ich will, dass es mir gut geht. Ich will glücklich sein. Ich will frei sein. Ich will erleuchtet sein.“ … und dann tue ich dies und das dafür, um vermeintlich frei zu sein: Ich hafte nicht mehr an dem an; ich kann meine Gedanken wahrnehmen und muss ihnen nicht mehr folgen; ich kann meine Emotionen wahrnehmen und muss ihnen nicht mehr folgen … Da ist aber dann immer noch jemand, eine Person – also in dem Fall Andrea –, die dann vermeintlich etwas besser kann. Und das ist so hinterrücks, so trickreich, diese Person, die immer weiter sein will, und wenn sie freier ist und weiter ist und erleuchtet ist und was weiß ich alles … Meistens ist gar kein Bemerken darüber da, dass das wieder abläuft, weil man sich ganz toll dabei fühlt, ganz weit schon: „Jetzt habe ich es geschafft, ich habe keine Anhaftungen mehr, keine Erwartungen mehr, ich bin so frei…“

Aber es ist immer die Person. Und die Person kann nicht frei sein, die wird nie frei sein. Etwas, das nicht existiert, wie soll das frei sein?“

Dittmar: Wie soll das unfrei sein?

Andrea: Genau! Und trotzdem ist da ständig dieses persönliche Machen, permanent. Und ich bin da inzwischen an einem Punkt angekommen, wo ich echt aufgebe – wobei da auch wieder jemand ist, der es aufgibt. Das ist ja never-ending, das ist ja endlos! Und dann aber auch immer wieder die Erfahrung, wenn es aufhört. Wenn nur noch Sein ist und Punkt. „Okay, da ist jetzt der Fuß, und Punkt. Weiter nichts.“ Und dann ist klar, dass da auch nie eine Person war. Völliger Irrsinn! Völlige Illusion! Nur ein Traum! Da war auch nie jemand, der erleuchtet sein wollte. Ich weiß auch gar nicht, was Erleuchtung bedeuten soll, das ist ja völliger Quatsch! Was soll das überhaupt sein?! Und das kann die Person aber nicht machen, weil es die Person ja gar nicht gibt, wie soll die aufwachen können? Und so sitze ich da: Okay, ich bin eh da, das weiß ich mittlerweile – „Das weiß ‘ich’ mittlerweile“ –, dass ich immer da bin und nie weggehen kann und nie besser werden kann und nicht anders werden kann und nie nicht war und dass ich mir überhaupt keine Sorgen machen muss; es gibt nichts zu erreichen und nichts zu verlieren, denn ich bin einfach immer da. Immer, es geht gar nicht anders. Also dieses klare Wissen hat dann doch auch die Person irgendwie, und dann muss ich auch nichts mehr machen. Es ist völlig absurd! Wenn Aufwachen passiert, dann passiert es und dann ist es da. Das kann die Person nicht machen. Und deshalb habe ich, wie ich als Andrea jetzt hier sitze auch, habe ich irgendwie aufgegeben. Es ist eh wurscht, ich bin eh da, und ob jetzt Wolken davor sind und ich wieder am Rennen bin und dieses „Ich will, dass es mir besser geht, und das will ich nicht und das schon …“ – was soll ich machen damit? Da ist dann wieder die Person, die meint, sie muss Therapie machen und muss, muss, muss, damit sie freier ist und glücklicher ist und diese und jene Beschwerden nicht hat … und dann weiß ich überhaupt nichts mehr: „Wer bin ich denn jetzt? Muss ich Therapie machen? Ja, irgendwie schon, weil mir geht’s ja schlecht; ich will ja, dass es mir gut geht.“ Gut, dann probiere ich wieder irgendetwas aus, damit es mir besser geht. Und auf der anderen Seite ist dann: „Spinnst du jetzt?! Jetzt fummelst du wieder an etwas herum, was gar nicht wahr ist! Etwas das gar nicht ist, willst du verändern! Wie absurd ist das denn wieder?!“ Und in diesem ständigen Wechselspiel bin ich immer wieder hin- und hergerissen … bis es aufhört. Und wenn es aufhört, ist es wieder still. Keine Zeit, kein Raum …

Dittmar: Frieden.

Andrea: Frieden. Aber das kann die Person nicht machen. Es passiert. Kannst du etwas dazu sagen? Das ist der Verstand, der das wissen will. Wenn ich da bin, wenn ich wach bin, dann gibt es keine Fragen. Aber meistens bin ich halt im Verstand, und dann ist die Frage: Was mache ich jetzt? Ich weiß, da war mal diese Erfahrung und das stimmt alles nicht, aber trotzdem sitze ich wieder voll drinnen und mache Therapie.

Dittmar: Lass uns mal damit anfangen, dass du sagst: „Es gibt ja gar keine Person, das ist ja irgendwie klar.“

Andrea: Ja, das sagt mein Verstand jetzt. Das ist ja nicht gerade meine Erfahrung. Im Moment bin ich ja voll da, also als Person.

Dittmar: Im Moment ist etwas da. Und was da ist? Wenn man sagt: „Jetzt bin ich als Person da“, dann sind bestimmte Reaktionsweisen da, vielleicht ein Gefühl von Abstand zur Welt oder so, oder bestimmte Erinnerungen … Diese Erinnerungen können aber auch da sein, wenn du völlig klar in Frieden bist. Wenn wir uns in so einem Moment treffen und ich dich frage: „Wie heißt du? Wo bist du geboren?“, dann kannst du mir das beantworten. Also es ist nicht so, dass dann kein Zugriff wäre auf Erinnerungen und Gedanken.

Andrea: Stimmt.

Dittmar: Sondern „Person“ heißt einfach, dass man es persönlich nimmt. Und das ist schon der ganze Unterschied. Wenn du mich fragen würdest, wo ich geboren bin, dann könnte ich dir das in den meisten Fällen sagen. „Persönlich nehmen“ ist eine Art „ernst nehmen“ von den Gedanken, die da auftauchen, und den Reaktionen, die dann folgen. Zum Beispiel: „Ich habe bestimmte Erfahrungen und auf die lege ich Wert, und ich weiß, wo ich hin will“ und so weiter.
In diesen Momenten oder Stunden der Klarheit und des Friedens ist auch einfach klar, dass das nur Gedanken sind, und dass sie noch nicht einmal weg müssen. Sondern das „Wegmüssen“ wäre wieder nur ein Gedanke, der sagt: „Das muss aber weg, bevor es friedlich wird!“ Und in diesen Momenten, die man nicht machen kann, ist es einfach superfriedlich, weil alles so sein darf, wie es ist. Alles darf da sein, taucht auf und geht wieder, ja. „War nett, dich zu sehen!“

Und da ist der Wunsch, dass es dir gut geht, der ganz viel antreibt. Wo du sagst: „Therapie, damit es mir besser geht“. Lass uns mal diese zwei Sachen voneinander unterscheiden: Den Wunsch, dass es dir gut geht, und die Vorstellungen, was dazu passieren müsste.

Denn dieser Wunsch, dass es dir gut geht, ist ja einfach nur Liebe. Wenn du jemanden liebst, dann ist dir nicht egal, ob es ihm gut oder schlecht geht. „Die soll ruhig leiden.“ Sondern Liebe hat zu tun mit Wohlwollen. Da gibt es zum Beispiel diese Sehnsucht nach dem Frieden, der sich ja immer wieder mal zeigt. Und das Herz sagt: „Ja, das!“, und der Verstand sagt: „Aha, und jetzt weiß ich auch, wie ich da hin komme!“

Und das ist, was man dann Person nennt: Die Pläne vom Verstand, da hin zu kommen, wo das Herz ist. Und der Wunsch, dass es uns gut geht, wird nicht verschwinden. Ich will, dass es dir gut geht. Und du willst, dass es dir gut geht. Nur habe ich sehr wenig Vorstellungen, was dir gut tun würde. Und ich habe keine Vorstellung von Erleuchtung oder so. Aber ich habe ein Gefühl dafür, wie das ist, wenn du in Frieden bist, wenn du glücklich bist. Wenn du Liebe fühlst. Und was brauchst du mehr, um in Frieden zu sein, als Liebe zu fühlen?

Das einzige, was bisschen Schwierigkeiten macht, ist das Denken, das sagt: „Okay, aber davor brauche ich noch folgende Veränderungen, um das fühlen zu können, was ich in diesen Momenten immer schon gefühlt habe, wo es überhaupt keine Veränderungen gebraucht hat.“

Auch der Wunsch, dass es dir gut geht, muss nicht verschwinden. Er erfüllt sich nur sehr viel leichter, wenn er nicht an Vorstellungen gebunden ist. Sondern ich weiß, wo es mich hin zieht. Und der Verstand sagt: „Aber wenn es einen hin zieht, dann hat man das Gefühl, man ist noch nicht da“ und so weiter – aber es zieht einen in die Gegenwart! Das heißt nicht, dass dafür diese ganzen Gedankenmuster verschwinden müssen. Nein, sie können da sein und werden halt nicht persönlich genommen. Einfach: „Ja, es sind Gedankenmuster. Und da bin ich, und ich bin immer da, und ich brauche nichts. Und wenn ich wirklich fühle, dass ich nichts brauche, dann fühle ich mich frei, glücklich, voller Liebe.“ Und natürlich ist da der Wunsch, das wirklich zu fühlen, statt nur zu sagen: „Tja, man kann da eh nichts machen, dann fühle ich es halt nicht, na und?“ Das wäre ein Verleugnen von dem, wo unser Herz hin will, wo es zuhause ist, wo es jetzt ist!

Nur die Aufmerksamkeit kann davon weg gehen in irgendwelche Gedanken-Geschichten, die zum Beispiel sagen: „Nach der Therapie würde ich nicht mehr so reagieren, dann wäre ich ganz hier und jetzt!“ Und das heißt nicht „Mach keine Therapie“, so wie „Geh nicht zum Zahnarzt!“ Manchmal ist das eine wirklich gute Idee, statt zu sagen: „Aber hier und jetzt ist ja gar kein Zahnarzt da …“ und so weiter. Also es hat nichts damit zu tun, welche Pläne dann umgesetzt werden, so wie du einkaufst, wenn du heute Abend noch etwas essen willst. Es ist halt einfach nichts Persönliches, sondern Gedanken, Vorstellungen, und du weißt auch: Wenn du heute nicht einkaufen gehen würdest, dann würde das im Endeffekt auch nichts ändern, nur dass du halt nichts zu essen hättest.

Aber das Leben sorgt für dich als du. Nicht als jemand anders. Und der Verstand hat die Tendenz, bestimmte Wege herauszunehmen, wie für dich gesorgt sein müsste. Und dann erscheint es ziemlich theoretisch: „Okay, das heißt, jetzt ist es noch nicht gut genug oder jetzt bin ich noch nicht gut genug … Also bin ich eine Person, die noch wohin muss“ – statt: „Ja, bin ich: Aufmerksamkeit, Liebe, Freiheit … und Vorstellungen, was noch zu geschehen hätte, rauschen immer mal durch und werden manchmal ernster genommen, manchmal weniger ernst.“ Ernst / persönlich, das hängt für die meisten Menschen recht eng zusammen.

Und es gibt diese Erfahrungen, durch die du weißt, was wirklich stimmt, für dich nicht als Person, sondern als Leben. Nichts muss weg, nichts muss her, das ist schon da; und wenn die Aufmerksamkeit sich dem zuwendet, dann ist es richtig schön. Und manchmal fühlst du die Sehnsucht danach. Und das ist ein Zeichen dafür, dass irgendwelche Vorstellungen davon ablenken. Und dann kann man sagen: „Tja, ist halt so, die lenken halt gerade ab“, oder man kann sagen: „Oh, ich weiß, wo ich hin möchte!“

Wenn man mit einem Kind zu tun hat, und das Kind hat Angst vor einem Gespenst im Schrank, dann kann man sagen: „So ist halt das Leben, Kind hat Angst, tja, mein Gott.“ Oder man kümmert sich um das Kind: „Ja, da ist gerade dieses Gefühl.“ Und das Herz – um es mal so zu sagen –, das Herz kann sagen: „Da ist gerade das Gefühl, eine Person zu sein, und das heißt, Angst zu haben. Ich weiß, wohin es mich zieht, ich weiß nur nicht, wie ich dahin komme …“, und wir als liebevolle Aufmerksamkeit können verstehen, was da abläuft. „Ich verstehe das. Es ist, einem Gedanken Glauben zu schenken und das anzuzweifeln, was ich eigentlich wirklich weiß.“ Nicht weiß aus einer Erinnerung, nicht als Konzept, sondern da ist dieses Wissen, auf der anderen Seite der Sehnsucht.

Sehnsucht nach der Gegenwart. Und der Verstand sagt: „Aber Sehnsucht ist doch das Problem, denn dann erscheint es, als wäre es das noch nicht!“ und so weiter. Aber es ist die Sehnsucht danach, es wirklich zu fühlen! Und daran ist nichts verkehrt. Die Sehnsucht lässt sich auch wirklich erfüllen.

Und wann immer diese Angst oder diese Enge oder diese Sehnsucht gefühlt wird, ist das ein richtig guter Moment! Es ist nicht: „Ich sollte mich einfach damit abfinden“, sondern: „Ja, da ist diese Sehnsucht.“ Und wenn sie Aufmerksamkeit bekommt, findet sie auch ihren Weg. Aufmerksamkeit dafür, was gerade da ist. Egal, was es ist. Emotionen, Gedanken … Und diese ganze Sache, ob da eine Person ist, ist hinfällig, denn es ist klar, dass da Gedanken und Emotionen sind, keine Person.

Und gleichzeitig ist klar, dass da ein Organismus ist, denn man praktischerweise „Andrea“ nennen könnte. Wenn man ihn „Paula“ nennen würde, wäre es verwirrend, und wenn man ihn „Günther“ nennen würde, wäre es noch verwirrender. Also „Andrea“ ist schon okay.

Es ist im Endeffekt immer super einfach. Es ist nie kompliziert, es ist nie: „Nachdem ich mir diese Zwischenstufe erarbeitet habe …“, sondern immer super einfach. Und es ist kein „Wissen, das euch jemand vermittelt hat“, sondern ein Erkennen dessen, was du schon immer weißt. Oder?

Andrea: Ja. (Lange Stille)

Dittmar: Zum Beispiel jetzt. Das ist nicht wirklich in Worte zu fassen, oder? Und trotzdem ist da ein Bemerken. Das ist immer da. Ob Gedanken da sind oder nicht, das ist immer da. Wenn ihm Aufmerksamkeit geschenkt wird, ist es direkt fühlbar. Vielleicht nicht super intensiv, aber locker so intensiv wie dein Puls.

TN: Stimmt. (Lachen) Das stimmt! Das habe ich so noch nie gesehen!

Dittmar: Aufmerksamkeit geht oft dahin, wo es intensiv ist. Das kann ein intensiver Schmerz sein oder ein Presslufthammer vor dem Haus oder emotionale Intensität. Trotzdem ist der Puls klar fühlbar. Und je mehr Aufmerksamkeit dem geschenkt wird, desto klarer wird es auch.

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Sehnsucht nach …?

Lieber Dittmar,

es gibt kein Ich, es gibt kein Du; es gibt nur das, was gerade geschieht. Und wenn da nur dies da ist, dann erkenne ich da auch kein Ich oder Du … da ist nur diese Offenheit für das was gerade da ist.

Da ist ein Organismus der Vorlieben oder Abneigungen hat. Der Milch statt Kaffee mag. Ein Charakter, der mit einem anderen Organismus oder Charakter in Resonanz geht. Dieser Organismus hat Vorstellungen und Wünsche, auch, mit diesem anderen Organismus zusammen zu sein. Ein Gefühl der Sehnsucht kann sich einstellen, wenn der andere Organismus nicht da ist …. So, und jetzt kommt der Knoten in meinem – keine Ahnung wo. In der Offenheit kann ja alles auftauchen.

Wenn es doch kein Du und Ich gibt, nur das was gerade ist, ist. Gibt es denn dann das Gefühl der Sehnsucht nach einem anderen Menschen ? Äh … anderer Mensch … also doch ein Du 🤪🙈

Kennst Du noch das Gefühl der Sehnsucht nach einem anderen Menschen?  Sehnsucht ist doch ein Gefühl des Mangels. Es könnte gelernt werden, wie es sich anfühlt, wenn dem Gefühl der Sehnsucht geglaubt wird oder … das Gefühl der Sehnsucht taucht auf, ist aber nicht personifiziert nur die Gedanken personifizieren es

Ojemine… ich bin jetzt besser still, sonst kommt noch mehr Kuddelmuddel raus.  


Liebe …,

ich freue mich immer, von dir zu lesen oder zu hören! Und ich antworte dir auch gerne.

Grundsätzlich finde ich es viel leichter, zu schauen und zu fühlen, wie das Erleben wirklich ist, statt darüber nachzudenken, wie es sein müsste oder sollte oder könnte.

Im Erleben tauchen Menschen auf. Viele verschiedene Menschen. Weswegen schließt du deine Wohnungstür ab, weswegen schaust du erst mal, bevor du eine Straße überquerst, weswegen trägst du Kleidung, auch wenn es warm ist? Wegen anderen Menschen.

Zu behaupten, es gäbe keine Menschen, ist wie zu behaupten, es gäbe keine Hände. Das lässt sich sehr leicht überprüfen. Natürlich kann das auch anders beschrieben werden, zum Beispiel: “Es gibt keine Hände, sondern nur Atome.” Oder: “Es gibt gar nichts, das ist alles nur ein Traum.”

Aber genauso kannst du auch sagen: “Es gibt keinen Traum, das ist alles nur Erleben.” Und was wird geträumt oder erlebt? Hände und andere Menschen. Das Zusammenspiel der Hände miteinander und mit Gegenständen. Und das Zusammenspiel von Menschen.

Und wie du sagst: Da gibt es Resonanz. Mit verschiedenen Menschen gibt es verschiedene Resonanzen. Deswegen stellst du diese Frage mir und nicht deinem Postboten.

Mit manchen Menschen ist das Zusammensein “tiefgründig”, manche reden viel über Geschichten oder über Pläne … Und mit manchen Menschen ist das Zusammensein lustig und heiter. Oder es ist schön, mit jemandem zu knutschen, und wahrscheinlich ist es nicht egal, mit wem (“Es gibt ja eh niemanden, es ist ja eh nur das Eine …”). Mit manchen Menschen tanzt du vielleicht gerne: Ihr habt einen ähnlichen Rhythmus, ihr mögt die gleiche Musik …

Wenn ich dir zwei Konzertkarten anbiete, die eine für die Würglinger Polkajodler und die andere ist für deine Lieblingsband, welche würdest du nehmen? Und gäbe es dann vielleicht Vorfreude auf das Konzert? (“Obwohl es ja keine Wahl gibt, keine Konzerte, keine Zukunft, kein Du und keine Musiker …”)

Du könntest dich freuen auf die Resonanz, die du im Konzert erlebst. Und so eben vielleicht auch mit dem Tanzpartner.

Ja, es gibt Menschen, die ich besonders gerne sehe, und auf die ich mich freue. Das Einssein erscheint nicht nur abstrakt, sondern konkret in Gestalt dieses Moments, in dieser Situation, als Zusammenspiel der Anwesenden.

“Sehnsucht” übersetzt du mit “Mangeldenken” und das “sollte” man ja nicht haben. 😉

Im Grunde ist es immer Sehnsucht nach Liebe. Danach, Liebe zu fühlen. Heimweh danach, ganz hier zu sein, lebendig, wach, spontan und eins mit dem Moment.

Mit manchen Menschen wird dieses Erleben sehr intensiv. Und dann kann es vielleicht so scheinen, als würde es vom Zusammensein mit diesem Menschen abhängen, ob der Moment als liebevoll und erfüllend erlebt wird. Das ist dann wie eine Abwertung des Erlebens, wenn dieser Mensch nicht da ist.

Es kann aber auch erlebt werden, wie “anders” erfüllend die Gegenwart ohne ihn ist und dass Liebe immer jetzt da ist.

Und es kann den Gedanken an jemanden geben, den du gerne wiedersehen würdest. Das kannst du auch “Sehnsucht” nennen, die in der Fülle auftaucht, in der Liebe zur Gegenwart.

Liebe Grüße
Dittmar


Lieber Dittmar,

vielen vielen DANK für deine Worte!

Es ist so schön, ich kann durch Dich Leichtigkeit erfahren.
Tiefe Dankbarkeit macht sich in mir breit
😊

ALLES ist Erleben.

Ganz liebe Grüße

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Ich, der Organismus

Hallo lieber Dittmar,

es ist eine Freude, bei den Treffen dabei sein zu können, und ich freue mich immer wie Bolle auf diesen Termin. Die Fragen die erschei­nen und die Ant­worten die kommen, alles ist so echt, klar und ehrlich und erhellend.

Es fühlt sich alles intensiver an und trotz schein­barer Unru­hen von außen fühle ich mich inner­lich stabiler. Da ist auf jeden Fall momen­tan auch mehr Ener­gie da für alles. Irgend­was verän­dert sich. Die Gedan­ken, die auf­tau­chen, haben keine Schwere (zur­zeit), sondern sind mehr so klä­rend, und immer wieder taucht der Gedanke auf, dass das, was geschieht, genauso sein soll und richtig ist wie es ist. Auch dann, wenn ich es nicht verstehe. Mehr Ruhe, Gelassenheit …

Ich bin mir sicher, dass das mit deinen klaren Worten, dem Offen­sein für das, was durch dich gesagt wird, und die Fragen der anderen, die auch meine sein könnten, alles geschieht.

Gestern Abend habe ich auch noch eine Angst vor dem Nicht­sein deut­lich gespürt, die Angst vor dem Tod scheint also noch da zu sein.
Ist das bei dir auch noch so, oder ist da eine totale Annahme bzw. Gelassen­heit? Eigent­lich ist es dann doch wohl ein­fach nur ein Gedanke, der Angst macht, oder?


Liebe ..,

ich freue mich, dass du Ruhe und Gelassenheit erlebst!
Nein, Angst vor dem Tod habe ich gar nicht. Wobei ich mir gut vor­stel­len könnte, dass der Orga­nis­mus auf eine lebens­be­droh­liche Situa­tion mit viel Adre­nalin rea­gie­ren würde, z.B. wenn nachts im Wald ein geis­tes­kranker Axt­mörder auf mich zu kommt … 😶 Wer weiß …

Und genauso könnte es bei dir sein, wenn dann wirklich mal Gevatter Tod vor der Tür steht, dass du ihn dann will­kom­men heißt und ihn fried­lich und freund­lich herein lässt. Wer weiß …

Und klar: Das sind alles nur Gedanken. Im Moment ist da ja kein Tod, sondern nur Leben …


Hallo lieber Dittmar,

Ich wollte mich mal für deine Antwort auf die Frage nach der Angst vor dem Tod bedanken. Sie hat mich sogar zum Lachen gebracht, da es so klar war bzw. wurde, als ich deine Antwort las. Klar, es kann alles passieren, Angst oder ent­spanntes Annehmen …

Trotzdem habe ich heute mal ein paar “andere” Fragen, die mir gerade so durch den Kopf schwirren und die ich dir gerne stellen würde – bestimmt hast du sie schon alle tausend­mal beantwortet, aber das Verstehen und die Fragen tauchen halt gerade so auf. Ich habe Sorge, dass es sich bei mei­nem Ver­stehen “nur” um ein verstan­des­mä­ßiges Verstehen handelt, so dass noch irgend­was Wichtiges fehlen würde.

Habe einfach mal alles so runtergeschrieben:
Irgendetwas geschieht und man scheint darin unbewusst ver­wickelt, dann kommt ein Gedanke der sagt: “Hey, warum machst du das gerade so?” Und dann kommt der nächste: “Ha, da war ich wohl nicht auf­merk­sam genug” und der nächste: “Aber es gibt doch gar kein Ich, nur Gedan­ken”, und daraufhin ent­spannt sich etwas spürbar im Körper, aber nur solange wie dieser Gedanke anhält und abge­löst wird von einem ande­ren Gedanken, wie z.B.: “Mensch, ich muss ja noch ein­kaufen”, und schon ist es vor­bei mit der Entspannung … Usw. usw.

Ein scheinbarer Ablauf von Gedanken und Hand­lungen, von nie­man­dem, aus dem Nichts, bzw. sich von Moment zu Moment aus der jewei­ligen Situ­ation ergebend. Niemand da, der irgend­etwas denkt oder tut. Selbst das Erken­nen von dieser Tat­sache geschieht irgend­wie von alleine durch den auf­kom­men­den Gedan­ken und die anschlie­ßende Über­prü­fung, auch wenn es sich hart­näckig so anfühlt bzw. denkt, dass ich da etwas tue oder denke. Es denkt und tut sich ja auch durch diesen Körper, und irgend­wie hat dieses System ja gelernt, dass dieser Körper ich bin, und auch alles, was durch ihn geschieht, denkt und handelt, ich bin.

Ist alles also wirklich nur kondi­tio­niert und bedarf es somit nur einer Dekon­di­tio­nierung? Ist das Erwa­chen dann nichts weiter als ein kom­plet­tes Dekon­di­tio­nieren des Systems, so dass kein Ich mehr zurück­bleibt und nur das pure Geschehen übrig bleibt?

Geschieht bei dir dann nur noch ein Benut­zen des Wortes “ich” ohne einen fühl­baren Inhalt bzw. ohne den Glauben daran?

Dass alles, was geschieht, sich auf einem Hinter­grund abspielt und eigentlich dasselbe ist, also eins, kann man als Mensch doch gar nicht ver­ste­hen können, oder? Das Erleben ist doch offen­sicht­lich ein anderes. Als wäre es doch nur ein Glaube. Ein Glaube an einen unka­putt­baren Hinter­grund, Urgrund oder wie man es auch immer nennen will, oder? Es gibt doch dann gar nichts anderes, was “ich” wahr­neh­men oder sein kann, als das was, sich gerade so zeigt (für mich)? Es gibt nichts zu tun, nichts zu ändern und nichts zu ver­än­dern, da es mich nicht gibt, aber dennoch erlebe ich es (oder es sich) doch als schein­ba­res Ein­zel­wesen. Oder ist das bei Dir anders???

Mir scheint, da gibt es echt einen Unter­schied zwi­schen dem Ver­ste­hen und dem Sterben des schein­baren Ichs. Ist das so?

Ich würde mich sehr über eine Antwort von dir freuen.


Danke für deine Fragen! Ich antworte dir sehr gerne.

• Du schreibst: Dann kommt ein Gedanke, der sagt: …‘Ha, da war ich wohl nicht auf­mer­ksam genug’ und der nächste: … ‘Mensch, ich muss ja noch ein­kau­fen’, und schon ist es vor­bei mit der Entspannung.”

Ist es denn wirklich das Wort ich, das zu Anspan­nung führt, oder sind es Begriffe wie Nicht … genug und Ich muss noch …? Die Vor­stel­lun­gen, wie du sein oder erle­ben müsstest und was du machen müsstest?

Es denkt und tut sich ja auch durch diesen Kör­per, und irgend­wie hat dieses System ja gelernt, dass dieser Kör­per ich bin, und auch alles, was durch ihn geschieht, denkt und handelt, ich bin. … Geschieht bei Dir dann nur noch ein Benut­zen des Wortes ‘ich’ ohne einen fühl­ba­ren Inhalt bzw. ohne den Glauben daran?

Wenn ich das Wort ich benutze, dann meint der Orga­nis­mus sich selbst. Die Leben­dig­keit, die als dieser Orga­nis­mus lebt. Ganz einfach.

Zum Beispiel könnte ich, der Orga­nis­mus, einfach sagen: Meine Hände sind schmut­zig, ich gehe mich mal waschen. – statt: Diese Hände sind schmut­zig, Gehen und Waschen geschieht … schein­bar. Für niemanden. Wenn ich anfange so zu reden, erschieß mich bitte.

Das Wort ich ist ein prakti­sches Kürzel für den leben­den, den­ken­den, wahr­neh­menden, sich bewe­genden Organismus.

Und natürlich lässt sich dieser Organismus von seiner Umgebung unterscheiden, natürlich kann ich ihn von dem Stuhl unterscheiden, auf dem ich sitze, und von der Kleidung, die ich trage. Und in Gedanken kann ich ihn aus der Situation heraus lösen und damit aus dem Jetzt heraus lösen.

Diese Möglichkeit zu unter­schei­den oder ihn gedank­lich aus der Situ­a­tion heraus zu abstra­hie­ren behin­dert aber nicht das Erleben von Eins­sein und Ganz­heit: Unter­schei­dung ist nicht Trennung.

Wenn du deine (ich weiß: das böse Wort!) Hand anschaust, dann siehst du einzelne Finger, wenn du sie mit diesem Filter betrachtest, der sie von der Hand und den anderen Fingern unterscheidet. Daran ist nichts verkehrt. Jeder Finger ist eine eigene Erlebniswelt, auf seine eigene Art lebendig. Wenn sich ein Finger verletzt, tut nur er weh, die anderen Finger  enicht.

Und doch ist dieselbe Leben­dig­keit in jedem Finger. Und wenn du einen Finger verlie­ren würdest, wäre dieselbe Leben­dig­keit immer noch da, nur ohne Erle­ben und Bewe­gen dieses Fingers. Immer noch ganz und vollständig.
Dasselbe könntest du mit jedem ein­zel­nen Finger über­prü­fen: Seine Finger­kuppe ist nicht das Finger­ge­lenk oder der Finger­na­gel und doch können sie als ein einziger Finger erlebt werden, als eins ohne Tren­nung. Als Ein­heit in den Unterschieden.

Das Erleben des Jetzt ist als Ganzes da, das beinhal­tet auch den Erlebenden.
Der Organismus ist keine tote Mate­rie und nicht getrennt von mir, sondern pures Leben, dieses leben­dige Zusammen­spiel, dieses Gesamtgeschehen.

Dass alles, was geschieht, sich auf einem Hinter­grund abspielt und eigent­lich dasselbe ist, also eins, kann man als Mensch doch gar nicht verstehen können, oder? Das Erleben ist doch offen­sichtlich ein anderes.
Also wäre es doch nur ein Glaube. Ein Glaube an einen unkaputt­baren Hinter­grund, Urgrund oder wie man es auch immer nennen will, oder? Es gibt doch dann gar nichts anderes, was ‘ich’ wahrnehmen oder sein kann als das, was sich gerade so zeigt (für mich)? Es gibt nichts zu tun, nichts zu ändern und nichts zu verändern, da es mich nicht gibt, aber dennoch erlebe ich es (oder es sich) doch als schein­bares Einzel­wesen. Oder ist das bei dir anders???

Glauben hilft da nichts. Da ist kein Hinter­grund, keine Lein­wand, keine Träger­substanz … Aus all diesen Meta­phern und Begrif­fen macht sich das Denken eine Vor­stel­lung, die nur eine Vor­stel­lung bleibt. Ein Etwas, ein Objekt, an das geglaubt werden kann.
Da ist nur diese Lebendigkeit. Sie ist völlig offen, sie kann nicht wie ein Objekt wahr­ge­nom­men werden. Aber sie kann ganz direkt erlebt werden, ganz ohne Gedanken und ganz ein­deu­tig und klar. So erlebe ich sie.

Anders gesagt: Lebendigkeit erlebt sich, ohne Subjekt und ohne Objekt (oder, wenn diese Unterteilung stattfindet: als Subjekt und Objekt zugleich).

Und diese eine Lebendigkeit nimmt in allen Formen Gestalt an, bewegt sich als alles. Als Zusammen­spiel der Einzel­wesen, der Orga­nis­men. Frei von den Erschei­nun­gen, frei in den Erscheinungen.

Auch als das Verstehen, dass du gerade andere Sinnes­ein­drücke erfährst als ich, dass jeder Orga­nis­mus eine eigene Erfah­rungs­welt dar­stellt, und dass das zum Zusammen­spiel gehört wie verschie­dene Klänge und Instru­mente und Hörer zur Musik: Die Töne sind nicht getrennt in der Musik.

Da ist einfach nur das gegen­wär­tige Erleben, und die Gegen­wart wird in all ihrer bunten Vielfalt als eins erlebt und geliebt. Dieses ganze Erleben ist Pro­jek­tion des Bewusst­seins durch Organismen.

Die Illusion, die Stress bringt, ist nicht der Org­anis­mus, sondern der Besitzer und Lenker des Org­anis­mus, der irgend­wie vom Org­anis­mus getrennt dem (Er)leben gegen­über zu stehen scheint.

Das Denken nimmt solche Beschrei­bun­gen des Eins­seins schnell mal als Vorgabe und ver­sucht dann, diese anschei­nend noch aus­ste­hende Erfah­rung anhand einer Vor­lage zu kon­stru­ie­ren und herbei­zu­denken. Aber wenn das Erle­ben nicht dafür her­hal­ten soll, Vor­stel­lun­gen zu erfül­len, sondern sein darf, wie es ist, dann zeigt sich das Eins­sein von selbst. Denn wie du schreibst: Mit dem gedank­li­chen Ver­stehen hat es nichts zu tun. Aber Ster­ben des schein­ba­ren Ichs würde ich es auch nicht nennen, sondern eher Erwa­chen oder völliges Auf­gehen im Jetzt.


Ich danke dir für deine Antwort und bin froh, dass ich dich wahr­schein­lich niemals erschießen muss 😆, da du dich ein­fach klar und normal aus­drückst. Genau dafür “lieb ich dich” und deine Art zu reden, zu erklä­ren und ein­fach zu sein.

Ich bin mir nun siche­rer denn je, dass alles genau rich­tig ist so wie es ist.
Sicher auch, dass ich bei aufkom­men­der Ver­wir­rung lieber dich frage als sonst irgend­wen und du mir durch deine Worte wieder zur Klar­heit verhelfen kannst.

Gestern Abend habe ich mir mal wieder ein Video von dir und der Gruppe angeschaut / angehört, in dem es um Expe­ri­mente im Bewusst­sein ging – es war unglaub­lich. Ohne Kon­zepte war da wirk­lich fühl­bar alles im Bewusst­sein, so groß und weit und alles fand darin statt – Hören, Gedanken, Fühlen, Bilder usw. …

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Wird das Leben gesteuert?

Wird das Leben gesteuert?Lieber Dittmar!

Ich kann es nicht oft genug sagen, danke, danke, danke!!!!! Wie schön, dass du all dein Erleben und Lernen mit uns teilst und überhaupt unser Beisammensein möglich machst! 🙂

Ich liebe es auch, deine Antworten auf die Mails zu lesen! Gerade las ich “Abwesenheit spüren”. Es ist, als ob deine Antwort in mich hineinkriecht, mein Organismus kribbelt regelrecht von der Energie, die deine Worte auslösen! Ein schönes Gefühl!!!

Die Wahrheit ist wirklich so simpel, alles darf sein – warum? Weil es halt sich so zeigt! Und ja, diese Organismen sind auf Lernen “programmiert”!

Mein ganzes Leben habe ich nach Leichtigkeit gesucht! Alles Mögliche gemacht, gelesen, ausprobiert, was mehr Leichtigkeit und Freude versprach. Darin eingeschlossen finanzielle Leichtigkeit, gleichbedeutend hier mit der Sehnsucht nach Sorgenfreiheit. 
Ja, und ich muss diese Sehnsucht, die hier von Zeit zu Zeit auftaucht, nicht ablehnen! Das durfte ich von dir auch lernen! Auch dafür nochmals danke! 

Jetzt habe ich habe gerade deine Antwort auf die Mail: “Greift das Bewusstsein ein?” gelesen und dazu fällt mir etwas auf:
Es gab in meinem Leben einige Momente, wo ich im Nachhinein das Gefühl habe, dass irgendetwas die gerade aktive Kugelbahn gesteuert hat zum Besseren hin (allerdings fühlte es sich sich überhaupt erstmal nicht nach etwas Besserem an, sondern eher nach Angst und Sorge), und ohne irgendeinen für mich erkennbaren Lernprozess oder Lernen oder wie auch immer der Bruch eines Wider­standes geschieht.

Aus dem Nichts kamen irgendwelche Begebenheiten, die einen Richtungswechsel vollzogen haben, ohne einen für mich erkennbaren klaren Impuls. Ich “musste” sozusagen einen anderen Weg einschlagen! Erst nach und nach kam hier mehr Bewusstheit hinzu.

Ich stimme deiner Antwort zu und erlebe es jetzt auch so, dass der Eingreif-Wahn klarer erkannt wird.

Doch was geschah denn vorher, sozusagen “unbewusst”, wenn Verän­de­rungen sozu­sagen erzwungen wurden vom Leben selbst? Eigent­lich nichts anderes, oder? Es geschieht einfach, was geschieht, mit Bewusst­heit oder ohne? Wie siehst du das?


Vielen Dank für deine Mails! Ich freue mich sehr über deine Resonanz und über unser Zusammensein.

Zu deiner Frage:
Offensichtlich ändert das Leben immer wieder die Umstände, die es erlebt. Veränderung ist ein wesentlicher Aspekt im Energiefluss des Erlebens. So macht das Leben neue Erfahrungen und lernt neue Aspekte von sich kennen.

Viel mehr kann ich aus dem direkten Erleben schon nicht mehr sagen, ab jetzt kämen Theorien ins Spiel:

  • Das ist alles Zufall.
  • Das ist alles vorherbestimmt.
  • Das ist gelenkt von einer liebevollen Intelligenz.
  • Das ist alles ein mechanischer Ablauf.
  • Das ist alles Illusion.
  • Das geschieht alles spontan, ohne Plan.
  • Alles ist gut.
  • Alles steuert auf den Zerfall zu.
  • Karma, Dharma, Vorsehung, Lebensplan, Schicksal, Traum …

Wenn sich nichts im direkten Erleben zeigt, sondern nur Konzepte aufgegriffen oder erfunden werden könnten, dann gibt es so viele Erklä­rungen wie Denk­weisen (oder “Philosophien”).

Und ob ich dir eine Denk­weise vorschlage oder du eine auswählst, die dir gefällt, ist: Zufall, vorherbestimmt, gelenkt von …


So super, deine Antwort! Jaaaa, genauso empfinde ich es auch! Und eine Freude taucht hier auf und ein breites Grinsen!!! 😊😀😄
Danke und ich freue mich auf unseren nächsten Talk 🙂


🙂 Was ich noch aus “eigenem” Erleben sagen kann:

Mit Bewusstheit”, also ohne Identifikation, gibt es weniger Widerstand. Das automatische Bestehen auf Bedingungen, das automatische Wehren gegen Verän­de­rungen und Erzwingen-Wollen von Verän­derungen – das kann aufhören. Damit wird Veränderung sehr viel fließender.

Und es gibt ein Vertrauen in die Lebendigkeit, in den Moment. Nicht so sehr “Es wird schon gut gehen für diesen Organismus”, sondern Liebe zum Leben, so wie es sich zeigt, so wie es sich bewegt.

Da ist eine Intelligenz im Gesamtgeschehen. Das ist kein blindes Chaos, sondern ein lebendiges, waches Zusammenspiel, wie Musik, wie ein Tanz. Da ist ein Bewusstsein in allem, in diesem Zusammenspiel.

Wenn die Organismen einzeln “für sich” betrachtet werden (”Ich und der Rest der Welt”), dann kann das leicht übersehen bzw. “überfühlt” werden. Im direkten Erleben zeigt es sich klar und eindeutig.


Vielen LIEBEN Dank für deine Gänsehaut-Antwort!!!!!
Ja, du bestätigst meine Erfahrung, die sich hier langsam immer mehr als Erleben zeigt.

Besonders was du über das Fließen, diesen Tanz, dem Zusam­men­spiel dieser Intelligenz des Lebens … statt “Es wird schon gut gehen”! Ganz allmäh­lich spricht es sich hier rum und das direkte Erleben, wie du sagst, zeigt sich irgendwie unge­schminkter, purer. Die Unter­scheidung zwischen Vorstel­lung und direkter Leben­dig­keit wird öfter klarer gesehen. Ja, und allmäh­lich wächst auch darin mehr Vertrauen!

Wobei sich gerade erst Freitag diese Leben­dig­keit, als alten Schmerz zeigte, pur, viel Weinen und Ängste bezüglich der Zukunft zeigte – und es gab keinen Wider­stand damit, es durfte so sein, war halt so und floss durch mich durch. Am nächsten Tag war da wieder mehr Vertrauen. 😊

Ich bin soooo dankbar für deine liebe Zuwendung, es tut mir soooo gut, dank dir immer mehr Klarheit zu erleben. Danke, danke, danke!!!

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Vergänglichkeit und Flow

Nondualität: Flow

Hallo Dittmar, ich hab mir auf YouTube schon einige deiner Aufzeichnungen angeschaut; es ist echt super, dass du das machst und es sind schon interes­sante Fragen der Teilnehmer dabei. Danke schon mal dafür, und ich hoffe, ich hab bei einem der zukünftigen Termine auch mal Zeit, live teilzunehmen.

Ich hätte auch selbst mal eine Frage an dich, und zwar komme ich schon immer mehr für kurze Zeit in das Erleben des Moments und das ist schon wirklich ein tolles Gefühl. Mir fällt jedoch gerade im Urlaub die letzten Wochen etwas auf, vor allem fiel es mir noch nie so schwer wie heuer, wieder nach Hause zu fliegen. Jeden Tag habe ich voll genossen, doch trotzdem oder gerade deswegen erzeugt meinem Gefühl nach auch dieses volle Bewusstsein des Moments bei mir einen gewissen Flow, und ich versuche auch oft, damit den Moment noch länger festzuhalten,  doch umso schneller vergeht mir irgendwie die Zeit. Ich hoffe es ist einigermaßen nachvollziehbar weil es ist ja doch schwer zu beschreiben. Ist es der Verstand, der einem da dazwischen funkt?

Bin ich hier an Fragen angekommen, die dir schon auch mal untergekommen sind und die auch einfach dadurch schon immer schwieriger zu begreifen sind, weil es eben nicht begreifbar ist mit dem Verstand? Dazu kommt noch ein Punkt, und zwar: Dieses bewusste Wahrnehmen von Momenten und besonders der schönen macht sie trotz allem nicht verlängerbar, und das hat mich doch etwas in ein kleines Tief fallen lassen. Denn wenn es ja immer nur den gegenwärtigen Moment gibt, dann ist jeder schöne umso kostbarer, aber auch genauso vergänglich, und die weniger schönen kommen mit Sicherheit auch, vor allem, wenn die Zeit hier irgendwann mal zu Ende geht.

Ein interessanter Zeitpunkt, auch wenn gerade in dieser Zeit solche Fragen so stark ins Bewusstsein kommen. Ich würde mich freuen, wenn du vielleicht den einen oder anderen Rat für mich hättest.


Es ist sehr sinnvoll, Umgebungen und Situationen aufzusuchen, die dem Organismus gut tun: Frische Luft, Weite, Bewegung … Solange wir nicht das Erleben von Präsenz davon abhängig machen. Die Weite der Landschaft lädt die Weite des bewussten Erlebens ein, aber das Bewusstsein ist von Natur aus weit und nicht an Umstände gebunden.

Die Einzigartigkeit des Moments zeigt sich leichter unter außergewöhnlichen Umständen. Das liegt daran, dass gewohnte (gewöhnliche) Umstände für das Denken in die Kategorie “Nichts Besonderes, kenne ich schon, uninteressant” fallen. Unser Wohnzimmer ist zum Beispiel so gewohnt, dass uns nichts “Besonderes” auffällt, wenn wir hineingehen. Es ist halt “so wie immer”. Daher wendet sich die Aufmerksamkeit eher dem Denken zu. Und weil im Denken ja meistens auch nichts Neues oder Interessantes abläuft, breitet sich erst recht ein Gefühl von Langeweile aus, unbefriedigt und gespalten zwischen Erleben des Jetzt und Denken an etwas anderes.

Im Denkmodus scheint die schönste Situation, die schönste Landschaft fad, weil wir sie nur halbbewusst erleben. Und im direkten Erleben kann es sensationell sein, einfach nur im Wohnzimmer auf der Coach zu sitzen oder am Bahnsteig zu stehen, bis der Zug kommt. Eine ganz neue, einzigartige Erfahrung. Pure Lebendigkeit! Diese Lebendigkeit ist das Bewusstsein, das in allen Wahr­neh­mungen Gestalt annimmt, als Präsenz, als Gegenwärtigkeit, als Sinnen­fülle.
Der Moment verliert, wenn er mit anderen Momenten verglichen wird. Er verliert seine Einmaligkeit, und er erscheint weniger lebendig, weniger interessant, weniger “genießbar”.

Das Aufgehen im Moment, das Einssein mit der Gegenwart gerät in den Hintergrund, und es entsteht der Eindruck eines Ichs, das sich durch die Zeit bewegt, von einer (vielleicht schönen) Vergangenheit zu einer (vielleicht blöderen) Zukunft – durch eine fade Gegenwart, die nur ein Durchgangs­moment zu sein scheint, ein Wegwerf-Augenblick statt purer Lebendigkeit.

Das liegt also nicht an den Umständen, nicht am schönen Urlaubsort oder dem langweiligen Arbeitsplatz, sondern daran, ob dem Erleben Aufmerksamkeit geschenkt wird, und mit der Aufmerksamkeit Lebendigkeit geschenkt wird.
Umstände lassen sich nicht festhalten, das Leben ist ein Fließen, nichts bleibt. In der Vergänglichkeit, in der ständigen Veränderung lässt sich nichts festhalten. “Flow” beschreibt das Fließen der Energie, nichts Statisches, nichts zum Festhalten.
Das bewusste Erleben dieses Flusses ist dieser Flow, den wir lieben und der sich zeigt, wenn eben nicht versucht wird, etwas festzuhalten. Das völlige Aufgehen und Mitfließen im Jetzt.
Die Offenheit fürs Erleben, wie auch immer es sich jetzt gerade zeigt – das ist, was wir lieben und was wir sind.


Hallo Dittmar, vielen Dank für deine ausführliche Antwort! Ich verstehe, dass ja erst die Bewertung auf Basis unserer Glaubenssätze aus einem Moment mehr macht als aus einem anderen. Auch die Sichtweise, es könnten schwierigere Momente kommen und es wäre ja so wie jetzt genau richtig, wird aus dieser Bewertung heraus erzeugt. Es kann daher, genau wie du sagst, nur das allumfassende Ankommen im Moment die Freiheit von all diesen Beschränkungen ermöglichen.

Ich erkenne mittlerweile auch bei alltäglichen Tätigkeiten schon ein wenig die Erfülltheit im Moment. Auch schaffe ich es immer wieder zumindest zu versuchen ins Fühlen zu kommen. Der Verstand, das Ego ist halt auch sehr stark, sodass es immer so kurze Funken sind und dann sehr rasch wieder Gedanken kommen.

Aus deiner Erfahrung, ist dieser Prozess des Eins werden meist ein langsames immer wieder etwas länger anhaltendes Fühlen oder könnte es auch zu Sprüngen kommen und es dann auch mal wirklich spürbar möglich sein, in dieser Freiheit zu bleiben? Diese kurzen Funken finde ich schon immer äußerst friedvoll und kraftvoll.


Was du “Eins werden” nennst, würde ich “Erkennen des Einsseins” nennen, das Wegfallen der Illusion von Trennung. Das völlige Aufgehen im Jetzt nimmt dieses Getrennt­heits­emp­finden mit sich. Übrig bleibt nur Präsenz.

Das Erleben dieser Präsenz ist so schön und klar und wach, dass die Versprechungen des Denkens nicht mehr so ziehen. Wenn du weißt, was du wirklich liebst und wo das Glück ist, dann lässt die Verlockung von Ablenkungen nach.
Das heißt aber nicht, dass die gewohnten Gedanken gelöscht wären. Sie können weiterhin auftauchen, wie das halt so ist mit Gewohnheiten. Und dann können sie die Aufmerksamkeit in die Trance der Normalität ziehen: die gewohnte Beschreibung, wer du bist, was vor dir und was hinter dir liegt, wie die Welt ist …

Wenn die Gedanken aber zur Ruhe kommen und das Erleben nicht mehr fragmentiert ist – nicht mehr zersplittert zwischen dem Erleben und den Gedanken an wann anders und woanders –, dann ist das wie ein Sprung, ein Erwachen aus Träumen zur Wirklichkeit. Der Organismus erwacht zur Lebendigkeit, zur Freude und Freiheit des direkten Erlebens. Und dann erscheint es immer weniger sinnvoll, sich von diesem Glück abzuwenden und wieder in Träume abzutauchen.

Du kannst direkt erleben, wie das Einssein mit dem Moment eingetrübt wird, wenn Gedanken aufkommen, die sich mit etwas anderem als der Gegenwart beschäftigen. Das Unbehagen, das diese Gedanken mit sich bringen, führt meistens dazu, dass sich die Aufmerksamkeit noch mehr von der (jetzt nicht mehr so erfüllenden) Gegenwart abwendet und sich immer mehr im Denken verfängt. Ein latentes Gefühl von Anspannung und Besorgnis legt sich übers Erleben.

Wenn du aber auf genau diesen Übergang achtest, an dem Gedanken den Flow und das Gefühl von Gegenwärtigkeit unterbrechen, dann kannst du diese Eintrübung live erleben. Dann erkennst du, dass es Stress bedeutet, sich von der Erfülltheit abzuwenden. Und dass du diese “Funken” der puren Lebendigkeit mehr liebst als alles andere, dass sie deine Natur und dein Zuhause sind.

Wenn der Unterschied zwischen offener Wachheit (Flow) und Gedanken an etwas anderes (Fragmentierung und Anspannung) klar erlebt wird, dann zieht es die Aufmerksamkeit immer stärker in die Gegenwart statt ins Gedanken­karussell. Und wenn es wirklich mal etwas zu bedenken gibt, etwas zu planen oder zu reflektieren, dann kann das ohne Verwicklung geschehen.

Ohne die Identifikation mit einem Denker sind Gedanken einfach nur ein Werkzeug zur Planung, das beiseite gelegt wird, wenn die Planung beendet ist. Und wenn sie sich anbieten, obwohl gerade nichts zu planen ist, werden sie wahrgenommen, aber nicht aufgegriffen, nicht verfolgt. Dann kommen sie sehr schnell zur Ruhe, weil Erleben als so viel erfüllender erkannt wird als Bedenken.


Hallo Dittmar, vielen Dank für die Antwort!
Über den Bereich auf deiner Homepage bin ich noch gar nicht gestolpert. Ich habe dadurch gleich noch Antworten auf Fragen gefunden, die ich dir gerne noch gestellt hätte. Somit sind sie nun schon beantwortet. Finde diese Rubrik auch wirklich toll, weil sie eben zeigt, dass es ähnliche Herangehensweisen oder Sichtweisen am Weg zum Einswerden gibt. …

Ich finde deine Antworten zu den Themen wirklich äußerst faszinierend und ich glaube dir deine Beschreibungen sofort, dass es dann wirklich befreiend und weit ist, im reinen Erleben verweilen zu können. Ab und an glaube ich zumindest einen Sekundenbruchteil dorthin zu kommen und das lässt dies auch erahnen – aber dann ist auch schon wieder der Denker zur Stelle! 😉

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Körper, Traumwelt, Nondualität

Wenn wir alle nur ein Bewusstsein (nondual) sind, als was existieren wir dann in dieser Traumwelt? Und wenn ich kein Körper bin, warum bilde ich mir ein, gerade dies am deutlich­sten zu spüren? Kann ich lernen, Non­dua­lität wahrzunehmen?


Statt “Traumwelt” würde ich lieber “Erscheinungen im Bewusstsein” sagen: Alles, was du erlebst, erscheint im Bewusstsein.

Wir existieren hier als Bewusstsein, das erfüllt von Sinneseindrücken ist: Wir sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen. Auch Gedanken sind als “innere Bilder” oder “innere Stimmen” da, die wir sehen bzw. hören; auch Emotionen und Intui­tionen fühlen wir.

Für sinnliches Erleben brauchen wir Körper: Ohne Augen sehen wir nichts. Und wenn das Gehirn – ein körperliches Organ – betäubt oder berauscht oder beschä­digt ist, dann kann das unser Erleben, unser Denken und Fühlen sehr stark verändern.

Der Körper ist jetzt einfach da, ob als Traum oder als “Realität”, jedenfalls als Erleben. Es wäre nur verwirrend, das zu leugnen.

Weil der Körper da ist, ist Erleben da. Und gleichzeitig ist der Körper, was im Erleben erscheint.

Im Einssein, also dem nondualen Bewusstsein, läuft das Spiel der Vielfalt, das Spiel der Unterschiede, der Veränderung und Bewegung, der Sinne, der Farben, Klänge, Sensationen, das Spiel der Dualität.
Und in diesem Spiel des Bewusstseins haben Organismen eine wichtige Rolle: Sie sind das Spielfeld und die Spielfiguren.

Sie sind auch das Medium, durch das wir gelernt haben, uns getrennt voneinander zu fühlen. Denn offen­sicht­lich weißt du Dinge, die ich nicht weiß, zum Beispiel, was du heute gegessen hast und was du gerade denkst und so weiter. Ein Spiel im Bewusst­sein können wir also nennen: “Ich sehe was, das du nicht siehst, und das ist ‘mein’ Erleben.” So gesehen sind Körper also Symbole der Tren­nung und Begrenzt­heit – wenn wir den Gedanken glauben.

Körper sind aber auch das Medium, durch das wir uns kennen­lernen und Eins­sein erfahren können. Das kann deutlich werden beim Sex (kann, muss aber nicht), oder wenn wir gemein­sam singen oder musi­zieren oder tanzen oder uns anschauen oder berühren … oder einfach wenn wir zusammen sind. Da können wir fühlen, dass diese Orga­nis­men von derselben Leben­dig­keit gelebt und erlebt werden.
So ist das körper­liche, sinn­liche Erleben pure Leben­digkeit, eine Feier des Lebens, ein Zusammen­spiel von Energie, eine unvor­stellbar reiche Bewe­gung im Bewusst­sein, ein Fest der Viel­falt und des Zusammen­seins im Einssein. Liebe.

Wenn sich die Aufmerk­sam­keit dem zuwendet, was da erlebt, dann findet sie die­selbe Offenheit für all das unter­schied­liche Erleben.
Das gilt für den “einzelnen” Orga­nismus, der die unter­schied­lichsten Berüh­rungen erlebt und unzählige Farben und Klänge und Gerüche und so weiter … alles in dem­selben Bewusst­sein: Da ist diese eine, unteil­bare Offen­heit für all die verschie­denen Sinnes­ein­drücke. Trotzdem weiß die Hand nicht, was die Nase riecht.
Und ebenso gilt das auch für das ganze Spiel der Erschei­nungen: Da ist die eine Offen­heit für alles Erleben in allen Orga­nismen. Die Orga­nismen erleben ihre eigenen, speziellen Sinnes­ein­drücke (“Ich sehe was, das du nicht siehst”), und doch ist da diese eine unend­liche Offen­heit in ihnen allen.

Du findest dieses Prinzip in jeder Größen­ord­nung: Atome, die als Mole­küle zusam­men­spielen, die als Zellen zusam­men­spielen, die als Organe zusam­men­spielen, die als Organismen zusam­men­spielen, die als Familien oder Firmen zusam­men­spielen, eingebettet in der leben­digen Welt, die sie trägt und ernährt …

Eine Zelle in der Niere weiß nicht, was in der Lunge vor sich geht, aber sie ist dasselbe Leben, Ausdruck derselben Leben­dig­keit. Ganz und Aspekt des Ganzen. Wir sind unendlich vielfältig eins.

Wie kann diese Nondualität, diese eine offene Leben­dig­keit wahr­ge­nommen werden? Indem wir auf­hören, uns von Gedan­ken die Welt vor­schreiben zu lassen. Wenn wir auf­hören, die dualen Beschrei­bun­gen der Gedanken für “die Wahr­heit” und “die Auto­rität” zu halten. Wenn wir statt­dessen offen und unvor­ein­ge­nom­men schauen und fühlen, was wir sind, was Erle­ben ist, was Leben­dig­keit ist, dann zeigt sich das Eins­sein von selbst. Einfach weil die Aufmer­ksam­keit nicht mehr von Beschrei­bun­gen und Bedin­gun­gen, wie das Erleben sein sollte, abge­lenkt und ver­zerrt wird. Wenn das Erleben keine Bedin­gung erfüllen muss, wenn es nicht für etwas her­halten muss, dann zeigt es sich in seiner Absolut­heit: frei und unendlich reich.

Sobald die Auf­merk­samkeit nicht mehr durch Bedin­gungen gefil­tert wird, sobald nichts “anderes” wichtig scheint, ist Offenheit fühlbar und präsent.

In dieser bedingungs­losen Erlaub­nis zu erleben, was da ist, in dieser liebev­ollen Offen­heit erkennt das Bewusst­sein sich selbst als liebe­volle Offen­heit.

Der Traum der Bedin­gun­gen und damit der Unvoll­stän­dig­keit und Getrennt­heit kann auf­hören und das Spiel der Erschei­nun­gen geht weiter. Nur wird es nicht mehr als Hinder­nis erlebt, sondern als Wunder.

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Tod und Trauer

Lieber Dittmar,

vielen Dank für Deine Bücher und Deine Internet­beiträge sowie die kosten­lose Möglich­keit, sich an Dich zu wenden! Es ist gar nicht üblich in den Kreisen, solch einen Dienst anzubieten, aber stimmiger als alles andere fühlt es sich für mich an. Danke ❤

Schon lange bin ich auf dem Weg und dem Ausein­an­der­setzen, was Wahrheit ist. Irgendwie habe ich viele Worte, aber diese werden gleich wieder rela­ti­viert, so dass nicht viel übrig bleibt, was ich eigentlich hier sagen möchte. Daher eine kurze Bitte an Dich, würdest Du mir bitte was zum Tod erläu­tern? Mein Vater ist plötzlich verstorben. Ich weiß und fühle es oft, wie es ohne Grenzen ist, und diese Weite und Leich­tig­keit und dass alles gut ist, wie es ist. Und doch fühle ich große Trau­rig­keit und der Gedanke, ihm nicht mehr als Mensch zu begeg­nen, nie wieder, stimmt mich sehr traurig. Es ist für mich einfach unvorstellbar.

Das Ich will einfach nicht von mir weichen, fühle jeden Morgen, wie es sich wieder zusammen­zieht im Körper und wieder der Alltag beginnt, die Aufmerk­samkeit nach außen gezogen wird. Ich bin ratlos, ich weiß es doch und trotzdem gelingt es nicht, im Hinter­grund in der Stille und Weite zu bleiben, von dort aus zu schauen und zu agieren. Würdest Du mir bitte helfen, endlich dort zu bleiben wo Du bist ?
Danke, dass ich Dir schreiben darf, ich freue mich auf Deine Antwort!

Sei lieb gegrüßt


Liebe …,

es ist ein sehr passender Zeitpunkt, um mir zum Thema “Tod” zu schreiben; auch mein Vater ist vor ein paar Tagen verstorben.

Du schreibst von Grenzen­losigkeit, Weite und Leichtig­keit – “… und doch … Traurig­keit”. Das ist kein Gegen­satz: Die Traurigkeit kommt und geht in dieser Weite wie jede andere Energie auch.
Wenn sie kommt und da ist, braucht sich ihr nichts entge­gen zu stellen, als wäre sie fehl am Platz. Traurig­keit ist auch eine schöne Energie; das scheint nur anders, wenn ihr Wider­stand entgegen gebracht wird.

Denke an traurige Musik – wäre die Welt nicht ärmer, wenn es nur Happy-Songs in Dur geben würde? Auch Mozart hat in all seiner kosmi­schen Heiter­keit wunder­schöne tief­trau­rige Sätze und Stücke komponiert.
Und denke an Gefühle wie Rührung, auch das hat ja mit Trauer zu tun! Die Gefühls­palette ist unend­lich reich und nicht auf Dauer-Fröhlichkeit beschränkt.

Die weite, grenzen­lose Groß­zügig­keit, in der auch Trauer ihren Lebens­raum hat, ist keine Position, in der jemand Abstand zum Erleben hätte. Sie ist die Innig­keit, in der gefühlt wird. Sie ist in der Trauer und ist der Raum für sie. Ihr Auf­nehmen, ihr Will­kommen ist ganz bedingungs­los und von vorn­herein da, nicht erst nach Über­prü­fung und Aus­sor­tie­ren des Unerwünschten.

Ja, der Gedanke, jeman­dem nie wieder als Mensch zu begegnen, kann traurig stimmen, der endgültige Abschied von einer bestimm­ten Form. Aber da ist diese Form­losig­keit, das Absolute, das eine Leben, das all diese Gestalten annimmt und in jeder Form lebt.

Stell dir einen Baum vor: Er lebt in seinen Blättern, und im Herbst wirft er jedes Blatt ab, auch das schönste. Der Baum lebt weiter und erzeugt neue Blätter.

Wie du dir vielleicht schon gedacht hast, stehen die Blätter in dieser Metapher für Organis­men mit ihren Gedan­ken, Gefühlen, Erinne­rungen usw. Zum Beispiel für uns beide und unsere Väter. Die Blatt-zu-Blatt-Kommunikation funktioniert nicht mehr, wenn die Blätter abgeworfen werden. Das eine Leben, das in ihnen war, ist aber nicht verloren, sondern wechselt nur in neue Formen. Für das Blatt, das sich so gut mit dem Nachbar-Blatt verstan­den hat, mag das traurig sein.

Es ist aber auch eine Gelegenheit, deinen Vater neu zu fühlen. Statt dem Vater-Blatt als Tochter-Blatt zu begeg­nen, kannst du das, was durch ihn und als er gelebt hat, in allem finden: in diesen Zeilen, im Atem, in dieser unend­lichen Leben­dig­keit. Das Geschenk dabei ist, ihn von der Iden­ti­fika­tion mit einer bestimm­ten Form zu erlösen – und dich auch.
Statt einer Begeg­nung ist es dann ein liebe­volles, dank­bares Eins­sein mit dem, was jetzt und immer da ist: der Baum.

Als mein Vater im Sterben lag, habe ich viel Trauer und Mit­ge­fühl und Rührung empfun­den, weil er so große Schmerzen hatte und so ums Über­leben gekämpft hat.
Gleichzeitig wurde die Stille und Weite immer deut­licher spürbar, die als wir lebt. Eine unend­liche liebe­volle Klar­heit inmitten von all dem Schmerz und Kampf.
Und so erlebe ich ihn auch jetzt: nicht als Person, nicht als Einzel­wesen, nicht als Erschei­nung, sondern als liebe­volle, klare Lebendig­keit, frei von Erinnerungen, frei von Gedanken, frei.
Dafür bin ich sehr dankbar.

Liebe Grüße
Dittmar

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An das Leben: Alles Liebe!

Nondualität | An das Leben: Alles Liebe!

Wie lebendig du dich fühlst,
wie wach und präsent,
wenn du als Ganzes erlebst!

Du kannst alles in Liebe erleben.
Du bist frei,
ganz du zu sein, ganz da zu sein

als unbegrenztes Jetzt,
offenes liebendes Jetzt,
das alles ist.

Du kannst alles von der Last erlösen,
dir was bringen zu müssen
außer Lernen.

Du lernst, was da ist,
was du bist,
was du liebst.

Du musst nicht gegen den Strom schwimmen.
Du kannst flussaufwärts sehen
und die Quelle fühlen.

Liebe ist da.

alle Gedichte

Das Erleben des Jetzt … jetzt!

Hi Dittmar,

hier mein kleines nondualistisches Erlebnis!😉

Mir war der Satz “Alles ist eins” suspekt, immer wenn ich den hörte oder las, suchte ich irgendwo dieses Einssein … und fand es natürlich nicht. Wenn ich z.B an der Ampel auf grün wartete, sah ich einen Begrenzungspfosten am Straßenrand. Ich stellte mir vor, wie der Teil von dem Pfosten, der im Boden war, eins mit mir wurde, wie die Erde den Pfosten umgab und alles drumherum eins mit mir wurde …
Hab dann den Gedanken dahinter sehr schnell erkannt und dieses Einssein
als Gedankengebilde und Wunschtraum ziehen lassen.

Vor ungefähr zwei Wochen war ich spazieren im Wald, versuchte alle Sinne zu benutzen, um wahrzunehmen, was es um mich herum gab.
Dann auf einmal … verstand ich, was mit “alles ist eins” gemeint ist.
Es ist das “Jetzt”. Jetzt ist alles. Jetzt passiert alles. Jetzt verbindet alles. Es gibt nichts außer dem Jetzt, somit ist alles Jetzt. Alles was passiert, passiert Jetzt. Das ist die Einheit mit Allem. Alles ist im Jetzt eins.

Das war kein logisches Erkennen, das war auch kein super Freudengefühl. Es war eine Wahrnehmung, die einfach da war – und wie die da war! Ich war in dem Moment nicht mehr da.
Erst als ich über das Geschehene nachdachte, war ICH wieder da und versuchte sogleich zu analysieren, was da grad geschehen war.

Ich hab dann einfach wieder an Jetzt gedacht und es kam mir vor, als wenn sich mein Kopf öffnet und ICH war nicht mehr da. Es war da, was meine Sinne wahrnahmen und ein “Gefühl”, als wenn wirklich alles zusammengehören würde. Ich sah das Dorf im Hintergrund, den Wald und die Wiesen vor mir … und die Vorstellung, wie jeder einzelne jetzt grad etwas macht, seien es Menschen, Tiere oder Pflanzen … alles irgendwie gleichzeitig, aber nicht hektisch oder so. Es war einfach da. Jetzt.

Danach kam das ICH und analysierte dieses vergangene “Jetzt” in der Art wie: “Was war das? War das die Einheit? Was habe ich gefühlt? …” Diese Gedanken konnte “ich” als nur Gedanken kommen und wieder gehen lassen….

Jetzt, glaube ich, verstehe ich das: “Es ist schon da …”, “Du brauchst nichts zu machen …” Das Jetzt ist immer da. Schön, dass jetzt Jetzt ist! 🙂
Ja, das war mein Erleben des Jetzt. Wenn das konfuse Geschreibsel einer versteht, dann bist Du das. 😄 Danke, dass Du es gelesen hast!


Freut mich! Und wie ist das Erleben des Jetzt jetzt?

Ja, mit “Gedankengebilden und Wunschträumen” hat das Einssein gar nichts zu tun (außer dass sie halt auch in ihm auftauchen).

Du setzt anscheinend “Ich” mit “Nachdenken” gleich: “ICH war nicht mehr da … Danach kam das ICH und analysierte …”
Was ist das, was zurück gekommen ist? … außer Gedanken? Das ist keine rhetorische Frage (leicht abzutun mit “Ja klar, nur Gedanken”). Sondern lohnend zu schauen: Wenn das, wofür du dich hältst (gehalten hast), nicht da ist, was ist “stattdessen” da?

Ich vermute, dass in deiner Erkenntnis klar war:
1. Das Zusammensein als Eins ist wesentlich “realer”, klarer und stimmiger als das übliche fragmentierte Erleben.
2. Das ist immer so, es ist nie Nicht-Jetzt.
Stimmt’s?

Deshalb nochmal die Frage: Wie ist das Erleben des Jetzt jetzt?
Und nochmal: Ich freue mich über dein Erlebnis und dass du es mit mir “teilst”!


Was ist das, was zurückgekommen ist?  Gute Frage!

Das was “zurückkam” würde ich so beschreiben, wie wenn Du Vögel am Futterhaus beobachtest und die dann versuchst zu bestimmen. Der, der das macht, die Vogelbestimmung, der kam zurück und hat das Erlebte versucht so zu beschreiben, dass es in meine Landkarte passt.

Deine zwei Vermutungen stimmen. Ich erinnere mich, dass in diesem Ereignis eigentlich alles stimmig war. Da war kein Gedanke eines Zweifels. Und es war Jetzt. Dieses Präsente. Es gab keine Gedanken an Vergangenheit oder Zukunft.

Im Nachhinein hatte ich dieses starke Erleben seit diesem Spaziergang nicht mehr. Was ich spüre ist, dass ich im Alltag sehr oft vom “Autopilot” gesteuert werde und öfters in einen Tunnel fahre. Oft bemerke ich es zu spät.  Dann kommt ein Gedanke, der sagt: “Jetzt”.  Danach kommen Erinnerungen an das Ereignis. Manchmal, für ein paar Sekunden, meine ich, wieder mit Allem verbunden zu sein.

Das augenblickliche Jetzt ist nicht das Erleben vom Spaziergang. Es sind sehr viele Gedanken da, von der Vergangenheit, Zukunft und dem Taubengegurre vor dem Fenster.

Was auch immer öfters erscheint, ist der Wunsch nach diesem Zustand.

Ich freue mich und bin ein bisschen “stolz”, dass Du mit mir über meine Erlebnisse schreibst 😊   Danke!


Was zurück kam oder wieder eingesetzt hat, ist also ein automatisches Kategorisieren. Eine mentale Aktivität, bist das “du”?

Und es sind wieder mehr Gedanken im Spiel, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Inklusive der Erinnerung an das “Ereignis” und dem Vergleichen des “Ereignisses” mit dem augenblicklichen Jetzt.
Mentale Aktivitäten, bist das “du”? Oder werden sie wahrgenommen wie das Taubengurren vor dem Fenster?


Du hast Recht, diese mentale Arbeit sind einfach nur Gedanken, die wahrgenommen werden wie das Taubengegurre!

Wer nimmt die wahr? Bin das ich?

Dass sofort nach der Wahrnehmung wieder Gedanken zum Wahrgenommenen Gedanken auftauchen … lustige Sache. Manchmal, wenn ich z.B. im Bett liege, versuche ich, die Gedanken, die da auftauchen, einfach zu beobachten. Jetzt merke ich, dass der Beobachter auch nur ein Gedanke ist. 🙂

Das oder der merkt, dass der Beobachter auch nur ein Gedanke ist, bin das ich? Oder ein weiterer Gedanke, ein Beobachter des Beobachters? Wie viele Beobachter gibt es ?

Muss da noch vieles auf mich wirken lassen und noch viele Gespräche mit Dir führen 🙂


“Wer nimmt die wahr? Bin das ich? … Das oder der merkt, dass der Beobachter auch nur ein Gedanke ist, bin das ich?”

MUSST du denn etwas sein? Da sind diese mentalen / energetischen Prozesse /Aktivitäten: Suchprozesse, Informationsverarbeitung, Einordnen usw. Und einer dieser Prozesse ist die Identifikation: das Einsortieren in die Kategorie “Ich” im Gegensatz zu “Nicht ich”.

Auch Beobachten ist ein Geschehen: Bemerken, Erkennen … alles energetische / mentale Prozesse.
Auch das Beobachten kann beobachtet werden, diese Aktivität fühlt sich vielleicht “spacig” an, ist aber auch ein energetisches Geschehen.
Da findest du den Organismus, z.B. die Augen, die sich bewegen und fokussieren, dann findest du Gedanken, die z.B. “Aha!” sagen (oder “Ui!”), und ein Gefühl des “Passens”, ein gefühltes “Aha!” (oder “Ui!”).

Also auch wieder mentale / energetische Prozesse. Findest du ein “Du”, das all das findet, einen Beobachter – oder nur Prozesse, Bewegungen im Energiefluss?

Und die Stille, in der sich all diese Bewegungen abspielen; Stille, die in ihnen Gestalt annimmt?

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Da es kein “Ich” gibt, was kann ich tun?

Dittmar, kennst du Andreas Müller, thetimelesswonder.com? Ich war mehr­mals bei ihm. Seitdem bin ich ziem­lich desillu­sio­niert. Da es kein “Ich” gibt, was kann ich da tun? Er sagt, dass alles scheinbar geschieht, Traurigkeit, Freude usw. Wir wollen wohl immer etwas tun, um das, was ist, nicht haben zu wollen? Bin sehr verun­sichert und frustriert …

Liebe Grüße


Liebe …,

bei all diesen “Es gibt kein X, es gibt kein Y …”-Beschreibungen kann leicht übersehen werden, was es denn “stattdessen” gibt: Liebe. Frieden. Bewusstsein.
Die Hinwendung zur Wirklichkeit jenseits von Personen und Geschichten harmo­ni­siert das Erleben und seine Inhalte.

Dadurch ändern sich die Erscheinungen nicht unbedingt nach Wunsch (ändern tun sie sich ja eh ständig), aber es wird erlebt, dass sie in Liebe und Frieden da sein dürfen, ob Traurigkeit oder Freude.

Niemand kann das machen, aber es geschieht, wenn den Vorstel­lungen, wie die Erschei­nungen sein sollten, keine Auto­rität mehr zugeschrieben wird. Liebe und Frieden müssen nicht erzeugt werden, sie können einfach erkannt werden. Gerade schmerzhafte Situa­tionen sind dafür sehr hilfreich, denn wenn alle Bedingungen, wie “es” sein sollte, erfüllt sind, dann ist es kein Wunder, dass sich das friedlich und schön anfühlt! Im Aufgeben von Vorschriften ans Leben, im Vertrauen ins Leben, wie auch immer es sich zeigen mag, wird das “zeitlose Wunder” sichtbar. (Um mal diesen Begriff zu zitieren, vielleicht meint A.M. ja etwas anderes als ich …)

Da sind Gedanken, die Bedingungen stellen. Und da ist Liebe, die keine Bedin­gungen stellt. Das Vertrauen kann sich von Gedanken zu Liebe verlagern. Nicht, weil das “jemand” macht, sondern weil das natürlich ist. Liebe ist natürlich.


Lieber Dittmar, danke für die Antwort. Es tut gut, so etwas zu lesen, danke!

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Gedichte

 

Diese Gedichte findet ihr auch im E-Book “Voll die Leere” bei amazon.

Abwesenheit spüren?

Lieber Dittmar,

ich bin flei­ßig am Lesen dei­ner Texte und da hat sich fol­gende Frage auf­ge­tan: Wie kann ich spüren!, dass bei all die­sen (wider­sprüch­li­chen) Gedan­ken und Gefüh­len doch “nie­mand” da ist, der han­delt, son­dern alles von selbst geschieht?

Gele­sen habe ich bis­her viel; ver­stan­den ein wenig.


Darauf habe ich ein paar (wider­sprüch­li­che) Ant­wor­ten, aber nicht DIE Ant­wort.

1. Antwort: Wie könn­test du spü­ren, dass kein Gespenst im Zim­mer ist? Die Ab­we­sen­heit von “etwas” zu spü­ren, das ken­nen wir nur als Gefühl von Ver­mis­sen (“Ach, Schatzi …!”) oder Erleich­te­rung (wenn ein Schmerz weg ist).
Wenn es aber von vorn­he­rein nie ein Gespenst, ein Schatzi oder einen Schmerz gab, wie würde sich der “Unter­schied” anfühlen?

2. Antwort: Wider­sprüch­li­che Gedan­ken und Gefühle sind ja ein Hin­weis darauf, dass da keine Ich-Einheit als Ein­satz­le­iter dahin­ter­steht, sonst wären auch die Gedan­ken ein­heit­lich oder wir wären mit den Gedan­ken immer ein­ver­stan­den (d.h. keine ande­ren Gedan­ken wür­den ihnen wider­sprechen).
Das ist wie gesagt ein Hin­weis, kein Gefühl … Viel­leicht wird aber aus dem Hin­weis eine Erkennt­nis, die dann spü­rbar wird.

3. Antwort: In meinem Fall hat es sich so ange­fühlt, als wäre das, was den Laden zusam­men­zu­hal­ten schien, plötz­lich nicht mehr da. Das war, als ob ein Kleis­ter alle Gedan­ken und Gefühle und Emp­fin­dun­gen auf­ein­an­der bezo­gen hätte – und dann war da kein Kleis­ter mehr, son­dern nur noch frei schwe­be­nde Emp­fin­dun­gen und Gedanken …

Und daraus kam die Erkennt­nis: Da ist WIRKLICH nie­mand, der das alles macht! Es war also nicht so, dass ich erst etwas er­kannt hätte und diese Erkennt­nis dann spür­bar gewor­den wäre, son­dern ein “ener­ge­ti­sches Zusam­me­nhal­ten” hat auf­ge­hört und das wurde erkannt. Das, wo­für ich mich gehal­ten hatte, war nur eine Anspan­nung gewesen, ein Zusam­men­ziehen.

… So unge­fähr war es, das ist nicht wirk­lich in Worte zu fas­sen, und das heißt auch nicht: “So muss es sein”, so habe ich es halt erlebt.
Andere erle­ben das viel­leicht ganz anders (viel­leicht ganz undra­mat­isch, siehe die ers­ten bei­den Ant­worten).

Fazit (oder Zwischen­stand): Da tau­chen viele Gedan­ken und Gefühle und Sin­nes­ein­drücke auf. Taucht denn auch etwas auf, das du “Ich” nennst, oder ist das “Ich” nur der Inhalt von Gedan­ken … und da sind NUR Gedan­ken, Gefühle, Sin­nes­eindrücke?

(Suggestiv­frage!) (Aber interessant!)


Danke für die hilfreiche Antwort!

Zu 1: Ja es ist schwier­ig, etwas zu füh­len, was schon immer da ist. Manch­mal hab ich so ein Gefühl von Weite, Unend­lich­keit, Eins­sein, Glück­se­lig­keit. Das würde ich viel­leicht damit in Ver­bin­dung brin­gen. Das möchte ich natür­lich öfters spü­ren und mein Ego sagt: “Ja, such das, das ist gut” und schon sitze ich viel­leicht wied­er in der Tun-Falle.

Manch­mal taucht auch Angst auf. Was soll ich denn nur tun, wenn “nichts” mehr ist, wenn die Suche weg­fällt (hat Spaß gemacht zu suchen). Was soll ich jetzt tun? An was orien­tie­ren? Keine Wünsche, nur noch Reak­tion? Alles pas­siert von alleine; ich brau­che nichts mehr zu tun – außer das was ich tue. Komis­ches Gefühl.

Zu 3: Gestern Abend bin ich essen gegan­gen. Ich habe die Leute beob­ach­tet und da waren nur sinn­li­che Ein­drü­cke: Figu­ren sind gegan­gen, Töne waren zu hören, der Wind war zu spü­ren, alles war für sich. So wie du sagst, der Kleis­ter fehlte. Doch allzu schnell war ich wieder in allem ver­strickt.


Ja, das “Gefühl von Weite, Unend­lich­keit, Eins­sein, Glück­se­ligk­eit”! Das ist sehr schön, und es ist dann spür­bar, wenn die Auf­merk­sam­keit sich auf den Hin­ter­grund, die Quelle des Erle­bens rich­tet und darin aufgeht.

Dann werden auch die “Dinge” in einem neuen Licht gese­hen. Und dann ist es auch sehr ver­ständ­lich, dass ein Gedanke sagt: “Das will ich immer haben” (ein Gedanke macht noch kein Ego!).
Ich hab darüber mal ein Gedicht geschrie­ben, du fin­dest es hier: In voller Blüte.

Der Verstand ver­knüpft das Erle­ben von Eins­sein mit dem Empfin­den von Weite, weil “Es” da so klar und ein­drucks­voll und ein­deu­tig emp­funden wird.

Dann erscheint das Ein­set­zen von “nor­ma­len” Gedan­ken wie ein Rück­fall, wie eine Ver­strickung, und dann scheint es, als wäre der Kleis­ter wie­der da. Wenn aber keine Bedin­gun­gen daran gestellt werd­en, wie sich das Eins­sein zei­gen soll, dann ist das kein Kleis­ter, son­dern viel­leicht nur eine Emp­fin­dung von Anspan­nung oder eine Kon­ze­ntra­tion auf Inhalte, bei der der Hin­ter­grund wieder in den Hin­ter­grund tritt.

Daran ist nichts falsch. Es wider­spricht nur der Vor­stel­lung eines stän­di­gen Schwe­bens in der Glück­se­lig­keit, aber es ist halt das Leben in seiner gan­zen Viel­falt, wie Ein- und Aus­atmen.

Konzen­tra­tions­fä­hig­keit bleibt. Gedanken dür­fen kom­men. Sie sind weder ein schlech­tes Zei­chen noch wahr.

Und Wün­sche kom­men. Hun­ger ist der Wunsch nach Essen, Frie­ren ist der Wunsch nach Wärme. Alles ist völ­lig natür­lich. Nur ver­li­eren die Gedan­ken jede Glaub­wür­dig­keit, die behaup­ten zu wis­sen, wie das Leben (und damit ich) “eigent­lich” sein müsste. Und das Leben darf so sein, wie es jetzt gerade ist (als ob es jemals auf eine Erlaub­nis gewar­tet hätte!), mit allen Gedan­ken, Anspan­nun­gen und Ent­spannungen.

In dieser unbe­grenz­ten Erlaub­nis, in der Nicht-Identi­fi­ka­tion mit urtei­len­den Gedan­ken, sor­tiert sich das Erle­ben, Den­ken und Ver­hal­ten neu. Die Erkennt­nis ist nicht nur: “Da ist ja nie­mand”, nicht nur Abwe­sen­heit, sondern das Erle­ben, was statt­des­sen wirk­lich da ist: “Da ist Liebe.”

Die Aufmerksam­keit rich­tet sich immer mehr auf die Liebe aus wie Eisen­späne auf einen Mag­n­eten. In der Anzie­hungs­kraft der Liebe (“Weite, Unend­lich­keit, Eins­sein, Glück­se­lig­keit”) legt der Orga­nis­mus alte Mus­ter ab, die auf der Vor­an­nahme der Getrennt­heit gegrün­det sind. Der Blick bleibt immer mehr in der liebe­vollen Offenheit.

Das geschieht von selbst, aus Liebe zur Liebe. Mei­ner Erfah­rung nach wer­den nicht alle Mus­ter sofort und für immer abge­legt, son­dern in einem Lern­pro­zess: Das Leben lernt.

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Akzeptanz leben

Hallo Dittmar,

bei mir läuft es recht gut. Aller­dings gibt es auch immer wie­der viele unan­ge­nehme Zustände, die da auf­tau­chen. Aber ich lerne, auch diese zu akzep­tie­ren, da auch sie erlaubt sind. D.h. eigent­lich brau­che ICH sie weder erlau­ben noch akzep­tieren, denn wenn die Zustände auf­tau­chen, sind sie ja bereits da und müs­sen dem­zu­folge nicht mehr akzep­tiert werden.🙂

Die Idee, dass unan­ge­nehme oder uner­wünschte Gedan­ken und Gefühle NICHT da sein soll­ten (oder dür­fen), macht eigent­lich alles nur schlim­mer. Wenn man eine gute Zeit hat und man sich wohl fühlt, ver­sucht man natür­lich mit allen Kräf­ten, die­sen Zustand zu erhal­ten (zu “kon­ser­vie­ren”). Das funk­tio­niert aber lei­der nicht. Wenn ein unan­ge­neh­mer Zustand auf­taucht, will man ihn so schnell wie mög­lich los wer­den. Auch das funk­tio­niert nicht. Der Zustand bleibt, so lang er eben bleibt.

Ich merke, wie sehr man durch die jahre­lange Suche und das viele Lesen von Spirit-Litera­tur, das Auf­suchen von Sat­sang-Lehrern usw. doch voll­ge­stopft ist mit Vor­stel­lun­gen, was das Erwa­chen angeht. Ich finde das auch bei dei­nem Gesprächs­kreis manch­mal etwas schwie­rig, da ich spüre, wie sehr manche an diesen Vor­stel­lun­gen hän­gen, dass nach dem Erwa­chen bestimmte Zustände nicht mehr aufzu­tau­chen haben. Ich sehe da eine Wei­ge­rung, mit DEM umzu­gehen, was DA ist. Wie siehst du das denn?

Im Moment beschäf­tige ich mich kaum mit diesem gan­zen “Erleuch­tungs­kram”. Ich beob­achte ein­fach das Leben. Von Moment zu Moment. Und ich sehe auch, wie die Gedan­ken immer wieder alles als “meins” in Besitz neh­men wol­len. Dabei hat das alles im Grunde über­haupt nichts mit “mir” zu tun. Und es sind halt auch ein­fach nur Gedan­ken, die auf­tau­chen und wie­der verschwinden. 

Herzliche Grüße


Liebe …,

das mit der Akzeptanz ist eine sehr interes­sante Frage.

Dass es kein “Ich” gibt, ist intel­lek­tu­ell sehr leicht zu ver­ste­hen – nur macht diese intel­lek­tu­elle Ein­sicht (mei­ner Ansicht nach) sehr wenig Unter­schied, son­dern ist ein­fach nur eine neue Phi­lo­so­phie mit den übli­chen Dogmen.

Ichlosigkeit wirklich zu erleben, das ist ein gro­ßer Unter­schied. Das heißt erle­ben, was durch Ich-Vorstel­lun­gen ver­schlei­ert wurde: diese abso­lute, all­ge­ge­nwär­tige, unbe­dingte, bedin­gungs­lose Liebe, die sich als alles manifestiert.

Es fällt nicht wirklich ein “Ich” weg (das ja nie exis­tiert hat), sondern der Glaube daran, die Gefühls­reak­tio­nen, als ob es ein Ich gäbe – sowohl im “eige­nen” Orga­nis­mus als auch in den “anderen”.

Was bleibt, ist das ErLeben als unge­teil­tes Gan­zes mit allen Erschei­nun­gen darin: Sinnes­ein­drücke, Gedan­ken … Ein Erle­ben, dass alle Erschei­nun­gen “innen” und “außen” Aus­drucks­for­men der­selben liebe­vol­len Leben­dig­keit sind.

Diese eine Leben­dig­keit in allem ist Liebe, Frieden, Frei­heit, diese gan­zen Hippie-Begriffe. Das ist meiner Auf­fas­sung nach das ein­zige, worauf es ankommt. Nicht intel­le­ktu­elle Klar­heit, sondern Liebe.

Zum Akzeptieren und zur Unnö­tig­keit des Akzep­tie­rens: Ja, was erlebt wird, ist schon da und war­tet nicht auf Akzep­tanz. Und ja, Ver­bote und “Sollte”s machen einen Zustand eher schlim­mer, ver­festigen ihn eher.

Die Abwesenheit von “Sollte”-Denken bedeu­tet aber weder Resi­gnation noch Passivität.

“Ich habe Hun­ger – mei, so ist es halt”, das ist ja nur dann sinn­voll, wenn es keine Möglich­keit gibt, an Essen zu kom­men, oder wenn man fas­ten will. Im Normal­fall heißt Akzep­tanz nur das Wahr­neh­men des Hun­ger­ge­fühls. Dann kann auf diese Wahr­neh­mung eine Hand­lung folgen, nämlich, etwas zu essen.

Oder “Ich habe immer wieder Rücken­schmerzen – mei, so ist es halt” im Gegen­satz zur (akzep­tie­ren­den, neu­gie­ri­gen, liebe­vol­len) Erfor­schung, wo die Schmer­zen sind, wann sie auf­tau­chen (bei wel­cher Bewe­gung oder Hal­tung), ob es andere Bewe­gungs­mus­ter gibt, die den Schmerz nicht aus­lösen, usw.

Durch (z.B. Feldenkrais-) Experi­mente lerne ich sinn­vol­lere Bewe­gungs­mus­ter und dadurch habe ich viel weni­ger Schmer­zen als frü­her. Die Experi­mente begin­nen mit “Akzep­tanz”: mit Bewusst­heit über eine Bewe­gung und wie sie sich anfühlt. Dann pro­biert der Kör­per Vari­a­tio­nen aus, und wenn die sich besser = leich­ter anfüh­len, über­nimmt er sie. Viel­leicht nicht sofort in jeder Situ­a­tion, aber das Ler­nen des Neuen und Able­gen des Alten hat begonnen.

Wozu Zähne putzen, wozu Haare und Nägel schnei­den, statt sie zu akzep­tie­ren, wie sie sind? “Das Shirt passt mir nicht mehr / ist schmut­zig / zer­schlissen – naja, ich akzep­tiere, dass ich es trage” ist nicht wah­rer / freier / ich­loser / akzeptie­ren­der als “… und ich lege es ab.”

Was für diese körperlichen Bei­spiele gilt, stimmt meiner Ansicht nach genauso für mentale Erschei­nun­gen: Gedan­ken und Emotionen.

Manche alten mentalen Muster tau­chen bei mir immer noch auf, vor allem Bedin­gungen, wie andere Leute mich behan­deln soll­ten. Wenn so eine Bedin­gung ver­letzt wird (“He, rede nicht in so einem Ton­fall mit mir, unter­brich mich nicht! …”), dann kommt Wut auf und die Auf­merk­sam­keit ver­engt sich aufs Durch­set­zen der Bedin­gung. Ein Streit-Modus setzt ein, wodurch die Liebe und der Frie­den, die sonst als Grund­zu­stand da sind, in den Hinter­grund des Erle­bens gera­ten. Das fühlt sich schmerz­haft an. Und nicht wie ein kla­rer, ein­deu­ti­ger Aus­druck von Liebe, Frie­den und Frei­heit, son­dern wie Ärger, Kampf und Zwang.

Wenn ich schaue, wozu die­se Bedin­gun­gen ursprüng­lich über­nom­men wur­den, dann sehe ich, dass sie Liebe, Frie­den und Frei­heit ver­spro­chen haben, und dass die “Wehe-wenn!”-Mechanismen für die Durch­set­zung der Bedin­gun­gen kämp­fen, um Liebe, Frie­den und Frei­heit zu ermög­li­chen. Was sie errei­chen wol­len, ist genau das, was ohne Kampf schon da ist, und was im Kampf in den Hin­ter­grund gerät.

Diese Bedingungen werden nicht von “mir”, von keinem “Ich” gestellt und sind auch nicht für den Orga­nis­mus wichtig, son­dern sie sind ein­fach nur kon­di­tio­nierte Vor­stel­lun­gen, wie “es” sein sollte. Auto­ma­ti­sche Mus­ter, wie Selbst­schuss­an­la­gen. Und daher geht es nicht mehr darum, andere daran zu hin­dern, in die Licht­schran­ke zu lau­fen und die Selbst­schuss­an­lage aus­zu­lö­sen, son­dern darum, die Selbst­schuss­an­lage zu deaktivieren.

Das ist keine Arbeit und keine Tech­nik, sondern kommt von selbst durch die klare Erkennt­nis, was die Anlage/Bedin­gung bringt (Stress) und was sie kos­tet (Frieden).

Ich will einfach lieber feiern. Das heißt nicht, dass immer alles lus­tig sein muss, es gibt ja auch Trauer­feiern. Meinem Vater geht’s z.B. grad ziem­lich schlecht, da bin ich trau­rig und finde es völ­lig ok, sowohl was mit ihm geschieht als auch mein Gefühl dazu, das sehr fried­lich ist. Aber Streit fühlt sich wie eine Unter­bre­chung der Feier an, unfried­lich, “unangenehm”.

Und wenn ich schaue, welche Zustände unange­nehm sind, dann sind die immer die Reak­tion auf eine Bedin­gung, deren Nicht­er­fül­lung “unan­neh­mbar” scheint. Anders gesagt: Sie wei­sen auf einen ein­zi­gen Gedan­ken hin, der in vie­len For­men behaup­tet: “Es soll anders sein.”

Wendet sich die Aufmerk­sam­keit von ihrer liebe­vol­len, fried­lichen Quelle ab, um die­sem Gedan­ken zu die­nen? Oder sieht sie ihn mit liebe­vol­len, fried­li­chen Augen als die Ver­wir­rung, die er ist? Sieht sie, dass das Aus­agie­ren die­ses Gedan­kens “Es soll anders sein” Schmer­zen statt Freude bringt, dann hat der Gedanke keine Moti­va­tion, keine Ener­gie mehr.

Es fühlt sich ein­fach so viel bes­ser an, der Welt nicht vor­schrei­ben zu müs­sen, wie sie sein soll, son­dern sie frei zu las­sen und dadurch frei zu sein! Nicht aus ohn­mäch­ti­ger Resi­gnation, son­dern aus Liebe. Die Liebe gilt sich selbst, unab­hän­gig von Erschei­nun­gen. Und sie gilt dem Erschei­nen­den, frei von Bedingungen.

Das ist für mich ein neues /altes Krite­rium, ob die Situ­a­tion ein kla­rer Aus­druck von Liebe ist. Nach dem flash­igen ers­ten Erle­ben, dass kein Ich und keine wirk­liche Tren­nung exis­tiert, und dass nichts dazu gesche­hen muss, um einen “Zustand der Ich­losig­keit” zu errei­chen, war ich über Jahre fas­zi­niert davon, dass auch das Stellen von Bedin­gun­gen und die daraus resul­tie­rende Wut, wenn sie nicht erfüllt sind, genau­so Erschei­nungs­formen der­sel­ben Leben­dig­keit sind. Das sehe ich immer noch so. Aber ebenso wahr ist, dass es im Leben keine Stag­na­tion gibt und dass das Leben – vor allem in / als Menschen – immer weiter lernt und sich ent­wickelt. Dass es Behin­de­run­gen abstreift. Dass es alte Ver­hal­tens­wei­sen und Aus­drucks­for­men ablegt und schö­nere fin­det. Des­halb ler­nen Kin­der einen immer grö­ße­ren Wort­schatz, immer mehr Fähig­ke­iten, immer geschmei­di­gere Bewe­gung­smus­ter. Des­halb ler­nen Men­schen Musik­ins­tru­mente oder Yoga oder Tai Chi oder Knut­schen. Schöne, freie Aus­drucks­for­men der Liebe und Leben­dig­keit und Verbundenheit.

Dadurch wird keine “höhere Stufe” erklom­men, sondern ler­nende Intelli­genz lebt sich aus, sonst nichts.

Kleiner Nach­trag: Stel­len­weise habe ich in “So ist das”-Sprache geschrie­ben. Die Mail ist aber nicht als Emp­feh­lung gemeint, nicht als all­ge­mein­gül­ti­ges “So soll es sein”, son­dern als Beschrei­bung mei­nes Erle­bens, als Ant­wort auf die Frage, “wie ich es denn sehe”.

Liebe Grüße
Dittmar

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