An das Leben: Alles Liebe!

Nondualität | An das Leben: Alles Liebe!

Wie lebendig du dich fühlst,
wie wach und präsent,
wenn du als Ganzes erlebst!

Du kannst alles in Liebe erleben.
Du bist frei,
ganz du zu sein, ganz da zu sein

als unbegrenztes Jetzt,
offenes liebendes Jetzt,
das alles ist.

Du kannst alles von der Last erlösen,
dir was bringen zu müssen
außer Lernen.

Du lernst, was da ist,
was du bist,
was du liebst.

Du musst nicht gegen den Strom schwimmen.
Du kannst flussaufwärts sehen
und die Quelle fühlen.

Liebe ist da.

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Das Erleben des Jetzt … jetzt!

Hi Dittmar,

hier mein kleines nondualistisches Erlebnis! 😉

Mir war der Satz “Alles ist eins” suspekt, immer wenn ich den hörte oder las, suchte ich irgendwo dieses Einssein … und fand es natürlich nicht. Wenn ich z.B an der Ampel auf grün wartete, sah ich einen Begrenzungspfosten am Straßenrand. Ich stellte mir vor, wie der Teil von dem Pfosten, der im Boden war, eins mit mir wurde, wie die Erde den Pfosten umgab und alles drumherum eins mit mir wurde …
Hab dann den Gedanken dahinter sehr schnell erkannt und dieses Einssein
als Gedankengebilde und Wunschtraum ziehen lassen.

Vor ungefähr zwei Wochen war ich spazieren im Wald, versuchte alle Sinne zu benutzen, um wahrzunehmen, was es um mich herum gab.
Dann auf einmal … verstand ich, was mit “alles ist eins” gemeint ist.
Es ist das “Jetzt”. Jetzt ist alles. Jetzt passiert alles. Jetzt verbindet alles. Es gibt nichts außer dem Jetzt, somit ist alles Jetzt. Alles was passiert, passiert Jetzt. Das ist die Einheit mit Allem. Alles ist im Jetzt eins.

Das war kein logisches Erkennen, das war auch kein super Freudengefühl. Es war eine Wahrnehmung, die einfach da war – und wie die da war! Ich war in dem Moment nicht mehr da.
Erst als ich über das Geschehene nachdachte, war ICH wieder da und versuchte sogleich zu analysieren, was da grad geschehen war.

Ich hab dann einfach wieder an Jetzt gedacht und es kam mir vor, als wenn sich mein Kopf öffnet und ICH war nicht mehr da. Es war da, was meine Sinne wahrnahmen und ein “Gefühl”, als wenn wirklich alles zusammengehören würde. Ich sah das Dorf im Hintergrund, den Wald und die Wiesen vor mir … und die Vorstellung, wie jeder einzelne jetzt grad etwas macht, seien es Menschen, Tiere oder Pflanzen … alles irgendwie gleichzeitig, aber nicht hektisch oder so. Es war einfach da. Jetzt.

Danach kam das ICH und analysierte dieses vergangene “Jetzt” in der Art wie: “Was war das? War das die Einheit? Was habe ich gefühlt? …” Diese Gedanken konnte “ich” als nur Gedanken kommen und wieder gehen lassen….

Jetzt, glaube ich, verstehe ich das: “Es ist schon da …”, “Du brauchst nichts zu machen …” Das Jetzt ist immer da. Schön, dass jetzt Jetzt ist! 🙂

Ja, das war mein Erleben des Jetzt.

Wenn das konfuse Geschreibsel einer versteht, dann bist Du das. 🙂

Danke, dass Du es gelesen hast!


Freut mich! Und wie ist das Erleben des Jetzt jetzt?

Ja, mit “Gedankengebilden und Wunschträumen” hat das Einssein gar nichts zu tun (außer dass sie halt auch in ihm auftauchen).

Du setzt anscheinend “Ich” mit “Nachdenken” gleich: “ICH war nicht mehr da … Danach kam das ICH und analysierte …”
Was ist das, was zurück gekommen ist? … außer Gedanken? Das ist keine rhetorische Frage (leicht abzutun mit “Ja klar, nur Gedanken”). Sondern lohnend zu schauen: Wenn das, wofür du dich hältst (gehalten hast), nicht da ist, was ist “stattdessen” da?

Ich vermute, dass in deiner Erkenntnis klar war:
1. Das Zusammensein als Eins ist wesentlich “realer”, klarer und stimmiger als das übliche fragmentierte Erleben.
2. Das ist immer so, es ist nie Nicht-Jetzt.
Stimmt’s?

Deshalb nochmal die Frage: Wie ist das Erleben des Jetzt jetzt?
Und nochmal: Ich freue mich über dein Erlebnis und dass du es mit mir “teilst”!


Was ist das, was zurückgekommen ist ?  Gute Frage!

Das was “zurückkam” würde ich so beschreiben, wie wenn Du Vögel am Futterhaus beobachtest und die dann versuchst zu bestimmen. Der, der das macht, die Vogelbestimmung, der kam zurück und hat das Erlebte versucht so zu beschreiben, dass es in meine Landkarte passt.

Deine zwei Vermutungen stimmen. Ich erinnere mich, dass in diesem Ereignis eigentlich alles stimmig war. Da war kein Gedanke eines Zweifels. Und es war Jetzt. Dieses Präsente. Es gab keine Gedanken an Vergangenheit oder Zukunft.

Im Nachhinein hatte ich dieses starke Erleben seit diesem Spaziergang nicht mehr. Was ich spüre ist, dass ich im Alltag sehr oft vom “Autopilot” gesteuert werde und öfters in einen Tunnel fahre. Oft bemerke ich es zu spät.  Dann kommt ein Gedanke, der sagt: “Jetzt”.  Danach kommen Erinnerungen an das Ereignis. Manchmal, für ein paar Sekunden, meine ich, wieder mit Allem verbunden zu sein.

Das augenblickliche Jetzt ist nicht das Erleben vom Spaziergang. Es sind sehr viele Gedanken da, von der Vergangenheit, Zukunft und dem Taubengegurre vor dem Fenster.

Was auch immer öfters erscheint, ist der Wunsch nach diesem Zustand.

Ich freue mich und bin ein bisschen “stolz”, dass Du mit mir über meine Erlebnisse schreibst 🙂   Danke!


Was zurück kam oder wieder eingesetzt hat, ist also ein automatisches Kategorisieren. Eine mentale Aktivität, bist das “du”?

Und es sind wieder mehr Gedanken im Spiel, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Inklusive der Erinnerung an das “Ereignis” und dem Vergleichen des “Ereignisses” mit dem augenblicklichen Jetzt.
Mentale Aktivitäten, bist das “du”? Oder werden sie wahrgenommen wie das Taubengurren vor dem Fenster?


Du hast Recht, diese mentale Arbeit sind einfach nur Gedanken, die wahrgenommen werden wie das Taubengegurre!

Wer nimmt die wahr? Bin das ich?

Dass sofort nach der Wahrnehmung wieder Gedanken zum Wahrgenommenen Gedanken auftauchen … lustige Sache. Manchmal, wenn ich z.B. im Bett liege, versuche ich, die Gedanken, die da auftauchen, einfach zu beobachten. Jetzt merke ich, dass der Beobachter auch nur ein Gedanke ist. 🙂

Das oder der merkt, dass der Beobachter auch nur ein Gedanke ist, bin das ich? Oder ein weiterer Gedanke, ein Beobachter des Beobachters? Wie viele Beobachter gibt es ?

Muss da noch vieles auf mich wirken lassen und noch viele Gespräche mit Dir führen 🙂


“Wer nimmt die wahr? Bin das ich? … Das oder der merkt, dass der Beobachter auch nur ein Gedanke ist, bin das ich?”

MUSST du denn etwas sein? Da sind diese mentalen /energetischen Prozesse /Aktivitäten: Suchprozesse, Informationsbearbeitung, Einordnen usw. Und einer dieser Prozesse ist die Identifikation: das Einsortieren in die Kategorie “Ich” im Gegensatz zu “Nicht ich”.

Auch Beobachten ist ein Geschehen: Bemerken, Erkennen … alles energetische /mentale Prozesse.
Auch das Beobachten kann beobachtet werden, diese Aktivität fühlt sich vielleicht “spacig” an, ist aber auch ein energetisches Geschehen.
Da findest du den Organismus, z.B. die Augen, die sich bewegen und fokussieren, dann findest du Gedanken, die z.B. “Aha!” sagen (oder “Ui!”), und ein Gefühl des “Passens”, ein gefühltes “Aha!” (oder “Ui!”).

Also auch wieder mentale /energetische Prozesse. Findest du ein “Du”, das all das findet, einen Beobachter – oder nur Prozesse, Bewegungen im Energiefluss?

Und die Stille, in der sich all diese Bewegungen abspielen; Stille, die in ihnen Gestalt annimmt?

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Da es kein “Ich” gibt, was kann ich tun?

Dittmar, kennst du Andreas Müller, thetimelesswonder.com? Ich war mehrmals bei ihm. Seitdem bin ich ziemlich desillusioniert. Da es kein “Ich” gibt, was kann ich da tun? Er sagt, dass alles scheinbar geschieht, Traurigkeit, Freude usw. Wir wollen wohl immer etwas tun, um das, was ist, nicht haben zu wollen? Bin sehr verunsichert und frustriert …

Liebe Grüße


Liebe …,

bei all diesen “Es gibt kein X, es gibt kein Y …”-Beschreibungen kann leicht übersehen werden, was es denn “stattdessen” gibt: Liebe. Frieden. Bewusstsein.
Die Hinwendung zur Wirklichkeit jenseits von Personen und Geschichten harmonisiert das Erleben und seine Inhalte.

Dadurch ändern sich die Erscheinungen nicht unbedingt nach Wunsch (ändern tun sie sich ja eh ständig), aber es wird erlebt, dass sie in Liebe und Frieden da sein dürfen, ob Traurigkeit oder Freude.

Niemand kann das machen, aber es geschieht, wenn den Vorstellungen, wie die Erscheinungen sein sollten, keine Autorität mehr zugeschrieben wird. Liebe und Frieden müssen nicht erzeugt werden, sie können einfach erkannt werden. Gerade schmerzhafte Situationen sind dafür sehr hilfreich, denn wenn alle Bedingungen, wie “es” sein sollte, erfüllt sind, dann ist es kein Wunder, dass sich das friedlich und schön anfühlt! Im Aufgeben von Vorschriften ans Leben, im Vertrauen ins Leben, wie auch immer es sich zeigen mag, wird das “zeitlose Wunder” sichtbar. (Um mal diesen Begriff zu zitieren, vielleicht meint A.M. ja etwas anderes als ich …)

Da sind Gedanken, die Bedingungen stellen. Und da ist Liebe, die keine Bedingungen stellt. Das Vertrauen kann sich von Gedanken zu Liebe verlagern. Nicht, weil das “jemand” macht, sondern weil das natürlich ist. Liebe ist natürlich.


Lieber Dittmar, danke für die Antwort. Es tut gut, so etwas zu lesen, danke!

Gedichte

Abwesenheit spüren?

Lieber Dittmar,

ich bin flei­ßig am Lesen dei­ner Texte und da hat sich fol­gende Frage auf­ge­tan: Wie kann ich spüren!, dass bei all die­sen (wider­sprüch­li­chen) Gedan­ken und Gefüh­len doch “nie­mand” da ist, der han­delt, son­dern alles von selbst geschieht?

Gele­sen habe ich bis­her viel; ver­stan­den ein wenig.


Darauf habe ich ein paar (wider­sprüch­li­che) Ant­wor­ten, aber nicht DIE Ant­wort.

1. Antwort: Wie könn­test du spü­ren, dass kein Gespenst im Zim­mer ist? Die Ab­we­sen­heit von “etwas” zu spü­ren, das ken­nen wir nur als Gefühl von Ver­mis­sen (“Ach, Schatzi …!”) oder Erleich­te­rung (wenn ein Schmerz weg ist).
Wenn es aber von vorn­he­rein nie ein Gespenst, ein Schatzi oder einen Schmerz gab, wie würde sich der “Unter­schied” anfühlen?

2. Antwort: Wider­sprüch­li­che Gedan­ken und Gefühle sind ja ein Hin­weis darauf, dass da keine Ich-Einheit als Ein­satz­le­iter dahin­ter­steht, sonst wären auch die Gedan­ken ein­heit­lich oder wir wären mit den Gedan­ken immer ein­ver­stan­den (d.h. keine ande­ren Gedan­ken wür­den ihnen wider­sprechen).
Das ist wie gesagt ein Hin­weis, kein Gefühl … Viel­leicht wird aber aus dem Hin­weis eine Erkennt­nis, die dann spü­rbar wird.

3. Antwort: In meinem Fall hat es sich so ange­fühlt, als wäre das, was den Laden zusam­men­zu­hal­ten schien, plötz­lich nicht mehr da. Das war, als ob ein Kleis­ter alle Gedan­ken und Gefühle und Emp­fin­dun­gen auf­ein­an­der bezo­gen hätte – und dann war da kein Kleis­ter mehr, son­dern nur noch frei schwe­be­nde Emp­fin­dun­gen und Gedanken …

Und daraus kam die Erkennt­nis: Da ist WIRKLICH nie­mand, der das alles macht! Es war also nicht so, dass ich erst etwas er­kannt hätte und diese Erkennt­nis dann spür­bar gewor­den wäre, son­dern ein “ener­ge­ti­sches Zusam­me­nhal­ten” hat auf­ge­hört und das wurde erkannt. Das, wo­für ich mich gehal­ten hatte, war nur eine Anspan­nung gewesen, ein Zusam­men­ziehen.

… So unge­fähr war es, das ist nicht wirk­lich in Worte zu fas­sen, und das heißt auch nicht: “So muss es sein”, so hab ich es halt erlebt.
Andere erle­ben das viel­leicht ganz anders (viel­leicht ganz undra­mat­isch, siehe die ers­ten bei­den Ant­worten).

Fazit (oder Zwischen­stand): Da tau­chen viele Gedan­ken und Gefühle und Sin­nes­ein­drücke auf. Taucht denn auch etwas auf, das du “Ich” nennst, oder ist das “Ich” nur der Inhalt von Gedan­ken … und da sind NUR Gedan­ken, Gefühle, Sin­nes­eindrücke?

(Suggestiv­frage!) (Aber interessant!)


Danke für die hilfreiche Antwort!

Zu 1: Ja es ist schwier­ig, etwas zu füh­len, was schon immer da ist. Manch­mal hab ich so ein Gefühl von Weite, Unend­lich­keit, Eins­sein, Glück­se­lig­keit. Das würde ich viel­leicht damit in Ver­bin­dung brin­gen. Das möchte ich natür­lich öfters spü­ren und mein Ego sagt: “Ja, such das, das ist gut” und schon sitze ich viel­leicht wied­er in der Tun-Falle.

Manch­mal taucht auch Angst auf. Was soll ich denn nur tun, wenn “nichts” mehr ist, wenn die Suche weg­fällt (hat Spaß gemacht zu suchen). Was soll ich jetzt tun? An was orien­tie­ren? Keine Wünsche, nur noch Reak­tion? Alles pas­siert von alleine; ich brau­che nichts mehr zu tun – außer das was ich tue. Komis­ches Gefühl.

Zu 3: Gestern Abend bin ich essen gegan­gen. Ich habe die Leute beob­ach­tet und da waren nur sinn­li­che Ein­drü­cke: Figu­ren sind gegan­gen, Töne waren zu hören, der Wind war zu spü­ren, alles war für sich. So wie du sagst, der Kleis­ter fehlte. Doch allzu schnell war ich wieder in allem ver­strickt.


Ja, das “Gefühl von Weite, Unend­lich­keit, Eins­sein, Glück­se­ligk­eit”! Das ist sehr schön, und es ist dann spür­bar, wenn die Auf­merk­sam­keit sich auf den Hin­ter­grund, die Quelle des Erle­bens rich­tet und darin aufgeht.

Dann werden auch die “Dinge” in einem neuen Licht gese­hen. Und dann ist es auch sehr ver­ständ­lich, dass ein Gedanke sagt: “Das will ich immer haben” (ein Gedanke macht noch kein Ego!).
Ich hab darüber mal ein Gedicht geschrie­ben, du fin­dest es hier: In voller Blüte.

Der Verstand ver­knüpft das Erle­ben von Eins­sein mit dem Empfin­den von Weite, weil “Es” da so klar und ein­drucks­voll und ein­deu­tig emp­funden wird.

Dann erscheint das Ein­set­zen von “nor­ma­len” Gedan­ken wie ein Rück­fall, wie eine Ver­strickung, und dann scheint es, als wäre der Kleis­ter wie­der da. Wenn aber keine Bedin­gun­gen daran gestellt werd­en, wie sich das Eins­sein zei­gen soll, dann ist das kein Kleis­ter, son­dern viel­leicht nur eine Emp­fin­dung von Anspan­nung oder eine Kon­ze­ntra­tion auf Inhalte, bei der der Hin­ter­grund wieder in den Hin­ter­grund tritt.

Daran ist nichts falsch. Es wider­spricht nur der Vor­stel­lung eines stän­di­gen Schwe­bens in der Glück­se­lig­keit, aber es ist halt das Leben in seiner gan­zen Viel­falt, wie Ein- und Aus­atmen.

Konzen­tra­tions­fä­hig­keit bleibt. Gedanken dür­fen kom­men. Sie sind weder ein schlech­tes Zei­chen noch wahr.

Und Wün­sche kom­men. Hun­ger ist der Wunsch nach Essen, Frie­ren ist der Wunsch nach Wärme. Alles ist völ­lig natür­lich. Nur ver­li­eren die Gedan­ken jede Glaub­wür­dig­keit, die behaup­ten zu wis­sen, wie das Leben (und damit ich) “eigent­lich” sein müsste. Und das Leben darf so sein, wie es jetzt gerade ist (als ob es jemals auf eine Erlaub­nis gewar­tet hätte!), mit allen Gedan­ken, Anspan­nun­gen und Ent­spannungen.

In dieser unbe­grenz­ten Erlaub­nis, in der Nicht-Identi­fi­ka­tion mit urtei­len­den Gedan­ken, sor­tiert sich das Erle­ben, Den­ken und Ver­hal­ten neu. Die Erkennt­nis ist nicht nur: “Da ist ja nie­mand”, nicht nur Abwe­sen­heit, sondern das Erle­ben, was statt­des­sen wirk­lich da ist: “Da ist Liebe.”

Die Aufmerksam­keit rich­tet sich immer mehr auf die Liebe aus wie Eisen­späne auf einen Mag­n­eten. In der Anzie­hungs­kraft der Liebe (“Weite, Unend­lich­keit, Eins­sein, Glück­se­lig­keit”) legt der Orga­nis­mus alte Mus­ter ab, die auf der Vor­an­nahme der Getrennt­heit gegrün­det sind. Der Blick bleibt immer mehr in der liebe­vollen Offenheit.

Das geschieht von selbst, aus Liebe zur Liebe. Mei­ner Erfah­rung nach wer­den nicht alle Mus­ter sofort und für immer abge­legt, son­dern in einem Lern­pro­zess: Das Leben lernt.

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Akzeptanz leben

Hallo Dittmar,

bei mir läuft es recht gut. Aller­dings gibt es auch immer wie­der viele unan­ge­nehme Zustände, die da auf­tau­chen. Aber ich lerne, auch diese zu akzep­tie­ren, da auch sie erlaubt sind. D.h. eigent­lich brau­che ICH sie weder erlau­ben noch akzep­tieren, denn wenn die Zustände auf­tau­chen, sind sie ja bereits da und müs­sen dem­zu­folge nicht mehr akzep­tiert werden. 🙂

Die Idee, dass unan­ge­nehme oder uner­wünschte Gedan­ken und Gefühle NICHT da sein soll­ten (oder dür­fen), macht eigent­lich alles nur schlim­mer. Wenn man eine gute Zeit hat und man sich wohl fühlt, ver­sucht man natür­lich mit allen Kräf­ten, die­sen Zustand zu erhal­ten (zu “kon­ser­vie­ren”). Das funk­tio­niert aber lei­der nicht. Wenn ein unan­ge­neh­mer Zustand auf­taucht, will man ihn so schnell wie mög­lich los wer­den. Auch das funk­tio­niert nicht. Der Zustand bleibt, so lang er eben bleibt.

Ich merke, wie sehr man durch die jahre­lange Suche und das viele Lesen von Spirit-Litera­tur, das Auf­suchen von Sat­sang-Lehrern usw. doch voll­ge­stopft ist mit Vor­stel­lun­gen, was das Erwa­chen angeht. Ich finde das auch bei dei­nem Gesprächs­kreis manch­mal etwas schwie­rig, da ich spüre, wie sehr manche an diesen Vor­stel­lun­gen hän­gen, dass nach dem Erwa­chen bestimmte Zustände nicht mehr aufzu­tau­chen haben. Ich sehe da eine Wei­ge­rung, mit DEM umzu­gehen, was DA ist. Wie siehst du das denn?

Im Moment beschäf­tige ich mich kaum mit diesem gan­zen “Erleuch­tungs­kram”. Ich beob­achte ein­fach das Leben. Von Moment zu Moment. Und ich sehe auch, wie die Gedan­ken immer wieder alles als “meins” in Besitz neh­men wol­len. Dabei hat das alles im Grunde über­haupt nichts mit “mir” zu tun. Und es sind halt auch ein­fach nur Gedan­ken, die auf­tau­chen und wie­der verschwinden. 

Herzliche Grüße


Liebe …,

das mit der Akzeptanz ist eine sehr interes­sante Frage.

Dass es kein “Ich” gibt, ist intel­lek­tu­ell sehr leicht zu ver­ste­hen – nur macht diese intel­lek­tu­elle Ein­sicht (mei­ner Ansicht nach) sehr wenig Unter­schied, son­dern ist ein­fach nur eine neue Phi­lo­so­phie mit den übli­chen Dogmen.

Ichlosigkeit wirklich zu erleben, das ist ein gro­ßer Unter­schied. Das heißt erle­ben, was durch Ich-Vorstel­lun­gen ver­schlei­ert wurde: diese abso­lute, all­ge­ge­nwär­tige, unbe­dingte, bedin­gungs­lose Liebe, die sich als alles manifestiert.

Es fällt nicht wirklich ein “Ich” weg (das ja nie exis­tiert hat), sondern der Glaube daran, die Gefühls­reak­tio­nen, als ob es ein Ich gäbe – sowohl im “eige­nen” Orga­nis­mus als auch in den “anderen”.

Was bleibt, ist das ErLeben als unge­teil­tes Gan­zes mit allen Erschei­nun­gen darin: Sinnes­ein­drücke, Gedan­ken … Ein Erle­ben, dass alle Erschei­nun­gen “innen” und “außen” Aus­drucks­for­men der­selben liebe­vol­len Leben­dig­keit sind.

Diese eine Leben­dig­keit in allem ist Liebe, Frieden, Frei­heit, diese gan­zen Hippie-Begriffe. Das ist meiner Auf­fas­sung nach das ein­zige, worauf es ankommt. Nicht intel­le­ktu­elle Klar­heit, sondern Liebe.

Zum Akzeptieren und zur Unnö­tig­keit des Akzep­tie­rens: Ja, was erlebt wird, ist schon da und war­tet nicht auf Akzep­tanz. Und ja, Ver­bote und “Sollte”s machen einen Zustand eher schlim­mer, ver­festigen ihn eher.

Die Abwesenheit von “Sollte”-Denken bedeu­tet aber weder Resi­gnation noch Passivität.

“Ich habe Hun­ger – mei, so ist es halt”, das ist ja nur dann sinn­voll, wenn es keine Möglich­keit gibt, an Essen zu kom­men, oder wenn man fas­ten will. Im Normal­fall heißt Akzep­tanz nur das Wahr­neh­men des Hun­ger­ge­fühls. Dann kann auf diese Wahr­neh­mung eine Hand­lung folgen, nämlich, etwas zu essen.

Oder “Ich habe immer wieder Rücken­schmerzen – mei, so ist es halt” im Gegen­satz zur (akzep­tie­ren­den, neu­gie­ri­gen, liebe­vol­len) Erfor­schung, wo die Schmer­zen sind, wann sie auf­tau­chen (bei wel­cher Bewe­gung /Hal­tung), ob es andere Bewe­gungs­mus­ter gibt, die den Schmerz nicht aus­lösen, usw.

Durch (z.B. Feldenkrais-) Experi­mente lerne ich sinn­vol­lere Bewe­gungs­mus­ter und dadurch habe ich viel weni­ger Schmer­zen als frü­her. Die Experi­mente begin­nen mit “Akzep­tanz”: mit Bewusst­heit über eine Bewe­gung und wie sie sich anfühlt. Dann pro­biert der Kör­per Vari­a­tio­nen aus, und wenn die sich besser = leich­ter anfüh­len, über­nimmt er sie. Viel­leicht nicht sofort in jeder Situ­a­tion, aber das Ler­nen des Neuen und Able­gen des Alten hat begonnen.

Wozu Zähne putzen, wozu Haare und Nägel schnei­den, statt sie zu akzep­tie­ren, wie sie sind? “Das Shirt passt mir nicht mehr /ist schmut­zig /zer­schlissen – naja, ich akzep­tiere, dass ich es trage” ist nicht wah­rer /freier /ich­loser /akzeptie­ren­der als “… und ich lege es ab.”

Was für diese körperlichen Bei­spiele gilt, stimmt meiner Ansicht nach genauso für mentale Erschei­nun­gen: Gedan­ken und Emotionen.

Manche alten mentalen Muster tau­chen bei mir immer noch auf, vor allem Bedin­gungen, wie andere Leute mich behan­deln soll­ten. Wenn so eine Bedin­gung ver­letzt wird (“He, rede nicht in so einem Ton­fall mit mir, unter­brich mich nicht! …”), dann kommt Wut auf und die Auf­merk­sam­keit ver­engt sich aufs Durch­set­zen der Bedin­gung. Ein Streit-Modus setzt ein, wodurch die Liebe und der Frie­den, die sonst als Grund­zu­stand da sind, in den Hinter­grund des Erle­bens gera­ten. Das fühlt sich schmerz­haft an. Und nicht wie ein kla­rer, ein­deu­ti­ger Aus­druck von Liebe, Frie­den und Frei­heit, son­dern wie Ärger, Kampf und Zwang.

Wenn ich schaue, wozu die­se Bedin­gun­gen ursprüng­lich über­nom­men wur­den, dann sehe ich, dass sie Liebe, Frie­den und Frei­heit ver­spro­chen haben, und dass die “Wehe-wenn!”-Mechanismen für die Durch­set­zung der Bedin­gun­gen kämp­fen, um Liebe, Frie­den und Frei­heit zu ermög­li­chen. Was sie errei­chen wol­len, ist genau das, was ohne Kampf schon da ist, und was im Kampf in den Hin­ter­grund gerät.

Diese Bedingungen werden nicht von “mir”, von keinem “Ich” gestellt und sind auch nicht für den Orga­nis­mus wichtig, son­dern sie sind ein­fach nur kon­di­tio­nierte Vor­stel­lun­gen, wie “es” sein sollte. Auto­ma­ti­sche Mus­ter, wie Selbst­schuss­an­la­gen. Und daher geht es nicht mehr darum, andere daran zu hin­dern, in die Licht­schran­ke zu lau­fen und die Selbst­schuss­an­lage aus­zu­lö­sen, son­dern darum, die Selbst­schuss­an­lage zu deaktivieren.

Das ist keine Arbeit und keine Tech­nik, sondern kommt von selbst durch die klare Erkennt­nis, was die Anlage/Bedin­gung bringt (Stress) und was sie kos­tet (Frieden).

Ich will einfach lieber feiern. Das heißt nicht, dass immer alles lus­tig sein muss, es gibt ja auch Trauer­feiern. Meinem Vater geht’s z.B. grad ziem­lich schlecht, da bin ich trau­rig und finde es völ­lig ok, sowohl was mit ihm geschieht als auch mein Gefühl dazu, das sehr fried­lich ist. Aber Streit fühlt sich wie eine Unter­bre­chung der Feier an, unfried­lich, “unangenehm”.

Und wenn ich schaue, welche Zustände unange­nehm sind, dann sind die immer die Reak­tion auf eine Bedin­gung, deren Nicht­er­fül­lung “unan­neh­mbar” scheint. Anders gesagt: Sie wei­sen auf einen ein­zi­gen Gedan­ken hin, der in vie­len For­men behaup­tet: “Es soll anders sein.”

Wendet sich die Aufmerk­sam­keit von ihrer liebe­vol­len, fried­lichen Quelle ab, um die­sem Gedan­ken zu die­nen? Oder sieht sie ihn mit liebe­vol­len, fried­li­chen Augen als die Ver­wir­rung, die er ist? Sieht sie, dass das Aus­agie­ren die­ses Gedan­kens “Es soll anders sein” Schmer­zen statt Freude bringt, dann hat der Gedanke keine Moti­va­tion, keine Ener­gie mehr.

Es fühlt sich ein­fach so viel bes­ser an, der Welt nicht vor­schrei­ben zu müs­sen, wie sie sein soll, son­dern sie frei zu las­sen und dadurch frei zu sein! Nicht aus ohn­mäch­ti­ger Resi­gnation, son­dern aus Liebe. Die Liebe gilt sich selbst, unab­hän­gig von Erschei­nun­gen. Und sie gilt dem Erschei­nen­den, frei von Bedingungen.

Das ist für mich ein neues /altes Krite­rium, ob die Situ­a­tion ein kla­rer Aus­druck von Liebe ist. Nach dem flash­igen ers­ten Erle­ben, dass kein Ich und keine wirk­liche Tren­nung exis­tiert, und dass nichts dazu gesche­hen muss, um einen “Zustand der Ich­losig­keit” zu errei­chen, war ich über Jahre fas­zi­niert davon, dass auch das Stellen von Bedin­gun­gen und die daraus resul­tie­rende Wut, wenn sie nicht erfüllt sind, genau­so Erschei­nungs­formen der­sel­ben Leben­dig­keit sind. Das sehe ich immer noch so. Aber ebenso wahr ist, dass es im Leben keine Stag­na­tion gibt und dass das Leben – vor allem in /als Menschen – immer weiter lernt und sich ent­wickelt. Dass es Behin­de­run­gen abstreift. Dass es alte Ver­hal­tens­wei­sen und Aus­drucks­for­men ablegt und schö­nere fin­det. Des­halb ler­nen Kin­der einen immer grö­ße­ren Wort­schatz, immer mehr Fähig­ke­iten, immer geschmei­di­gere Bewe­gung­smus­ter. Des­halb ler­nen Men­schen Musik­ins­tru­mente oder Yoga oder Tai Chi oder Knut­schen. Schöne, freie Aus­drucks­for­men der Liebe und Leben­dig­keit und Verbundenheit.

Dadurch wird keine “höhere Stufe” erklom­men, sondern ler­nende Intelli­genz lebt sich aus, sonst nichts.

Kleiner Nach­trag: Stel­len­weise habe ich in “So ist das”-Sprache geschrie­ben. Die Mail ist aber nicht als Emp­feh­lung gemeint, nicht als all­ge­mein­gül­ti­ges “So soll es sein”, son­dern als Beschrei­bung mei­nes Erle­bens, als Ant­wort auf die Frage, “wie ich es denn sehe”.

Liebe Grüße
Dittmar

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Die “Ich”-Vorstellung

Was in diesem Buch das “Ich” genannt wird, ist die Vor­stel­lung, vom Rest der Welt getrennt zu sein: ein eigen­stän­diges Wesen, das Ent­schei­dun­gen trifft und sie in die Tat um­setzt. Doch der Den­ker, Ent­scheider, Macher, für den wir uns hal­ten, exist­iert nur in Ge­dan­ken. Das “Ich” ist kein Wesen, sondern eine Akti­v­ität: eine Inter­pr­eta­tion, die alles Er­leben auf ein imagi­nä­res Zent­rum be­zieht. Dieses Zen­t­rum scheint allem “ande­ren” ge­gen­überzustehen.

Vom “Gegen­über”-Stand­punkt aus betrach­tet erscheint die Welt als Pro­blem. Wir sehen uns mit der Schwie­rig­keit kon­fron­tiert, dem Leben die Erfül­lung unse­rer Wün­sche ab­zur­in­gen: fest­zu­hal­ten, was das “Ich” stärkt, und fern­zu­hal­ten, was ihm nicht ins Kon­zept passt. Das “Ich” ver­spricht die Macht, das Leben wunsch­ge­mäß zu steu­ern. Aber der Preis für diese Vor­stel­lung ist, dass immer etwas zu feh­len scheint. Denn das “Ich” ist nur eine Fik­tion, und wenn wir uns auf eine Fikt­ion redu­zie­ren, dann füh­len wir uns unvoll­stän­dig und irgend­wie irreal.
Weil das “Ich” auf so wack­li­gen Bei­nen steht, ver­langt es viel Bestä­ti­gung und Liebe und ent­puppt sich über­haupt als sehr war­tungs­in­ten­siv. Es ist sein eige­nes Sor­gen­kind, stän­dig auf der Suche nach etwas “ande­rem”, das ihm Kraft und Sicher­heit ver­lei­hen könnte. Von der Erfül­lung seiner Bedin­gun­gen erhofft es sich das Ende sei­nes Lei­dens. Aber eigent­lich lei­det es unter der schein­ba­ren Tren­nung von allem “ande­ren”, die es nie über­win­den kann, weil es nur in der Illus­ion von Getrennt­heit und Eigens­tän­digk­eit besteht.

In der “Ich”-Vorstel­lung endet die Suche, wenn alle Wün­sche er­füllt sind. Aber hat das schon jemals funk­tio­niert? Wie lange dau­ert es, bis die Unzu­frie­den­heit wieder auf­flammt, die das “Ich” und damit die Suche in Gang hält? Es ist, wie wenn man einen Luft­bal­lon zusam­men­drückt: Die Luft darin ver­schiebt sich nur an eine andere Stelle. Wenn dieser Mecha­nis­mus durch­schaut wird, dann rich­tet sich die Ver­än­de­rungs­lust schnell auf das “Ich” selbst. Jetzt ver­sucht es, “bes­ser” zu wer­den (beson­ders spi­ri­tu­ell, beson­ders lie­bev­oll …) oder sich im Stre­ben nach Erleuch­tung sogar ganz auf­zu­lösen.
Aber wenn die Suche auch nur für einen Moment auf­hört, dann zeigt sich etwas Über­ra­schen­des: Was gesucht wurde, ist schon hier – die Prä­senz, in der alles er­lebt wird. Alle Bedin­gun­gen und Vor­be­halte, die ans Er­leben gekop­pelt waren, ver­lie­ren ihre Bedeu­tung, und die Gegen­wart, so wie sie gerade erscheint, wird als Erfül­lung erkannt. Die Liebe, die immer gesucht und meis­tens über­se­hen wurde, ist das Er­le­ben selbst! Nichts Be­son­de­res, sondern alles.

(aus “Problemzone Universum – Vorhang auf für die Ich-Vorstellung”)Nondualität, Nicht-Dualität: Problemzone Universum (Cover)

Aus allem schaut dasselbe

Lieber Dittmar,

1.) Zum Thema: Die Erfah­rung zu haben, alles zu sein. Da höre ich dich gleich sagen: “Das ist auch nur eine von vie­len Erfah­run­gen.” 🙂 Also ich höre es immer wie­der mal, dass Men­schen sagen, sie hät­ten diese Erfah­rung. Mir kommt sie sehr erstre­bens­wert und sehr ver­lo­ckend vor. Wür­dest du sagen, dass es eine Erfah­rung ist, die kommt und geht und uner­heb­lich für das Erwa­chen ist? (Bei der Frage merke ich natür­lich ein “Haben wol­len” bzw. ein “Hin­kom­men wollen”.)
Ich frage mich manch­mal, ob diese Erfah­rung nicht ein­fach so geschieht, wenn sich “Bewusst­sein bewusst bewusst ist”, wie du es mal so schön aus­ge­drückt hast. Also eine Erfah­rung, die “ich” öfters mache. Doch meis­tens denke ich doch, dass es eine beson­dere Erfah­rung ist. Am Anfang meiner Sat­sang-Zeit hatte ich ja auch öfter beson­dere Erfah­run­gen davon, jeman­den anzu­se­hen und das Gefühl zu haben, ich schaue mich an oder das Sehen, dass das Gött­li­che durch alle Men­schen schaut und alle Aus­druck des Gött­lichen sind.

Das führt mich gleich zu der zwei­ten Frage:

2.) Du erwähn­test beim letz­ten Gesprächs­abend die Erfah­rung, dass aus allem das­selbe schaut … Ich bin mir gerade nicht sicher, ob ich da weiß, was du meinst. Ich sehe es so, dass das wie­der etwas ande­res ist als meine Erfah­rung damals. Und mein Gefühl ist, dass diese Erfah­rung mir irgend­wie auch ver­traut ist – wenn ich der Fein­heit der Erfah­rung traue … Wie ist deine Erfah­rung dazu ?

3.) Die dritte Frage ist nicht so leicht zu for­mu­lie­ren – aber ich ver­such’s mal: Wenn du sol­che Sachen sagst wie: “Statt Gedan­ken zurück­wei­sen lie­ber dem ver­trauen, was jen­seits der Gedan­ken ist” oder “Glück ist, wenn die Gegen­wart inte­res­san­ter ist als das, was gedacht wird”, dann liebe ich das! Aber ist da nicht auch bei mir der Ich-Gedanke am Werk, der sieht, dass es bes­ser ist, mit der Auf­merk­samk­eit in der Gege­nwart zu ruhen? Oder ist es eher so gemeint, dass das von dir (als ein Aus­druck des Lebens) gesagt wird und dann von uns (als Aus­druck des Lebens) gehört wird? Das soll hei­ßen, dass es das Leben zum Leben sagt…..

Ganz liebe Grüße


Lieber …

Das Erleben, dass da nur Eins ist, das sich in unend­lich vielen For­men zeigt, IST das Erwa­chen (in meiner Beschrei­bung). Dass alle “ande­ren”, alle Empfin­dun­gen, Wahr­neh­mung­en, Gedan­ken usw., alles Aus­drucks­for­men des­sel­ben Abso­lu­ten sind. Aus­druck der einen lie­be­vol­len Leben­dig­keit, die alles erfüllt, alles ist. Das wird klar und fühl­bar, sobald sich die Auf­merk­sam­keit dem Bewusst­sein zuwen­det und “Bewusst­sein bewusst bewusst” ist. “Alles ist Das”, “alles ist Ich”, “alles ist Du” … das ist alles das­selbe.

Wenn die Auf­merk­sam­keit sich auf  eine spe­zielle Erschei­nung­(sform) kon­zen­triert, dann kann dieses Erken­nen des Einen als Eins in den Hin­ter­grund tre­ten. Aber es erscheint nie “anders”, nie als ob etwas die Getrennt­heit bestä­ti­gen würde oder die Illu­sion glaub­haft machen würde. Das, was “andere” anschaut, ist das­selbe, was durch sie zurück­schaut. Was schaut ist was schaut. Da ist nur Schau(en). Die Erfah­rung ist ver­traut und immer wie­der ganz neu, nie “Jaja, ich weiß schon”; sie “bleibt” ein­zig­ar­tig und nutzt sich nicht ab. Und sie ist nie “weg”, sondern manch­mal im Hin­ter­grund und manch­mal im Vor­der­grund des Erlebens.

Ich erkenne kein­en Unter­schied zwi­schen Frage 1.) und 2.), viel­leicht hilfst du mir da auf die Sprünge?

Frage 3.) Ja, das Leben sagt es zum Leben. 🙂
Wenn jemand sagt: “Weißt du, was super schmeckt? Wenn du ein Fit­zel­chen Zitron von Schale in den Espresso tust!” (Bonus­frage: Zitat aus wel­chem Film?), dann kann der Gesprächs­part­ner sagen:
a) “Ok, das probiere ich mal aus!”
b) “Stimmt, das ist auch meine Erfah­rung!” / “Mir schmeckt das gar nicht!”
c) “Ich will das nicht aus­pro­bieren!”
d) “Aber da ist ja niem­and, der das aus­pro­­bieren kann!”

Bei Antwort d) weißt du: Der hat Advaita­bücher gelesen.
Natür­lich kön­nen Empfeh­lun­gen hilf­reich sein! Natür­lich brau­chen sie kein “Ich”, um aus­pro­biert zu wer­den! Und natür­lich kann ein “Ich”-Gedanke sie sich aneig­nen, so wie er sich alles aneig­nen kann, auch den Gedan­ken “Da ist ja nie­mand, der das aus­pro­bie­ren kann! … und ich bin jemand, der das erkannt hat.” Aber Aus­pro­bie­ren kann gesche­hen und geschieht.
Es stimmt auch, dass Empfeh­lun­gen die Illu­sion eines Machers ver­stär­ken kön­nen – vor allem wenn es um angeb­liche Schritte geht, die der Macher tun kann, um seine Abwe­sen­heit zu erkennen.

Die Beschrei­bung, dass die Gegen­wart inte­res­san­ter ist als die Gedan­ken, lenkt die Auf­merk­sam­keit auf eine ein­fa­che und sofort über­prüf­bare Tat­sa­che, so wie die Aus­sage: “Da ist die Schwer­kraft, sie ist spür­bar.” Die Aus­sage kann gedank­lich auf­ge­fasst wer­den: “Ok, das werde ich bei Gelegen­heit mal anwen­den!”, oder erlebt wer­den. Gedank­lich auf­ge­fasst ist es halt nur ein Gedanke mehr.
Erlebt ist es ein Erken­nen der Wirk­lich­keit. Ein Erken­nen der Liebe im Moment und zum Moment, ein Wieder-Erken­nen der Liebe dies­seits und jen­seits von Gedan­ken. Und ein momen­ta­nes Los­las­sen der Gewohn­heit, Gedan­ken mehr zu ver­trauen als dem ErLeben. Liebe, Frie­den, Frei­heit sind im gegen­wär­ti­gen Schauen. Das ist, was alle wollen. Nur suchen viele in Gedan­ken nach Wegen, die zu Liebe, Frieden und Frei­heit füh­ren. Die Reak­tion auf “Schau!” ist Schauen (ohne “jeman­den, der schaut”) … oder eben Gedan­ken, die be­grün­den, warum Schauen nicht möglich /nicht nütz­lich /nicht nötig ist.

Eins noch zum Haben-Wollen: Tau­send Beschrei­ber beschrei­ben ihr Erle­ben auf tau­send Arten. Ich habe mal von einem gele­sen, der seit dem Erwa­chen alles in glei­ßen­dem Licht sieht, was beim Schla­fen läs­tig sein könnte. Das ein­zige Kri­te­rium, das ich inte­res­sant finde, ist: Ist es Liebe, dann ist es Wach­heit. Alles andere ist egal.
Natür­lich will jeder Liebe erle­ben, weil er Liebe ist.

Liebe & Grüße!
Dittmar

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